Whistleblower – denn sie trauen sich, was zu tun…

Was sich Miroslav Strecker getraut hat, ist mutig: Der LKW-Fahrer hat beobachtet, wie Gammelfleisch umetikettiert wurde und es sofort der Polizei gemeldet. Über die Konsequenzen hat der Mann nicht lange nachgedacht. Ich vermute, dass die Gammelfleisch-Mafia nicht gerade zimperlich ist, was den Umgang mit "Verrätern" betrifft. Ein mutiges, schnell entschlossenes Handeln und so notwendig: Menschen, die das eigene Gewissen zur Not auch über die persönliche Sicherheit stellen. Und ein Sieg des kategorischen Imperativs von Kant, nach dem jeder stets so handeln sollte, dass sein Handeln Grundlage einer allgemeinen Gesetzgebung sein könnte.

Nicht so verhalten haben sich ganz offensichtlich eine Reihe von Studenten der Universität Hannover, an der der Sex-Professor über Jahre hinweg bessere Noten gegen gewisse Dienste verteilte und sich auch für Promotionen kaufen ließ. Schwer vorstellbar, dass da keiner etwas mitbekommen hat, auch keiner der Kollegen.

Whistleblower sind Menschen, die Mißstände und Rechtsbrüche im eigenen Unternehmen oder der Behörde nicht nur beobachten, sondern selbst aktiv dagegen werden. Menschen, die zur Not auch ihr eigenes Gewissen über Sicherheit und die eigene Position stellen. Ob Volkswagen-Affäre oder EU-Behörde: Skandale deckten oft die eigenen Mitarbeiter auf. Dabei gilt es, den richtigen und individuell passenden Weg zu finden, um dem Mißstand entgegen zu wirken.

Meine Empfehlung:

  • Klären Sie für sich, ob Sie ein bestimmtes Handeln in Ihrem Unternehmen mit Ihrem Gewissen stützen können oder nicht.
  • Unterscheiden Sie für sich zwischen gesetzlichen Verstössen und Verstössen gegen die Moral. Beides ist schlimm, aber Verstösse gegen die Moral müssen oft sehr viel genauer angeschaut werden. Bei Mobbing etwa muss man sich die Frage stellen, wo es anfängt: Meiner Ansicht nach dort, wo es bewusst und strategisch betrieben wird.
  • Kreisen Sie das "Delikt" für sich ein und ordnen Sie es zu, etwa dem Bereich der Bestechlichkeit.
  • Informieren Sie sich über die gesetzliche Lage.
  • Klären Sie, ob es in Ihrem Unternehmen Anlaufstellen gibt, z.B. Ombudsmänner.
  • Sammeln Sie andere Anlaufstellen, z.B. Vereine und Verbände, die sich für ein Thema engagieren. Oft haben diese Hotlines.
  • Entscheiden Sie sich für die Vorgehensweise, die am ehesten dazu beitragen wird, dass die Vorkommnisse gestoppt werden können, ohne dass Sie selbst oder Ihre Familie gefährdet werden. (Oft bringt z.B. die Information der Presse einen Stein ins Rollen – vor allem wenn Ämter oder die Polizei nichts tun können).

Oliver Gassner griff das aktuelle Thema gestern in seinem Blog auf. Mehr Infos und eine Anlaufstelle bietet das Whistleblower-Netzwerk.

Svenja Hofert

About Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden, ein halbes Leben Coaching, Beratung, Ausbildung. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

Über Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden, ein halbes Leben Coaching, Beratung, Ausbildung. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

Ein Kommentar zu “Whistleblower – denn sie trauen sich, was zu tun…

  1. Pingback: Karriereblog von Svenja Hofert – Die Expertin für neue Karrieren

Schreiben Sie einen Kommentar!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*

Artikel zu ähnlichen Themen: