Kreativ bewerben – aber bitte mit Köpfchen!
Erst einmal: Was ist überhaupt kreativ? Und da schon hier jeder seine eigene Interpretation einbringt, gibt es Missverständnisse. So wie jenes weit verbreitete, dass ein Buchhalter nicht kreativ sein kann.
Kreative Bewerbungen sind für mich Bewerbungen, die einen eigenen Ansatz finden, den Entscheider zu erreichen. Genau, richtig gehört: Es geht darum, jemanden zu ERREICHEN, in dem Fall den Personaler oder, besser den Fachentscheider. Meist sogar beide: Die beste kreative Bewerbung kommt am Personaler vorbei und schlägt dann beim Fachentscheider ein. Denn beide, das machen sich die wenigsten bewusst, haben oft unterschiedliche Interessen und Entscheidungskriterien. Der eine (Personaler) handelt checklistenorientiert (ist alles vorhanden, was gefordert ist, passts zum Unternehmen?), der andere (Fachentscheider) möchte für sein Team den/die Besten. So ist die Situation bei allen größeren Unternehmen und das bedeutet: zwei Fliegen, eine Klappe. Kreativität bei kleineren, Personalerfreien Unternehmen ist damit einfacher: dort geht es nur darum, eine Person zu gewinnen, und die ist auch weniger an Formalismen interessiert. Man darf hier noch mehr Anders-Sein.
Das Erreichen ist das Ziel, und das schränkt die Möglichkeiten ein. Die meisten Bewerber denken darüber nach, wie sie Kreativität zeigen können, nicht aber wie sie Ihre Adressaten erreichen. Dafür muss man sich die Bedürfnisse des und der Adressaten vor Augen halten – und dazu gehört nun mal, möglichst auf den ersten Blick zu sehen, ob jemand passt. So ist es kreativ, die Argumente für Passgenauigkeit mit Beispielen und Erfolgen herauszuarbeiten – anstatt einfach Lebenslaufdaten zu wiederholen.
Ein Bedürfnis ist es auch, den Lebenslauf schnell zu verstehen. In meiner Praxis höre ich immer wieder, dass Bewerbungen auf Super-Feedback stoßen, wenn sie einfach nur in einer normalen, lebendigen Sprache verfasst sind, die die Persönlichkeit unterstreichen. Das sieht nicht kreativ aus, ist es aber. Versuchen Sie einfach einmal, Worthülsen wie „kommunikativ“ zu übersetzen. Fragen Sie sich dazu, was „Ihr“ kommunikativ bedeutet und woran es sich zeigt. Das schreiben Sie es hin. Und fragen Sie nicht: „Kann man das?“ Man kann.
Auch optische Kreativität wird gern falsch verstanden. Wie sonst auch steht hier Frage „Wie erreiche ich..?“ am Anfang. Sie erreichen durch Wiedererkennbarkeit und Unterscheidbarkeit (von anderen). Eine kleine farbige Linie, eine andere Schriftart ist schon kreativ – oder die Wahl der Mappe. Dreigeteilte „Mappenmonster“ empfehlen nur die Schreibwarenbedarfsläden, weil sie damit Geld verdienen. Der Entscheider freut sich über Transparenz (in dem Fall der Mappe). Da sieht er nämlich sofort, dass die Unterlagen von Ihnen sind…und das ist ganz schön praktisch.
Svenja Hofert



3 Kommentare
Minimalismus in der Form und Substanz im Inhalt sind meist das bessere Rezept. Kreativität lässt sich durch kreative Leistungen in der Vergangenheit oder durch entsprechendes Engagement oft überzeugender belegen. Aber das ist meine Meinung und das, was ich so von Personalern höre, die besonders ausgefallene Mappen eher ablehnen.
Bewerbungen sollten doch eigentlich an das Unternehmen angepasst werden, insbesondere auf die Position, für die man sich bewirbt, abgestimmt sein.
Wenn man sich als kreativer Kopf in einer Werbeagentur bewirbt, kommt ein kreativer, vielleicht sogar ausgefallener Ansatz doch besser an, als eine standardisierte Bewerbungsmappe ohne besondere Details….
Ich finde, viele Tipps zum Thema Bewerbung werden auf http://www.backinjob.de sehr gut behandelt, es lohnt sich, dort man reinzuschauen!
genau so sehe ich das auch. mit der Kreativität sollte man es nicht übertreiben. Einen gewissen Grad an Seriösität sollte man schon waren.
bewirbt man sich bei einer Anwaltskanzlei oder einem großen Wirtschaftsunternehmen wird es bestimmt nicht entscheidend sein, ob man nun eine farbige Linie in seine Bewerbung einbaut oder nicht. In solchen berufen zählen letztendlich nur die Qualifikationen.
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