Kolumnen zu Karriere, Führung und Entwicklung

Trotz AGG: Bewerber bewerben sich mit Fotos

By | 2008-06-04T09:59:52+00:00 4. Juni 2008|

Eigentlich verbietet das Allgemeine Gleichstellungsgesetz (AGG) die Benachteiligung von Bewerbern nach Aussehen, Hautfarbe, Alter, Geschlecht etc. Fotos indes betonen Entscheidungskriterien, die eigentlich nicht relevant sein dürften. Aus diesem Grund sind in den meisten Ländern, etwa Frankreich Fotos unüblich. Dennoch setzen Bewerber in Deutschland weiter auf Fotos. Auf der anderen Seite aber fordern auch Unternehmen die Bilder ein (siehe z.B. mein Bericht in der Computerwoche, Beispiel IDS Scheer). Meine Meinung: Unternehmen müssen Bewerber explizit und deutlich auffordern, auf Fotos zu verzichten – dann wird auch auf Bewerberseite ein Umdenken erfolgen und auch die Bewerbungsratgeber werden umgeschrieben werden müssen. Im Moment haben Bewerber aber noch viel zu viel Angst vor einer Benachteiligung aus genau dem Grund, der Diskriminierung eigentlich ausschließen soll: das fehlende Foto.

Svenja Hofert

Hier ein Auszug aus einer Meldung von Stellenanzeigen.de zum Thema:

"In den USA ist die Bewerbung ohne Bild längst der Normalfall. Auch in deutschen Personalabteilungen setzt sich aufgrund des im August 2006 verkündeten AGG immer mehr die Tendenz durch, von den Bewerbern kein Foto mehr zu verlangen. Das entspricht einer Empfehlung vieler Arbeitsrechtler hierzulande, der die Personalabteilungen folgen. Während einige sich darauf beschränken, den Passus „mit Lichtbild“ aus ihren Anforderungen an eine vollständige Bewerbung zu entfernen, raten andere gar ausdrücklich „unnötige persönliche Informationen wie ein Lichtbild“ nicht mitzuschicken oder in die Online-Bewerbung hochzuladen.

Eine aktuelle Umfrage von stellenanzeigen.de deutet jetzt darauf hin, dass Recruiter in den meisten Fällen weiterhin Porträtaufnahmen der Bewerber betrachten können, auch wenn sie diese nicht ausdrücklich verlangen. 71,9 Prozent der befragten Fach- und Führungskräfte würden demnach auch dann ein Bild bei ihrer Bewerbung mitschicken, wenn der Arbeitgeber dieses nicht ausdrücklich einfordert. 12,9 Prozent stimmten der Aussage zu „Wer kein Foto verlangt, bekommt in der Bewerbung auch keines von mir“. 15,2 Prozent machen die Entscheidung für oder gegen ein Bewerbungsfoto „vom jeweiligen Job oder Arbeitgeber“ abhängig. An der Online-Umfrage nahmen rund 1.200 Fach- und Führungskräfte teil.

Von den 5.000 aktuellen Profilen, die Fach- und Führungskräfte in der Online- Bewerberdatenbank von stellenanzeigen.de hinterlegt haben, weist derzeit über die Hälfte ein Foto auf. „Das ist ein weiterer Hinweis darauf, dass die meisten Bewerberinnen und Bewerber in Deutschland trotz des AGG ein Bild als festen Bestandteil der eigenen Präsentation bei Arbeitgebern betrachten“, sagt Michael Weideneder, Geschäftsführer von stellenanzeigen.de."

Mehr Info: http://www.stellenanzeigen.de/umfrage

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides? Biografie | Unternehmen

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