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Internet World Kongress 2008: Warum wir das mit den Videos völlig falsch sehen
Am 22.10.2008 war ich Referentin auf dem Internet World Kongress: vormittags Teilnehmerin einer Diskussionsrunde über Personalentwicklung in der digitalen Wirtschaft unter der Leitung von BVDW-Vizepräsident Harald R Fortmann, nachmittags Moderatorin einer Gesprächsrunde über eines der wichtigsten Karrierethemen, gerade angesichts der Finanzkrise: über das Thema "Gehalt ist (nicht) alles". Den Inhalt der Vormittagsrunde hat der Blogger Martin Emmerich akribisch nachgezeichnet – danke (hat mich gefreut, dass wir uns einmal persönlich die Hände schütteln konnten).
Nachdenklich gemacht hat micht eine Nachmittags-Diskussionsrunde mit Lutz Altmann von Humancaps (einem Personalberater der sehr sympathischen Sorte, nebenbei gesagt). Im Rahmen einer Gesprächsrunde über Web 2.0-Recruiting kam das Thema Bewerbungsvideos zur Sprache. Ich war bisher immer der Ansicht, dass Bewerbungsvideos, wenn man sie überhaupt einsetzt, entweder sehr kreativ oder extrem professionell und damit teuer sein müßten. Entsprechend verhalten bin ich gegenüber Webcam-Angeboten wie CVone. Doch eine teilnehmende Amerikanerin legte dar, dass es in den USA längst üblich sei, Bewerbungen mit Videos zu verschicken – und zwar mit ganz normalen Videos aus der Webcam. Also nix da mit Profi-Schnickschnack. Ohne vorheriges Auftrittscoaching. Ist das nicht kontraproduktiv? Sie meinte, nein: Sowohl HR-Verantwortliche als auch Bewerber würden diese Form der Bewerbung als normal ansehen. Ich fragte, ob dies die Anti-Diskrimierung (in den USA ist kein Foto üblich) nicht aushebele, da man nun ja sofort sehe, ob jemand schwarz, weiß, alt, jung, attraktiv oder weniger attraktiv sein. Sie antwortete: Auch jemand, der weniger attraktiv sei, könne durch ein sympathisches und natürliches Video punkten. Bleibt das Problem, dass es eine Menge Leute gibt, die ohne Training auch nicht sympathisch und erst recht nicht natürlich rüberkommen, wenn man die Kamera auf sie hält.
Ich habe die vollkommen irritierten Blicke der anwesenden Personaler(innen) genau beobachtet. Und mir war klar: Nein, bei uns läuft das so noch lange nicht. Wir sind das german Bewerbungsfoto-Land. Wir investieren hunderte Euros in gestylte Portraitfotos, die aus jedem Durchschnittsbürger ein Model machen. Ich habe das nie gut gefunden – war aber als Karriereberaterin immer gezwungen, Bewerbern zu empfehlen, zum Profi-Fotografen zu gehen. Weil die anderen das auch machen. Und weil es nur manchmal sinnvoll ist, etwas anders zu machen als die anderen. Nein, Webcam-Videos würden bei uns einfach nicht funktionieren. Uns fehlt dieses Unkomplizierte – sowohl den Bewerbern als auch den Personalern, die nicht einfach sagen können "ja, cooles Video, mit dem probier ich´s, kommt gut rüber der Mann". Andrerseits: Gerade verändert sich eine ganze Generation. Die derzeitigen Personaler(innen) sind über 30. Aber was passiert, wenn die jüngere Generation nachrückt, die StudiZler und Youtubler, die ganz locker ihre Netzwerke offen legen und sich frei im Internet und in Videos bewegen? Dann könnte die american-style-Bewerbung bei uns vielleicht doch die Zukunft sein.
Svenja Hofert
26. Oktober 2008 2 Kommentare - Aktuelles - Permalink
Wird die Finanz- zur Arbeitsmarktkrise und wie überlebe ich dann?
Einstellungsstopp bei SAP. Kurzarbeit in der Automobilbranche. Wird die Finanz- zur Arbeitsmarktkrise? Dass die laut Angela Merkel größte Wirtschaftskrise seit den 1920er Jahren Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben wird, scheint Fakt. Doch wie groß diese sein werden, darüber streiten die Experten.
Direkt betroffen sind derzeit Werbebranche und Medien. Gestern teilte Gruner & Jahr mit, dass man sich von 60 Mitarbeitern trennen würde. Das ist einmalig: der Verlag ist dafür bekannt, selbst in den Krisenjahren 2001-2004 nicht entlassen zu haben. Am 14. Oktober zitiert der amerikanische Blog Portfolio Mitarbeiter, die eine Entlassungswelle beim amerikanischen Medienkonzern Viacom (Nickelodeon, MTV) voraussagen.
Es gibt aber auch indirekte Auswirkungen. Immer wieder höre ich derzeit, dass die Finanzkrise als Begründung für ein geringeres Einstiegsgehalt oder für die Ablehnung einer Gehaltserhöhung zitiert wird. Zudem werden zugesagte Praktika abgesagt oder geplante Einstellungen verzögert.
Doch wie verhalten in der Finanzkrise? Meine besten Tipps für Sie:
· Halten Sie sich zurück mit apokalyptischen Prognosen und zitieren Sie gegenüber dem Arbeitgeber jetzt nicht gleich Karl Marx. Das Unternehmen will und braucht Optimisten – ganz genau wie die Börse.
· Wechseln Sie derzeit nur, wenn Sie wirklich sicher sind, es beim neuen Arbeitgeber besser zu treffen. Eine alte Regel lautet: Die letzt (eingestellten), werden die ersten sein, denen man kündigt.
· Fragen Sie, wenn Sie doch wechseln wollen oder müssen, das neue Unternehmen nach seinen Strategien in der Finanzkrise. Springen Sie nur auf dynamische Motorschiffe und nicht auf sinkende Dampfer.
· Arbeiten Sie nicht still vor sich hin, um bloß nicht aufzufallen. Kommen Sie aus der Defensive: Bringen Sie Ideen, Vorschläge, seien Sie konstruktiv in der Krise, kommunizieren Sie Erfolge.
· Fordern Sie eine offene Kommunikation von Ihren Vorgesetzten. Sprechen Sie es an, wenn Sie das Gefühl haben, dass sich hinter verschlossenen Türen etwas zusammenbraut.
· Beobachten Sie die Entwicklungen in Ihrem Unternehmen sehr genau. Bewerben Sie sich lieber früher als später woanders, wenn Sie merken, dass sich eine langfristig negative Entwicklung anbahnt.
· Analysieren Sie Ihr Profil und Ihren Marktwert. Wenn Sie wissen, wo Sie stehen, werden Sie der Krise auch gelassener begegnen können – und können Maßnahmen ergreifen.
· Steigern Sie Ihren Marktwert durch Weiterbildung. Gut ausgebildeten Fachkräften kündigt man nicht so schnell.
· Nicht einschüchtern lassen: So lange das Unternehmen nicht direkt von der Krise betroffen ist, gibt es keinen Grund für Gehaltskürzungen. So wie Mitarbeiter Ihre Gehaltserhöhung niemals mit zu hohen Kraftstoffpreisen argumentieren sollten, sollten Unternehmen die Finanzkrise außen vor lassen. Es geht um Leistung, sonst nichts.
17. Oktober 2008 Keine Kommentare - Aktuelles - Permalink


