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Es schreibt: Svenja Hofert, www.karriereundentwicklung.de

Die Geschichte der Bewerbung

…ist eine Geschichte voller Mißverständnisse. Gestern habe ich beim Ausmisten alter Regale Bewerbungsratgeber aus vier Jahrzehnten gefunden. Der älteste stammt aus den 70er Jahren. Der Autor, Hans Friedrich, war ein Vorläufer von Hesse/Schrader. Bis in die 1990 Jahre wurden seine Bücher weiter aufgelegt.

Eine kleine Revue durch fast 40 Jahre Bewerbungsratgeberliteratur:

  • 1970er: Der Lebenslauf ist noch durchgängig handschriftlich und oft im Fließtext verfasst sowie maximal eine Seite lang. Wer einen maschinengeschriebenen Lebenslauf erstellt, soll eine Schriftprobe beiliegen. Studienabbrüche etc. werden deutlich erklärt. Elternberufe werden ebenso erwähnt wie die Mädchennamen der Mütter. Auch wer geschieden ist, soll das sagen. Überraschung: Schon damals rät der Autor von Floskeln wie "bezugnehmend auf Ihr Inserat" ab, verdammt diese als Beamtendeutsch und rät statt dessen zu einem Einstieg wie "ich bewerbe mich um eine Stelle als…". Überraschung 2: Der Autor rät zu Notlügen, um Lücken zu kaschieren.
  • 1980er: Die handschriftliche Variante wird langsam durch einen getippten Lebenslauf ersetzt, die tabellarische Form setzt sich durch. Lebensläufe werden länger. Es zeigen sich Formen der Angloamerikanisierung, da erstmals auch "Job Descriptions" und Erfolge in die Unterlagen einziehen.
  • 1990er: Hesse/Schrader erfinden das Selbstmarketing mit zahlreichen Neuerungen: Lebensläufe dürfen 2-3 Seiten sein, eine dritte Seite wird von Fall zu Fall empfohlen, Deckblätter machen sich breit. Gegen Ende der 90er werden auch die Fotos immer größer. Aus dem ehemaligen Lichtbild wird ein Portraitfoto.
  • 2000er: Die Online-Bewerbung setzt sich seit etwa 1998 langsam durch. Der große Umbruch kommt aber erst ab 2002 und dann noch mal ab 2006. Ab 2002 akzeptieren große Unternehmen wie Siemens alle drei Bewerbungsarten (E-Mail, Online-Formular, Post) gleichwertig und behaupten, keine Form zu bevorzugen. Ab 2006 werden die Ansagen eindeutig: Nur noch über das Online-Formular sagen heute viele große. Die E-Mail-Bewerbung wird vor allem von mittleren und kleineren Firmen bevorzugt. Ein Grund für den Siegeszug ist auch das Allgemeine Gleichstellungsgesetz AGG, das den Unternehmen Dokumentationspflichten auferlegt, die mit digitalen Dokumenten leichter zu erfüllen sind.

Und wie wird es weiter gehen? Das Internet, so ist meine These, wird das bisherige Bewerbungsverfahren auf den Kopf stellen. Menschen kommunizieren ganz anders miteinander, Networking und Empfehlungen bekommen eine neue Bedeutung. Richtige Bewerbungen wird es deshalb immer seltener geben – die Menschen lassen sich lieber im Internet finden.

Svenja Hofert

Suchwörter: Geschichte der Bewerbung, Seite 3, Seite Drei, Online-Bewerbung, Hesse/Schrader

2 Kommentare

1 sevenjobs { 07.01.09 um 21:00 }

Das ‘im Internet finden’ wird häufig unterschätzt, denn das Internet vergißt nichts. ich wundere mich oft, mich welcher Offenheit Leute in ihren Blogs z.B. fremdenfeindliche Reden schwingen, die ihnen beim nächsten Bewerbungsgespräch natürlich unter die Nase gerieben werden: “Wie stellen sie sich vor mit unseren ausländischen Mitarbeitern zusammenzuarbeiten?” Nichts ist einfacher als den Namen eines Bewerbers zu googlen.

2 blogfeuer { 28.01.09 um 21:22 }

Schoener Artikel!
Aber ich muss auch im Jahr 2009 sagen… Es gibt noch viele Firmen, die mir in meiner alten Bewerbungsphase woertlich am telefon sagten “Schicken sie es per post – alles andere wird nich gelesen”…
UND zum Thema Online_bewerbungen als PDF oder im Bewerbungsplattformen — vieles geht da echt unter – aus eigener Erfahrung.
Deswegen spaetestens nach 1-2 Wochen nach dem Erhalt fragen!
Das gilt nicht unhoeflich.. Wenn Firmen es nicht schaffen, ne Bestaetigung automatisch zu generieren oder auch haendisch zu verschicken, müssen sie mit Nachfragen rechnen.

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