Kolumnen zu Karriere, Führung und Entwicklung

Wenn der Traumjob ein Phantom ist I

By | 2010-02-07T10:55:13+00:00 7. Februar 2010|

Viele jagen Ihren Traumjob hinterher. Sehr oft handelt es sich dabei um ein Phantom, dem mit zahlreichen Berufsfindungsbüchern auf den Grund gegangen wird. Denn: Was der Traumjob ist oder wie er heißt, wissen diese Menschen nicht. Ich gehe weiter und behaupte: Es gibt ihn meist gar nicht. Die allermeisten Menschen können in vielen und sogar unterschiedlichen Jobs glücklich werden, manche nur zeitweise, weil ihr zentraler Antrieb die Veränderung ist. Viele gestehen sich das aber nicht ein und denken, sie müssten doch…sesshaft werden, einen roten Faden im Lebenslauf haben oder beruflich weiterkommen. Müssen sie nicht. Wer den Lebenslauf für Unternehmen oder seine Bekannten strickt, bleibt selbst auf der Strecke.

Entscheidender als DER eine Traumjob ist sehr, sehr oft das Umfeld. Damit meine ich Chefs, Menschen um einen herum, Arbeitsbedingungen oder auch die Kunden. Es kann sein, dass ein Mensch im selben Job mal zufrieden und mal unzufrieden ist – und der wahre Grund für Unzufriedenheit liegt zum Beispiel im Chef, der die Arbeit nicht schätzt oder auf einer ganz anderen Wellenlänge denkt. Gerade für Menschen mit hoher Anerkennung im Reiss-Profil ist eine feedbackorientierte Kultur wohlfühlwichtig. Das Problem ist, dass Karrieremacher im alten Sinn (also jene, die nur Leitern hochklettern wollen) oft selbst nicht feedbackorientiert sind. Und wer selber kein Feedback braucht, gibt auch keines. Oder nur nach dem Führungskräfteseminar für Fortgeschrittene, dessen Kern-Erkenntnisse auch schnell ad acta gelegt werden.

Auch die Umgebung kann Unzufriedenheit auslösen: Wenn Freunde mit Begeisterung zur Arbeit gehen, man selbst aber eben nur seinen Job macht, führt dies zu einem Gefühl zwischen stiller Bewunderung und Neid. Es gibt aber Menschen, die so eine starke Job-Motivation wie die neidvoll beobachteten Freunde nie entwickeln, weil ihnen Dinge wie das Privatleben, Sport oder die Kinder wichtiger sind. Daran ändert dann auch ein Jobwechsel nichts. Die Suche nach dem Traumjob ist auch bei ihnen oft die Suche nach einem Phantom.

Glückliche Berufssucher sind oft neugierige und wissensorientierte Menschen. Idealerweise haben sie nur ein brennendes Wissensinteresse.  Ein bunter Strauß an Interessen macht es wieder schwierig für sie. Ein Beruf, in dem sie mit Wissen arbeiten, ist für sie top. Unzufriedenheit löst dann eher aus, dass das Wissen nicht anerkannt wird, oder Wissen auf diesem Niveau gar nicht gebraucht wird. Weil echte Wissensarbeiter oft wissen, wo sie hinsteuern, werde ich wahrscheinlich nie einen Walforscher in meiner Beratung sehen – schade. Ähnliches gilt für echte Idealisten. Sie werden sich für die Verbesserung der Welt einsetzen und alles andere hinten anstellen. Ab und zu kommt so jemand in meine Beratung, dann  liegt das Problem (Sie ahnen es) meistens im Umfeld begründet. Es gibt nämlich auch in der Politik und in den NGOs sehr viele Menschen, die nicht wirklich Idealisten, sondern vielmehr Machtmenschen sind. Das kommt nicht gut an bei echten Idealisten. Das Traumjob-ist-ein-Phantom-Prinzip kennen die Idealisten aber dennoch nicht. Sie haben einen Traumjob und wenn nicht, wissen sie, wonach sie streben. Machtmenschen übrigens auch. Der Traumjob ist der, der maximalen Einfluss ermöglicht.

Diejenigen für die die Umgebung nicht nur Beigabe, sondern zentral ist, sind meist weder Wissen-, noch Macht-, noch Idealisten-Menschen. Wie sie Ihren Traumjob finden, darüber denke ich morgen nach 🙂

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides? Biografie | Unternehmen

Ein Kommentar

  1. Enrico Briegert 9. Februar 2010 at 05:45 - Antwort

    Charles Handy verwendet das Bild des Portfolioarbeiters. Dazu gehört häufig, dass ein großer Teil des Lebens mit Tätigkeiten verbracht werden, die in erster Linie der Finanzierung des Gesamtportfolios verschiedener Aktivitäten dienen. Mindestens eine der vielen Aktivitäten muss schließlich Geld erwirtschaften. Darüber hinaus gibt es andere Aktivitäten (z.B. Ehrenamt) die der Selbstverwirklichung und inneren Zufriedenheit dienen. Nur zu selten gelingt die Verknüpfung von Cash-in und Hinterlassenschaft.
    Charles Handy empfiehlt schließlich, dass man sich mit zunehmenden Alter aus festen Arbeitsverträgen zurückziehen sollte um einen Teil der Einkünfte freiberuflich zu erwirtschaften. (Quelle: Charles Handy „Ich und andere Nebensächlichkeiten“)

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