Kolumnen zu Karriere, Führung und Entwicklung

„Hilfe, mein Chef will Teamarbeit“

By | 2010-09-07T10:55:12+00:00 7. September 2010|

„Findet zusammen eine Lösung für das Datenbankproblem“, sagte der Chef seinen Mitarbeitern und knallte die Tür zu. „Wie zusammen? Da muss einer doch die Verantwortung haben!“ erwiderte eine Kollegin irritiert.

Chefs, die den Mitarbeitertypus „Selbstorganisierer“ und die Teamarbeit bevorzugen, sind detaillierte Briefings ein Graus. Solchen Chefs ist es egal, WIE eine Lösung entsteht und WER daran beteiligt ist. Sie wollen sich nicht lange damit beschäftigen, Aufgaben aufzuteilen. Im Extremfall verfolgen sie eine Haltung des „Laissez faire“.

Sie denken: Das können die Mitarbeiter schließlich allein unter sich ausmachen. Doch Selbstorganisation ist die Königsklasse der Teamarbeit – mit einigen Stolperfallen:

  • Nicht alle Mitarbeiter können sich selbst organisieren bzw. sind das  gewohnt. Viele erwarten eine Entscheidung von oben.
  • Einige Mitarbeiter sind unsicher und trauen sich nicht, etwas selbst in die Hand zu nehen. Sie machen nichts ohne das Go vom Chef.
  • Ein ganz anderer Typ von Mitarbeiter hat schlicht keine Lust, sich mit Kollegen zusammenzusetzen. Dieser Typus will ein Problem lieber eigenverantwortlich lösen.

Gehören Sie zu einem dieser Typen? Dann sitzen Sie  im Dilemma. Wenn der Chef ein Team- und Selbstorganisation-Fan ist, wird er es gar nicht gut finden, wenn sie autoritäre Anweisungen verlangen oder unsicher sind, wie sie vorgehen sollen. Ein solcher Chef wird es andrerseits aber auch nicht mögen, wenn einer alles an sich reißt. Nun können Sie kündigen und sich einen neuen Chef suchen – oder das beste aus der Situation machen:

  • Wenn der Chef allzu grobe Vorgaben in Richtung „Macht mal im Team“ gibt, dann sprechen Sie sich mit den Kollegen ab. Wenn alle das so sehen wie Sie, bitten Sie ihn zu einem gemeinsamen Gespräch. Sagen Sie offen, dass Sie die Aufgabe ohne „Aufteilung von oben“ nicht lösen können.
  • Wenn nur Sie das „Macht mal im Team“ Ihres Chefs nicht mögen, fragen Sie sich, warum das so ist. Fehlt Ihnen Struktur, mögen Sie das Chaotische daran nicht? Dann ist das möglicherweise die Stärke, die Sie einbringen können. Denken Sie mal drüber nach…
  • Wenn Sie eigentlich lieber allein ein Projekt übernehmen würden, machen Sie Vorschläge für eine sinnvolle Aufteilung der Arbeitspakete unter den Kollegen. Sie können ja ruhig die Rolle des Koordinators übernehmen und z.B. das Zusammenführen verantworten. Aber sich ganz aus der Teamarbeit zu ziehen, wäre nicht gut.

Mitarbeiter, die gern ganze Projekte an sich reißen – zum Beispiel im nicht selten falschen Glauben, so schneller Karriere zu machen – sind beim beschriebenen Chef-Typ nicht eben beliebt. Überprüfen Sie bei sich selbst, ob Sie nicht zum stark vom Glaubenssatz beherrscht sind „ich kann das sowieso besser“. Der ist nämlich nicht selten falsch…

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides? Biografie | Unternehmen

2 Kommentare

  1. Verzweifelt 15. März 2012 at 12:24 - Antwort

    Bei uns ist es so: Die Frima in der ich arbeite hat mein Chef in April 2010 gekauft. Eine MA dieser Firma, die teilzeit arbeitet (20 Stunden Woche) ist „mitgekommen. Diese Kollegin arbeitet bei dieser Firma seit ca. 8 Jahre. Unser Chef stellt sich das so vor, dass wir gemeinsam arbeiten, das sie bevor sie nach Hause geht mir ein Briefing gibt über offene /laufende Themen und auch für Freitga, da sie Freitag nicht arbeitet. Darüber haben wir 1000 mal gesprochen, er hat sie 1000 mal versichert, dass das nicht bedeutet dass ihr Arbeitsplatz bedroht wird. Er will nur nicht das die gesamte Arbeit im Händen der Teilzeitkraft ist und die Vollzeit sitzt rum und hat wenig zu tun! Reden hin und her, das bringt einfach NICHTS!! he mehr er /wir darübr reden um so mehr verstckt sie die Arbeit. Wenn sie mal nicht da ist, ist es ein Zeit- und Nervenkampf etwas aus ihren Unterlagen rauszufinden! Wenn Sie den Kunden/ Lieferanten anschreibt, schreibt sie Sätze wie „ich bin wieder morgen ab 08.30 zu erreichen“ – nach dem Motto „Bloß nicht meine Kollegin fragen oder Bescheid geben“!!!. Ich bin ernst am denken, dass ich kündige! Ich mag die Firma und mein Vorgesetzter ist ein toller Mensch, aber mit so einer besessenen Kollegin zu arbeiten macht mich einfach krank:(

    • Svenja Hofert 15. März 2012 at 13:42 - Antwort

      Sprechen Sie mit Ihrem Chef über die Situation. Sagen Sie, dass Sie selbst nicht mehr weiterwissen und die Sitation für Sie so nicht tragbar ist. Machen Sie einen Vorschlag für eine Lösung aus Ihrer Sicht. Ich denke, ein Gespräch zu dritt macht danach Sinn – das ist aber Chefsache. Sollte sich dann nichts ändern, müssen Sie für sich entscheiden, ob Sie die Konsequenz ziehen und kündigen. LG Svenja Hofert

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