Warum gibt es eigentlich ein Rentenalter?

Mit 66 ist noch lang noch nicht Schluss – dieses alte Lied wird jüngere Generationen vermutlich irritieren. Denn: 66 ist nicht mehr alt, die Grenzen haben sich verschoben. Altsein fängt mit 70, 75 ab  und auch da bei manch einem noch nicht richtig. Das Länger arbeiten wird damit immer selbstverständlicher werden. Mehr noch als mit der Demografie hat das mit der Individualisierung unserer Gesellschaft zu tun. Arbeit ist der Kontakt zur Welt, Bestätigung, ein, ja, vielfach der wichtigste Teil des Lebens.

Ich will weiter arbeiten! Das sagen sich immer mehr Rentner, die keine sein wollen. Meine eigene Mutter arbeitet mit 70 immer noch. Der Vater eines Bekannten hat mit 65 sein Geschäft aufgegeben, um es mit 70 wieder zu eröffnen. Gerade klagten zwei Gerne-Arbeiter gegen die Zwangsverrentung mit 65: eine Putzfrau, die 40 Jahre für einen Betrieb tätig war und ein Angestellter der Hochbahn. Es zeichnet sich da ein neuer Trend ab, aus mindestens zwei Motivationen gespeist: erstens geht es um Geld. Immer weniger „junge Alte“ können von ihrer Rente gut leben. Zweitens geht es um Zufriedenheit: Gerade auch jene Menschen, die genug Geld haben, langweilen sich zuhause, erst recht, wenn sie ihr Leben lang eine zentrale Motivation aus dem Beruf gezogen haben. Wie schwer es ist, von einem Tag auf den anderen die Hände in den Schoss zu legen, wissen nicht nur Trainer, die für Vorträge zum Thema „Was kommt nach der Rente“ meist regen Zulauf haben.

Warum gibt es eigentlich eine Zwangs-Verrentung mit 65 Jahren? frage ich mich spätestens, seitdem ich das Buch meiner Kollegin Carola Kleinschmidt lese. Es heißt „Jung alt werden. Warum Sie mit 40 schon an 80 denken sollten“ – dieses Buch enthält viele wichtige Gedanken, die mit 40 noch weit weg scheinen, es aber nicht sind. Könnten nicht viele Probleme gelöst werden, wenn das Rentenalter abgeschafft würde und jeder so lange arbeitete, wie er will und es finanziell braucht? Da der demografische Wandel ohnehin zu mehr Jobs führen wird, könnte sich auch das Thema Fachkräftemangel so beiläufig entspannen. Und wer zu viel Geld hat, könnte eine Abgabe in einen Fonds zahlen, der wiederum den Zuwenig-Verdienern zugute kommen könnte…. Je mehr ich darüber nachdenke: Ich sehe nur Vorteile, das Rentenalter ganz abzuschaffen. Und Sie?

About Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

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