Und Ihr Gehalt? Das Versteckspiel hat ein Ende

„Die sieht aus, als hätte sie eine Gehaltserhöhung von mindestens 10% bekommen“, beschrieb Sandra den Gesichtsausdruck ihrer Kollegin, nachdem sie aus einem vermuteten Gehaltsgespräch mit dem Big Boss zurückkehrte. Viel versprechendes Lächeln, haha-Seitenblick, Adrenalinkick. Das motivierte Sandra, auch beim Chef vorzusprechen. Leider hatte sie den Gesichtsausdruck fehlinterpretiert: „Bei uns kriegt jeder das gleiche“, wollte der Boss ihr weismachen.

Leider wird das Thema Gehalt in Deutschland wie ein großes Geheimnis behandelt. Anstatt Transparenz herrscht hierzulande Geheimniskrämerei. Ein neues Portal will dem jetzt ein Ende bereiten: Bei Companize.com können Angestellte checken, was Menschen mit gleichen Berufen und sogar beim gleichen Unternehmen denn so in die Lohntüte bekommen. Das funktioniert, zumindest im Moment, nur bedingt: Meine Testeingabe Projektleiter führte zum Vergleichsergebnis von 500 EUR/Monat. Nun ja. Ich habe hier Projektleiter, die zwischen 45.000 und 120.000 Euro verdienen. 500 kann irgendwie nicht stimmen. Einen Angeberschutz gibt es auch nicht: Ich mache oft die Erfahrung, dass gerade Absolventen lustig auf die Gehaltstube drücken: „ich krieg mehr bei Porsche als du bei Daimler, ätsch“.

Interessanter als den nächsten  Gehaltsvergleich finde ich die neue österreichische Regelung, wonach Unternehmen über 1.000 Mitarbeiter ab 2011 ihre Gehälter offen legen müssen, nach schwedischem Vorbild.  2012 müssen Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern nachziehen. Würde Deutschland so etwas einführen, bräuchte man derartige Portale nicht mehr. Eine Geschäftsidee weniger, aber auch jede Menge Bewerbungsprobleme.

Mir hat sich noch nie der Sinn erschlossen, warum Mitarbeiter sich auf ein Ratespiel einlassen müssen, bei dem sie nur verlieren können. „Leider lagen sie 4.000 Euro über unseren Vorstellungen“, zack – Absage. Nun komme mir niemand mit Marktwert, den man ja selbst herausfinden müsse – ihn zu erfassen ist in manchen Berufen und Branchen fast unmöglich. Schlecht wäre die österreichische Regelung leider auch für Angebote wie Companize. Doch haben die mehr zu bieten als Gehaltsvergleiche, dazu morgen mehr.

About Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

Über Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

3 Kommentare zu “Und Ihr Gehalt? Das Versteckspiel hat ein Ende

  1. Hallo Frau Hofert,

    vielen Dank für die Erwähnung in Ihrem Artikel.

    Darf ich fragen: Könnte es sein, dass Sie auf der Seite [http://www.companize.com/gehaltsvergleich] den Schieberegler, also die große Hand, für eine persönliche Gehaltseinstellung nicht bewegt sondern aus Versehen die Starteinstellung von 500 € für die Zwischenauswertung übernommen haben?

    Zwar haben wir als neues Startup noch nicht für jeden Beruf, aber bereits doch für recht viele Berufe Vergleichsangaben – auch für Projektleiter.

    Herzliche Grüße aus Berlin,
    Jens Sander

    P.S. Wenn ich das mit dem „Angerberschutz“ richtig versteh: Die Nutzer werden eigentlich darauf hingewiesen, dass sie nur eine sinnvolle Auswertung erhalten, wenn Sie selbst im Vergleich sinnvolle Eingaben machen. Vor Absenden der E-Mail-Adresse erhalten die Nutzer auch den Hinweis, dass die Daten aus Qualitätsgründen nur alle 6 Monate geändert werden können.

    Und ansonsten wäre natürlich für die Arbeitnehmer eine gesetzliche Regelung wie eine komplette Offenlegung in den Unternehmen noch einfacher, um das Versteckspiel zu beenden.

  2. Pingback: Karriereblog von Svenja Hofert

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