Kolumnen zu Karriere, Führung und Entwicklung

Brauchen kleine Firmen andere Mitarbeiter als mittlere und große…?

By | 2010-11-16T23:43:08+00:00 16. November 2010|

Eindeutig ja! Eigenständiger müssen sie sein, außerdem gestaltungsfreudiger: je kleiner das Unternehmen, desto mehr.  Personal, Marketing, Vertrieb, Administration: Wer in einer Firma mit weniger als 10 Mitarbeiter arbeitet, macht meist alles, wozu der Chef nicht mehr kommt. Das ist spannend für Menschen, die Autonomie mögen und mitwachsen wollen. Das ist dagegen frustrierend für alle, die eine Einweisung brauchen und Schwierigkeiten haben, sich einen eigenen Rahmen zu stecken.

Sie müssen ein wenig sein wie der Chef selbst und Dinge in die Hand nehmen wollen und können. Sie dürfen sich nicht scheuen, auch einmal dort zuzupacken, wo sie eigentlich überqualifiziert sind.  Das heißt: Auch mal Löcher in die Wand bohren (danke an meine Assistentin, die den Bohrer schwingt!) oder den Boden wischen, wenn der Winter Schlieren aufs Parkett zieht.

Wer genaue Vorgaben braucht, ist in einem Kleinunternehmen meist schlecht aufgehoben. Da der Chef keine Zeit zum Einarbeiten hat (oder, so geht es mir als Chefin zumindest, manchmal selbst nicht genau weiß, was wo läuft) , überwiegt die kalte Wasser-Methode. Unsicherheit über Vorgehensweisen kommen da schlecht an. „Machen“ ist auf jeden Fall eine gefragtere Qualität als Abwarten und Diskutieren.

Weil Sie dicht mit dem „Chef“ zusammenarbeiten, müssen sie mit diesem harmonieren und „zweiter Mann“ oder „zweite Frau“ sein  können. Launen aushalten gehört bei den eher cholerischen Temperamenten (die sich häufiger selbstständig machen) wahrscheinlich dazu. Auch die Lernbereitschaft ist gefordert. Da Kleinunternehmer selten Weiterbildungen anbieten, heißt es auch hier: selbst lernen oder sich eigenständig Weiterbildungsmöglichkeiten suchen. Da liegt manches im Argen: Im Zweifel bringen Sie sich alles selbst bei und gehen dabei, zum Beispiel bei Excel, viel zu komplizierte Wege und die Effizienz kommt zu kurz. Gut, dass es inzwischen viele Förderungen für kleine Unternehmen gibt. Sagen Sie das Ihrem Chef – im Hamburg winkt z.B. der Weiterbildungsbonus.

Aus den oben genannten Gründen sind besonders oft eher intuitive Typen, also Menschen mit hoher Vorstellungskraft und Bewusstsein für Möglichkeiten, die sich in Kleinunternehmen wohl fühlen, außerdem viele beziehungsorientierte Wir-Gefühl-Menschen. Wie Sie diese Mitarbeiter als Chef finden? Definieren Sie genau, wen Sie suchen und was Sie brauchen. Und dann suchen Sie in Ihrem Umfeld. Bitten Sie Kollegen, Ihre Suche weiterzuleiten, fragen Sie. Und machen Sie nicht den größten Chef-Fehler überhaupt: Angst vor zu viel Kompetenz oder Überqualifikation zu haben.

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides? Biografie | Unternehmen

2 Kommentare

  1. Jasmin Sieverding 17. November 2010 at 11:44 - Antwort

    Wie Recht Sie doch haben! In Kleinunternehmen geht es gar nicht anders, als über den Tellerrand hinauszuschauen. Der Vorteil dieser dichten Vernetzung und einer flachen Hierarchie: die linke Hand weiß in den meisten Fällen, was die rechte macht. Und umgekehrt. Der Personaler sitzt neben dem Vertriebler und die PR-Abteilung ist auch nicht weit. Einen breiteren Überblick kann man gar nicht bekommen.

  2. Jan 17. November 2010 at 12:58 - Antwort

    Sie treffen mit diesem Blogbeitrag den Nagel auf den Kopf! Gerade in kleinen Unternehmen sind andere Qualifikationen an die Mitarbeiter zu stellen, als in großen Konzernen. Gerade das Thema Soft-Skills ist hier sehr wichtig: Den Chef so nehmen wie er ist und evtl. auch mal zwischen den Zeilen lesen hilft hier enorm. Ich persönlich habe jedoch festgestellt, dass in kleinen Unternehmen die Chefs eine persönlichere Beziehung zu den Mitarbeitern aufbauen und so mehr Verständnis für private Belange aufweisen.

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