Tests: Was sagt Ihr Typ wirklich über die richtige Berufswahl aus?

Wer bin ich und wenn ja, was bedeutet das für meinen Beruf, meine Karriere, die Partnerschaft etc.? Tests wie der MBTI und Keirsey erhellen das Dunkel, das normalerweise um einen selbst liegt, auch wenn man sich gut zu kennen glaubt. Im Internet finden sich Webseiten, die aus den Modellen konkrete Berufs- und Studienempfehlungen ableiten, z.B. www.finest-jobs.de. Meine Studienempfehlungen, als intuitive Rationalistin, wären demnach IT-Systemelektroniker, Architektur, Physik oder Mathematik gewesen.  Ich bin froh, dass zu meiner Zeit solche Tests ebenso wie das Internet keine Rolle spielten, denn mit dieser Empfehlung wäre ich in die falsche Richtung marschiert.

Auch bei meinen Kunden passen tatsächliche Berufswünsche und auch Berufsentscheidungen oft nicht zu den leichtfüssig gegebenen Empfehlungen, die auch auf anderen Portalen, in Tests wie dem von Geva, oder auch in Büchern gegeben werden.

Dafür gibt es verschiedene Gründe:

  • In fast allen Berufen finden heute verschiedene Persönlichkeitstypen ein Zuhause. Das liegt darin, dass sich die Bereiche aufsplitten, vielfältiger werden, sich schneller drehen.
    • Ein Polizist kann als analytischer Denker genauso Karriere machen wie als aktiver Umsetzer. Ein Vertriebler kann mit introvertierter Denkstruktur, also als analytischer Typ, ebenso erfolgreich sein wie als extrovertierter Bauchmensch. Entscheidend sind der Bereiche, die jeweilige Stelle, das Umfeld, die derzeitigen Anforderungen, das Team etc.
    • Oder im Keirsey-Modell gesprochen: Ein ENFJ, also ein „Lehrer“, kann in der Schule sein Glück oder auch sein Unglück finden. Ich habe ENFJs gesehen, die sehr zufrieden als Eventmanager wurden oder in der Geschäftsführungsassistenz.  Ein ISTJ („Prüfer“) ist in der einen Firma ein wunderbar Leiter Controlling, in der anderen bekommt er keinen Fuß auf den Boden, weil man lieber einen extrovertierten, weniger gewissenhaften Typ bevorzugt.
    • Motivationen sind nur teilweise berücksichtigt. Eine idealistische Motivation wird die Berufswahl in eine andere Richtung steuern. Wer eine auf Menschen bezogene Denkstruktur besitzt, sucht im Kontakt Bestätigung. Dies lässt sich nicht auf die Kategorien introvertiert oder extrovertiert reduzieren.
    • Die Familiengeschichte eines Menschens spielt ebenso eine wesentliche Rolle. Ich merke immer wieder, dass die Eltern entweder als Vorbild oder abschreckendes Beispiel fungieren. Für die Berufsentscheidung ist das ein ganz zentraler Punkt.
    • Talente können jenseits der Persönlichkeitsmodelle existieren.
    • Charaktereigenschaften ebenso: Ich kenne einen sehr  lustigen ISTJ, eigentlich liegt der Humor nicht in diesem Typ…

Fazit: Tests sind toll! MBTI/Keirsey zusammen mit Reiss geben tiefe Einblicke in die Persönlichkeit. Es wäre aber ein Fehler, daraus allein Berufsempfehlungen abzuleiten. Dazu ist unsere Arbeitswelt zu vielfältig geworden. Es ist wichtig für Unternehmen, zu wissen, welchen Typ sie für ein bestimmtes Team und eine bestimmte Situation gerade brachen. Es ist falsch, für Positionen und Funktionen generell festgelegte Eigenschaften zu bevorzugen. Das ist auch falsch bezogen auf eine wie auch immer geartete Unternehmerpersönlichkeit, was ich morgen zum Thema machen will.

Aus persönlicher Sicht gesprochen: Sie können überall ihr Glück finden, auch wenn es in dem einen Job nicht passt.  Informieren Sie sich auf informativen Seiten wie der des über 80jährigen Alfred Gessl (klasse, die beste Seite zu MBTI und Keirsey!) und nehmen Sie Berufsempfehlungen wie bei Finest Jobs nur als Anhaltspunkt und „erste Idee“ an.

About Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden, ein halbes Leben Coaching, Beratung, Ausbildung. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

3 Kommentare zu “Tests: Was sagt Ihr Typ wirklich über die richtige Berufswahl aus?

  1. „It is not the purpose of a psychological typology to classify human beings into categories – this in itself would be pretty pointless.“ (Zitat von C. G. Jung)
    Zu Deutsch in etwa: Es ist nicht der Zweck einer psychologischen Typologie, Menschen in Kategorien aufzuteilen – das an sich wäre ziemlich sinnlos“, http://de.wikipedia.org/wiki/Keirsey_Temperament_Sorter

    Die menschlichen Hauptklassen – historisch betrachtet:
    http://ed.iiQii.de/gallery/ValueCreation/DieKoepfeSindDasKapital_kapital_lesen_de

  2. Die Empfehlungen bei Finest Jobs entsprechen aber ziemlich genau den eigenen Wünschen. Ich, ein Enfj, hatte mir z. B. bereits mit 10 Jahren ausgemalt Lehrerin zu werden, ein Istj, wollte als Kind Pilot werden, wohl grade deswegen weil er gern alles unter Kontrolle hat. Jedoch, muss auch ich sagen,das ich in einem sozialen Beruf sehr schlechte Erfahrungen gemacht habe. Ich konnte einfach nicht mit der dortigen Ellenbogenmentalität unter Kollegen leben.

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