Kolumnen zu Karriere, Führung und Entwicklung

Last Exit Schweinestall oder: ein Blick auf den spanischen Arbeitsmarkt

By | 2011-01-06T22:56:39+00:00 7. Januar 2011|

„Das Gute ist, dass die auch Freilandgehege ausrüsten“, sagte der Kunde, der seit 20 Jahren in Spanien lebt. „Das kann ich dann noch halbwegs mit meinem Gewissen vereinbaren.“ Seit Wochen sucht er nach einem neuen Job. Die magere Ausbeute: Eine Leitungsposition bei einem Schweinestallausrüster. Er fragte nach dem Gehaltsgefüge. Mir ist im Laufe von 10 Jahren Karriereberatung so ziemlich jedes Branchensegment von Korkbodenbelägen bis hin zu Ölsaaten begegnet, aber das noch nicht. Die gesamte fleischverarbeitende Industrie braucht offensichtlich keine Beratung und von einer Art Möbelindustrie für diese hörte ich das erste Mal. Ich hatte also keine Ahnung, was man hier verdienen kann (und im Internet finden Sie dazu auch nichts).

Ich unterdrückte ein Grinsen und den für meinen Gesprächspartner vermutlich demotivierenden Gedanken an das Primat existenzieller Grundbedürfnisse in der Maslowschen Pyramide, als auch er anfing zu lachen. Das war reiner Galgenhumor. Es sieht nicht gut aus auf dem spanischen Arbeitsmarkt, hochqualifiziert hin oder her. Deshalb Schweinestallausrüster. Anders als in einem Spiegelbericht aus dem Mai, betrifft es wohl längst nicht nur die Jungen und die Ungebildeten. MBAs überschwemmen den Markt und das Gehaltsgefälle soll das in Deutschland dramatisch toppen. Oben und unten, ohne ein dazwischen. Die Differenz Oben-unten wird leider auch in Deutschland immer schlimmer, aber in der Extremform kennen wir das nicht. Wenn ich die Direktberichterstattung so höre, geht es uns hier so richtig gut. Oder kennen Sie viele Einserkandidaten mit umfassender Berufserfahrung, die von Mama und Papa durchgefüttert werden müssen?

Gerade habe, so mein Kunde, die Regierung Zapatero eine Art Hartz IV abgeschafft, dass spanische Arbeitslose nach Ablauf des Arbeitslosengeldes für ein Jahr erhielten. Jetzt gibt es gar nichts mehr. In Worten: Niente.  Es gibt nichts vom Staat, auch keine Sozialhilfe. Wer fällt, muss sich auf das Netz der Familie verlassen. Ich habe dazu zwar keine deutschsprachigen Berichte gefunden, gehe aber davon aus, dass ein direkt Betroffener weiß, was in Spanien gerade passiert.

Achso, die Lösung? Last Exit Schweinestall. Bis dahin kann man noch einiges versuchen. Ein von mir beratener Immobilienprofi, ebenfalls seit 20 Jahren in Spanien, fand eine Top-Stelle auf dem verdeckten Arbeitsmarkt. Noch bin ich zwar nicht offiziell wieder am „Arbeitsplatz“, aber diesen Rat konnte ich mir doch nicht verkneifen: Nicht auf ausgeschriebene Stellen warten, aktiv bei deutschen Firmen bewerben, die eine spanische Dependance haben. Sich breit anbieten und flexibel sein. Zur Not als kommunikativer Mensch also auch Vertrieb. Und freiberufliche Projekte machen, das geht in Spanien noch leichter als bei uns.

Wer so eine Firma vertritt und einen Betriebswirt mit 10 Jahren kaufmännischer und Controllingerfahrung, perfektem Spanisch und Kenntnissen auch der arabischen Märkte sucht: gern private Mail an mich.

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides? Biografie | Unternehmen

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