Lieber Gott, bitte gib uns eine Krise!

Wann haben Sie sich Sie eigentlich das letzte Mal so richtig radikal verändert? Nicht einfach weiter entwickelt – sich weiter entwickeln, das kann jeder. Ich meine: einen richtigen Schnitt gemacht. Wahrscheinlich war es nach einer Krise. Es ist so gut wie immer eine Krise, die uns aufweckt. Die Finanzkrise. Der Jobverlust. Das Beziehungsende. Burnout. Irgend so etwas.

Deshalb sind Krisen toll, im Ernst. Es ist schlimm, gerade drinzustecken, aber ein Hauptgewinn, wenn Sie aus dem Tal den Berg hochsteigen (wie war das mit Phoenix…aus der Asche). Seitdem ich letzte Woche auf der Ausstellung „Darwin meets business“ im Zoologischen Museum in Hamburg war, fühle ich mich in dieser Einstellung naturwissenschaftlich bestätigt. Und ich bedanke mich bei Dr. Feldmeier für die Einladung und vierkommafünf neue Erkenntnisse.

In der Ausstellung ist die Kießling-Kurve ausgestellt. Sie zeigt, dass nach Krisen immer etwas Neues entstanden ist: Arten sindausgestorben, neue (anpassungsfähigere z.B.) sind entstanden, oft mehr als vorher von der Erde verschwunden sind. So ähnlich ist es in der Wirtschaft. Erst nach Krisen, kann etwas revolutionär Neues entstehen.  Deshalb war die Finanzkrise wohl nicht schlimm genug; ich sehe nichts Neues.

Im Mikrokosmos des eigenen Berufslebens ist es ganz genauso: Es braucht eine Kündigung, einen Burnout, ein einschneidendes Erlebnis – andernfalls bewegen wir uns nicht. Kommt kein „Knall“, die Krise eben, werden wir immer nach Weiterentwicklung suchen, an Altem anknüpfen wollen. Das ist der Grund, aus dem so viele Neuorientierungen im Beruf nach der ersten Phase, einem tollen Seminar oder einem neuen Impuls steckenbleiben: In freier Abwandlung von Barbara Shers Wishcraft (der Mutter aller Traumjob- und Neuorientierungswellen) möchte ich es so formulieren: „Ich könnte alles machen, wenn ich nur so eine wunderbare Krise hätte.“

Neulich schickte mir ein Kunde vier Jahre nach dem Coaching eine Dankesmail; so lange hatte es gedauert, bis er unsere Gedanken umsetzen konnte. Vorher war es immer wieder zu bequem gewesen. Langweilig, aber ohne Handlungsdruck. Das ist nur logisch: Warum soll ein ganzes System ändern, wenn es doch halbwegs funktioniert? Wieso soll ich mutige, aber immer unsichere neue Schritte gehen, wenn ich es warm und sicher habe?

So lange die Dinge funktionieren, ändern wir nichts oder nur wenig. Radikale Sprünge kommen immer erst nach tiefen Krisen. Deshalb ist ein Leben ohne Krisen langweilig. Lauter verpasste Chancen. Auf zur Krise!

About Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

Über Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

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