Kolumnen zu Karriere, Führung und Entwicklung

Talentfrogs: Kann ein Stellenmarkt für Quereinsteiger funktionieren?

By | 2011-02-22T20:15:12+00:00 22. Februar 2011|

Wow, dachte ich, tolle Idee: ein Portal mit Jobs für Quereinsteiger. Eine echte Marktlücke, doch wie will Ex-Siemens-Manager Justin…äh Peer Bieber denn sein Talent Frogs realisieren? Bekommt er Geld für Stelleninserate von Unternehmen, die ernsthaft Quereinsteiger suchen? In unserer Rote-Faden-Republik kann ich mir das nicht vorstellen, wenngleich ich es mir wünsche: Dieses oft lebenslange Festgenageltsein auf einen Funktionsbereich wie beispielsweise Sales oder Controlling tut weder den Angestellten noch den Firmen gut.

Leider konnte ich bei Talentfrogs kein qualifiziertes Stelleninserat sichten, das sich ernsthaft und fokussiert an Quereinsteiger wendet. Bei einem J2EE-Developer ist das auch nachvollziehbar – Programmierneulinge starten normalerweise per Praktikum. Aber was hat die das Angebot dann in einer Quereinsteigerbörse zu suchen? Nun suche ich mal was mit Sales: Sales ist schließlich  immer gut für Quereinsteiger. Doch auch hier will das suchende skandinavische Personalberatungsunternehmen im Minimum zwei Jahre einschlägige Erfahrung. Auch der „Leiter Projektbüro“ braucht ein eindeutiges fachliches Profil. Der Quereinsteiger ist im Anzeigentext nicht thematisiert.

Das kann es nicht sein, was der Herr Bieber eigentlich wollte. Ich lese unter dem Button „Quereinsteiger“  nach.  Dort sind alle die Vorteile aufgeführt, die ein Quereinsteiger so mitbringt.  Die sehe ich auch so: Während jemand, der Jahre den gleichen Job macht, irgendwann betriebsblind wird, bringt ein fremder Blickwinkel frischen Wind und neue Ideen. Viele Ideen gäbe es gar nicht ohne diese neue fremde Brille, die im „Flow“ besonders effektiv daherkommen.

Dennoch bleibt es die Wahrheit: Geld, sagen wir mehr als 50.000 EUR im Jahr, gibt es nur gegen Erfahrung in einer Branche oder einem Fach- und Funktionsbereich, gerade bei uns, wo „eingestellt“ gleich für die nächsten Jahre „gekauft“ bedeutet. Schade, denn ich bin sicher, dass eine Menge Menschen auf anderen Stellen die eigenen Talente besser entfalten könnten. Ich kann andererseits auch verstehen, dass Unternehmen verhalten sind, wenn sich bei Ihnen zum Beispiel ein ehemaliger Personalreferent als Produktmanager bewirbt, ohne nachweisliche Erfahrung in dem Bereich. Aber könnte es da nicht sowas wie eine Quereinsteiger-Probezeit geben? Außerdem sind Jobs doch mehr und mehr nicht mehr in Schubladen zu stecken: Würden Unternehmen aufhören nur nach butterweichen Kriterien wie „Kommunikationsfähigkeit“ zu suchen, sondern nach handfesten Persönlichkeitsmerkmalen und Motivationsprofilen, könnten sie sehr viel leistungsfähigere Mitarbeiter gewinnen. Die Persönlichkeit kann anders als das Fachwissen entwickelt, aber eher nicht grundlegend verändert werden. Wissen kann man sich aneignen, persönliche Fähigkeiten kaum.

Freue mich über Meinungen: Wie sehen Sie den Quereinstieg? Wann kann er klappen?

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides? Biografie | Unternehmen

2 Kommentare

  1. Lars Hahn 23. Februar 2011 at 18:18 - Antwort

    Ein Quereinstieg kann klappen. Allerdings nur durch kontinuierliches Netzwerken. Wenn jemand einen kennt, sind die Fähigkeiten und Eigenschaften oft wichtiger, als Zeugnisse und langjährige Berufserfahrung im entsprechenden Bereich.

    Allerdings: Ein Quereinstieg über ein Bewerbungsportal dürfte aus meiner Sicht quasi unmöglich sein. Bewerbung impliziert den schriftlichen Nachweis von Formalkompetenzen und Berufserfahrung. Wenn sich nur einer bewirbt, der vom Papier her genau passt, wird der Einstellende immer denjenigen nehmen und nicht den Quereinsteiger.

    Somit mein Vorschlag:
    „Quereinsteiger: Hört auf Euch zu bewerben. Fangt an zu netzwerken!“

    Lars Hahn

  2. Svenja Hofert 23. Februar 2011 at 18:40 - Antwort

    Genau, sehe ich exakt wie Sie. Jemand, den man persönlich kennt, traut man auch Dinge zu, die er nicht formal belegen kann. Ich kenne aber auch einige Fälle wo es mit einer witzigen Bewerbung gelungen ist, selten jedoch im 50.000+ Bereich. Also: Quereinsteiger vernetzt euch!

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