Minijob? Warum es für Otto Normalunternehmer nichts Billigeres gibt

Heute kam via Nachrichtendienst die Meldung, dass 25% aller neugeschaffenen Arbeitsplätze Minijobs sind. Oder anders ausgedrückt: Jeder vierte Job bringt weniger als 400 Euro. Mir fehlen die Worte. Deshalb schreibe ich statt eines kritischen Berichts ausnahmsweise mal eine Anleitung für Arbeitgeber. Achtung, bitte, liebe Leserin und lieber Leser: was folgt ist Ironie. Wer diese nicht versteht, dem sei vom Lesen abgeraten 😉 Ich habe dazu inkognito, versteht sich, einen typischen Unternehmer interviewt, Otto Normalunternehmer sozusagen. Er beschäftigt drei Teilzeitkräfte und 20 Minijobber. Lesen Sie, was er sagt:

„Als echter Ausbeuter gründe ich immer wieder neue Firmen. So konnte ich meine auf Teilzeitbasis beschäftigte Sekretärin in meiner anderen Firma gleich auch als Minijobberin einstellen. Das liefert mir das Argument, ihr auch im ersten Job weniger zu zahlen – schließlich bekommt sie die 400 Euro aus dem zweiten Job ja steuerfrei, also netto wie brutto. Um das zu erreichen müsste ich ihr mit einem normalen Gehalt gleich 750 EUR überweisen. Danke lieber Staat. Und sag mal jemand, das sei Missbrauch, völlig legal.

In meinen anderen Betriebsteilen beschäftige ich auch nur noch Minijobber. Da habe ich dann wenig Arbeit mit. Und nur gute Erfahrungen: Die hängen sich für das wenige Geld auch viel mehr rein, Frauen eben. Einmal wollte eine meiner Mitarbeiterinnen mehr Geld verdienen, weil der Mann arbeitslos wurde. Wir haben das durchgerechnet, bin ja kein Unmensch, doch gelohnt hat es sich nicht. Bei 600 Euro Bruttogehalt und Steuerklasse  V kamen gerade mal  410 Euro netto heraus. Nee, sagt sie, da kann sie auch bei 400 Euro bleiben. Macht aber auch nichts, so konnte ich noch jemand einstellen. Ich muss sagen: Das ist ein echter Vorteil. Diese Minijobber machen wenig Pause und sind echt engagiert.  Also besser mehr davon als weniger.

Ich selbst bin unter uns gesagt nicht nur Unternehmer, sondern auch in der Politik tätig – die mit den drei Buchstaben, Sie wissen schon. Da habe ich auch einen Minijob. Fünf Stunden im Monat arbeite ich für 400 Euro.  Das könnte ich auch auf selbstständiger Basis tun, aber warum? Dann müsste ich Abgaben zahlen.  So bekomme ich das Geld bar auf die Kralle. Cool, diese Minijobs, oder?“

About Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

8 Kommentare zu “Minijob? Warum es für Otto Normalunternehmer nichts Billigeres gibt

  1. Ein Mini-Job darf einfach nicht die Haupterwerbsquelle sein. M. e. geben es unsere Sozialsysteme nicht her. Wer in bestimmten Einkommensgruppen mehr verdient (siehe Kommentar) bekommt weniger raus. Also sucht man nach der Lücke im System und sucht den zweiten Mini-Job. Es würde mich mal interessieren, wieviele der ganzen Mini-Jobs von einer Person erledigt werden.

  2. Meiner Meinung nach gehören die Minijobs abgeschafft. Wer im unteren Bereich verdient sollte vielmehr von Sozialabgaben freigestellt werden oder nur sehr minimale bezahlen. Denn: Der größte Batzen sind nicht die Steuern – die werden erst viel später relevant. Man kann übrigens nur einen Minijob pro Mensch haben. Aber man kann wie im Beispiel in der Firma A teilzeitbeschäftigt und in Firma B (mit gleichem Inhaber) Minijobber. LG SH

  3. Liebe Frau Hofert,
    Vielen Dank für diesen den geschaffenen Umständen aufs Korn nehmenden Artikel. Während ich mir ob Regelungen dieser Art an die Stirn tippe, frage ich mich inzwischen öfter, wie so etwas in anderen Länder (EU/Nicht-EU) wohl läuft? Haben Sie hierzu eine Meinung? Mir schleicht sich zunehmend das Gefühl ein, dass wir in Deutschland besondere Schwierigkeiten haben, unsere Welt der Arbeit auf die Megatrends Globalisierung, Spezialisierung, Demografie usw. einzustellen. ????

  4. Lieber Paul, ich weiß es nicht genau, wie es anderswo geregelt ist, aber der Minijob scheint mir eine deutsche Besonderheit. Wer hat Erfahrungen aus anderen Ländern? LG SH

  5. Die Politik ist schuld. Die Politiker denken nur in 4-Jahres-Intervallen und nicht langfristig. Man kann einerseits keine wachsenden Geburtenraten fordern, wenn andererseits die meisten in 400 € Jobs gezwungen werden, mit denen man nicht planen kann. Vor allem, wenn man keinen weiteren Teilzeit- oder Vollzeitjob hat. Alle Kassen stöhnen, ob Rentenkasse, Krankenkassen, dass sie mehr ausgeben als einnehmen. Alles greift ineinander über, soweit denken die Politiker nicht. Wenn keine regulären BEiträge gezahlt werden, ist ja klar, dass irgendwann das große Erwachen kommt. Minijobs geören abgeschafft.

  6. @ Renate, @ Svenja Hofert,
    ich muß das jetzt mal loswerden. Heute morgen hörte ich einen Gewerkschaftler sagen, 400 Euro Jobs weg. Und ich muß sagen vollkommenen übereinstimmung. Das Ziel , mit dem urasprünglich 400 Euro Jobs „erfunden“ wurden ist eindeutig verfehlt und was sich als falsch herausstellt sollte korrigiert werden. Doch ich sehe in der heutigen Politik noch nicht, das sich das rumgesprochen hat.

    Dennoch meine Überzeugung: 400 Euro Job , klassenziel verfehlt, abschaffen und zwar schnellstmöglich.

    Freundliche Grüße B.RE

  7. Abschaffen alleine greift zu kurz. Wenn wir sehen, dass es zu allererst die Schwarzarbeit deutlich reduzieren soll, ist dieses Ziel mit Minijobs ganz gut erfüllt (so viel zur Frage, wie es in anderen Ländern so läuft…) – und ja, die Gleitzone (400-800 Euro) ist auch nicht so viel unattraktiver für die Arbeitgeber, genau so wie der Bereich darüber. Der Schlüssel zurück zur Normalbeschäftigung liegt nun mal nur in einem grösseren Angebot von vollen Stellen. Denn nur da, wo es etwas zu wählen gibt, können sich auch die JobberInnen FÜR etwas entscheiden. Und werden das auch tun. Nur zweitklassige UnternehmerInnen verstehen das nicht und nutzen es aus. Dort wird aber nur aus der Not heraus gejobbt.

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