Wie viel isst ein Elefant? Oder: Brainteaser-Fragen im Vorstellungsgespräch

Sie wissen das nicht? Es müssen Tonnen sein, wenn ich so an meinen letzten Zoobesuch denke. Aber wie viele? Ich muss passen. Kommen wir besser zu etwas einfacherem, zu Gartenschläuchen. Da kenne ich mich aus. Die Gartenschlauch-Frage hat gerade meine Facebook-Community beschäftigt. „Wie viele Meter Gartenschlauch werden in Deutschland jährlich verkauft?“

So lautet ein beliebter Brainteaser, der im Assessment Center oder auch mal im Vorstellungsgespräch gestellt wird. Die richtige Antwort ist dabei nicht wirklich wichtig, es geht mehr darum, wie Sie sich den Weg dorthin erschließen. Sagen Sie sofort „hm, ich schätze 3,2 Meter“ oder leiten sie Ihre Antwort systematisch her? Sprudeln Sie los oder denken Sie erst? Das sagt einiges über Ihre Persönlichkeit aus. Dennoch gibt es bei solchen  Fragen keine Musterlösung. Ob Sie sagen „geben Sie mir mal eine Minute das zu durchdenken?“ und sich einen Zettel nehmen oder Ihren Interviewer laut sprechend an ihren Gedanken teilhaben lassen – beides ist in Ordnung. Allerdings sollte die Antwort begründet werden können. Und das heißt: Logisches Schlussfolgern ist bei einem Brainteaser immer wichtig.

  • Wie viel Menschen wohnen in Deutschland?
  • Wie viele davon haben ein Haus mit Garten?
  • Wie viele Menschen wohnen in einem Haushalt?
  • Wie groß ist der durchschnittliche Garten?
  • Wie lang muss ein Gartenschlauch sein, um die Büsche zu erreichen?
  • Sind Kurven im Gartenschlauch nötig?
  • Wie lange hält ein Gartenschlauch?
  • Usw.

Ich habe die Gartenschlauch-Frage in Assessment Center-Übungen mehrmals mit insgesamt etwa 100 Personen gemacht. Es ist nicht einmal ein gleiches Ergebnis herausgekommen. Macht auch nichts. Wahrscheinlich kennen nur Gartenschlauch-Hersteller die echten Zahlen. Ich jedenfalls nicht. Und Ihr Interviewer, falls Sie Bewerber sind, ziemlich sicher auch nicht. Er hat nur einen Kurs für innovative Interviewführung teilgenommen anstatt das Praxishandbuch Personal zu konsultieren.

Ich erkenne an der Antwort, wie gut das logische Verständnis ist. Die Kommunikationsfähigkeit. Nebenbei auch Allgemeinbildung. Die Frage mag als komisch empfunden werden –  gut ist sie dennoch, weil sie viel mehr von einem Menschen zeigt als seine Antwort auf die Frage nach „Stärken und Schwächen“.

Ähnliche Fragen kann jeder Personaler selbst konstruieren – und sollte es auch, denn die Gartenschlauch-Frage hat sich spätestens jetzt rumgesprochen. Und so richtig schön ist der Effekt, wenn der Bewerber überhaupt nicht damit rechnet, weil er nur auf altmodische Standardfragen eingestellt ist. Wie viele Menschen leben weltweit am Existenzmininum? (interessant herauszuhören, ob jemand die unterschiedlichen Definitionen kennt). Oder auch: Was glauben Sie, wie viele Menschen in 100 Jahren auf der Erde leben? Was glauben Sie…?

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About Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

3 Kommentare zu “Wie viel isst ein Elefant? Oder: Brainteaser-Fragen im Vorstellungsgespräch

  1. Wie weit is es mit der Glaubwürdigkeit von Personal-Beratern? – Warum schicken Unternehmen Ihre Bewerber nicht einfach zu einem richtigen Psychologen, wenn Sie ein Psychologisches Profil möchten? Ja, Ja ich weiß, da würde sich dann jeder und zwar berechtigterweise dagegen wehren. Ist es denn so verwunderlich, dass man das Gefühl hat Recruiter spielen mit Dingen zu denen Sie keinerlei Qualifizierung besitzen? Stellen Sie sich vor da sitzt man in einem Interview mit einem gerade frisch von der Uni kommenden HR-Berater, am besten noch 10 Jahre jünger als man selbst und bekommt solche Fragen gestellt. Zweifelhaft dass auch nur ein Bruchteil aller s.g. Personal-Berater in der Lage ist Antworten auf solche Fragen in der von Ihnen (wenn auch hier bereits) erläuterten Form zu bewerten wissen. Ich jedenfalls denke, dass dieser Beitrag ein sehr gutes Beispiel dafür ist, dass sich Recruiter, Personal-Berater und wie auch immer sich die HR-Leute nennen möchten in ihrer Funktion salop gesagt einfach und unberechtigter Weise zu wichtig nehmen.

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