Der Wurmfortsatz des Chefs: die neue Kollegin (Mia 2)

Nun soll ich diese Geschichte weiterschreiben, weil sie so viele Abrufe hatte wie sonst noch kein anderer Beitrag, 35% Leser-Plus. Seltsam, war so schnell geschrieben. Einer fragte bei Twitter, wie denn die neue Mitarbeiterin die Situation empfinde.

Tja, Leute, gute Frage: Ich vermute, die haben sich alle heimlich abgesprochen, um mich auf ein Abstellgleis zu setzen. „Geht es Ihnen auch gut? Gehen Sie ruhig früher nach Hause“, so etwas höre ich seit meinem Burnout-Ausfall, sechs Wochen war ich weg, andauernd und von allen Seiten.

Die andere bekommt jetzt die spannenden Projekte. Sie stürzt sich in ihre Arbeit als hätte sie sonst nichts im Leben. Das ärgert mich und frustriert mich, oder auch beides zusammen. Dabei ist sie wahrscheinlich auch nur so ein armer Wurmfortsatz des Chefs, wie ich. „Die macht das wie Sie“, erklärt meine Therapeutin und holt mich durch solche Bemerkungen auf den Boden zurück. Aber wie bitte soll man damit umgehen, wenn die Neue und der Chef die Tür zumachen, um sich zu besprechen. Oder wenn der Chef in der Kantine mit der Abteilungsleiterin Müller flüstert und zu mir blickt? Ich sei nicht belastbar, munkelt man auch im Kollegenkreis. Ich habe das so noch nie gehört, aber ich weiß einfach, dass sie so reden. Das sagt mir meine Intuition. Oder ist es doch nur die Einbildung?

Heute hat mich mein Chef beiseite genommen. Ob ich mir nicht etwas anderes vorstellen könne. Er wolle mir eine berufliche Neuorientierung bezahlen. Was soll ich davon halten? Ist das jetzt nett oder ist es gemein? Weil er eben keiner dieser Wutschnauber ist, kann man auch nicht richtig sauer sein auf ihn. Man kann ihn nicht hassen. Das macht es so verdammt schwer. Karin, die Assistentin von Frau Müller, hat es da leichter. Die Müller ist eine so große Zicke, über die kann man wenigstens lästern und sie einfach nur blöd finden. Bei IHM geht das nicht. „Ein Frauending“, sagt meine Therapeutin.

Ich könnte denken: Er hat mich nun ausgesaugt, jetzt schnappt er sich die nächste Arbeitskraft, von der er täglich ein wenig mehr Arbeitsleistung will. Ich könnte es aber auch so sehen: Jetzt habe ich die Möglichkeit, selbst danach zu suchen, was ich eigentlich will. Was das wohl sein könnte?

Ich habe mir ein Buch für die berufliche Orientierung gekauft. Und gestern war ich auf einem Seminar, in dem es um Stärken ging. Ich sollte sagen, was ich gut kann. Organisationsstärke fiel mir ein, und Kommunikationsfähigkeit. Dummerweise sagten 7 der 10 Teilnehmer genau das gleiche. Das war mir wirklich unangenehm. Auf die Frage des Kursleiters, was ich damit meinte, konnte ich auch nur doofe Beispiele aus meinem langweiligen Assistentinnenalltag nennen, der jetzt in der Schonhaltung noch langweiliger ist als je zuvor. Ich hatte jedenfalls das Gefühl, als ob die anderen bei meiner Beschreibung gähnen.

Ist das nicht furchtbar! Ich kann etwas Selbstverständliches, etwas, das jeder kann. Schön(e) Sch… Ich beneide Meeresbiologen und Neonatologen, oder auch meine Psychotherapeutin. Die wissen alle womit sie sich beschäftigen. Die haben etwas Anfassbares, die haben Wissen. Etwas, dass ihnen nicht jeder wegnehmen kann, weil es so selbstverständlich ist… Die würden so einen Quatsch wie ich niemals sagen.

Das sei die Allrounder-Krankheit, sagt Svenja. Ich soll mir jetzt für Sie hier, liebe Leser, überlegen, was ich kann. Was soll jemand machen, der eigentlich immer nur anderen den Rücken frei und Sachen organisiert hat – außer Powerpoint, Excel, SAP, Französisch und ein wenig Chinesisch Mandarin?

So,  liebe Leser, helfen Sie Mia. Was kann Sie tun? Und wie geht die Geschichte weiter?

About Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden, ein halbes Leben Coaching, Beratung, Ausbildung. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

3 Kommentare zu “Der Wurmfortsatz des Chefs: die neue Kollegin (Mia 2)

  1. Liebe Mia,

    das, was Sie können, ist wertvoll. Setzen Sie es für sich ein, nicht für den ach-so-netten Cheffe. Oder für einen Job wo das, was Sie leisten inklusive Ihrer Leistungssteigerung Sie kontinuierlich ein Stück weiter bringt. So wie Ihre Kompetenzen sich auch stetig weiter entwickeln. Die neue Kollegin – das sind Sie vor 3 Jahren. Seien Sie froh, dass Sie schon weiter sind – diese Zeit ist bares Kapitel in Richtung Ihres persönlichen Glücks! Wenn Sie nicht für sich sorgen – wer dann?

  2. liebe mia,
    ich kenne da sehr gut – was arbeiten und hinterher nix in der hand zu haben. ich denke so geht es vielen die im bereich koordination, organisation und allem anderen nicht greifbarem tätig sind.
    mein ausgleich: nähen, basteln, möbel schleifen und neu streichen. irgendwas, bei dem man einen schnellen erfolg auf der hand hat. natürlich braucht so ein möbelprojekt seine zeit und neben einem job ist es oft schwer die zeit zu finden. aber immer wenn ich wieder sowas gemacht habe am feierabend, geht es mir besser.
    leistungsdruck wird meist von uns selber gemacht – da nehme ich mich nicht aus – und ich suche auch noch nach einem weg, das „nein“ zu lernen. manchmal reicht auch ein jobwechsel aus, so dass man von anfang an eine neue „rolle“ spielen kann, bzw. klar abgrenzung von vornherein bestimmen kann.

    ich bin sehr gespannt wie es weitergeht!

  3. Pingback: Ich kann eigentlich…nichts (Mia 3) | Karriereblog von Svenja Hofert - Die Expertin für neue Karrieren

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