Falsch! 3 fundamentale Karriere-Denkfehler

Nummer 1

  • Sie denken: Ich muss mich möglichst früh spezialisieren, um schnell in den Beruf einzusteigen.
  • Indes: Wer erst mal Breitenwissen erwirbt, ist später flexibler.

Jetzt lesen Sie mal:

Duale Ausbildung, duales Studium, Spezialisierung schon im Bachelor: Den Unternehmen gefällt dieser Trend. Aus rein egoistischen Gründen und kurzfristigen Erwägungen: Ein spezialisierter Mitarbeiter ist ein Instant-Mitarbeiter, schneller und für die besonderen eigenen Bedarfe  einsetzbar.

Die Kehrseite der Medaille: Ein spezialisierter Mitarbeiter steigt auch schneller aus dem Berufsleben aus oder kriegt bei Neuorientierungen (notwendig z.B. weil eine Branche schrumpft) schwieriger die Kurve.

Weiterhin hat er/sie größere Schwierigkeiten, sich veränderten Bedingungen anzupassen.

Ein Beispiel: Egon (heißt nicht so, wissen Sie ja…) hatte sich schon im Bachelor stark auf E-Commerce spezialisiert. Er hätte seine Vita weiter in diese Richtung schreiben können und genug Jobangebote gehabt. Stattdessen entschied er sich für einen Schwenk in eine ganz andere Branche mit anderem Fokus. Sein Ziel:  Experte in Sales und Marketing anstatt E-Commerce-Spezialist. Langfristig eine sinnvolle Entscheidung, kurzfristig eine Gehaltseinbuße.

Eine Studie von Ludger Wößmann, Inhaber des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Bildungsökonomik an der Ludwig-Maximilian-Universität in Zusammenarbeit mit der Stanford University und der Tsingua Universität, scheint meine These zu bestätigen. Ich habe die Studie im Internet nicht finden können, nur diesen Kommentar in der Wiwo.

Nummer 2

  • Sie denken: Man braucht heute für den beruflichen Erfolg SOFORT Abitur + Studium
  • Aber: Spätzünder haben weniger Lebenskrisen.

Manche beißen die Zähne zusammen und dann ab durchs Abitur, mit viel Ach und Krach. Danach eine Studienentscheidung im Vorbeigehen (ach, nehmen wir mal…) und schon steht man mitten in einem Beruf, den man sich SO nicht vorgestellt hat (weil man sich gar nichts Konkretes vorgestellt hat…) Und dann läuft die, zum Beispiel,  Karriere als Key Account Manager auf Hochtouren und man kommt nicht mehr raus. Lebenskrisen sind da programmiert. Solche „frühen Durchrutscher“ wachen irgendwann auf und wundern sich, wo sie gelandet sind.

Wer erst mal ein wenig arbeitet und die Zeit nutzt, sich zu orientieren, steht  oft besser da.  Spätzünder wissen, was sie können – und  wo Sie hinwollen.  Sie haben Ziele. Und Sie glauben gar nicht, wie sehr einen allein DAS – die Ziele – schon über die Jahre trägt und jeglichen Boreout verhindert.

Nummer 3

  • Sie denken: Beim nächsten Schritt muss ich mehr verdienen.
  • Aber:  Wieso eigentlich?

„Schon 1999 habe ich 120.000 DM verdient“, sagte der Mann zu mir. „Und?“ frage ich. Er rechnet in Prozent vor, dass er eigentlich jetzt schon bei 120.000 EUR stehen  müsse, mindestens – so wie Heinz, sein Kumpel. Ich wende ein, dass er froh sein solle, immer noch kleinere Brötchen zu backen: Überschaubarer Job, wenig Stress, Hobby Sport kommt nicht zu kurz. Ich habe wenig Menschen gesehen, die mit 120.000 Euro noch viel Zeit für Hobbies haben, nebenberufliche Selbstständigkeit und andere schöne Dinge. Es sei denn, Sie haben einen Arbeitgeber, der sie durchschleppt und das geht vielleicht ein paar Jahre, heute selten noch Jahrzehnte gut.

Höher, schneller, weiter: Weder für Angestellte noch für Unternehmer ist das erstrebenswert. Wellenbewegungen sind in Ordnung. Das ist wie mit den Aktienkursen: irgendwann ist halt mal eine Korrektur fällig, vor allem wenn man vorher überbewertet war. Das Blöde sind nur die dicken Reihenhäuser, die man kalkuliert hat wie ein Bankangestellter (der sich die Welt draußen manchmal schwer vorstellen kann): jedes Jahr gibt´s ein bisschen mehr. Aber weniger? Ach, was, Reihenhäuser kann man verkaufen, Lebenszeit sollte man besser nicht…

About Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden, ein halbes Leben Coaching, Beratung, Ausbildung. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

2 Kommentare zu “Falsch! 3 fundamentale Karriere-Denkfehler

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