Kennen Sie Ihren Jobschlüssel?

Am heutigen „praktischen“ Freitag greife ich noch mal in meine Tool-Tüte, zuletzt hatte ich Ihnen meinen Branchenkreis vorgestellt, davor den Brückenbauer. Heute hole ich mein Jobschlüssel-Tool hervor. Es ist nützlich, wenn Sie sich beruflich orientieren und mehr Klarheit  gewinnen wollen, aber auch wenn Sie Ihre Arbeit Energielevel-gerecht gestalten möchten, also auch mit dem persönlich richtigen Mix aus Intro- und Extrotätigkeiten. Energielevel-gerecht? Damit meine ich: Den Job so gestalten, dass Sie sich damit richtig gut fühlen – im optimalen Flow-Bereich angesiedelt, dort wo sicher kein Burnout entsteht.

Haben Sie schon mal über Ihre Lieblingstätigkeiten nachgedacht? Das ist das, was Sie wirklich gern tun. Genau: Tätigkeiten, nicht Stärken – Dinge, die man TUN kann. Das sind immer Verben. Schreiben Sie diese Lieblingstätigkeiten möglichst konkret in eine Liste.  Da drauf dürften jetzt mindestens zwei und maximal sieben stehen. Mehr Zacken hat auch kein Schlüssel. Wer auf mehr kommt, vermischt Tätigkeiten mit Motivationen, Stärken oder diversifiziert zu stark. Konzentration also.  Erstellen Sie dann eine Hitliste. Zwingen Sie sich zum Gewichten, spielen Sie jede Tätigkeit gegen die andere, bis 1.,2., 3. usw. feststehen.

Beispiel A:

Hier haben wir es mit einem Monitor Evaluator zu tun,  der vermutlich viel liest, gern Strukturen erkennt (usammenhänge erkennt) – ein Analytiker. Angereichert ist sein Profil durch ein kreatives Gen, das oft mit Querdenken einhergeht. Erst die letzte Tätigkeit ist extrovertiert, das präsentieren. Hier ist zu hinterfragen, wie das genau gemeint ist: Ideen vorstellen, andere überzeugen, argumentieren? 

Wo findet sich dieser Jobschlüssel, in welchen Funktionen und Berufen? Er ist in ganz unterschiedlichen Bereichen und Branchen abgebildet: Mir fällt zu diesem Profil der Psychoanalytiker ein, auch Journalisten könnten sich wiederfinden, außerdem Wissenschaftler. Ein Referent für bestimmte Themen würde sich wiederfinden, auch ein Analyst – wobei hier die Ideenkomponente je nach Themenfeld nicht so gefragt sein könnte. Dieses, das Themenfeld, kommt natürlich bei einer grundlegenden Berufsorientierung dazu.

Haben Sie schon einen (halbwegs) passenden Job, geht es darum, mit dem Jobschlüssel das optimale Energielevel auszutarieren. Erweitern Sie dazu den Jobschlüssel dann auch um privat oder nebenberuflich ausgeübte Tätigkeiten.

Beispiel:

  • 6. Reiten
  • 7. Kochen
  • 8. Wandern

Fragen Sie sich dazu, wie Sie 100% Tätigkeiten, auf einen Tag und eine Woche verteilen würden. Lassen Sie Themenwie Zeitmanagement mal komplett außer acht.

  1. Lesen, informieren und bewerten 35%
  2. Eigene Ideen einbringen 10%
  3. (be-)schreiben 35 %
  4. Präsentieren 5%
  5. Reiten 5%
  6. Kochen 5%
  7. Wandern 5%

= 100%

Experimentieren Sie mit Ihrer Liste, erweitern Sie sie ruhig auch für den ganzen Monat. Es kann ja sein, dass einmal im Monat Reiten für 4 Stunden ausreicht. Vielleicht muss „auf dem Sofa liegen“ auch draufstehen.  Vielleicht hat eine Tätigkeit aber auch zu viel oder wenig Raum. Gibt es Energiefresser darunter? Sollten Sie etwa eine in der derzeitigen Dosis energieraubend reduzieren oder eine Energie-spendende Tätigkeit ausbauen?  Ich habe für mich selbst  irgendwann entdeckt, dass der Anteil an Trainings jahrelang einfach zu hoch für mich war. Und festgestellt: Ein Training oder Vortrag alle vier bis sechs Wochen sind optimal für mich, mehr ist kräftezehrend. Dagegen ist das individuelle Beraten und Schreiben definitiv ein Energiegewinn und darf täglich stattfinden.  Auch das ist letztendlich Slow Growing – Sie orientieren das, was Sie tun, an den eigenen Bedürfnissen und nicht (nur) am Markt. Auch Angestellte haben da oft sehr viel mehr Spielraum als viele denken.

Manchmal ist es nicht leicht zu entscheiden, was Sie selbst wirklich wollen, wenn Sie im Job  auch oder gar ganz fremdgesteuert sind. Da hilft es oft, sich mit seinen Antreibern zu beschäftigen wie „Sei stark“, „streng dich an“ oder „sei perfekt“ (siehe Antreiberkonzept, z.B. hier). Die Antreiber stammen aus der Kindheit und verdecken das, was wirklich in Ihnen ist. Bevor man überhaupt zu so etwas wie Jobschlüsseln kommt, sollte man sich damit beschäftigen. Natürlich ist der Jobschlüssel nur ein Step der Berufsorientierung – indes ein oft unterschätzter.

About Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden, ein halbes Leben Coaching, Beratung, Ausbildung. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

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