Kolumnen zu Karriere, Führung und Entwicklung

3 durchschlagende Argumente für anonymisierte Bewerbungen

By | 2012-04-19T12:48:04+00:00 17. April 2012|

Mensch, habe ich mich heute Morgen gefreut, als ich diese Nachricht hörte: Das Modellprojekt „anonyme Bewerbung“ (hier Artikel in der Süddeutschen) war erfolgreich! Gleich hatte ich zwei Interviewanfragen im Kasten, denn dass mich das Thema seit Jahren umtreibt, ist bekannt. Als eine der wenigen Vertreter meiner Spezies, die seit Jahren klar und ohne Frage „dafür“ und zum Beispiel gegen Fotos in Bewerbungen sind.

Ich bekam viel Gegenwind, denn für eine anonyme Bewerbung (Familienstand, Geburtsdatum und in Online-Formularen auch ohne Name und Geschlecht) hatte kaum jemand, vor allem auf Medienseite, Verständnis. Lustig wurde weiter darüber geschrieben, wie man eine perfekte Bewerbung nach den altbekannten Regeln schreibt. Gerade erzählte mir eine Journalistin, von den Ergebnissen sehr überrascht, Bewerbungen ohne Foto würden bei Unternehmen in ihrem eigenen Umfeld sofort aussortiert. Nun ist allein das schon ein klarer Verstoß gegen das AGG…Und zweitens auch kein Grund für eine generelle Ablehnung, denn das Aussortieren von fotofreien Bewerbungen ist längst nicht in allen Branchen üblich. Ich kenne Personaler, die sagen „Ich will gar kein Foto“, aber die Bewerber schicken trotzdem eins. Hier muss man sich den jeweiligen Einzelfall anschauen.

Ich möchte mich hier noch einmal darzulegen, warum die Etablierung der anonymisierten Bewerbung sowohl für die Gesellschaft als auch für den Einzelnen wichtig ist:

  1. Es ist eine Tatsache, dass Migranten in der Bewerbung benachteiligt sind, selbst wenn sie hochqualifiziert sind. Das muss mal ausgesprochen werden. Ein Ingenieur mit Namen Mohammed aus Wilhelmsburg wird häufiger Absagen bekommen als der Timo aus München-Schwabing. Ganz besonders schwer haben es Afrikaner, Araber, Türken und Russen – in dieser Reihenfolge. Glauben Sie mir nicht? Oh doch, man braucht nur zählen: Auf einen vergleichbaren Lebenslauf bekommt Mohammed 3 und Timo 9 Einladungen. Leider kann ich als Migrant nun meinen Namen nicht fälschen. Deshalb bin ich sehr dafür, dass das erfolgreiche Modellprojekt Schule macht und die anonymisierte Bewerbung Pflicht wird, zumindest in Großunternehmen. Keine Namen, kein Geburtsdatum, kein Geschlecht, kein Familienstand – die Komplettlösung.
  2. Es ist ebenfalls eine Tatsache, dass Frauen und vor allem solche mit Kindern und potenziell „Kinder-Gefährdete“ (ergo um die 30-40jährgie) seltener eingeladen werden, siehe Migranten. Erst recht gilt das in leistungsaffinen Bereichen. Deshalb können Techniker-Krankenkassen-Mitarbeiter sagen „bei uns ist das nicht so“, was aber keine generelle Zustandsbeschreibung ist. Anderswo, und anderswo dominiert, ist das nicht so.
  3. Es ist drittens unbestritten, dass junge Arbeitnehmer es leichter haben. Die allermeisten Stellen sind für 2-3 Jahre Berufserfahrung ausgeschrieben und die Unternehmen wollen auch nur dafür bezahlen. Weiterhin sind junge Leute, zumal Frauen, eher bereit sich für ihren Chef reinzuhängen. Sie sind insgesamt unsicherer, zweifeln mehr an sich und arbeiten deshalb scheinbar mehr. Aus der Sicht konservativer Arbeitgeber die Idealform von Pflegeleicht. Bewirbt sich also eine erfahrene 50jährige für eine gehobene Sachbearbeitung, so wird sie aus mindestens zwei Gründen (Geld und nicht so easy handhabbar) weniger oft eingeladen werden. Nun kann man Erfahrung nicht komplett verleugnen und sollte das auch nicht – ist sie doch extrem wertvoll, verhindert Fehler und ermöglicht effektiveres Arbeiten. Das herauszustellen ist meistens sinnvoll. Aber: Man kann zumindest offen lassen, ob man 48 oder 54 ist…indem man das Geburtsdatum einfach weg lässt.

Wie sehen Sie die Ergebnisse des Projekts? Ich freu mich auf eine heiße Diskussion.

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides? Biografie | Unternehmen

30 Kommentare

  1. Christoph Burger 17. April 2012 at 13:31 - Antwort

    Hallo Frau Hofert,

    jetzt fragt sich nur noch, wer dagegen sein soll (damit es zu einer heißen Diskussion kommen kann).

    Beste Grüße, CB

  2. Sam 17. April 2012 at 14:09 - Antwort

    Wenn der Abteilungsleiter partout keine Frau in den 30ern da sitzen haben will oder ganz gezielt einen Bayern, einen Hessen oder einen Schwaben im Team haben will, weil sein Nachbarn eben aus Bayern /Hessen /Schwaben kommt und ja so nett ist, wird auch die anonyme Bewerbung daran NIX ändern. Im Gegenteil: es wird den Bewerbern eine unnötige Hoffnung gemacht – unnötig deswegen, weil sie sicherlich sehr qualifiziert sind, aber an den Vorstellungen des Entscheiders scheitern. Mit den anonymen Bewerbungen wird lediglich die Personalabteilung mehr beschäftigt und das Gewissen beruhigt.

    • Svenja Hofert 17. April 2012 at 16:10 - Antwort

      sie wird nicht an allem etwas ändern, aber langsam für ein anderes Bewusstsein sein sorgen. Ein verändertes Bewusstsein gibt es, merke die plötzlich überwiegend positiven Reaktionen, bereits jetzt. Und das wird sich weiter ändern Step by Step. Bis der Abteilungsleiter auch umdenkt, oder ausgetauscht ist durch einen Vertreter der Generation Y.

    • Martina Diel 19. April 2012 at 10:53 - Antwort

      Zum Glück wollen die allerwenigsten Entscheider *partout* ihren Vorurteilen gemäß handeln.

  3. Svenja Hofert 17. April 2012 at 15:58 - Antwort

    Oh, ich hatte am Telefon schon einen kräftigen Argumente-Austausch, und gerade jetzt fragen Zeitungen nach, ob ich das denn ernst meine und man die Aussagen nicht relativieren könnte. Richtig ist: Wir modernen Berater sehen das sicher alle ähnlich 😉 LG Svenja

  4. Lars Hahn 17. April 2012 at 20:40 - Antwort

    Abseits jeder sinnvollen Begründung:
    Ich mag Hochglanzfotos und angenehm aufgemachte, witzig strukturierte Bewerbungen. Da darf ruhig Inhalt sein. Foto und Daten gehören dazu.

    Aber natürlich stimmt es, anonymisierte Bewerbungen erscheinen gerechter. Ich würde allerdings bei Zwang, zu anonymisieren noch mehr auf dem verdeckten Stellenmarkt nach Personal Ausschau halten. Da darf ich mir die Personen direkt anschauen.

    Denn andererseits: Wer bewirbt sich denn heute noch auf Chiffre-Anzeigen von Arbeitgebern?

  5. Svenja Hofert 17. April 2012 at 20:53 - Antwort

    klar, mag ich auch – und sehe ich wie du: das wird ein Push für den verdeckten Stellenmarkt, den ich gut finde. Hier sind die Hauptbetroffenen doch Konzerne und Behörden: LG Svenja

  6. Gilbert 17. April 2012 at 22:56 - Antwort

    Ich hab mich selbst nie mit Bild beworben und finde das auch albern. Mein Personaler-Handwerk habe ich in einer amerikanischen Firma gelernt, wo ganz selbstverständlich keine Bilder und Geburtsdaten dabei sind. Und auch ein Name ist in einem reinen Einwandererland meist klangvoll, ohne aber viel Rückschlüsse zuzulassen. In diesem Sinne (und vielen anderen Personalthemen) sind wir in Deutschland einfach nur echt hinterher. Beschämend. Ich weiß aber auch, dass uns kaum eine Bewerbung ohne Bild erreicht und letztlich viele Fachbereichsleiter auf „ihr Recht“ pochen würden, den einzuladenden gefälligst vorher zu sehen und wissen zu können, wie alt und wo her. Diesem Modellprojekt müssen noch einige weitere Aktionen folgen und vor allem müssen MÜSSEN alle viel mehr in der Welt herumkommen, um weniger provinziell zu sein. Hier sehe ich zum Glück Fortschritt, denn ein Studium ohne Auslandssemester gilt ja kaum noch als abgeschlossen.

  7. Svenja Hofert 18. April 2012 at 08:34 - Antwort

    Danke, dass ist eine prima Ergänzung. Es stimmt, dass wohl eher die Fachbereichsleiter das „Problem“ sind, Personaler sind (meist) etwas weltoffener. Hinzu kommt, dass die Stellung der HR in Unternehmen sehr unterschiedlich ist, von der reinen Abwicklungsabteilung ber die akzeptierten Berater bis hin zum Entscheider. Und dann ist die Branche natürlich entscheidend sowie die Herkunft des Unternehmens. Vom Einwanderungsland sind wir leider weit entfernt… LG Svenja Hofert

  8. Christel Klinger 18. April 2012 at 10:52 - Antwort

    Das finde ich eine prima Idee, gerade weil es mich vielleicht demnaechst selber betreffen wird. Aus der Elternzeit wieder in den Beruf, 2 kleine Kinder….wird spannend werden.
    Ich finde es ungerecht, dass ein Personaler sich anmasst zu entscheiden, ob ich als Mutter so einen Job bewaeltigen kann. Wenn ich mich dort bewerbe, dann werde ich schon die Power und den Willen haben es durchzuziehen. Klar, gegen Krankheit der Kinder kann man nix machen, aber es gibt ja auch noch den Vater! 🙂

    • Gilbert 19. April 2012 at 08:13 - Antwort

      Frau Klinger, die Personaler sind mit ihnen! Die Ausprägung von Anmaßung ist bei denen oft geringer, als bei den potentiell vorgesetzten, die später eventuelle Arbeitsausfälle in ihrer Abteilung kompensieren müssen. Gute Personaler hingegen haben eher das gesamte Umfeld in Betrieb im Auge und wollen Diversität (Männer, Frauen, Erfahrene, Anfänger, Mütter, Väter und alles dazwischen), weil das eine Versicherung gegen Anfälligkeiten der Monokultur bietet.

  9. Thomas Wachler-Thomsen 19. April 2012 at 08:02 - Antwort

    Ich frage mich jetzt, wie ein anonymes Verfahren in der Praxis aussehen soll: spätestens wenn der Bewerber eingeladen werden soll, muss doch eine Adresse und ein Name in die Hand genommen werden, und wenn dort nun ein Mohammend aus Wilhelmsburg erscheint, könnte das nicht dann wieder eine ablehnende Haltung erzeugen?
    Und der Lebenslauf: wenn dort eine lange Liste erscheint zurück bis zu einem Datum in 1970’er hinein, ergibt das letztlich nicht wieder einen Rückschluss auf das Alter?
    Oder sollte man im Lebenslauf nur die letzten 3 Jahre auflisten?
    Ich bin jetzt 58 Jahre alt und sehr unsicher in welcher Form ich mich bewerben könnte.

    • Martina Diel 19. April 2012 at 10:57 - Antwort

      Das Gute ist, dass zwar nicht wenige Leute Vorurteile gegenüber „den Türken“, „Frauen im gebärfähigen Alter“ etc. als Gruppe haben, wenn aber ein/e Vertreter/in der jeweiligen Gruppe persönlich vor ihnen sitzt, lassen sie sich leichter überzeugen, dass die Person all die vermuteten Schwächen nicht hat (im Rahmen des Vorurteilsgebäude also eine „Ausnahme“ ist).

  10. Karin 19. April 2012 at 08:21 - Antwort

    Verzeihung, aber das ist alles ausgemachter Schwachsinn!

    Der praktizierte Sozialismus ist eben extrem weiter auf dem Vormarsch! Es kann doch wohl nicht sein, dass man als Firmeninhaber in der Vorauswahl schon nicht mehr entscheiden darf, möchte ich eine Frau oder einen Mann, sie/er sollte ca so alt sein, sie /er sollte so oder so sein….

    Solange es nicht komplett vorgeschrieben wird, wen ich in meiner Firma einzustellen habe, habe ich für mich ohnehin bereits im Vorfeld eine klare Vorstellung von dem Personal, welches ich für die entsprechenden Stellen haben möchte. Da nützt eine anonyme Bewerbung gar nichts. Es führt aber leider dazu, dass mehr Einladungen erfolgen müssen. Mit dem Ergebnis, dass ich mich dennoch für die Person entscheiden werde, die ich auch eingeplant hatte. So werden auch bei den Bewerbern völlig unnötige Hoffungen geweckt, die spätestens im Bewerbungsgespräch brutal zerstört werden müssen, es wird unnötig hoher Personal- und Zeitaufwand betrieben, usw. usw.. Volkswirtschaftlich totaler Unsinn!

    Diese ganze Thematik ist in der Praxis hier in Deutschland daher absolut unnötig! Es steckt leider nur der kranke, sozialistische Gleichheitswahn hinter dieser Idee. Wer aber sozialistische Verhältnisse haben möchte…. Ich wünsche noch viel Freude..!

    Schon die Tatsache, dass man die Stellenausschreibungen nicht mehr nach seinen Wünschen und Vorstellungen schreiben darf, ohne in Klagen und Prozesse verwickelt zu werden, ist eine Katasstrophe!

    Ich kann es nur noch einmal wiederholen. Schreibt am besten ganz genau vor, wen man für welche Stelle einstellen muss. Dann braucht es auch gar keine Bewerbungen mehr. Macht es dann einfach. Jeder muss soviel Frauen und Männer einstellen, soviel Türken, Polen, und Inder. Alles wird festgeschrieben….

    Ansonsten ist das schlussendliche Ergebnis, ob mit oder ohne anonyme Bewerbungen, immer noch solange das Gleiche, wie ich als Firmeninhaberin für mich bereits vorher entscheide, ich möchte einen Mann in dem Alter, mit der Herkunft, mit den Kenntnissen und Fähigkeiten usw. für die zu besetzende Stelle!

    Sorry, aber es macht leider absolut keinen Sinn!

    • Gilbert 19. April 2012 at 09:14 - Antwort

      Bewerbungsverfahren werden in den USA schon traditionell sehr ähnlich anonymisiert gehandhabt. Da hat nicht einmal die Tea-Party-Bewegung etwas dagegen.

      Genau so sehr, wie der Präsident der USA ein muslimischer Sozialist ist, hat auch dieses Thema hier mit Sozialismus zu tun.

    • Martina Diel 19. April 2012 at 11:00 - Antwort

      Danke für dieses so extrem klare Statement. So etwas kann ich immer wieder gut gebrauchen, wenn mir jemand z.B. in einer Diskussione über die Frauenquote klarmachen will, dass ja bereits heute nur noch Qualifikation entschieden wird und nicht nach demographischen Merkmalen.

    • liom 10. Juni 2014 at 14:56 - Antwort

      da versteht jemand offentsichtlich nicht wozu eine anonyme bewerbung dienen soll, nämlich die EIGENEN vorurteile eines personalers im ERSTEN schritt ABZUSCHALTEN, dafür ist jedoch ein langer und unterhaltsamer text zusammengekommen. das mit dem sozialismus mag ich am meisten.

  11. Svenja Hofert 19. April 2012 at 08:41 - Antwort

    Hallo Herr Wachler-Thomsen, lassen Sie das Geburtsdatum einmal versuchsweise für 10 Bewerbungen weg und stellen Sie die Kompetenz heraus. Danach entscheiden Sie, ob Sie das weitermachen. Man wird immer noch ahnen, wie alt Sie etwa sind, aber durch geschicktes Weglassen und Betonen lässt sich eine Menge machen. Und sitzen Sie einmal da, ist das Alter auch sekundär bzw. wird es dem Unternehmen viel schwerer fallen, Ihnen abzusagen. LG Svenja Hofert

  12. Svenja Hofert 19. April 2012 at 08:47 - Antwort

    @ apropos Schwachsinn: Auch ich bekomme Bauchschmerzen, denn wenn Sie mich fragen: Ich bevorzuge ältere Frauen und Frauen mit Kindern. Total egoistisch, aber meine Erfahrung sagt, die sind treuer, weil sie woanders größere Schwierigkeiten haben. Auch das ist Diskriminierung in gewisser Weise.
    Nun sehe ich meine persönlichen Interessen aber nicht als Maßstab für gesellschaftliche Veränderung, bewahre. Hinzu kommt: Kleine Unternehmen arbeiten doch sowieso ganz anders: Man schaut doch erst mal, wen man kennt und hat eine Ausschreibung gar nicht nötig. Die Geschichte betrifft vor allem größere Unternehmen, die ausschreiben. Und in dem Moment geht es um ein Angebot, dass ich mache. Die darauf folgende Auswahl muss fair sein. LG Svenja Hofert

  13. Christoph Burger 19. April 2012 at 09:03 - Antwort

    @Karin
    Herrlich: Ihre Wut ist inspirierend. Hätten Sie neutraler mit mehr p.c. formuliert, wäre die Welt langweiliger.
    Bei mir lösen Sie Empörung aus, denn ich denke, Sie werfen Ihre persönliche Situation in einen Topf mit der Frage eines gesellschaftlichen Agreements. Aber Statistik gilt nie für den Einzelfall. Und aus meiner persönlichen Situation kann ich keine Gesetze schmieden, die für alle gut sind.
    Frau Hofert hat schon den Unterschied zwischen Klein- und Großunternehmen aufgemacht: Richtig.
    Es geht hier um den großen Maßstab. Sie sagen richtigerweise, dass mehr Einladungen verschickt werden müssen. Richtig. Die Hoffnung ist, dass bei diesen Einladungen letztlich mehr Menschen dabei sind, die man sonst aussortiert. Und dass dann bei diesen einige im Vorstellungsgespräch überzeugen, denen man sonst keine Chance gegeben hätte. Das ist in Zeiten des kommenden Fachkräftemangels (volkswirtschaftlich) gut. Der Negativ-Effekt der zusätzlichen Einladungen wird dadurch aufgewogen.
    Die Studie sagt: Das ganze ist keine Hoffnung, sondern funktioniert auch in der Realität so. Das ist der Wert der Studie.

    Es bleibt der Negativ-Effekt, dass einige für sich mehr Nachteile finden, als Vorteile. Das ist (leider) bei allen gesetzlichen Entscheidungen so und nicht zu vermeiden.

    Kämpfen Sie weiter für Ihre Sicht – vielleicht haben Sie Erfolg. Je mehr Wut und Energie Sie einbringen, desto eher.

    Schöne Grüße, cb

  14. Svenja Hofert 19. April 2012 at 09:20 - Antwort

    Nun, Herr Burger, Karin: Neben der Wut ist auch die Diplomatie ein Erfolgsgeheimnis. Man kann Menschen nur ins Boot holen, wenn man Verständnis für eine Sache weckt. Wenn die Argumente besser sind… und man ruhig bleibt. Ein bißchen Wut ist hilfreich, siehe Reich-Ranitzki, den ich immer wieder faszinierend finde. Zuviel irgendwie für eine konstruktive Diskussion nicht angebracht.

  15. Karin 19. April 2012 at 09:25 - Antwort

    Nur noch einmal kurz. Die oben erwähnte Studie sollte nicht ernsthaft zu Jubelstürmen hinreißen lassen. Denn: Eine Untersuchung in acht Organisation ist weit davon entfernt, repräsentative Schlussfolgerungen zu erlauben. Sie ist lediglich eine simple Stichprobe – nicht weniger, aber auch nicht mehr.

    Zweitens beweist die Studie keine Kausalität. Will sagen: Niemand weiß, ob die Bewerber nicht auch dann zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen worden wären, wenn sie das Anschreiben mit vollem Namen und Foto abgesandt hätten.

    Und drittens gilt: Zum Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden, ist das eine – den Job zu bekommen aber etwas ganz anderes. In der Realität kommt jedoch kein Absolvent ernsthaft an einem persönlichen Interview vorbei – und spätestens hier muss sich der Bewerber aus dem Schutz der Anonymität wagen.

    Zum Ergebnis empfehle ich auch noch: http://www.derwesten.de/wirtschaft/nrw-unternehmen-geben-anonyme-bewerbungen-wieder-auf-id6563881.html

    und

    http://www.derwesten.de/incoming/chefs-lehnen-anonyme-bewerbungen-ab-id6565308.html

    sowie

    http://www.wiwo.de/erfolg/beruf/anonyme-bewerbung-uebertriebene-euphorie/6520410.html

    und zu Schluss

    http://www.die-perfekte-bewerbung.info/bewerbungsanschreiben/die-anonyme-bewerbung-ist-blanker-unsinn/

  16. Enrico Briegert 19. April 2012 at 19:52 - Antwort

    Aber bitte nicht wieder eine gesetztliche Regelung. Soll jeder Unternehmer selbst entscheiden, wie er die Bewerber auswählt. Zu empfehlen ist die anonymisierte Bewerbung, da selbst unbewusste Vorurteile und Erfahrungen bei jeder Entscheidung mitmischen.
    LG, Enrico Briegert

  17. Christoph Burger 20. April 2012 at 20:52 - Antwort

    @Hofert und Wut: So meinte ich meine Empfehlung: Aus der Wut etwas machen (was nicht mehr Wut, sondern konstruktiv ist, aber die Energie in sich trägt).

    @Briegert: Interessantes Fass, das Sie damit aufmachen. Gesetz oder Vorbild? Mal spontan: Gesetz fände ich pfundig. Kommt wahrscheinlich daher, dass ich die letzten 15 Jahre leid bin. Nachdem die Politik auf die Idee kam, „Selbstverpflichtungen“ der Industrie schicker zu finden, als gesetzliche Regelungen, wie das früher war, ging es meistens so: Die z.B. Autoindustrie fand natürlich strengere Regeln weniger gut. Also Selbstverpflichtung besser. Ermöglichte es, einerseits an der neuen Technik zu arbeiten, andererseits Lobbyarbeit zu betreiben und den Zwang nach hinten zu schieben. Das war nicht nur schlecht für die Umwelt, sondern meiner Meinung nach auch kontraproduktiv für die Industrie. Denn wenn eine neue Technik nicht wirklich mit Volldampf entwickelt wird, wirds halt auch nicht so doll mit dem technischen Vorsprung. Und irgendwann liegen sogar die technischen Lösungen in der Schublade und warten nur noch darauf, dass die Politik sich endlich zu einem klaren Wort entschließen kann. Okay, das war jetzt ein Nebengleis – aber so komme ich auf die spontane Zustimmung zur gesetzlichen Regelung. Außerdem wünsche ich mir eine Politik, die „das Primat des Politischen“ und damit die Demokratie lebt.

    Schöne Grüße, cb

  18. Alexandra Preis 23. April 2012 at 10:43 - Antwort

    Ich finde, der Versuch zeigt vor allem eines: Die anonymen bzw. anonymisierten Bewerbungen sind vor allem Gewöhnungssache. Wir sind Personaldienstleister und überlassen unseren Kunden natürlich aus Prinzip ausschließlich anonymisierte Lebensläufe. Wenn sich die Laufbahn über 30 Jahre erstreckt, kann sich jeder Personaler an einem Finger abzählen, dass der Bewerber keine 25 mehr ist; zum Glück ist in unserem speziellen Bereich das Alter auch kaum ein Kriterium.
    Ich weiß aber auch, dass manche Entscheidungstreffer in den Personalabteilungen mehr oder weniger bewusst ihren Vorurteilen die Zügel schießen lassen, ob sie nun keine Türken haben wollen oder keine BWLer oder keine Frauen, die so heißen wie die Ex-Ehefrau – bei solchen (hoffentlich extrem seltenen) Auswüchsen können anonyme Bewerbungen das Schlimmste vermeiden.
    Ich kenne die Bewerbungssituation von beiden Seiten, und ich bin mir sicher, dass ich öfter zu Vorstellungsgesprächen eingeladen worden wäre, wenn mein „Handicap“, nämlich eine Frau im gebärgefährdeten Alter zu sein, nicht schon direkt aus dem Lebenslauf ersichtlich geworden wäre. Im Vorstellungsgespräch konnte ich dagegen praktisch immer überzeugen, ich habe da eine fast 100-prozentige Erfolgsrate. Trotz des gebärfreudigen Beckens.

    • Chris 2. November 2016 at 16:45 - Antwort

      Hier sieht man das Paradoxe daran !

      Die einen hier beklagen sich darüber, dass sie Männer sind und die anderen, weil sie frauen sind

      Und die meisten haben falsche Vorstellungen und denken, dass es migranten oder frauen einfacher hätten. Mitnichten

      ich habe einen Migrationshintergrund und personalverantwortliche die ich sehe, sind meistens immer deutsche blonde frauen oder auch mal mit braunen Haaren.
      Das soll jetzt kein Angriff sein, ich bin hellhäutig, wenn auch schwarze haare und einen ausländischen Nachnamen

  19. Daniel 25. April 2012 at 16:37 - Antwort

    Auch wenn anonymisierte bewerbungen durchaus vorteilhaft sein können, liegt es jedoch im Sinne des Personalers, ob er jemanden einstellt. Einige stehen deisen bewerbungen offen gegenüber, aber andere verlangen nach Foto und allen persönlichen Angaben. Ruft man vorher an, macht man sich verdächtig!

    Fazit: Anonyme Bewerbungen sind in D wohl noch nicht zukunfttsfähig!

  20. […] Unternehmen und Universitäten tüfteln an der anonymen Bewerbung. Nicht aus Spass. Ausländerinnen und Ausländer, ja generell Menschen mit fremdländisch […]

  21. Chris 2. November 2016 at 16:13 - Antwort

    Ich Dummerle wie lächerlich ich mich doch gemacht habe, als ich das erste Mal in einem Unternehmen war wo ich neben Personalern sass und dachte, die heile Welt findet hier statt.

    Schnell stellte ich fest, dass ihre Vorlieben SUSHI und SMOOTHIES waren aber sonst alles im deutschen Rahmen bleiben sollte.

    Bewerbungen von türkischstämmigen Deutschen wurden nach Fehlern gesucht..

  22. Chris 2. November 2016 at 16:42 - Antwort

    Ich habe auch schon anonyme Bewerbungen beobachtet und begleitet und muss leider sagen, es ist kein Allheilmittel !

    Es ist ja ohnehin mehrstufig.. Es ist das gleiche Prinzip,wie bei der Sendung THE VOICE OF AMERICA / VOICE OF GERMANY

    bzw. die Sendung basiert auf diesem Prinzip

    Die erste Stufe ist noch die beste. Da sind Diskriminierungen ausgeschlossen und die Bewerber freuen sich und dann denken sie sie kriegen die stelle und es würden neue zeiten anbrechen und wenn es dann soweit ist dann sehen die Personaler die Bewerber und stellen fest, oh der ist ja dicker und kahlköpfiger als ich dachte…..

    dann kann sich das wenden, wenn dann andere Bewerber jünger und hübscher sind und nicht die gleichen Qualifikationen haben… dann sieht die Sache anders aus

    einige könnten davon profitieren und Meinung von personalverantwortlichen ändern. Andere wiederum werden schnell die Ernüchterung kriegen

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