Gestern Fachkraft, heute Wissensarbeiter: Vom Wertewandel im Recruiting

Sind Sie eine Fach- und Führungskraft? Ich verwette 10 Slow-Grow-Prinzipe darauf, dass Sie das sind, denn sonst würden Sie meinen Blog nicht lesen. Jeder, der eine Ausbildung hat, ist nämlich eine Fach- und Führungskraft. Selbst Sarah Wiener, die keine hat, ist eine.

Wenn etwa der „Harvard Business Manager“ in einem der brandeins beigelegten Werbeschreiben die „sehr geehrten Fach- und Führungskräfte“ anspricht, könnte er genausogut „sehr geehrte ALLE“ schreiben. Seit einiger Zeit gibt es neben diesen „allen“ noch andere, die im Moment noch nicht ALLE sind. Doch sie sind mengenmäßig auf dem Vormarsch. Ich zitierte das Fraunhofer Institut: „Wissensarbeiter stellen mit über 40 Prozent die größte Beschäftigtengruppe in Deutschland dar und ihr Anteil steigt.“ Wissensarbeiter sind auch Fach- und Führungskräfte, aber noch viel mehr per definitionem Experten und Spezialisten. Kennzeichen der englisch auch Knowledge Worker genannten Kräfte: Sie arbeiten mit dem Kopf, nicht mit den Händen, weitestgehend unter Nutzung moderner Technologien. Ein anderer, wenn auch inkonsequenter Begriff dafür wäre Freiberufler. Freiberufler waren früher per definitionem auch Kopfarbeiter. Und ist im Kopf nicht Wissen?

Der Wissensarbeiter darf, deshalb wurde er möglicherweise als Begriff neu erfunden und nicht das alte Wort Freiberufler verwendet, auch angestellt sein. IT spielt in seinem Leben meistens eine tragende Rolle. Wie geschrieben ist er wahlweise Experte oder Spezialist. Der Spezialist war ehedem der Fachidiot, der Experte ist etwas breiter angelegter, und hieß früher Allrounder, denn er kennt sich bereichsübergreifend und damit vernetzend aus. Der Spezialist nicht, sein Wissen ist punktuell und geht in die Tiefe.

Tschüss Fach- und Führungskraft, hallo Experte und Spezialist. Der Personaldienstleister Hays hat die Zeichen der Zeit erkannt. Mit „Recruiting experts worldwide“ positioniert sich Hays clever, nämlich als Experte für Experten – statt für Fach- und Führungskräfte wie alle anderen. Es impliziert damit: Experten sind die neuen Führungskräfte, was den (hohen) Stellenwert und Status im Unternehmen angeht. Experten arbeiten in Projekten und damit an jenen zukunftsrelevanten Schnittstellen, an denen Spezialisten-Wissen zusammenläuft. In der Studie von Hays lesen wir unter anderem, dass der Anteil der bereichsübergreifenden Projektarbeit in den letzten 2 bis 3 Jahren deutlich gestiegen ist und weiter steigen wird. Was heißt: Jene Abteilungsinseln, in denen die Fach- und Führungskräfte regiert haben, werden in die Unternehmenslandschaft integriert. Zeitweise zieht der freiberufliche Experte in die Unternehmen ein. Dieser Wandel hat Konsequenzen für Unternehmen. Denn mit den Wissensarbeitern kommen auch neue Persönlichkeiten in Unternehmen zur Geltung – Menschen, die in Zeiten der Schornsteinkarriere vermutlich gar nicht weitergekommen wären.

Diese werden oft von komplett anderen Werten getrieben als bisher üblich. Beispielsweise ist der freiheitsorientierte Corporate Knowledge Worker, als Wissensarbeiter-Typ vom Zukunftsinstitut identifiziert, ein Typ Intrapreneur, der gestalten möchte und Inhalte vorantreiben. Da sein Wert Sicherheit gering ausgeprägt ist, sein Autonomiestreben dafür umso mehr, ordnet er sich politischen Zwängen weniger unter. Der freiheits- und flexibitätsorientierte (meist) Freelancer wird wiederum andere Prioritäten setzen. Sein Status ist wenig durch Hierarchien bestimmt, sondern mehr durch inhaltliches Tun.

Verschiedene Werte bestimmen das Bild bevorzugter Arbeitskräfte

Ich habe diese Entwicklung hin zu einer Wertedominanz im Bereich Freiheit/Flexibilität in eine Grafik übersetzt. Wer es wissenschaftlicher möchte, den verweise ich hier auf die 11 Knowledge Worker-Typen des Zukunftsinstituts, die unter anderem CIO aufgegriffen hat.

PS: Eigentlich ist Wissensarbeiter ein blödsinniger Begriff. Denn mit Wissen arbeiten diese Leute gar nicht. Wissen ist im Internetzeitalter überall und für jeden verfügbar, aber erst Können und Praxis machen seinen Erfolg aus. Deshalb sollte er vielleicht besser Praxisarbeiter heißen. Hört sich aber nicht ganz so gut an.

About Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

21 Kommentare zu “Gestern Fachkraft, heute Wissensarbeiter: Vom Wertewandel im Recruiting

  1. Die Grafik mit den vier Quadranten gefällt mir außerordentlich gut. Sie beschreibt die verschiedenen Typen in der Tat sehr realistisch und es ist eine interessante Übung, sich selbst dort einzuordnen.

  2. Hallo Frau Hofert, ich finde das bereits vor einigen Jahren veröffentlichte Buch von Peter Drucker (Management im 21. Jahrhundert) zum Thema „Wissensarbeiter“ ebenfalls recht erhellend. Drucker führt (in seinem übrigens letzten Buch) aus, welche Wirkungen/Anforderungen „Wissensarbeiter“ auf das Management haben … Vielleicht machen wir ja mal zum Thema ein Interview. Mit besten Grüßen aus Köln. Ulrich Hinsen für ManagementRadio

  3. Ein paar Anmerkungen für den Begriff Wissensarbeiter:

    Ich finde diesen auch völlig misslungen.

    1. Gibt es viele, die großes Fachwissen haben, die man aber nie als Wissensarbeiter bezeichnen würde, wie Friseure oder Krankenschwestern.

    2. Der deutsche Begriff „Arbeiter“ assoziiert bei mir anderes, als der Begriff „worker“. Nämlich Fabriken und Tarifpartnerschaft. Passt hier gar nicht.

    3. Wissensarbeiter verdienen nicht durch ihr Wissen Geld, sondern durch die Anwendung ihrer Fähigkeiten. Die sind normalerweise im Bereich Kommunikation, Projektmanagement, Organisation, Umsetzung. Das Wissen ist zwar sehr wichtig. Bezahlt werden sie aber nicht in erster Linie fürs Wissen, sondern fürs TUN, dafür das sie ihr Wissen „auf die Straße bringen“.

    Wissensanwender träfe es noch besser, ist aber auch nicht ideal. Du solltest einen Contest starten: „Wer hat den besten Begriff für die Wissensanwender der Neuen Arbeit?“.

  4. Hallo Frau Hofert, sehr interessant die Entwicklung im Kontext der Wertedominanz zu sehen,- tolle grafische Darstellung,- alles auf einen Blick!
    Ich spüre als „IT- und Projektmanagement Wissensarbeiter“ zurzeit selbst sehr aktiv, welche Diskrepanz und Unsicherheit in Unternehmen in Bezug auf „Wissensarbeit“ herrscht. Besonders in Unternehmen mit alter, langer Tradition weiß man noch nicht so recht was anfangen damit, so nach dem Motto „Was bringt uns das? Was sollen wir damit?“ Hierfür muss erst noch das Bewusstsein Step by Step geschaffen werden. Oftmals wird man vorerst unternehmensintern als „Besserwisser“ betrachtet, da erst mit dem „Tun“ mit der Umsetzung sozusagen, der effektive Nutzen der Wissensarbeit und somit der Benefit fürs Unternehmen erkennbar sind.
    Aber die Unternehmen merken sehr deutlich wie in immer kürzeren Abständen sich das Wissen der Menschheit verdoppelt. Brauchte es zwischen 1800 und 1900 noch hundert Jahre, damit sich das Wissen verdoppelte, geschieht dies heute innerhalb von 4 Jahren. Alle vier Minuten gibt es eine neue medizinische Erkenntnis, alle drei Minuten wird ein neuer physikalischer Zusammenhang gefunden und jede Minute wir eine neue chemische Formel entwickelt. Und ab 2050, so man den Zukunftsforschern glauben darf, soll sich das Wissen sogar täglich verdoppeln.
    Es bleibt spannend für die Wissensarbeiter, Experten, Spezialisten,………(ich habe so spontan leider keinen neuen Namen gefunden).
    Schöne Grüße, Karin Baldauf

  5. Pingback: Verschenken Sie doch mal Ihr Wissen...! | Online-Magazin für Karriere & Zukunft von Svenja Hofert

  6. Líebe Frau Hofert,

    mit Freude habe ich eben erst Ihren Blogbeitrag entdeckt, vielen Dank für die Erwähnung unserer Studie! Da es eher ein Studienprojekt (dreiteilig aufgebaut) ist, möchte ich Ihre Leser und Sie gerne auf unsere Website aufmerksam machen, in der wir ausführliche Auszüge aus den Expertengesprächen, weitere passende Studien, Fachbeiträge und Diskussionspapiere sowie Verweise und Links zu anderen Informationsquellen bereitstellen. http://bit.ly/NHA19x

    Herzliche Grüße aus Mannheim

    Christina Wolf

  7. Hallo Frau Hofert,
    da Hays angesprochen ist in Bezug auf die Begriffswelten. Vor der Frage, welcher Begriff am besten passt, stehen wir ständig. Experten und Spezialisten verwenden wir meist synonym, trotzdem implizieren sie etwas anderes. Experte ist etwas weiter gefasst und suggeriert vielleicht mehr Erfahrung.
    Die Unterscheidung in Ihrem Quadranten, hilft sicherlich, aber als Dichotomie macht es eher keinen Sinn und meist sind es Mischformen.
    Für eine neue Studie (www.wissensarbeiter-studie.de) nutzen wir den Begriff Wissensarbeiter – diese sehen wir als Akteure, die aufgrund ihres Wissens an der Wertschöpfung von Unternehmen aktiv teilnehmen. Also recht breit gefasst. In Kürze befragen wir Wissensarbeiter selbst und danach Unternehmen. Auch in Richtung Ihres Quadranten.
    By the way teile ich nicht Ihre Meinung, dass Wissen überall verfügbar ist. Es ist aus meiner Sicht untrennbar mit dem jeweiligen Menschen verknüpft und nicht in Datenbanken oder im Intranet per click verfügbar.
    Frank Schabel, Hays

    • Hallo Herr Schabel, vielen Dank für Ihren erhellenden Kommentar. Vielleicht könnten wir das mit der Verfügbarkeit von Wissen so formulieren: Es ist da, aber nur Menschen mit Wissen können es sinnvoll ver- und bearbeiten. Bin gespannt auf Ihre Studie. LG Svenja Hofert

    • Hallo Herr Schabel, danke für Ihr Statement. Siehe hierzu meine Antwort zu Dirbach. Ich finde, im Internet ist Information und auch Wissen verfügbar. Nicht jeder kann sich es aneignen, dazu braucht es Vorwissen und Lernfähigkeit. Aber er/sie könnte in ganz vielen Bereichen. LG Svenja Hofert

      • Touché (wenn ich mich hier mal einklinken darf) – dazu braucht es aber eine echt große Portion „Lernfähigkeit“ – das kann tatsächlich wohl doch nicht jeder („ich dachte bis dato das kann jeder“) …. und ohne ein Studium (unabhängig der Fachrichtung) ist dies (so zumindest meine Meinung) … beinahe unmöglich.

        • Weiß grad nicht so genau auf welchen Beitrag Sie sich beziehen, lieber Herr Schulz. Wenn Sie meinen, dass es nicht selbstverständlich ist, dass jeder eine große Lernfähigkeit hat, so gebe ich 100% recht. Ein Studium kann in Sachen Lernfähigkeit einiges tun, muss es aber nicht. Ich fänd ein Schulfach Lernen+Meinungsbildung nicht schlecht. LG Svenja Hofert

  8. Hallo Frau Hofert
    Für den Begriff der Wissensarbeit gibt es mittlerweile sehr gute und auch anerkannte Definitionen. Auf meinem Blog unter http://bit.ly/KEFPi6
    finden Sie eine Sammlung der wichtigsten Definitionen. Grundsätzlich können wir auch davon ausgehen, dass jemand der nach den genannten Definitionen Wissensarbeit macht, ein Wissensarbeiter ist. Allen Definitionen gemeinsam ist, dass Wissensarbeit den Prozess des Lernens – also des Erwerbs neuen Wissens im Arbeitsprozess beinhaltet. Dabei spielt es keine Rolle ob jemand ausschliesslich mit dem Kopf oder auch mit den Händen arbeitet. Jeder Ingenieur oder Desiner arbeitet auch mit den Händen mit einem Stift oder einem iPad. Auch ein Chirurg, der einen schwierigen Eingriff macht, ist ein Wissensarbeiter, da er die selbe Operation nicht schon hundert Mal gemacht hat.
    Ich denke, man sollte den Begriff der Wissensarbeit bzw. Wissensarbeiters auch nicht permanent umdefinieren. Das Fraunhofer Institut hat diesen in vier Kategorien eingeteilt, die z.B. den Grad an Neuigkeit der Aufgabe einteilen. Das sollte genügen um die vorhandenen Definitionen noch ein wenig zu ergänzen.
    Mit Ihrer Aussage, Wissen ist im Internet und überall verfügbar kann ich mich nicht anfreunden. Was verfügbar ist, ist lediglich Information. Damit daraus Wissen wird, braucht es ein aufnahmebereites Gehirn und einen Lernprozess, der diese Information in Wissen transformiert. Diese Transformation ist u.a. ein Vernetzen der aufgenommenen Information in schon bestehende Wissensbestände. Die Wissenstreppe von Klaus North macht dies sehr klar verständlich: http://bit.ly/KEFN9V
    .
    Beste Grüsse
    Jörg Dirbach

    • Hallo Herr Dirbach, ich finde, dass Definitionen nie geschlossen sein sollten. Jeder Definition kann eine neue Perspektive hinzugefügt werden, sonst wäre es eine in sich geschlossene Einheit. Wer bitte sollte das die Deutungshoheit haben. Wenn Wissen, wie in der schönen Treppe gezeigt, die Erweiterung von Information um den Faktor Vernetzung ist, so bin ich dennoch der Meinung, dass das Internet sehr wohl Wissen bereithält. Zum Beispiel gibt es bei Youtube inzwischen phantastishe Lernvideos, die diese Vernetzung erzeugen. Das ist eindeutig mehr als Information LG Svenja Hofert

  9. Hallo Frau Hofert,
    danke für Ihren Blogbeitrag und die daraus resultierende, angeregte Diskussion! – Ich denke mir, dass hier vielleicht die anerkannte Abgrenzung von Wissen gegenüber Daten und Informationen einmal hilfreich sein könnte (vgl. Wissenstreppe Klaus North, 2003).
    Zeichen (1 4 2 : 9) bilden die Grundlage und ergeben in Verbindung mit einem Syntax Daten (12:49). Stehen Daten ihrerseits im Kontextbezug und erhalten damit eine Bedeutung (angeschlagen an der Bushaltestelle), werden diese zu einer Information (Abfahrtszeit des Busses 12:49). Allerdings erst die Verknüpfung – aktiver Prozess! – der gegeben Information mit eigenen Kenntnissen oder Erfahrungen führt zum Wissen (Bus kommt immer 5 Min. zu spät; ich habe noch Zeit).
    Wissen ist somit personen- oder organisationsgebunden, anders gesagt: “Wissen sitzt zwischen zwei Ohren – bzw. im Gebäude einer Organisation.”
    Vor diesem Hintergrund gibt es nicht „das Wissen, das da ist“; es wird immer wieder geschaffen und dabei (leicht) modifiziert!

    Im Hinblick auf Wissensarbeit ist das Herausheben des Anwendungsbezuges wichtig und richtig. Wissen ist nämlich neben den traditionellen Ressourcen Arbeitskraft, Rohstoffe und Finanzen der Vierte und zunehmend entscheidende Produktionsfaktor, um Wertschöpfung von Unternehmen, Institutionen oder Organisationen zu generieren (und Wettbewerbsfähigkeit….). Wissensarbeit beschreibt damit nicht eine Anforderung an die Arbeit (das ist wissensbasierte Arbeit), sondern vielmehr die Qualität von Tätigkeiten. Reines Fach- und Methodenwissen (explizites Wissen) ist dabei nicht ausreichend (ACHTUNG, dieses zeichnet Fach- und Führungskräfte maßgeblich aus!), sondern es müssen dauerhaft z.B. Kenntnisse, Erfahrungen und Fähigkeiten (implizites und verborgenes Wissen) integriert werden, um einen produktiven Ausfluss zu haben. – Somit ist es also nicht die Fabriken und Tarifpartnerschaft die der Begrifflichkeit zu wider laufen, auch müssen es nicht zwangsläufig Experten oder Spezialisten sein. Vielmehr ist es eine Frage des eigenen Selbstverständnisses und der eigenen Befähigung die Vielschichtigkeit von Wissen in häufig komplexen Zusammenhängen wertschöpfend zu nutzen, die die Wissensarbeit auszeichnen.

    Eine Frage zum Schluss: “Wissensarbeiter stellen mit über 40 Prozent die größte Beschäftigtengruppe in Deutschland dar und ihr Anteil steigt.” Aber warum weiß ein gutes Management, wie wichtig es ist, dass die Prozesse im Unternehmen bzw. in der Organisation geplant, kontrolliert und gesteuert werden und Personalentwicklungskonzepte, Businesspläne, Finanzcontrolling vertraute Instrumente der Unternehmensführung sind, wenn Wissensmanagement für viele immer noch ein Buch mit 7 Siegeln zu sein scheint? – Vielleicht hilft hier ein Link: http://bit.ly/MuStCB

    Herzliche Grüße aus Kiel,
    Stefan Rehm

    • Lieber Stefan Rehm,
      danke für Ihre erhellenden und ergänzenden Zeilen, ich hab mir ihr PDF grad ausgedruckt 🙂 Ich habe bisher allerdings auch die Erfahrung gemacht, dass Wissensmanagement eine seltsame Rolle zugeschrieben bekommt, teilweise schreibt man es Redakteuern zu, die irgendwelche Wikis betexten… Was macht Ihrer Meinung nach ein Wissensmanager, bzw. was sollte er tun? LG und schönen Sonntag Svenja Hofert

      • Liebe Frau Hofert,
        vielleicht gehen wir ein wenig weg von Ihrem Leitartikel, aber ich antworte (endlich) gerne auf Ihre Frage, was macht ein Wissensmanager:
        „Ein Wissensmanager soll die Wirksamkeit von Wissen erhöhen!“ – Genau so breit wie diese Aussage angelegt ist, muss auch die Tätigkeit von Wissensmanagern angelegt sein. Dabei führt nie nur ein Weg zum Erfolg und sicher auch nie immer derselbe. Auch darf man die Tätigkeit nicht auf die Einführung unterschiedlicher Instrumentarien oder einzelner Aktivitäten reduzieren (Wiki, Kompetenzprofile, Wissenslandkarte etc.). Die ganzheitliche Perspektive ist zwingend!

        Wissensmanager richten den Fokus auf den (neben Arbeitskraft, Finanzen und Rohstoffe) Vierten und heute zunehmend bedeutendsten Produktionsfaktor: Wissen. Dabei gilt es eine Ressource zu managen, die sich bei Ihrem Gebrauch als einzige mehrt! Und auch kann über die Ressource nicht direkt verfügt werden, sondern den Menschen muss ein Umfeld geschaffen werden, in dem Wissen erworben, entwickelt, verteilt, genutzt und bewahrt werden kann. Wissen muss sich bewegen können!

        Konkret: Wissensmanager müssen immer nach Antworten und Aktivitäten suchen, die entweder eine bestimmte Herausforderung im Hinblick auf die Dimension Wissen entschärft oder direkt nachhaltig zum Geschäftserfolg beiträgt. Zu bedenken ist dabei allerdings, dass dieses zu einer Unternehmung oder Organisation passen muss; die Mitarbeiter, die Kultur, aber auch spezifische Rahmenbedingungen oder Anforderungen entscheiden über die Strategie und beeinflussen die Wahl der Instrumente. – Besteht in einer Unternehmung beispielsweise bereits ein Problembewusstsein darüber, dass heute zentrale Mitarbeiter zwischen 55 und 63 Jahren alt sind, dann werden Antworten aus der Wissensperspektive gewiss auf die Bewahrung von Wissen abzielen. Ist aber nun ein Wiki einzuführen, sollen altersgemischte Teams gebildet, ein monatliches Jour Fixe innerhalb einer bestimmten Einheit eingeführt oder doch erst analysiert werden? – Ein Wissensmanager kann hier qualifiziert beraten und begleiten.

        Abschließend eine zusammenfassende Beschreibung zum Wissensmanagement:
        „Wissensmanagement umfasst alle Maßnahmen des Erwerbs, Transfers sowie der Nutzung und Speicherung von Wissen, um Wissenspotenziale zu erschließen und Geschäftsprozesse zu unterstützen. Im Vordergrund steht Wissen zielgerichtet und systematisch weiter zu entwickeln und so anzuwenden, dass es in Form neuer Produkte, Prozesse oder Geschäftsfelder umgesetzt werden kann“ (Bodrow/ Bergmann 2003).

        Soviel zu Ihrer Frage, was macht ein Wissensmanager,
        mit herzliche Grüße aus Kiel,
        Stefan Rehm

    • Lieber Stefan Rehm,
      danke für Ihre erhellenden und ergänzenden Zeilen, ich hab mir ihr PDF grad ausgedruckt 🙂 Ich habe bisher allerdings auch die Erfahrung gemacht, dass Wissensmanagement eine seltsame Rolle zugeschrieben bekommt, teilweise schreibt man es Redakteuern zu, die irgendwelche Wikis betexten… Was macht Ihrer Meinung nach ein Wissensmanager, bzw. was sollte er tun? LG und schönen Sonntag Svenja Hofert

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