Berufliche Neuorientierung: „Aber dann gleich was Großes“ – Von der SAP-Beratung zum Möbeldesign

Es war nur ein kleiner Anstoß – der aber eine nachhaltige Wirkung hatte. „Entweder du leitest gleich die ganze Abteilung oder du machst etwas Eigenes. Aber dann gleich was Großes“, hatte ich zu Christiane Kypke gesagt, die bis dahin als SAP-Beraterin zwar genug Jobangebote hatte, aber ihren Gestaltungswillen, ihren Ehrgeiz und Qualitätsanspruch nicht ausleben konnte. Ein Jahr später bekam ich eine Mail, in der mich Christiane auf „WohnKontrast“ hinwies und sich für die kleine Intervention bedankte. Die Website und das dahinter stehende Geschäftsmodell fand ich so beeindruckend, dass ich sie zum Gespräch bat.  Zum Beispiel darüber, wie groß oder klein Frauen gründen.

Wie bist du auf diese Idee gekommen?

Kypke: Wir haben in unserem Haus diese besondere Küche, die mein Mann und ich selbst gebaut und auch selbst entworfen haben. Immer wieder wurden wir darauf angesprochen. Wo kann man die kaufen? fragte jeder, der sie sah. Da kam ich auf die Idee, die Küche zur Grundlage meiner Geschäftsidee zu machen. Heute ist sie in allen denkbaren Farben, in der gesamten RAL-Palette erhältlich. Außerdem habe ich weitere Möbel entworfen, Modulmöbel für den gesamten Wohnbereich wie beispielsweise Regale, Kleiderschränke, Schreibtische, barrierefreie Küchen etc.

Wie geht denn das? Möbeldesign traut man einer SAP-Beraterin auf den ersten Blick nicht zu…

Manchmal schließen sich Kreise: Ich habe vor meinem Studium eine Ausbildung zur technischen Zeichnerin absolviert. Die kommt mir jetzt als Möbeldesignerin zugute. Hinzu kommt einfach ein sehr gutes räumliches Vorstellungsvermögen. Bei der ersten Küche hat mein Mann mitgewirkt, der von Haus aus Maschinenbauingenieur ist. Jetzt ist er allerdings außen vor, er hat seinen Job und ich meinen.

Deine Möbel gibt es noch nicht in Serie. Siewerden von den Hamburger Elbe Werkstätten, eine Einrichtung für Menschen mit Behinderungen, gefertigt. Warum hast du dich dafür entschieden? Aus Kostengründen?

Dass man in der Zusammenarbeit mit Behindertenwerkstätten sparen kann, wird oft vermutet, stimmt aber nicht. Erst einmal möchte ich eine gute Sache unterstützen, viel wichtiger ist aber, dass die dort eine echt gute Arbeit leisten. Das Projektmanagement ist absolut professionell und die Qualität einfach super. Außerdem haben sie dort wirklich hervorragende und sehr moderne Maschinen. Da gibt es in Hamburg nichts Vergleichbares.

Weil du nicht gleich in Serie gegangen bist, ist das Startkapital überschaubaur geblieben. Ich vermute fast, manch männlicher Gründer wäre in die Vollen gegangen, hätte wahrscheinlich auch gleich eine GmbH gegründet. Du nicht, dein Motto war: Erst mal vorsichtig. Was siehst du als die Vorteile eines solchen SlowGrowings?

Das stimmt, gerade Männer hätten eher zu einer GmbH tendiert, dabei ist das aufgrund des geringen Risikos gar nicht nötig. Männer sagen auch öfter: „Nimm dir gleich Angestellte“. Das ist aber im Moment überflüssig. Später will ich auch ein Ladengeschäft, aber im Moment reicht das Home Office völlig aus. Die individuelle Produktion hat nur Vorteile. Der Kunde hat keine längere Wartezeit als wenn er in einem Möbelhaus kauft, etwa drei Monate. Zudem ist jedes Stück auf ihn und seine Wohnsituation abgestimmt.

Welche Bedeutung hatte deine Vorerfahrung in der IT für die Gründung?

Natürlich ist es sehr nützlich, sich technisch gut auszukennen. So konnte ich fast alles selbst machen. Aber ein direkter Bezug zwischen SAP und Möbeln besteht wirklich nicht. Es ist mehr die erworbene Kompetenz, Dinge zu analysieren, zu durchdenken und umzusetzen. Die nützt mir jetzt auch. Sonst ist es ein echter Neustart.

Wir sind etwa gleich alt. Wie ich bist du Mutter, Deine Tochter ist jetzt 22 Jahre. Hat dies eine Auswirkung auf dein Tun?

Da muss ich einmal nachdenken… Ja, indirekt. Da sie jetzt aus dem Haus ist, kann ich so richtig loslegen. So kann ich aufs Ganze gehen kann. Auch zeitlich.

 

About Svenja Hofert

Mit meinem Unternehmen Karriere & Entwicklung biete ich privates oder unternehmensfinanziertes Karrierecoaching mit Schwerpunkt Karriereplanung sowie Persönlichkeits- und Stärkenentwicklung vor dem Hintergrund einer sich ändernden Arbeitswelt. Dazu kombiniere ich umfangreiche Beratungserfahrung (>16 Jahre), Führungspraxis (>21 Jahre) sowie diagnostisches Knowhow mit sehr gutem strategischen Gespür und hoher Zukunftsorientierung. Mit meiner Karriereexpertenakademie bilde ich Personalentwickler und Business Coachs in Karrierecoaching aus. Als Mitgründerin und Geschäftsführerin von Teamworks GTQ Gesellschaft für Teamentwicklung und Qualifizierung mbH treibe ich die Themen agileres Führen und agile Teamentwicklung strategisch und inhaltlich mit einem engagierten Team und meinem Geschäftspartner Thorsten Visbal voran. Unsere Haltung ist geprägt von Offenheit, Freude im Umgang mit Unterschiedlichkeit in jeder Hinsicht - auch im Denken -, einem Blick für sinnvolle, interdisziplinäre Aspekte und pragmatische Lösungsorientierung. Wir sind keinem Ansatz, keiner Theorie und keiner Methode verpflichtet, sondern nutzen ein Bestof mit vielen eigenen Ansätzen und eigenen Entwicklungen.

Über Svenja Hofert

Mit meinem Unternehmen Karriere & Entwicklung biete ich privates oder unternehmensfinanziertes Karrierecoaching mit Schwerpunkt Karriereplanung sowie Persönlichkeits- und Stärkenentwicklung vor dem Hintergrund einer sich ändernden Arbeitswelt. Dazu kombiniere ich umfangreiche Beratungserfahrung (>16 Jahre), Führungspraxis (>21 Jahre) sowie diagnostisches Knowhow mit sehr gutem strategischen Gespür und hoher Zukunftsorientierung. Mit meiner Karriereexpertenakademie bilde ich Personalentwickler und Business Coachs in Karrierecoaching aus. Als Mitgründerin und Geschäftsführerin von Teamworks GTQ Gesellschaft für Teamentwicklung und Qualifizierung mbH treibe ich die Themen agileres Führen und agile Teamentwicklung strategisch und inhaltlich mit einem engagierten Team und meinem Geschäftspartner Thorsten Visbal voran. Unsere Haltung ist geprägt von Offenheit, Freude im Umgang mit Unterschiedlichkeit in jeder Hinsicht - auch im Denken -, einem Blick für sinnvolle, interdisziplinäre Aspekte und pragmatische Lösungsorientierung. Wir sind keinem Ansatz, keiner Theorie und keiner Methode verpflichtet, sondern nutzen ein Bestof mit vielen eigenen Ansätzen und eigenen Entwicklungen.

Ein Kommentar zu “Berufliche Neuorientierung: „Aber dann gleich was Großes“ – Von der SAP-Beratung zum Möbeldesign

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