Wie erkennt man GELBE Unternehmen?

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Diese Frage einer Kommentatorin meines Beitrags über Spiral Dynamics möchte ich hier ein wenig ausführlicher aufgreifen. Gelbe Unternehmen sind jene, die dem Motto folgen  „so viel zu lernen und zu entdecken in kurzer Zeit“. Ihr Streben ist es, zu integrieren, Kompetenz ist ein wichtiger Wert. Gelbe Unternehmen geben Individualisten einen Lebensraum, in dem sie ihrer intrinsischen Motivation nachgehen können, bisweilen beseelt vom nächsten Schritt, dem Aufstieg in die türkise Spirale, in der globaler Gemeinschaftssinn dem Individualismus weicht.

Gelbe Unternehmen integrieren alle Stufen des ersten Rangs.

Sie…

  • erfreuen sich an Arbeit, die ihrer Natur gemäß ist: Teamarbeit, wenn sinnvoll und Regeln, wenn sie dem Ganzen helfen.
  • geben Mitarbeitern freien Zugang zu Informationen, Arbeitsgeräten und –materialien und auch Bildung.
  • erkennen, das alles im Fluss ist und jeder Zustand ein Übergang in einen anderen, akzeptieren also den Change als Dauerzustand.
  • motivieren Menschen, in dem man sie lernen und verstehen lässt, fördern also intrinsische Motivation.
  • erkennen unterschiedliche Fähigkeiten und Kenntnisse an.

Google ist ein gelbes Unternehmen, Microsoft, SAP ebenso. Doch gelb ist kein Schlaraffenland, in gelb geht es um Optimierung und Integration. Eine Mitarbeiterin eines gelben Unternehmens erzählte mir von gallischen Dörfern innerhalb ihrer Firma, in denen sich Gruppen eigene Regeln schaffen und sich weigern, sich ins große Ganze integrieren zu lassen. Gallische Dörfer entstehen, wenn Führungskräfte mit ausgeprägt rot-orangem Denken (Herrschen, Wettbewerb) oder grünem Kollektivismus ihre Interessen aus der ersten Ordnung verfolgen – und nicht die des Unternehmens. So ein Verhalten irritiert gelbe.

Gelb dominierte Mitarbeiter wollen

  • lernen und sich entwickeln
  • in einem Win-win-win denken, also nicht nur an sich und den anderen, sondern auch an die Gesellschaft
  • Anerkennung für Kompetenzen und Fähigkeiten (und nicht für politische Spielchen)
  • Anerkennung für Leistung und nicht für Anpassung
  • Stetige Veränderung und Optimierung

Viele Konzerne geben sich derzeit gelb, handeln aber mit blauen Methoden, zum Beispiel wenn bei der Bewerbung alle Notenschnitte unter 2,0 aussortiert werden oder bei der Beförderung sich rotes Dominanzstreben durchsetzt.  Die meisten größeren Unternehmen sind  blau-orange-grün geprägt – in dieser Reihenfolge, denn der grüne Wert ist der jüngste.

Es gibt dort Hierarchen und Regeln (blau), extrinsische Motivation (orange), aber auch (neuen) grünen Gemeinschaftssinn. Ich saß kürzlich bei einer Veranstaltung mit Konzern-Mitarbeitern an einem Tisch, die sich alle recht grün anhörten. Viel WIR, viel Verbindendes. Auch orange klang durch, Wettkampf und Status. Und blau, denn Professionalisierung hat in solchen Konzernen vor allem mit Regeln zu tun, Standardisierung und Normierung.  Viele solcher blau-orange-grüne Unternehmen versuchen sich derzeit in gelb, unter anderem weil intrinsisch motivierte Wissensarbeiter recht häufig gelb denken – und die will man ja gewinnen. Kommen diese aber in ein Unternehmen, das nur einen gelben Anstrich hat, sind sie auch bald wieder weg.

Viel Unzufriedenheit mit der beruflichen Situation erklärt sich aus der Nicht-Passgenauigkeit von Wertesystemen, die bei Berufs-und Arbeitergeberwahl ebenso wie bei der Personalauswahl aktuell keine Rolle spielen (und dabei so zentral sind). Dabei wäre es sinnvoll, Mitarbeiter nicht nur nach Skills auszuwählen, sondern auch nach ihren Wertesystemen.

„Hätten wir ihnen gesagt, wie es bei uns ist, hätten Sie nicht unterschrieben“, hatte ein Geschäftsführer zu einem meiner Kunden gesagt, einem Gelben. Dem Unternehmen fehlte jedes Blau, ein Chaosladen. Viel zu früh für gelb. Aber das kann nur ein Gelber sehen – der Geschäftsführer war offensichtlich keiner.

Sachdienliche Hinweise zu weiteren gelben Unternehmen gern hier posten. Danke.

About Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

2 Kommentare zu “Wie erkennt man GELBE Unternehmen?

  1. Liebe Frau Hofert,

    aus meiner Wahrnehmug ist es gerade für Unternehmen „chick“, sich als gelb zu präsentieren. Sind es doch genau diese Eigenschaften, die Fach- und Führungskräte i.d.R. besonders anziehen.

    Ich frage mich nach dem Lesen Ihres interessanten Beitrags, an welchen Positionen ein Unternehmen mindestenes „Gelbe“ braucht, um auch tatsächlich eine gelbe Kultur zu verankern. Sind es GF/Vorstände, ist des HR oder ist es die Riege aller Führungskräfte?

    Ich fürchte, ein sich nach außen präsentierendes gelbes Unternehmen mit blauem (oder andersfarbigem) Kern kann die so gewonnenen Mitarbeiter nicht nachhaltig glücklich und zufrieden stellen. Aus meiner Sicht kommt es nach wie vor auf eine gute Farb-Durchmischung und eine authentische Darstellung des Unternehmens an 😉

  2. Lieber Herr Slaghuis, ich denke, es kommt auf die Phase an. Ist ein Unternehmen im Umbruch und muss die Leute an Bord halten und beruhigen, helfen grüne Führungskräfte ein Zusamemngehörtigkeitsgefühl zu etablieren. Blaue sind gut, wenn man dringend Strukuren braucht und Regeln, manche Startups täten gut daran, sich mehr Blau zu holen. Ganz oben bei der Strategie ist gelb schon nicht schlecht, wobei ein gelb-blauer und ein gelb-grüner ein wahrscheinlich gutes Team bilden. LG Svenja Hofert

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