Was macht eigentlich …ein Karrierecoach, ein Personalberater und wie sie alle heißen?

Was macht eigentlich ein Karriere-Coach? Spätestens seitdem ich die jüngste Pressemeldung der PR-Agentur von Robert Half belesen habe, scheint mir das eine wichtige Frage, da sie offenbar nicht jeder so beantworten würde wie ich.

Robert Half befragte für eine Studie Mitarbeiter, wie gut ihre Führungskraft als Karrierecoach sei. Wenn Sie sich jetzt die Augen wischen, richtig gelesen?, das habe ich auch getan. Der Manager als Karriere-Coach?  Offenbar wurde ein „In-Begriff“ medienwirksam sinnentfremdet. Um noch einen weiteren Aufhänger für die Trend-suchende Mediengemeinde zu finden, mischte man gleich noch etwas Generation Y dazu. Diese verwöhnte Generation verlangt angeblich nach Führungskräften, die zugleich Karriere-Coachs sind, sie also entwickeln und fördern.

Solche Manager sind wünschenswert, indes keine Karriere-Coachs im Sinne des bisherigen Begriffsverständnisses. Das lautet aus meiner Sicht so: Karriere-Coachs sind unabhängige und nicht einem Unternehmen verpflichtete Sparring-Partner beim Finden und Erreichen beruflicher Ziele und Verwirklichen individueller Motivationen. Ein Karriere-Coach darf keine eigenen Interessen verfolgen – etwa die Leistung seines Teams zu erhöhen, um selbst befördert zu werden -, wenn er mit Menschen arbeitet.

Eine Führungskraft ist im besten Fall ein Trainer, so wie Jogi Löw – jemand, der Leistung optimiert. Sie ist aber niemals unabhängig, sondern immer den Unternehmenszielen verpflichtet. Ein häufiger Anlass für die Inanspruchnahme von Karriere-Coaching liegt indes in einem  Konflikt zwischen Management Behaviour, Unternehmenszielen und eigenen Interessen bzw. Motivationen; diese Themen sind intern kaum lösbar. Was ich indes durchaus bedenkenswert finde, ist Coach-Persönlichkeiten zu Führungskräften zu entwickeln und nicht wie bisher oft üblich gute Kaufleute und Administratoren.

Und nun zum praktischen Teil: Was suchen Sie überhaupt? Was verbirgt sich hinter den kunterbunt verwendeten Begriffen rund um das Modewort Coaching?

Um ein wenig Ordnung in den Begriffs-Wirrwarr zu bringen, versuche ich hier einmal die wichtigsten Definitionen, ganz bestimmt unvollständig – freue mich also auf ergänzende Perspektiven meiner Blog-Leser.

  • Karriere-Coach ist ein meist externer, also selbstständig tätiger Dienstleister, der Menschen unterstützt, eigene berufliche Ziele zu finden und zu erreichen. Manche setzen das Wort „ganzheitlich“ dazu und meinen damit, dass man Beruf und Leben nicht trennen kann und auch „Karriere“ die Welt außerhalb des beruflichen Fortkommens miteinbezieht. Er bedient sich Coaching-Methoden, kann und sollte aber auch in die Rolle des Beraters schlüpfen können. Im Unterschied etwa zu einem Business Coach sollte er/sie Kenntnisse bestimmter Methoden wie Life Work-Planning und des Arbeitsmarktes und vielleicht auch bestimmter Branchen haben. Kenntnisse der Bildungs- und Weiterbildungswege finde ich selbstverständlich, Spezialisierung überhaupt keine schlechte Idee.
  • Normalerweise ist der Karriere-Coach auf einem Kontinuum zwischen Coaching und Beratung unterwegs, wie auch der Karriereberater. Das –berater drückt aus, dass er/sie mehr Wissen über Karriere, Berufe, den Arbeitsmarkt besitzt und deshalb auch eher Einblicke geben kann. Er wird anders als der Karriere-Coach nicht nur in einem Prozess – also über einen längeren Zeitraum mit mehreren Terminen – tätig, sondern auch punktuell, d.h. er kann Feedback geben, z.B. etwas dazu sagen, ob dieser oder jener Weg sinnvoller ist, wenn man später Projektleiter werden will. Aber im Grunde liegen zwischen Karriere-Coach und Karriereberater wirklich nur Nuancen. Weiterhin braucht er Wissen und muss die „Sprache“ seiner Klientel verstehen und sprechen; Branchenkenntnisse helfen dabei. Ich bin auch der Meinung, dass ein guter Berater etwas älter sein muss. Ab und zu bekomme ich Bewerbungen von unter 25jährigen Karriereberatern/coachs und finde das unpassend. Das man inzwischen in einigen Ländern Karrierecoaching studieren kann, ebenso. Aus meiner Sicht muss man die Arbeitswelt mal selbst erlebt haben, bevor man sowas machen kann. Ist auch für die Kunden glaubwürdiger.
  • Der Job-Coach hilft eher im Job, um dort seine Potenziale zu entfalten. Man könnte den Begriff auch so verstehen, dass er beim Finden eines Jobs unterstützt. Es gibt mittlerweile erste Ansätze, solche Job-Coachs in Unternehmen und Institutionen anzustellen. Sie gehen dabei überwiegend aktiv in die Vermittlungs- und Networkingarbeit, d.h. sie helfen z.B., dass Partner von Wissenschaftlern einen adäquaten Job in einer Stadt oder einem Land finden (Stichwort „Double Career“). Das ist eine gute Sache, und das kann auch jemand auch im Alter von 25, wenn er in ein Thema/eine Branche reinwächst. Manchmal nennt man auch diese Leute Karriere-Coach.
  • Outplacementberater sind im Grunde dasselbe wie Karriereberater und Karriere-Coachs. Nur werden sie vom Unternehmen bezahlt, damit ihr Mitarbeiter etwa nach einer Kündigung wieder einen Job bekommt. Dafür tun sie alles, was dazu beiträgt, unterstützen von der Potenzialanalyse bis zur Stellenauswahl und dem Training fürs Vorstellungsgespräch. Normalerweise vermitteln sie aber nicht. Es kann auch sein, dass ein Privatkunde sein Outplacement z.B. aus der Abfindung selbst bezahlt. Dabei handelt es sich immer um eine Pauschalsumme zwischen 2.000 und 30.000 EUR für die Rundum-Betreuung für einen Zeitraum von drei Monaten bis drei Jahren. Die hohen Summen nehmen in der Regel die sehr großen Outpacement-Dienstleister, die damit teure Büroräume und Infrastrukturen finanzieren müssen.
  • Von hier ist es ein Sprung zum Personalberater, der eigentlich –vermittler heißen müsste, denn er verdient sein Geld beim Unternehmen. Einige Personalberater sind Headhunter. Das Unternehmen bezahlt ihnen 10-40% des ersten Jahresbrutto einer gefundenen Fach- oder Führungskraft. Damit ist der Headhunter ein Vermittler und nicht neutral gegenüber dem Job- und eventuell Beratungssuchenden. Einige Personalvermittler bieten dennoch auch Beratung und Coaching an. In meinem Karriereexperten-Netzwerk sind welche darunter, die Vermittlung, Beratung und Coaching gut und seriös trennen können. Doch ich erlebe an dieser Schnittstelle der Interessen auch oft Geldschneiderei. Da verlangt der Personalberater dann Geld für die Optimierung von Unterlagen oder verkauft Beratung mit anschließender Aufnahme in die Datenbank, die sich allerdings als Bermuda-Dreieck erweist. Vorsicht!
  • Manche Karriereberater verstehen lediglich Bewerbungsberatung unter dem Begriff Karriere. Dann sind es aber auch Bewerbungsberater. Die Bewerbung ist indes der kleinste Teil der Karriere und aus meiner Sicht nachgelagert. Man kann nur über optimierte Unterlagen sprechen, wenn Ziel und Suchweg klar sind. Deshalb begegne ich immer wieder Menschen mit formal gesehen perfekten Unterlagen, die dennoch nicht erfolgreich sind. Dann bitte erst mal ab zum Karriereberater… und dann erst ran an die Bewerbungen.
  • Berufsberater können auch angestellt sein bei Institutionen oder der Bundesagentur für Arbeit. Sie sagen hoffentlich nicht „werde Arzt“ und sollten besser sein als das Softwareprogramm, dass einer jobsuchenden Juristin neulich die Berufsempfehlung „Tierpfleger“ gab, weil sie „Tiere“ als Hobby angegeben hatte. Ich würde diesen Job als Teilbereich bzw. Spezialisierung der Karriereberatung sehen.
  • Business Coachs sollten auf jeden Fall eine eigene Unternehmens- und/oder Managementkarriere hingelegt haben, bevor sie sich für die gleichnamige Weiterbildung entschieden. Sie coachen Mitarbeiter und Führungskräfte bei ihrer beruflichen Entwicklung. Neue Perspektiven, Wege aus Einbahnstraßen und eine Erweiterung des eigenen Handlungsportfolios sind der Nutzen. Die Firma zahlt, meistens. Die Verbände würden sagen, Spezialisierung ist hier nicht nötig; ich sehe das anders. Man muss nicht nur wissen, wie man fragt und welche Methoden wann sinnvoll sind, sondern auch wo die Grenzen sind und die Rolle des Beraters einzunehmen schlichtweg angebracht ist.
  • Lifecoachs sind die umstrittensten Coach-Menschen. Das liegt daran, dass sich hinter diesem Begriff alles und nichts verbirgt. Oft ist die Grenze zur Esoterik-Fraktion fließend und man begegnet Engeln, Lichtern und anderen Wesen, die ansonsten die Wrage-Buchhandlung bevölkern. Auch für Lifecoachs gibt es eigene Ausbildungen. Sie müssen, so meint meine Kollegin Sabine Asgodom in ihrem Buch „So coache ich“ nicht unbedingt eigene Unternehmenserfahrung und eine akademische Ausbildung haben; es könnten auch Krankenschwestern sein oder Maurermeister. Diese Aussage dürfte auf das Unverständnis von Coaching-Pabst Christopher Rauen treffen, der neulich im Stern beklagte, das nicht die Coachs mit ihren dubiosen Methoden Schuld seien, sondern die Kunden, die für dubiose Methoden und Coachs Geld ausgeben. Damit hat er Recht. Nur wäre mein Umkehrschluss nicht die zwangsweise Standardisierung, sondern ein … und wenn schon? Der Markt bereinigt sich selbst. Wenn jemand das Gefühl hat, Baumgipfelcoaching bringt ihm was – why not?

PS: Bei den Karriereexperten.com finden Sie alle hier beschriebenen Typen – und alles ausgewählte Profis mit langjähriger Erfahrung.

About Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

5 Kommentare zu “Was macht eigentlich …ein Karrierecoach, ein Personalberater und wie sie alle heißen?

  1. Und dann gibt’s dann noch den Bildungsberater, der – wenn er seine Sache ernst nimmt – Karrierecoaching, Karriereberatung, Bewebungsberatung und bisweilen Personalberatung und Jobcoaching macht. 😉

  2. Das Hauptproblem was ich sehe, ist das jede grösser angelegte Studie zeigt, beispielsweise die von Künzli (2009) dass ein Coach besser sogar überhaupt keine Ahnung hat und am besten durch Nichtwissen glänzt.

    Die Aufgabe eines Coachs, auch wenn dies oft anders betont wird, ist das Nichtwissen. Es ist die Gestaltung eines Prozesses, in dem der Coachee selbst Lösungen entwickelt, selbst Entscheidungen trifft und selbst umsetzt. Eine Beratung als Coach ist meist völlig fehl am Platz. Die eigene Business Erfahrung kommt aus anderen Unternehmen mit anderen Strukturen und anderen impliziten Regeln. Das Business Erfahrung wirklich wichtig ist, konnte noch niemand belegen, es wird als Axiom vorausgesetzt, weil es so schwer vorstellbar scheint, jemanden zu engagieren, der keine Ahnung hat vom genauen Thema des Coachees. Dabei haben viele Experimente (Unter anderem das berühmte Experiment von Whitmore, bei dem Skilehrer Tennis Schüler gecoacht haben und im Vergleich bessere Ergebnisse hatten als die Tenniscoaches der Vergleichsgruppe) gezeigt, dass der Coach NICHT mit Erfahrung, sondern mit Methodik und der Beziehung punkten kann. Die Aktivierung der eigenen Ressourcen, die Reflexion der Situation, die Aktualisierung des Problems und der damit verbundene Realitätsabgleich sind nach jeder Studie das Wichtigste.
    Der Moment, in dem eine Beratung angebracht ist, ist der Moment, in dem spezifisches Knowhow fehlt. In diesem Fall braucht man aber keine Businesserfahrung sondern einen Spezialisten, der eine Lücke lösen kann. Dies zu erkennen kann bereits Coaching Arbeit sein. Coaching ist Beziehungsarbeit, keine Fachberatung oder Expertenberatung. Dies mag in der Realität oft nicht so trennscharf sein, das liegt aber vor allem daran, dass es meist die einfachere Wahl ist, schnell einen Tipp zu geben (Ratschläge sind auch Schläge…) anstatt den Coachee mal eine viertelstunde richtig rauchen zu lassen.

    Aus meiner Sicht gibt es kaum einen Unterschied zwischen einem Karriere-Coach, Business Coach und Life Coach. Alle brauchen, um wirklich effektiv zu sein, das absolut gleiche Skillset. Das haben auch so ziemlich alle Metanalysen bisher gezeigt…

    • Hallo, danke für die gute Ergänzung um Ihre Perspektive. Es ist immer die Frage was wo und in welchem Kontext analysiert worden ist. Im Business-Kontext kann ich mir gut vorstellen, dass das so korrekt ist (wobei man in keiner Firma einen Job bekommt, wenn man wirklich von nichts eine Ahnung hat. Letztendlich geht es auch um sowas wie Stallgeruch: ohne diesen wird ein Coach gar nicht akzeptiert).
      Wenn ein Karriere-Coach in der Lage ist, einen Klienten z.B. auf etwas hinzuweisen, auf das er/sie nie gekommen wäre, weil er diese Perspektive gar nicht einnehmen kann, so ist das ganz sicher kein Nachteil. Ich habe hier Leute erlebt, die nach einem Coaching Monate in die falsche Richtung gerannt sind – es hätte Ihnen nur einmal jemand sagen müssen, dass es dieses oder jenes gibt oder das das so oder so Sinn macht oder keinen. LG Svenja Hofert

  3. Zwei aus meiner Sicht wichtige Ergänzungen:
    1.) Arbeitsvermittler heißen jene, die auf Gutscheine der Agentur für Arbeit hin Menschen in Jobs vermitteln. Rechtlicher Hintergrund ist das Maklerrecht. D.h. es zählt ausschließlich die Vermittlung. Die Agentur zahlt nach Prüfung in zwei Raten (nach 6 Wochen und nach 6 Monaten im Job) relativ wenig Geld.
    2.) Viele betreiben mehrere Geschäftsmodelle zugleich. Z.B. gibt es Zeitarbeitsfirmen, die zugleich Personalberatung betreiben und eine Lizenz zur Arbeitsvermittlung haben. Oder es gibt Arbeitsvermittler, die zugleich eine Bewerbungsberatung anbieten. Im Zweifel heißt das: Nachfragen.

    Beste Grüße, Christoph Burger

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