Strategien gegen Angst: Die Angst zum Assistenten machen

Heute will ich mir mal ein Gefühl vornehmen: Angst. Was hat das mit der Zukunft der Arbeit zu tun? Menschen haben heute andere Ängste als früher. Es gibt für sie „gefühlt“ wenig Sicherheit mehr, jeder ist sein eigener Lebensunternehmer – wie auch gestern Horst Opaschowski gestern auf der „Zukunft Personal“ in seiner Review der 10 Trends zur Zukunft der Arbeit feststellte.

Bindungen lösen sich auf, was fast automatisch zu größerem Streben nach anderen Dingen, vor allem Geld und Status führt, aber auch, man lese Bas Kast, zu weniger Glück. Wie ist es zu erklären, dass ein Haufen Wahnsinniger – wie letzte Woche geschehen – 20 Stunden auf ein Gerät namens Iphone 5 wartet und so begeistert darüber spricht, dass sich die Stimme überschlägt?  Steckt dahinter auch eine Angst, nicht dazuzugehören, wenn man nicht in der ersten High-Tech-Liga mitspielt? Geräte statt Familie: Verlustangst wird plötzlich neu definiert.Das passt übrigens nicht zu Opaschowskis teils etwas utpoischen Vorstellungen einer besseren Welt, in der es auch eine Rückkehr zur Familie und zu sozialen „Konvois“  unter nicht-verwandten Freunden.

Arten der Angst

Die Angst vor dem Abstieg, sich Dinge wie das Iphone nicht mehr leisten zu können, ist eine sehr große. Die Familie fängt einen nicht mehr unbedingt auf. Und Frauen können sich auch nicht mehr auf einen Partner verlassen, der es schon richten wird. Das erhöht weibliche Ängste, zum Beispiel vor dem Jobverlust. Das erhöht weibliches Unabhängigkeitsstreben. Und damit auch Leistungsehrgeiz.

Wir sehen viele Klienten, die Ängste haben. Vor allem Frauen, was sicher auch daran liegt, dass diese sich Gefühle generell eher zugestehen.  Angst kann sich auf unterschiedliche Dinge beziehen. Angst vor sozialen Abstieg, Angst abhängig zu sein von einem Partner- diese Ängste sind sehr typisch. Versagensangst gehört auch dazu.

Versagensangst

Ins Positive gemünzt sorgt Versagensangst dafür, dass man sich z.B. auf Prüfungen gut vorbereitet. Ich wünschte manchmal, ich hätte in der Schule mehr von dieser positiven Angst gehabt. Gute Schulleistungen haben nämlich nur sehr selten mit echtem Interesse am Unterricht zu tun, sondern oft viel mehr mit Angst. Nein, meist werden gute Leistungen erzeugt von Versagensangst und/oder der Angst vor dem Verlust der Anerkennung seitens der Lehrer oder Familie. Ins Negative gedreht, blockiert diese Angst, macht handlungsunfähig und erzeugt Prüfungsangst.

Angst vor der Zukunft

Auch Angst vor der Zukunft kann diesen Effekt haben. Ich sehe ihn oft bei Neu-Selbstständigen, die, sind sie im Dienstleistungssektor, immer wieder feststellen müssen, dass der verdammte Aufbau länger dauert als geplant. Die erkennen müssen dass man viel, viel lernen muss, auch über sich selbst. Und die Kröten sehr langsam aufs Konto wandern. Natürlich muss man sich überlegen, wie man mit leeren Konten umgeht, aber eine alle Handlungen blockierende Angst fördert dieses sich den Dingen stellen nicht gerade.

Angst vor Jobverlust

Auch Angestellte kennen diffuse und sehr konkrete Angst. Gerade jetzt erlebe ich wieder recht viele Kündigungen in der Probezeit, oft wegen der schlechter werdenden Auftragslage, die gern im Marketing erste Spuren hinterlässt. An niemanden geht ein „wir wollen dich nicht“ so einfach vorbei. Die Zukunft der Arbeit fordert den Selbstunternehmer, doch der Wunsch nach Zugehörigkeit bleibt ein sehr menschliches Grundbedürfnis.  Und der Ausschluss aus einer Gruppe, und sei diese noch so fremd und unsympathisch, kratzt immer an einem.

Manche erleben nach einem Rausschmiss das erste Mal, dass das Jobleben nicht so einfach ist, wie sie bisher dachten. Hartz IV steht da manchmal sehr unvermittelt vor der Tür: 10 Monate nach dem Job gesucht, in der Probezeit gekündigt, kein neuer ALGI-Anspruch aufgebaut, noch zwei Monate Restanspruch. Aus Angst kann da Panik werden.

„Schauen Sie nach vorne, packen Sie es weg“, sagte ich einer Kundin. „Sie müssen das sagen, Sie wollen mich ja motivieren“, erwidert sie messerscharf. Ja, muss ich, weil es keine andere Möglichkeit gibt, nachdem man sich mit Gründen auseinandergesetzt und reflektiert hat, ob es einen eigenen Anteil gab und wenn ja, welchen. Dann entscheiden, was das Learning daraus ist und am besten aufschreiben  – nebenbei eine sehr gute Vorbereitung für das Vorstellungsgespräch. In Angststarre vor dem grausamen Arbeitsmarkt zu versinken, macht keinen Sinn.

2 Strategien gegen Angst

Es ist auch nicht zielführend, sich lange mit sich selbst und seinen Beweggründen auseinanderzusetzen, wenn gerade etwas anderes Vorrang hat. Ich empfehle zwei Strategien:

1.) die Angst bis auf weiteres in ein Schatzkästchen zu packen, um dieses in Gedanken an einem wunderschönen Platz im Garten oder einem herrlichen Wald zu vergraben. Sie nehmen damit Ihre Ängste ernst, aber distanzieren sich auch, vorläufig. Später können Sie das Kästchen wieder hervorholen. Vielleicht können Sie dann darüber lachen, vielleicht ist dann die Zeit für eine Auseinandersetzung mit den zugrunde liegenden Themen. Diese Strategie macht Sinn bei nicht rationaler Angst und viel „Gedankrenkreiseln“.

2.) Die zweite Möglichkeit liegt darin, die Angst zum Verbündeten zu machen. Das bietet sich an, wenn Angst die Konzentration eher hochtreibt, sie auf der Grenze zum Kick, auch in positive Handlungsenergie umgemünzt werden kann.

Fest steht: Ist die Sicherung der eigenen Existenz im Vordergrund, bringt es nichts, sich in die eigenen Abgründe zu vertiefen. Manchmal ist es schwer zu entscheiden: Muss ich das jetzt z.B. therapeutisch bearbeiten oder kann das warten? Wie viel Angst, die sich ja vielfach paart mit Unglücklichsein, ist erlaubt? Dafür gibt es natürlich keine Pauschalregel, aber wenn man sich einige Stunden am Tag zufrieden fühlt und arbeitsfähig ist, kann man die negativen Gefühlen willkommen heißen – und nach einiger Zeit aber auch wieder in das Kästchen im Wald zurückschicken.

Sie können Zettel aufhängen, mit selbstmotivierenden Aussagen oder Bilder. Sport ist eine sehr wirksame Methode, frei zu werden von schlechten Gefühlen.  Menschen mit roter „körperlicher Aktivität“ im Reiss-Profil laden dagegen auf, wenn sie einfach nur liegen oder still da sitzen. Die eigenen Motivationen zu kennen hilft auch gegen Angst, denn die Gegenmittel ergeben sich aus dem Persönlichkeitsprofil.

Ist Angst nicht auch eine Form der Energie? Energie bleibt immer erhalten.  Sie entscheiden aber, wohin sie fließt und ob sich die negative Energie der Angst nicht in eine positive Energie das Ampackens verwandelt lässt.

 

About Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

Schreiben Sie einen Kommentar!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*

Artikel zu ähnlichen Themen: