Kolumnen zu Karriere, Führung und Entwicklung

Warum bin ich nicht erfolgreich? Ein Bewerbungsexperiment im Fachkräftemangel (Teil 1)

By | 2012-10-30T12:15:45+00:00 30. Oktober 2012|

„Warum sind manche Menschen nicht erfolgreich?“ schrieb ich hier vor einiger Zeit. Daraufhin wandte sich ein junger Wirtschaftsingenieur und Master of Science der Wirtschaftswissenschaften an mich, der anonym auch schon einige Beiträge bei Kollegin Janson über seine erfolglose Jobsuche geschrieben hat. Kein Job trotz Fachkräftemangel! Er fragte mich, ob ich mir seine Unterlagen und den bisherigen Bewerbungsverlauf ansehen würde. Ich dürfte darüber in meine Blog schreiben, so lange es ohne Namen sei.

Das tue ich hiermit, der Beitrag ist mit ihm abgesprochen. In diesem ersten Teil widme ich mich der Analyse der Unterlagen und der Strategie und mache konkrete Optimierungsvorschläge. Im Anschluss werde ich mit dem Bewerber über die Strategie sprechen und mir die daraufhin optimierten Unterlagen ansehen. Nach drei Monaten ziehen wir ein Resümee.

1. Zum Hintergrund des Bewerbers

Der junge Mann ist 1982 geboren, also 30 Jahre alt. Er hat bis 2008 Wirtschaftsingenieurwesen studiert, zwecks Wiedererkennbarkeit verzichte ich auf die Benennung der Fachhochschule. Wichtig zu wissen ist aber, dass er im Anschluss an der Fernuni Hagen studierte und dort in drei Jahren einen Master oft Science in Wirtschaftswissenschaften erwarb. Seit März hat er weit über 100 Bewerbungen geschrieben. Davon gab es nur 6 Vorstellungsgespräche. Das ist unterhalb der Quote, die ich für normal halte, wenn der Lebenslauf nicht ganz stimmig ist oder in überlaufenen Bereichen wie Marketing und Personal: 10%.

2. Woran liegt es, dass der Bewerber so selten eingeladen wird?

Ich beschäftigte mich etwa 30 Minuten

  • mit dem CV,
  • dem Anschreiben,
  • den Zeugnissen und einer Excel-Tabelle, die darüber Auskunft gab, bei wem und auf welche Stelle mit welchem Ergebnis er sich beworben hat,
  • einer ausführlichen Beschreibung der Vorstellungsgespräche.

3. Was lese ich daraus über den Bewerber?

In der Excel-Tabelle erkenne ich die Systematik eines sehr analytischen Menschen, alles ist akribisch erfasst und konsequent bewertet. Ich erwarte jemand, der eher auf der Seite des introvertierten Denkers ist als auf des extrovertierten Verkäufers – und siehe da: Zwei Mal kommt in den Vorstellungsgesprächen offenbar das Feedback, er sei „zu theoretisch“ oder doch besser „in der Forschung & Entwicklung“ aufgehoben. Es klingt eine gewisse Unsicherheit aus den Beschreibungen, gleichzeitig eine hohe Selbstreflektion und kritische Distanz zu den Gesprächen und auch sich selbst. Das finde ich gut.

4. Woran liegt die hohe Absagequote?

Es kommt mehreres zusammen. Der Hauptgrund für die vielen Absagen ist aus meiner Sicht klar die fehlende Strategie bei der Bewerbung: Mittelstand, Konzern, Qualitätsmanagement und Unternehmensberatung sowie Controlling. Da wird kaum ein Bereich außen vor gelassen. Mir scheint, da hat sich jemand zu wenig damit beschäftigt, wo er hinwill. Oder er greift nach jedem Strohhalm, beides nicht gut.

Weitere Gründe:

  • Die Fernuni Hagen unterstreicht das (möglicherweise) Vorurteil eines eher analytischen Theoretikers. Ich habe sehr oft gesehen, dass dieser Abschluss nicht durchweg positiv aufgenommen wurde; erst recht nicht, wenn es nicht berufsbegleitend, sondern hauptberuflich stattfand. Hinzu kommt, dass während des Studiums keinerlei im Lebenslauf sichtbare praktische Erfahrungen gewonnen wurden.
  • Man wird misstrauisch: Warum studiert ein Wirtschaftsingenieur nach seinem FH-Abschluss noch mal Wirtschaft und dann an einer Fernuniversität? Ich vermute still, er wird 2008 schon keinen Job bekommen haben. Auch die Unterlagen erklären hierzu nichts. Im Anschreiben kein Wort zur Motivation, das Masterstudium gerade an einer Fernuni aufzunehmen. Das Misstrauen wird nicht entkräftet.
  • Die gewonnen Praxiserfahrung ist dürftig: 4 Jahre Kommission in einem Lager, Diplomarbeit bei einem Industriekonzern sowie ein viermonatiges Praktikum dort.
  • Warum gab es kein Jobangebot durch den Konzern, bei dem er Praktikum und Diplomarbeit absolviert hat? Kein Netzwerker? Nicht gut gewesen? Natürlich werden nicht alle Praktikanten übernommen, doch geschieht das häufiger. Ein kleines Fragezeichen.
  • Die IT-Kenntnisse erscheinen rudimentär für einen Wirtschaftsingenieur. Neben Excel und Word Grundkenntnisse Java.
  • Beide Studiengänge haben nur mittelprächtige Abschlüsse, wurden mit einem „befriedigend“ abgeschlossen. Manche Bewerber studieren noch mal, um die schlechte Note des ersten Abschlusses zu kompensieren. Wenn das hier die Absicht war, ist das nicht gelungen.
  • Die Kenntnisse in Englisch sind nur „gut“, was vor allem deshalb auffällt, weil bei Polnisch „sehr gute Kenntnisse (nur Wort)“ steht. Man bekommt den Eindruck, dass das Englisch schlechter sein müsse. Es fehlt auch eine weitere Auslandserfahrung.
  • Die Nationalität des Bewerbers ist polnisch. Ich bin bekanntermaßen eine Verfechterin der anonymen Bewerbungen, auch weil ich genau weiß, dass nicht stimmt, was alle Personaler und Fachverantwortliche gern behaupten: sie hätten keine Vorurteile. Ich kann die schlechteren Einladungsquoten bei Bewerbern mit Migrationshintergrund nachweisen. Die Benachteiligung erfolgt selten bewusst, aber sie ist eine Tatsache.

Was tun? Die Optimierungsstrategie

  • Zunächst sollte der Bewerber für sich sortieren, für welche Jobs er von der Persönlichkeit her in Frage kommt. Mehr als zwei sehr unterschiedliche Richtungen machen keinen Sinn und wirken beliebig.
  • Es könnte eventuell eine sinnvolle Strategie sein, erst einmal in die Technologie-Beratung zu gehen. Da der Bewerber keine sichtbare SAP-Erfahrung hatte, könnte es überlegenswert sein, einen Kurs zu machen. Es könnte aber auch „ohne“ klappen, der stärkste fachliche Ansatz findet sich für mich im Bereich Produktion und Logistik. Eventuell – typbedingt – könnte aber auch Qualitätsmanagement ein Thema sein. Dann wäre ein Zertifikat hilfreich. Das kann man z.T. beim TÜV in fünf Tagen erwerben. Auch Kenntnisse in Six Sigma wären sicher ein Vorteil. Dauert die Suche länger, würde ich in Weiterbildung investieren. Die Arbeitsagentur müsste sich bei der schlechten Bewerbungsbilanz dafür gewinnen lassen.

Was tun? Der CV

  • Der Lebenslauf ist seltsam kastenförmig und enthält zu wenige Informationen, unter anderem steht der Titel der Masterthesis nicht da. Ich würde im Layout die Zahl der Linien reduzieren.
  • Mehr Information hinein über das, was gemacht wurde. Auch autodidaktische Erfahrungen würden passen.
  • Da man anhand der Studiengänge nicht sicher einschätzen kann, was der Bewerber kann (im Wirtschaftsingenieurwesen lernen die einen richtig gut programmieren, die anderen bekommen bestenfalls einen Einblick), würde ich eine Rubrik „Kenntnisse“ empfehlen, in der z.B. entweder technisches oder kaufmännisches Know-how aufgeführt wird (ja nach Entscheidung für die eine oder andere Richtung).
  • Beim Englischen würde ich immer dazu raten, die Kenntnisse vergleichbar zu machen. Entweder man stuft sich selbst ein mit Hilfe des GER (gemeinsamer europäischer Referenzrahmen) oder macht einen Test, der bis Niveau B1 bei Cornelsen kostenlos im Internet zu absolvieren ist. Das durchschnittliche Niveau von Ingenieuren mit ein, zwei Jahren Berufserfahrung liegt bei B1. Diese Einschätzung sagt weit mehr als ein „gut“, „sehr gut“ oder „verhandlungssicher“. Ein Mensch mit einem eher schlechteren Selbstbewusstsein wird hier geneigt sein „gut“ zu schreiben, der Übertreiber „verhandlungssicher“. Beide Aussagen sind also praktisch nicht zu gebrauchen.
  • Es steht nicht da, wann der Bewerber nach Deutschland gekommen ist. Da der Geburtsort in Polen liegt und nur sicher ist, dass der Bewerber seit 2000 eine Gesamtschule besuchte und diese mit Abitur abschloss, könnte der Umzug nicht so lange her sein. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass einige Personaler insgeheim befürchten, dass ein Ausländer noch nicht richtig Deutsch kann. In der Tat sagt der Abschluss einer deutschen Hochschule über fehlerfreie Deutschkenntnisse so wenig aus, wie der Abschluss einer amerikanischen Uni über fehlerfreies Englisch. Das notwendige Studien-Niveau B2 ist immer noch holprig. Und fehlerfreie Unterlagen könnten auch nur aussagen, dass sich da jemand hat helfen lassen. Also: Butter bei die Fische – wie gut sind die Sprachkenntnisse wirklich?
  • Das Deckblatt würde ich ersetzen durch eine Profilseite mit den wichtigsten Eckdaten und einer Angabe zum beruflichen Ziel. Das ist eine Art „Fast Reader“ und hilfreich, wenn sich Personaler im Durchschnitt nicht mal 60 Sekunden mit einer Bewerbung beschäftigen.

Was tun? Das Anschreiben

Es ist schön knapp und fehlerfrei, aber es kommt keine Motivation heraus. Das deckt sich mit meiner Vermutung, dass das Ziel nicht ganz klar ist.

  • Der Bewerber sollte drei Teile formulieren: Im ersten stellt er seine Motivation dar, sich auf die Stellen zu bewerben. Im zweiten Teil argumentiert er, warum er passt und sich für bestimmte Schritte, etwa das Studium in Hagen, entschieden hat. Im dritten sagt er etwas zu seiner Persönlichkeit und erwähnt, falls gefordert, Gehaltsvorstellung und Einstellungstermin.
  • Beim Gehalt ist es wichtig zu signalisieren, nicht zu billig zu sein. Genannt sind in einem Anschreiben 35.000 EUR – ich würde eher bei 40.000 EUR einsteigen, bei größeren Unternehmen und bestimmten Branchen höher (z.B. Metall mehr) sowie eventuell runtergehen bei kleineren.

Die Resonanz des Bewerbers auf meine erste Analyse:

„vielen Dank für die Analyse meiner Unterlagen. Ich werden in den nächsten Tagen die Mappe überarbeiten und Ihnen dann zusenden. Ich finde es übrigens sehr interessant was Ihnen alles auffiel. So sind Sie die erste die die fehlende Angabe des Datum meiner Immigration nach Deutschland und die damit verbundene Sprachproblematik bemerkte.“

Im nächste Schritt werde ich mit dem Bewerber telefonieren.

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides? Biografie | Unternehmen

24 Kommentare

  1. Thomas Hochgeschurtz 30. Oktober 2012 at 11:33 - Antwort

    Frau Hofert, es ist Ihre Berufung, nur umsetzbare Verbesserungsvorschläge zu machen, daher können Sie schlecht Aspekte kritisieren, die der Bewerber nicht ändern kann. Unternehmen stellen lieber „formbare“ Mitarbeiter ein. Der Bewerber ist schlicht zu alt (was er aber nicht mehr ändern kann).
    Sie raten übrigens zu vielen Ergänzungen an den Unterlagen. Meine Erfahrung aus 10 Jahren Personalleitertätigkeit: Weniger ist mehr. Viele Personaler lesen Unterlagen so, dass sie Anhaltspunkte zur Ablehnung suchen. Versuchen Sie es doch einfach ein paar Mal mit einer deutlich gekürzten Bewerbungsmappe (quasi eine Twitter-Bewerbung;-)

    • Reinhardt 30. Oktober 2012 at 13:32 - Antwort

      Lieber Herr Hochgeschurtz,

      kurze und knappe Bewerbungen werden tatsächlich immer wichtiger in dieser schnelllebigen Zeit. Ob eine Twitter-Bewerbung ausreichen wird, wage ich zu bezweifeln. Dies wird sehr stark vom jeweiligen Unternehmen abhängig sein.

      Zum Artikel:
      Für Erfolg muss man manchmal auch investieren. Ob man mit Zeit oder Geld „zahlt“, letzendlich muss man sich immer reinhängen, um das Ziel zu erreichen. Beim Schreiben einer Bewerbung ist man zwar oft auf sich allein gestellt, jedoch kann man Familie, Freunde, Bekannte oder einen Bewerbungsservice, wie http://bit.ly/Tl9Mpl
      , um Rat fragen. Demnach dürfte diesem Ziel, also der Job, nichts mehr im Wege stehen.

  2. Svenja Hofert 30. Oktober 2012 at 12:02 - Antwort

    Hallo Herr Hochgeschurtz, der CV ist schon kurz gewesen – zu kurz. Ich bin mir recht sicher, dass sich mit unserer Optimierung und einer klareren Strategie eine Verbesserung erzielen lässt – das habe ich zu oft live gesehen, es geht 😉 Und das Alter ist nicht so das Problem, man muss nur die passenden Firmen auswählen. Verfolgen Sie einfach, wie es weiter geht, ich freue mich. LG Svenja Hofert

  3. Inge 30. Oktober 2012 at 12:12 - Antwort

    Mir hat der Beitrag sehr gut gefallen. Ich glaube nicht dass der Bewerber zu alt ist. Abgesehen von den vielen notwendigen Änderungen, kann sich der Bewerber auch für ein Praktikum bewerben, da gibt es bei Xing viele Angebote.
    Also viel Erfolg dem Bewerber

    • Svenja Hofert 30. Oktober 2012 at 12:17 - Antwort

      dankeschön. Ich halte ein Praktikum zur Zeit nicht für zielführend. Heute nachmittag werden wir telefonieren. LG SH

  4. Christian 30. Oktober 2012 at 14:05 - Antwort

    Sehr hilfreich, die Bestandteile einer Bewerbung mal aus „Personalersicht“ auseinanderzunehmen. Danke dafür! Den Hinweis auf GER werde ich gleich für mich nutzen.

  5. Lars Hahn 30. Oktober 2012 at 15:10 - Antwort

    In der Tat ist ein passender CV ganz wichtig, aber eben nicht alles. Manchmal kommt es auf die Strategie der Arbeitgeberansprache an. Bisweilen sind informelle Gespräche die Alternative, wenn es mit formalen Bewerbungen nicht klappt. Wir nennen so was Systematisch Kaffeetrinken. Für Akademiker/innen, die sich damit schwertun, haben wir ein Programm, das wir zwar Absolventenoffensive nennen. Es ist aber auch geeignet für Berufserfahrene. Die Kombi Praxisorientiertes Coaching mit Weiterbildung und Praxisprojekt im Betrieb diente bereits vielen unserer Teilnehmer als Einstieg in den Job. Mit Erfolg!
    Infos gibts auch unter http://bit.ly/WXNWiP

    • Svenja Hofert 30. Oktober 2012 at 16:54 - Antwort

      danke, Lars!

  6. Eva Reichmann 30. Oktober 2012 at 15:18 - Antwort

    Ich stelle mir eine andere Frage: ist der Mann auf dem zu ihm passenden Berufsweg? Wenn beide Abschlüsse mäßig sind, keinerlei Praxiserfahrung gesucht wurde und keinerlei Zielstrategie und Motivation erkennbar sind – vielleicht fehlen Ziel und Motivation? Dann wäre eine komplette berufliche Neuorientierung angesagt (auch wenn mir bewusst ist, dass das ohne jegliche berufliche Erfahrung problematisch ist – aber besser spät richtig mit dem „Airbus“ durchstarten als ein Leben lang mit Wachsflügeln auf den Armen verzweifelte Hüpfer machen …)

    • Svenja Hofert 30. Oktober 2012 at 16:56 - Antwort

      schon mit ihm gesprochen und das geklärt. Es gibt einen Wunsch und ein Ziel. Es war das was ich schon vermutet hatte: Der Bewerber hat sein Ziel nach dem Erststudium nicht erreicht, das zweite war eine Notlösung. Weil nichts geklappt hat, bewarb er sich bunt auf alles. Habe ihn überzeugen können, dass das nun gar keine gute Idee ist. LG SH

  7. […] Hofert hat gerade ein Bewerbungsexperiment gestartet: Ein 30jähriger Wirtschaftsingenieur, der bereits auch mehrfach hier im Blog kommentiert […]

  8. […] Hofert hat gerade ein Bewerbungsexperiment gestartet: Ein 30jähriger Wirtschaftsingenieur, der bereits auch mehrfach hier im Blog kommentiert […]

  9. […] Hofert hat kürzlich gezeigt, dass oft nur Kleinigkeiten in der Kommunikation über Top oder Flop einer Bewerbung entscheiden. Da wünsche ich mir, wenn schon von […]

  10. […] Hofert hat kürzlich gezeigt, dass oft nur Kleinigkeiten in der Kommunikation über Top oder Flop einer Bewerbung entscheiden. Da wünsche ich mir, wenn schon von […]

  11. Frank 10. Mai 2014 at 14:35 - Antwort

    Das kann’s doch wohl nicht sein, dass man als Maschinenbauingenieur mit Uni-Abschluss 1,7 in Konstruktionstechnik trotz Fachkräftemangel ein Hochglanzprospekt plus Coach plus Strategien (Tricks) plus drei Assessment-Center plus Jahrespraktika braucht, nur um einen Job zu bekommen. Wir haben früher unsere vielleicht fünf Bewerbungen mit Hand geschrieben, mit Füller, sind einmal zum einstündigen Vorstellungsgespräch eingeladen worden. Danach gab’s die Zusage. Lebensstrategien und Sozialkram waren völlig uninteressant. Kannste’s leisten oder nicht? Nur das zählte. Was heutzutage am Arbeitsmarkt los ist, zeigt doch ganz deutlich, dass dieses Wirtschaftssystem krank ist und dringend einer Runderneuerung bedarf.

    • JKH 29. Mai 2015 at 20:41 - Antwort

      Nach etwa dreihundert Bewerbungen auf Ingenieursstellen und nur drei Vorstellungsgesprächen kann ich mich dem nur anschließen.

  12. Fabian 25. November 2014 at 01:49 - Antwort

    Ja.. die Welt ist traurig..

    Hab mich auch beruflich umorientieren wollen, nachdem der Handelsassistent lediglich eine Teilzeitstelle im Einzelhandel hervorbrachte. Den Bachelor of Laws neben dem Beruf absolviert, mit 2.0 abgeschlossen und auf Jobsuche gegangen. Außer vereinzelten Gesprächen kam nichts bei rum.. nach 2 Jahren ist er nun wertlos, hab den Master begonnen und zeitgleich mal wieder eine Absage nach einem Gespräch kassiert. Aber wie soll.man auch Berufserfahrung bekommen ohne Arbeit im Beruf… Und irgendwann fragt man sich selbst was man überhaupt noch kann…

  13. Franziska 1. Februar 2015 at 08:27 - Antwort

    Gelungener Beitrag. Allerdings wird auch, wie so oft, ein Studierter als reales Bespiel angebracht. Was ist mit denen die „nur“ eine dreijährige Ausbildung genossen haben und trotz hunderter Bewerbungen keinen Job finden?

  14. modjac 1. Februar 2015 at 18:32 - Antwort

    was ist aus dem Bewerber geworden? Hat er durch eine genauere Zielsetzung sein Ziel erreicht und in welchem Zeitraum, nach wieviel weiteren Bewerbungen? Ich selbst habe mich mit 24 im Jahr nach meiner Diplomarbeit über 300 mal auf Praktika oder Festanstellungen in einem sehr engen Rahmen mit sehr konkreten Zielvorstellungen beworben – nach 1 Vorstellungsgesprüch an der Uni Zürich und 0 in deutschen Unternehmen wurde ich mißtrauisch, was das Wirtschaftssystem in unserem Land betrifft. Nach 4 Jahren weiterer arbeitslosigkeit, Hartz4 und Nebenjobs habe ich angefangen, mich aus reiner Verzweiflung auf alles mögliche zu bewerben, was soll man denn auch anders machen???

  15. Max Friese 5. Januar 2016 at 12:33 - Antwort

    Was soll der ganze Optimierungskram bei der Bewerbung?! Ich dachte wir haben _Fachkräftemangel_?!
    Wenn alle das machen würden, was Ihr Hilfesuchender machen würde, also eine perfekt optimierte Bewerbung schreiben, müsste der nächste Mitbewerber eine noch perfektere optimierte Bewerbung schreiben. Das mag individuell für den Einzelnen notwendig sein, aber was bringt das für das Kollektiv(?!), zu mal wir ja angeblich einen kollektiven Fachkräftemangel haben. Da sich die Firmen noch jeden aussuchen können und auch ablehnen können mit den Worten „die Bewerbung ist nicht optimiert genug“, gibt es wahrscheinlich gar keinen Fachkräftemangel. Ich glaube, der Ausruf des Fachkräftemangels soll die Reaktion auslösen, dass sich mehr Menschen für einen angeblichen Mangelberuf qualifizieren, damit soll sich das Angebot der Arbeitssuchenden erhöhen und die Löhne sollen sinken.

  16. Leila 27. Januar 2016 at 09:55 - Antwort

    Hallo,
    Ich habe mal eine Gegenfrage.
    Ich bin seit 4 Jahren auf Jobsuche. Ich habe versucht die Zeit mit einem Studium im Bereich BWL zu überbrücken. Allerdings wurde mir die staatliche Unterstützung nicht weitergenehmigt, so dass ich abbrechen musste.

    Als gelernte Bankkauffrau mit fehlende Berufserfahrung mit 28 Jahre habe ich kaum eine Chance auf dem Bewerbermarkt.

    Umschulungen oder sowas wird ebenso nicht genehmigt und private Weiterbildungen sind für mich nicht bezahlbar.

    Haben Sie eine Idee wie ich trotzdem Fuß im Arbeitsleben fassen kann?

    Liebe Grüße

    • Chris 2. November 2016 at 15:53 - Antwort

      Ein BWL-Studium ist kein Allheilmittel und die durchfallquote selbst bei strebern hoch.

      den Satz mit dem jobcenter find ich komisch, wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. leute, die meinen, andere seien schuld an deren Misere, sind nicht gut informiert.

      Sie könnten locker einen nebenjob als Studentin annehmen usw.

  17. Chris 2. November 2016 at 15:48 - Antwort

    Sehr geehrte Frau Hofert,

    Sie sind definitiv eine der wenigen, die wirklich offen und ehrlich auf Probleme eingehen und nicht alles schön reden. Zudem sind Ihre Einschätzungen brillant.

    Den Wunsch nach anonymer Bewerbung kann ich nur unterstreichen. in den vielen weltoffenen internationalen unternehmen wo ich Praktikant und Mitarbeiter gewesen bin, fiel mir folgendes immer auf. Personalverantwortliche waren immer blonde deutsche Frauen. DIVERSITY ist ein schönes Wort, doch das wort schmückt nur die wände und das Image der Unternehmen
    schauen Sie sich REWE an, dort in den Filialen alles schön bunt und sehr viele mit dunkler haut. Schauen Sie auf Tochterunternehmen DERTOUR, TEMMA usw. so finden sie kaum einer von denen.

    von den Verwaltungen ganz zu schweigen

    es stimmt einfach nicht, dass KMU allein schlimm sind. Die großen Firmen sind es auch.

    Habe polnische freunde, die nicht mal einen studi-job im Einzelhandel finden konnten aufgrund von Klischees usw.

    Doch schlimmer finde ich eine situation vor 1 Jahr. Damals war ich Praktikant und sah, wie sich einige der personaler über Bewerberin lustig machten. Wortlaut war: Hoppla da ist in dem Nachnamen nicht mal ein Vokal. NE lieber nicht das gibt Unruhe

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