Jobsuche: Langer Atem, viel Geduld und öfter mal ein „nein“

Heute berichtete mir  ein Kunde von seinem derzeitigen „Bewerbungs-Wasserstand“: 20 offene Bewerbungen, davon einige noch aus dem April! Ein halbes Jahr! Ist das noch normal? Leider ja. Demografischer Wandel hin oder her, die Unternehmen lassen sich Zeit. Die Gründe:

  • man wartet vorsichtig ab, wie sich die Konjunktur entwickelt
  • lieber hält man Kandidaten noch mal einne Weile auf Vorrat, da es derzeit viele No-Shows (Bewerber, die den Job gar nicht antreten) und Abbrecher (solche, die nach Tagen oder wenigen Wochen feststellen, das ist es nicht) gibt
  • man schaut, ob sich nicht doch ein besserer oder billigerer Bewerber, im Zweifel besser-billiger findet

Betreiben Sie Ihre Jobsuche deshalb mit Geduld und wie ein Projekt. Definieren Sie ein Ziel, einen Anfang und ein geplantes Ende sowie Meilensteine zwischendrin. Erstellen Sie einen Ablaufplan mit Ihren Aktivitäten. Wenn die Firmen schon nicht immer professionell agieren, tun Sie´s. Irgendjemand muss ja mal anfangen 😉

Bleiben Sie bei der Einschätzung der Dauer der Jobsuche und bei Ihren Zielen realistisch. Je höher, verantwortungsvoller und spezieller Ihre vorherige oder jetzige Position war bzw. ist, desto länger wird die Jobsuche dauern, sofern Ihnen das Glück nicht zufällig hold ist. Erst recht gilt das, wenn Sie für sich selbst Kriterien definiert haben, die einschränkend sind: eine 80-Prozent-Stelle, ein Branchenwechsel oder die Fokussierung auf einen Standort sind solche.

Realistische Dauer

Waren Sie mehr als 8 Jahre bei einem Arbeitgeber angestellt, rechnen Sie ebenso mit einer längeren Suche. Sie haben dann oft ein spezielleres, unternehmensspezifisches Profil entwickelt und sind, geht es nicht um eine Stelle bei der unmittelbaren Konkurrenz, für neue Arbeitgeber erst einmal schwerer zu fassen. Hinzu kommt, dass Ihre Gehaltsvorstellungen häufig über dem liegen, was Unternehmen zahlen wollen. Aber keine Sorge: Sie werden etwas finden – nur eben wahrscheinlich nicht gleich morgen.

Ein, ja mitunter anderthalb Jahre Suche sind gerade auch dann, wenn Sie nicht jeden Job annehmen wollen, keineswegs ein zu langer Jobsuche-Planungs-Zeitraum. Eventuell müssen Sie im Laufe Ihres Projekts „Jobsuche“ auch Ihr Gehalt korrigieren, wenn Sie feststellen, dass Sie über dem Marktpreis liegen. Zu früh „ja“ sagen birgt die Gefahr einer zu starken Kurskorrektur. Ein etwas langer Atem zahlt sich meist aus.

Viel schneller und leichter geht die Jobsuche, wenn Sie bislang weitgehend standardisierte Tätigkeiten ausgeübt haben. Eine Vertriebsmitarbeiterin im Innendienst mit SAP-Kenntnissen kann unserer Erfahrung nach drei bis sechs Monaten Erfolg melden, auch wenn sie schon 50 Jahre alt ist oder älter. Ähnliches gilt für Assistenzstellen, Buchhalter oder andere Positionen, die Kenntnisse fordern, die sich leicht vergleichen lassen und am Markt vielfach vorhanden sind.

Erfolgskontrolle

Vorausgesetzt, Ihr Profil stimmt, ist der Erfolg bei einer Jobsuche unserer Erfahrung nach ein Ergebnis von Disziplin, der Fähigkeit zu  falschen Angeboten „nein“ zu sagen und eines regelmäßigen Feintunings nach der entsprechenden Erfolgskontrolle.

Wie hoch ist die Einladungsquote? – so lautet beim „Controlling“ diezentrale Frage. Damit verbunden sind Detailanalysen wie:

  • Wer lädt ein und warum? Sind es die Positionen, mit denen Sie gerechnet haben oder sehen Unternehmen etwas in Ihrem Lebenslauf, das Sie selbst so bisher nicht erkannt haben? Was ist die Konsequenz daraus?
  • Sind die einladenden Unternehmen die Unternehmen, für die Sie arbeiten möchten? Wenn ja, wunderbar. Wenn nein: Was müssen Sie tun, um das zu ändern? Brauchen Sie eine Unterlagenoptimierung? Oder eine generelle Profilschärfung?

Mindestens 10 Prozent

Die Mindestanforderung für erfolgreiche Bewerbungsaktionen liegt unserer Erfahrung nach bei 10 Prozent. Das bedeutet: Auf 10 Bewerbungen erhalten Sie eine Einladung. Diese Quote gilt auch bei Initiativbewerbungen, sofern Sie sich nicht bei einem Wettbewerber Ihrer derzeitigen Firma bewerben (da sind Einladungen oft sicher) oder Absolvent mit sehr breitem Profil sind (dann sind es oft schlechter aus). Auch im Marketing oder Personal können 10 Prozent ganz normal sein.

Haben Sie ein sehr gutes, spezialisiertes und aktuelles Profil, sind aber auch bis zu 80 Prozent Einladungen denkbar. 100 Prozent erreichen hingegen selbst Überflieger selten. Bei allen mittleren Profilen – kein besonderes, aber solides
Fachwissen, keine Problematiken wie schlechte Note oder Auszeiten im Lebenslauf – rechnen Sie mit 20-30 Prozent (und wenn nicht denken Sie über Ihre Strategie und eine Bewerbungsoptimierung nach). Das gilt auch dann, wenn die Stelle sehr gut zu passen scheint. Viele Unternehmen handeln nach ungeschriebenen Anforderungen, die hinter den Stellen stehen, aber nicht niedergeschrieben sein dürfen – schließlich gibt es ja das Allgemeine Gleichstellungsgesetz (AGG).

So werden manchmal auch Bewerber aussortiert, die eigentlich passen würden. Weiterhin gibt es immer wieder den Fall, dass Unternehmen sich während des Auswahlprozesses erst darüber klar werden, wen genau sie eigentlich suchen. Bewerben Sie sich im Zweifel also lieber etwas breiter, und auch wenn die Stelle nur 80 Prozent passt, als zu eng und speziell. Zu oft haben wir erlebt, dass am Ende jemand eingestellt wurde, der auf den ersten Blick so gar nicht passte…

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About Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

4 Kommentare zu “Jobsuche: Langer Atem, viel Geduld und öfter mal ein „nein“

  1. Hallo Frau Hofert,

    danke für diese Zusammenfassung. Ich würde nach persönlicher Erfahrung auch 10 Prozent Erfolgsquote bejahen. Als Bewerber ist einem nicht immer (oder besser gesagt: fast nie ;-)) klar, welche Kriterien die Unternehmen ansetzen. Je länger man sucht, desto unsicherer kann man werden. Ich würde Ihrer Aussage auch zustimmen, dass man auf jeden Fall einen langen Atem braucht und nicht das erstbeste Angebot annehmen sollte, wenn man es nicht unbedingt nötig hat. Ich werde mir Ihren Blog jetzt genauer anschauen 🙂

  2. guten Abend Frau Hofert, Ihr Artikel trifft genau, was ich bei der Stellensuche erlebe. Schön, dass Sie es in Worte gefasst haben. Ich finde Ihre Artikel immer sehr spannend, herzlichen Dank dafür. Herbstliche Grüsse aus der Schweiz

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