Netzwerken für die Karriere – Wie mache ich das denn konkret?

Das Wichtigste, nicht alles sagen © kotoyamagami – Fotolia.com

Den Teilnehmern eines Vortrags vom Montagabend habe ich versprochen, an diesem Freitag in meinem Blog die wichtigsten Regeln zum Netzwerken für die Karriere zusammenzufassen. Hallo Frankfurt, Hamburg, Köln (und wer das sonst noch so mitliest):

Lektion 1: In Kommentaren von Blogs und in Gruppen aktiv sein

Bisweilen möchten in meinem Blog junge Leute kommentieren, die allzu freimütig ihren Namen und E-Mail zu einem allzu direkten Kommentar eingeben. Ich maile dann erst mal, ob sie wirklich wollen, dass ich das freischalte, denn viele sind sich nicht bewusst, dass man sie dann unter ihrem Namen googeln kann.

Das heißt: Wenige denken darüber nach, WAS sie sagen und WIE sie es sagen. Doch als Angestellter sind Sie in einer speziellen Situation. Sie sind Repräsentant Ihres jetzigen und vielleicht zukünftigen Unternehmens, selbst wenn Sie privat im Netz unterwegs sind. Doch das Wort von gestern kann Ihr Schaden von heute sein.

Deshalb: Als meinungs- und diskutierfreudiger Mensch, legen Sie sich für Kommentare in Blogs und an anderen öffentlichen Stellen eine eigene E-Mail-Adresse an, sofern Sie das, was Sie sagen, nicht für Ihre Profilierung als Experte für ein Thema nutzen wollen, also um auf sich aufmerksam zu machen. Dann nennen Sie auch Ihren Namen nicht. Ich spreche in meinem Blog, wenn ich Kommentare kommentiere ganz bewusst nur diejenigen an, die ich kenne. Ich mache auch einen Unterschied beim Alter: Von jemanden mit 40 erwarte ich ein anderes Standing als von jemand mit 20. Bei erfahrenen Menschen gehe ich eher davon aus, dass er/sie weiß, was sie sagt.

Kenne ich die Personen nicht, verfasse ich kein „hallo NAME“. Nicht jeder Blogger denkt an diese Dinge  und schwupps stehen dumme Sachen im Netz…

Lektion 2: Auf Fanpages auftreten und liken

Es ist selbst für mich schwer, zwischen meinem öffentlichen Profil und meiner Fanpage hin- und herzuschalten. Deshalb vermute ich, ohne Zahlen zu kennne, dass vielen nicht bewusst ist, dass das, was Sie z.B. auf dem Profil von Lady Gaga äußern, für alle Mitglieder von Facebook, ergo auch für Personaler, sichtbar ist.

Einige in Anstellung befindliche Personen hängen sich wie Jünger nicht nur an Stars (was harmlos ist), sondern auch an zwielichtige Boteschaften oder an esoterisch angehauchte Personen, Institutionen, Marken hängen. Bestimmte Themen, eben auch die spirituellen, sind in angesehenen Medien nicht ohne Grund KEIN Thema. Ich wäre hier vorsichtiger. Dieses bedenkenlose „Anhängen“ wie auch das manchmal sehr emotionale öffentliche Äußern von Befindlichkeiten betrifft, sorry, leider häufiger Frauen.

Fragen Sie sich mal selbst, ob Sie jemanden als Manager Ihres Unternehmens einstellen würden, der sich auf einer Esoterikseite bei Facebook durch begeisterte Hurra-oder Endzeitrufe hervorgetan hat. Ein Like dagegen, sagen wir, bei jemanden wie dem Buchautor und Speaker Reinhard Sprenger (der aber gar nicht facebookt), wäre dagegen vertretbar. Es gibt definitiv eine ungeschriebene „political correctness“.

Es sagt auch etwas aus, wenn Sie blind alles liken, was mit Gewinnspiel, Autos oder Klamotten zu tun hat. Eine durchdachte Like-Strategie ist sinnvoll, sollten Sie auch nur in Ansätzen an ein persönliches Weiterkommen im Beruf denken.(Denn dass sie an gewissen Stellen des Auswahlprozesses und erst recht für gewisse Positionen gegoogelt werden, auch wenn das aus rechtlichen Gründen  wenige zugeben, sollten Sie einfach mal unter „das ist gängige Praxis“ vermerken).

Wenn Sie unsicher sind mit Ihren Likes, schauen Sie sich mal an, wen Social Media-affine Personen liken, man kann daraus die „political correctness“ ableiten. Man sollte sich aber mit dem Gelikten identifizieren können.

Lektion 3: Wo WIE aktiv sein

Ich habe auf meinem Vortrag gesagt, dass ich es bedenklich finde, dass laut BITKOM 10% aller Deutschen zwischen 30 und 49jährigen bei Xing angemeldet, aber nur 5% davon aktiv sind. Bei Linkedin, das sich eher für die Profilierung für eine internationale Karriere eignet, sieht es meiner Einschätzung nach leicht besser aus. Wer das Netzwerk kennt, ist meist schon etwas internetaffiner und geht entsprechend einen Tick bewusster mit seiner Darstellung im Netz um

Von diesen 5% aktiven hat nur ein kleinerer Teil ein wirklich gutes Profil. Deshalb: Wer sich nicht dazu „committet“ mindestens einmal die Woche reinzuschauen und Netzwerk- und Profilpflege zu betreiben, sollte lieber draußen bleiben oder löschen. Ein ungepflegtes Profil schadet mehr als das es nutzt.

Lektion 4: WAS sagen?

Der Wunsch eine Art Muster für seinen Profiltext zu erhalten ist verbreitet. Nun ist es so, dass Erfolg des aktiven Internet-Netzwerkens ebenso wie bei Bewerbungen immer an individuelle Vorgehensweisen gekoppelt ist – und Muster sind nicht individuell. Ich empfehle denen, die sich unsicher sind, sich eher auf Keywords als auf ausformulierte Sätze zu verlagern. In diesen Keywords sollten die wichtigsten 8-15 Begriffe vorkommen, die die eigene Person und Ihre Kompetenz unterstreichen. Ein fiktives Beispiel:

  • Beteiligungscontroller, 8 Jahre Berufspraxis, Schwerpunkt Osteuropa, Teamleitung bis 5 Personen, Kenntnisse USA, IFRS, HGB, US-GAAP, drei Jahre vor Ort in Warschau, mehrere Projektleitungen, erfolgreiche SAP-Einführung

Streichen Sie Ausdrücke wie „Teamfähigkeit“, das sind Worthülsden. Ausformulierte Sätze sind so heikel wie die dritte Seite in Bewerbungen. Nur wenige können das wirklich missverständnisfrei und positiv formulieren. Im Zweifel lassen Sie sich ein Feedback geben. Einen kleinen Ausschnitt auf das Private sollten Sie zulassen. Da gelten ähnlichen Regeln wie für den CV.

Lektion 5: Mit WEM netzwerken?

Wenn Sie wissen wollen, welches Netzwerk Sinn macht, lesen Sie hier. Als Business Netzwerke eignen sich vor allem Xing und Linkedin, auch Twitter geht eher in die Business-Richtung, nutzt man es bewusst. Alles unter 50 Kontakte wirkt inzwischen ein wenig „vereinsamt“, wobei „mehr“ nicht unbedingt gut ist. Zu viele Kontakte wirken beliebig und sehen nach Kontaktesammler aus, und deren Image sinkt stündlich. Stecken Sie also etwas Zeit in den Ausbau Ihrer Kontakte, wenn es nur wenige sind – misten Sie raus, wenn es zu viele sind. Wollen Sie sich für ein neues Thema positionieren, suchen Sie ganz bewusst die Personen, die darin einen Namen haben. Über die Art der Ansprache und NoGos habe ich hier bei Spiegel Online und hier schon öfter gesprochen.  Machen Sie sich bewusst, dass „du bist, wen du kennst“. Es kommt also nicht nur darauf an, was Sie schreiben, sondern auch, wen ich sehe, wenn ich Ihre Kontaktliste anschaue – oder Ihre Follower.

Deshalb sollten Sie auch nicht jeden „reinlassen“. Überlegen Sie sich Kriterien, die in Ihrem Fall Sinn machen. Seien Sie klar und eindeutig, in dem was Sie tun. Ein Lehrer könnte z.B. entweder alle Schüler oder gar keinen Schüler bestätigen, ein Manager alle ihm zugeordneten Mitarbeiter oder keine. Ich selbst kontakte nie private Kunden – ich schalte sie aber frei, wenn Sie eigeninitiativ auf mich zugehen. Das ist Teil meiner Strategie. Und die habe ich mir gut überlegt 😉

 

About Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden, ein halbes Leben Coaching, Beratung, Ausbildung. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

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