Die Zukunft der Arbeit: Warum wir Schritt für Schritt lernen müssen, Unternehmer zu werden

Waren Ihre Eltern selbstständig? Wahrscheinlich nicht. Und wenn Sie zu den mehr als 90 Prozent Nicht-Unternehmerkindern gehören, die Zukunft der Arbeit aber ein Umdenken von Ihnen fordert? Dann ist das schwer; der Schalter lässt sich selten von heute auf morgen umlegen. Das geht nur Step by Step.

Die meisten von uns sind es nicht gewohnt, für alles und jedes selbst die Verantwortung zu übernehmen – und das muss ein Unternehmer. Entscheidungen als Unternehmer (und hier schließe ich Freiberufler explizit ein) sind immer meine; ich kann sie niemanden in die Schuhe schieben. Wenn ich an die Unternehmer- oder Freiberuflerkinder meiner Schulzeit denke, so sind diese immer früher oder später selbst selbstständig geworden – das wurde so vorgelebt.

Überwiegend wurde uns, die wir nicht aus Unternehmer- oder Freiberuflerhaushalten stammten, jedoch ein Arbeiterleben oder eine Kaminkarriere präsentiert. In meiner kaufmännisch geprägten Familie, war Selbstständigkeit kein Thema. Ich wundere mich im Nachhinein, wie das je auf meinen Plan kommen konnte.

Wer ohne die Prägung des Elternhauses in die Selbstständigkeit startet, startet öfter klein, wie jetzt ein Kurzbericht der IAB über Solo-Selbstständige (Titel: „Die Förderung bewährt sich“) darlegt. Wir sehen hier: es werden immer mehr Unternehmer – aber das Wachstum bezieht sich vor allem auf Unternehmer ohne Mitarbeiter.

Quelle: IAB

Insofern habe ich ganz typisch begonnen: Kurz vor der Jahrtausendwende mit einigen Startupideen liebäugelt, aber das Risiko gescheut. Die ersten freiberuflichen Jobs suchte ich als Subunternehmer von Outplacementberatungen. 5000 DM investierte ich in Flyer und Visitenkarten (damals war der Druck noch teuer), um das alles kurz danach wegzuwerfen,. weil es mir nicht mehr gefiel. Ich war zu feige – so könnte man das sehen. Oder auch so: Ich wuchs fließend nach dem SlowGrow-Prinzip. In den Anfangsjahren habe ich enorm viel gelernt, ich wüsste nicht wie das aussähe, wenn ich sofort mehr auf Risiko gesetzt hätte. Wahrscheinlich war das sogar nötig.

Im IAB-Kurzbericht steht das, was zu erwarten war: Die Förderinstrumente für Selbstständigkeit haben sich als sehr stabil und langfristig erfolgreich bewährt. Über die Hälfte derjenigen, die sich mit dem Überbrückungsgeld selbstständig gemacht haben, heute Gründungszuschuss, haben heute Mitarbeiter. Sie brauchen für diesen Schritt aber länger als Unternehmerkinder in 3. Generation. So wie ich auch. Dann sind aber auch sie arbeitsplatzfördernd. Eine meiner Mitarbeiterin ist über 60, die andere hat drei kleine Kinder. Als kleine Unternehmerin, die selbst ohne unternehmerischen Hintergrund aufgewachsen ist, gebe ich denen Chancen, die es sonst schwer hätten. Das ist typisch und eine Chance für viele, die in Konzernen ausgepuckt werden, sei es wegen Burnout oder aufgrund ihres Alters. Ich habe zwar nie Geld der Arbeitsagentur bekommen, weil ich gar nicht auf die Idee gekommen wäre, aber die Idee des Gründungszuschusses  finde ich fantastisch und notwendig bei der Entwicklung, die der Arbeitsmarkt nimmt. Wer glaubt, der Trend der Unternehmen auszulagern wäre zu stoppen, irrt. Es wird Großunternehmen geben, die größer werden. Und es werden mehr und mehr Satelliten entstehen, die Dienstleistungen für diese Unternehmen anbieten. Darin stecken die inhaltlich spannenden Themen. Und hierfür ist Förderung dringend nötig. Jedoch: Wer nicht-unternehmerisch sozialisiert ist, stellt nicht nur erstmal keine Mitarbeiter ein, sondern nimmt auch keinen 100.000 EUR Kredit auf, er KANN aus seiner Kaminkarrieren-sozialisierten Persönlichkeit nur langsam wachsen.

Nicht überraschend deshalb ein Detail der IAB-Studie, wonach Unternehmerkinder eher die Neigung haben, mehr Geld für ihre Gründung auszugeben, was bis zu einem gewissen Grad auch durchaus ein Erfolgskonzept sein kann. Nicht-Unternehmerkinder haben diese natürliche Neigung nicht.

Dass der Staat Gründungen solcher Satelliten fördert ist also notwendig – auch um die Zukunft der Arbeit mit immer mehr Wissensarbeit um Unternehmen herum zu ermöglichen. Denn ohne Förderung sucht man sich als nicht unternehmerisch sozialisierter Mensch im Zweifel doch lieber eine niedriger qualifizierte Position. Schade, dass die Förderung in diesem Jahr stark eingeschmolzen worden ist. Ich sehe viele, die sonst bereit wären, zu gründen, sich so aber so noch nicht trauen.

Also müssen wir auf andere Konzepte setzen, z.B. auf nebenberufliche Starts. Wer nicht mit Unternehmereltern groß geworden sind, muss sich erst langsam an Selbstständigkeit gewöhnen. Langsames Wachstum ist etwas, was die Banken und Wirtschaftsförderungen nicht gern sehen. Aber es ist organisches Wachstum und verzahnt mit dem Wachstum der globalisierten Konzerne. Das übersehen einige.

Vielleicht sind solche Langsam-Gründer erst nach fünf oder zehn Jahren bereit, den nächsten Schritt zu gehen und z.B. Mitarbeiter einzustellen. Dabei hilft mein SlowGrow-Prinzip.  Zum Buch erhalten Sie bei Kexpa® Selbstlernprogramme, die Sie bei der erfolgreichen Gründung und beim Wachstum unterstützen. 

Sicherheitsorientierte Kleindenker, lernen hier ein pragmatisches System kennen, sich weitgehend ohne Investment einen Testmarkt zu suchen und sich praktisch auszuprobieren. Denn wie ich es gemacht habe – Visitenkarten und Flyer zum Start und dann hoffen, es kommt jemand – ist die völlig falsche Herangehensweise. Machen Sie Ihren Proof of Concept, überschaubar und systematisch!

About Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden, ein halbes Leben Coaching, Beratung, Ausbildung. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

2 Kommentare zu “Die Zukunft der Arbeit: Warum wir Schritt für Schritt lernen müssen, Unternehmer zu werden

  1. Und mal wieder ist das IAB schlauer als die Agentur für Arbeit, dessen „Kind“ das IAB ist… Ich wundere mich schon seit Jahren über das Paradoxon, dass Maßnahmen, die das IAB als sinnvoll erachtet, oftmals gekürzt werden und dass bei Maßnahmen, welche der näheren Prüfung nicht standhalten, trotzdem das Geld zum Fenster herausgeworfen wird.

    Im Übrigen bin ich auch ein NIchtunternehmerkind und kann nur das bestätigen, was Sie geschrieben haben. Es fällt mir unheimlich schwer, den großen Schritt in die komplette Selbständigkeit zu gehen. Das Dumme ist nur, dass mein Angestelltenjob mir so viel Energie raubt, dass das Aufbauen einer Selbständigkeit zunächst als Nebenjob im Sande zu verlaufen droht. Gott sei Dank bin ich so überzeugt von der Vorstellung der Selbständigkeit, dass ich irgendwo immer noch Kraftreserven herzaubere…

    Mich würde mal interessieren, wem es auch so ergeht wir mir.

    LG, Helga Numberger

  2. Berufliche Selbstständigkeit bedeutet Verantwortung. Das ist wohl einer der Gründe, warum sich die meisten Menschen vor ihr fürchten. Vor allem gehört aus meiner Sicht eine ordentliche Portion Selbstbewusstsein dazu, den Schritt zu neuen Ufern zu wagen. Persönlichkeit und ein gutes Konzept sind sicherlich gute Voraussetzungen, um langfristig Erfolg zu haben.

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