Es ist auf dem Kindle! Mein E-Book-Experiment (Teil 1)

In diesen Tagen wird mein Portal Kexpa E-Books & Solutions freigeschaltet werden. Und seit Montag sind drei meiner ersten E-Books bei Amazon erhältlich:

1. „Erfolgreich in der Jobwelt der Zukunft“ für EUR 6,99 (das aktualisierte Karrieremacherbuch von Eichborn)

2. „Wirksame Selbstpräsentation in Social Media“ für EUR 4,99 (das rundum erneuerte „Jobsuche und Bewerben im Web 2.0, erstmals erschienen in Print bei Eichborn)

„3. Mein Social Media Experiment 2010-2012“ für EUR 0,99 (das sind Blogbeiträge mit neuen Kommentaren)

Für das Layout innen und außen sowie die recht komplizierte Umwandlung in die Formate epub (Kindle/Amazon), mobipocket (itunes) und PDF (Adobe) konnte ich die ehemalige Grafikerin von Eichborn gewinnen. Der Vertriebspartner ist Bookwire, die 20 Prozent vom Verkauf dafür erhalten. Das ist praktisch, denn es erspart einem die US-Steuernummer, die man bräuchte, um bei Itunes reinzukommen und eine Menge Detailarbeit bei der Übergabe an die unterschiedlichenn Shops. Bookwire nimmt aber nicht jeden. Man braucht einen Verlag. Den hatte ich praktischerweise inklusive aller ISBN-Nummern seit 2002, denn schon mit Gruenderreports bewegte ich mich im Feld des Selfpublishings, indes auf ganz anderer Ebene.

Es war ein längerer Weg: vom ersten Aufflackern des Gedankens „das geht so nicht mehr mit den Verlagen“ und „Du musst etwas GANZ anders machen“ Anfang 2010 bis heute. Jetzt bin ich gespannt, zum Beispiel, ob ich ohne Verlag wirklich weniger verkaufe als mit. Und ob man auf Print teilweise verzichten kann oder nach „gedruckt“ verlangt wird. Wenn ja: auch dies ließe sich handeln.

Heute war „Erfolgreich in…“ immerhin schon erheblich  besser platziert als die Kindle-Bücher meiner Verlagsprojekte etwa von Campus oder Humboldt. Noch gibt es kleine Ungereimtheiten. So passt die Kategorie nicht und sehen einige Amazon-Besucher offensichtlich den Kaufpreis nicht, melden Facebook-Fans. Außerdem muss man, gibt man „Svenja Hofert“ ein, erst einmal auf die Kindle-Registerkarte klicken oder aber direkt über den Kindle-Shop gehen. Mir war es wichtig von Amazon und anderen Plattformen unabhängig zu sein: Ab nächster Woche werden alle E-Books und vieles mehr in meinem dann eröffneten KEXPA-Shop erhältlich sein. Dieser Vertrieb vollzieht sich unabhängig von Bookwire.

Das gerade war die Kurzform für die Neugierigen. Nun zu den Hintergründen, warum ich das alles mache. Das ist der Teil, der für Autoren und Experten interessant ist.

Ich stelle dabei zwei Thesen in den Blog:

  • Erstens: Da das Buch mehr und mehr zum Statusobjekt geworden ist, verliert die Publikation über etablierte Verlage an Wert. Sie ist kein Kompetenzausweis mehr. Mitunter das Gegenteil.
  • Zweitens: Auch wenn von 2011 auf 2012 aus einem nur zwei Prozent deutsche E-Book-Leser geworden sind – die Entwicklung zum digitalen Lesen ist offensichtlich. Generation Y kauft weniger gedruckte Bücher und liest keine Zeitungen. Ich glaube, nein, ich bin fest überzeugt: Gerade Ratgeber und Sachbücher werden zum Großteil digitalisiert werden.

Erstens: Da das Buch mehr und mehr zum Statusobjekt wird, verliert die Publikation über etablierte Verlage an Wert. Sie ist kein Kompetenzausweis mehr.

Teils erzeuge ich einen Weißkittel-Effekt (danke Claudia für dieses nette Wort).

Dadurch, dass ich seit Ewigkeiten Bücher in renommierten Verlagen veröffentliche und meine Bücher SELBST schreibe, löse ich Bewunderung aus, vor allem unter Kollegen, die ahnen, wie schwer es ist, auf dem Buchmarkt zu etablieren und sich über einen längeren Zeitraum zu halten.

Wenn man tiefer drinsteckt in dieser Branche wie ich geht die Gleichung Buch = Kompetenz allerdings ganz und gar nicht auf. Für mich ist das Buch lediglich ein Beleg dafür, dass jemand bereit war, ab 25.000 EUR in die Hände zu nehmen fürs professionelle Schreibenlassen und noch viel mehr für PR  – ein  größerwerdendes, tabuisiertes Phänomen (Ghostwriter stehen hier nicht auf dem Cover) im Sachbuch- und Ratgebersegment, das Intrigencoachs, Glücksexperten und sonstige Narzisse mit Goldmündern hervorbringt, von denen nur der kleinere Teil WIRKLICH etwas NEUES zu sagen hat.

Verlage denken längst wie PR-Agenturen: Da gibt es eine Marke, diese Marke wollen wir formen – aber bitte so, dass es unser restliches Programm nicht stört. Die Folge davon: Ich konnte die Dinge nie so machen, wie ich es für richtig hielt und habe mich von Sachen überzeugen lassen, bei denen meine innere Stimme eigentlich „nein“ sagte. Eine Weile unterlag ich dem Trugschluss, die anderen müssten doch kompetenter sein als ich in der Beurteilung von Konzepten, Covern etc. Diesen Glauben habe ich verloren.

Ich möchte nicht komplett aus der Printwelt raus und freue mich für Gabal ein schönes Coaching-Buch für Herbst 2013 machen zu dürfen – dies aber eher Fachbuch und opulent gestaltetes Werk mit Schmuckeffekt und hoher Regaltauglichkeit. Solche „Model“-Bücher werden, hübsch anzusehen, weiter verkauft werden. Die passen  nicht auf den Kindle, die behalten ihre gedruckte Berechtigung.

Zweitens: Auch wenn von 2011 auf 2012 aus einem nur zwei Prozent deutsche E-Book-Leser geworden sind. Die Entwicklung zum digitalen Lesen ist offensichtlich. Generation Y kauft weniger gedruckte Bücher und liest keine Zeitungen. Ich glaube, nein, ich bin fest überzeugt: Gerade Ratgeber und Sachbücher werden zum Großteil digitalisiert werden.

Ich sehe, dass sich das Thema „Ratgeber“ mit dem Internet verändert. Heute ist es so, dass die Verlage eine bestimmte Anzahl von Titeln auf den Markt werfen und sich um die meisten nicht mehr kümmern.

Verlage setzen auf VIPs,  etablierte Namen oder auf neue Experten mit großen Netzwerken, meist „Speaker“, die Bücher mit viel Geld und Gefolgschaft vertreiben. Insofern erkennt man in dieser Szene an einem Experten „nur“ mit E-Book durchaus mitunter die weniger Erfolgreichen – nutzen diese „ihr Buch“ rein als Statusobjekt. Oft sind diese E-Booker Neu-Autoren, die Verlage weder von Gefolgschaft noch von VIP oder Etabliertheit überzeugen konnten. Manchmal sind es aber auch die klugen, weitsichtigen.

Ich selbst brauche keine gedruckten Bücher mehr, lese fast alles online, aber ich bin in meiner Generation ungewöhnlich. Es gibt nicht viele, die sich so leichtherzig vom Gedruckten verabschieden können (und um die FTD tut es mir leid).

Um mich herum sind einige junge Leute, die Freelancer-Tätigkeiten für mich ausüben oder Mitarbeiter sind, darunter meine Karriereexperten-Twitterin Sarah. An deren Leseverhalten sehe ich die Zukunft, dafür brauche ich dann offizielle Zahlen nur noch als Backup. Diese GenY-Vertreter haben ein Problem, wollen z.B. wissen wie man small talkt – und dann laden sie sich mobil die Lösung runter. So genannte „Serials“ ersetzen den 250-Seiten-Ratgeber. Das ist die Reise, auf die ich jetzt gehe. Bis zum nächsten Teil.

About Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

12 Kommentare zu “Es ist auf dem Kindle! Mein E-Book-Experiment (Teil 1)

  1. Hallo Frau Hofert,
    spannend zu lesen, dass Sie sich auch dem selbst publizierten Buch annähern. Ich habe bisher zwei Bücher geschrieben, fand aber die Preispolitik der Verlage (8%) skandalös.
    Für mein Renommé bringen mir mehr gedruckte Bücher auch nichts mehr, denke ich, habe deshalb zwei eBooks bei Amazon als Testlauf veröffentlicht. Bin ganz erstaunt, wie gut die laufen.
    Mittlerweile schreibe ich v.a. eMail-Kurse im Rahmen meines Blogs, die auch sehr gut laufen.
    Ich denke, eBooks werden ähnlich wie in USA immer mehr kommen, das iPad und seine Konkurrenten helfen da enorm.
    Bookwire und Kexpa kannte ich noch nicht, werde ich mir anschauen.
    Viel Erfolg!

  2. Hallo Herr Kopp-Wichmann, es freut mich ganz besonders, dass gerade Sie sich hier als erstes melden, denn ich beobachte, was Sie tun, schon länger – und bin sehr angetan von der Art Ihrer Ansprache und der Art Ihres Marketings. Das hebt sich von aus meiner Sicht platten Verkaufsdraufgehaue wohltuend ab…. Naja Preispolitik: Man kann weniger (6%)und mehr (je nachdem ob Nettoerlös oder Nettoladenpreis)
    bekommen, wenn man verhandelt, aber dann über Agent und der kostet auch…. ich kann indes die Verlage gut verstehen, die Marge ist klein. Es geht schwer mit höheren Tantiemen, jedenfalls bei den kleineren. LG Svenja Hofert

  3. Hallo Frau Hofert,

    und herzlichen Dank für die ausführliche Darstellung Ihrer Gründe. Ich verfolge Ihre Blogs immer wieder mit großem Interesse. Da ich aktuell auch gerade über „mein erstes Buch“ nachdenke, hat mich dieses Thema besonders interessiert.

    Ich kann Ihnen aus meiner persönlichen Erfahrung sagen, dass auch ich fast alles online (bzw. e-book) lese, obwohl ich nicht der GenY angehöre. Und ich stimme Ihnen zu, dass der Weg ganz klar zum e-book geht.

    Ich bin schon sehr gespannt, wie es im 2. Teil weitergeht und ich wünsche Ihnen auf jeden Fall viel Erfolg für Ihr Experiment! 😉

  4. Liebe Frau Hofert,
    freut mich, dass Ihnen mein Auftritt und das Pull-Marketing gefallen.
    Und mit dem Honorar: das ist wie mit dem Preis für Milch oder Gemüse für die Bauern. Dass derjenige, der das Produkt herstellt, ohne den es die Sache gar nicht gäbe, mit so wenig abgespeist wird, finde ich einfach demotivierend.
    Deswegen machen wir es jetzt auch wie die cleveren Bauern: Hofverkauf!

  5. Hallo Frau Hofert,
    ein spannendes Experiment, das Sie da im Selbstversuch starten. Schön, dass Sie die Zukunft der Fachpublikationen innovativ mit vorantreiben. Bin gespannt, wie es bei Ihnen läuft und wünsche Ihnen viel Glück dafür! Mein ganz persönlicher Wunsch bleibt dennoch einen neuen Weg zu finden, auf dem digitale und gedruckte Bücher und Welten miteinander anspruchsvoll und nutzerfreundlich verwoben werden können, unter Einbezug des stationären Buchhandels. Schneegrüße aus Berlin Thomas Matla, Greenfranchise Lab

    • Hallo Herr Matla, ich möchte auch weiter beides, ich sehe nur für unterschiedliche Genre verschiedene Wege. LG und danke Ihnen Svenja Hofert

  6. Hallo Frau Hofert, spannend, von Ihrem E-Book-Experiment zu lesen. Wir sind auch grade dabei, einige Publikationen so zu veröffentlichen bzw. planen welche. U.a. auch mit multimedialen Inhalten wie z.B. Bildergalerien, Filmen, Töne. Wir experimentieren mit verschiedenen Formaten + Kanälen, u.a. auch mit iTunes. Und tatsächlich macht uns die aktuelle Entwicklung Mut, uns unabhängig von Verlagen zu machen. Allerdings glaube ich schon noch, dass die Veröffentlichung als gedrucktes Buch in einem bekannten Verlag gut fürs Image ist. Aber: Wenn man keinen Verlag findet, ist die Idee jetzt nicht mehr automatisch gestorben. Herzliche Grüße aus Berlin

    • Danke für Ihre Ergänzung! Ich denke, man muss es einfach ausprobieren, Theorie und Szenarioplanung hilft hier nicht 😉 Ich werde auch weiter gedruckte Bücher über Verlage machen, aber das Experimentelle ist im Internet besser abgebildet. Wir werden sehen, bin gespannt auf Ihre Produkte. LG SH

  7. Hallo Frau Hofert,

    zuerst einmal eine schöne Vorweihnachtszeit. Ich muß mich mal wieder zu Wort melden, weil es passt. Habe vor kurzem und obwohl ich schon 53 Jahre alt bin, meinen Spaß am E-Book Readen gefunden.Ich habe mir die Apps für den Kindle auf den Laptop geladen und lese im Moment fleißig und begeistert E-Book von Ihnen. Habe mir schon Ihr E-Book Social Media Experiment und 3 weitere Runtergeladen und lese , was das Zeug hält. Ja ich habe aquch in meinem Alter 😉 noch Spaß an technischem Spielzeug ;-). Deshalb fand ich Ihren Artikel über das E-Book und dessen Zukunft auch so interessant. Vielen Dank für Ihre spannenden Artikel,die ich so sporadisch bei Ihrem Blog entdecken darf. Ein frohes Weihnachtsfest und viele Grüsse aus dem Rheinland.

    Ihr treuer Blogleser B.R.

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