Teilen und austeilen: Die neue Kluft der Teamkultur

Während die großen Konzerne längst ihre eigenen Collaboration-Systeme haben und Mitarbeiter lustig intern netzwerken, trennen sich in den Agenturen  die Teamwelten. Die Jungen teilen, die Alten teilen aus – gute Ratschläge zum Beispiel darüber, wie Marketing früher funktionierte. Treibt Social Media einen Keil zwischen Management und Team? Ich sprach mit Ursula Dehler aus meinem Netzwerk Karriereexperten.com. Dehler arbeitet seit mehr als 10 Jahren als Coach und Beraterin in Berlin, mitten im Regierungsviertel.

Sie sind spezialisiert unter anderem auf Teamcoachings in der Medienbranche und der Kreativwirtschaft. Was ist Ihnen aufgefallen?

Gerade in Agenturen, die als Kommunikationsdienstleister täglich mit Social Media zu tun haben,  macht sich die unterschiedliche Medienerfahrung der jüngeren und der älteren Generation bemerkbar. Auf der einen Seite sind die Digital Natives, die selbstverständlich online kommunizieren, sich zeigen, privat und Beruf verschmelzen lassen. Auf der anderen Seite erfahrene Inhaber und Manager, die eher noch zurückhaltend mit den neuen Dialogmedien umgehen.

Nicht selten treffen Teammitglieder mit unterschiedlicher Social‐Media‐Affinität aufeinander. Auch wenn die älteren Kollegen – die sogenannten Digital Immigrants – sich immer häufiger in den sozialen Netzwerken bewegen, sind die Digital Natives meist im Vorteil: Sie haben die neuen Kulturtechniken des Netzes von Beginn an gelebt. Social Media ist für sie Alltag.

Ich stelle bei Kunden aus dem Agenturumfeld fest, dass gerade den sehr Qualifizierten Hierarchien egal sind. Die haben keinen Respekt, nur weil jemand älter ist oder eine Stufe höher steht. Die gehen, wenn es ihnen nicht gefällt und arbeiten lieber frei. Auf der anderen Seite sehe ich „Ältere“, die sich für ihren Mangel an Social Media-Know-how und ihre innere Abwehrhaltung geradezu schämen.

Richtig, der Vorrang des Erfahrenen vor dem Jüngeren verliert an Bedeutung. Die Jungen stellen gerade im Bereich Social-Media-Kommunikation die Leistungen der Seniorberater in Frage und fühlen sich missachtet, wenn sie nicht aktiv in die Beratung einbezogen werden. Umgekehrt fällt es den „Seniors“ oft schwer, die Fähigkeiten der Jüngeren in diesem Feld anzuerkennen und zu nutzen.

Natürlich spricht das keiner so offen aus. Die älteren sind ja gewohnt, einen Wissensvorsprung zu haben. Das Selbstbewusstsein der Jungen irritiert sie. Für jemanden, der bislang mit Seniorität und Kompetenz punkten konnten, ist das nicht leicht auszuhalten. Da muss ein erfahrener PR-Profi erleben, dass er einem 21-Jährigen in diesem Bereich nicht ebenbürtig ist. Das führt zu Abwehrreflexen. Wird dieser Konflikt ignoriert, kann das zur Zerreißprobe für Beraterteams werden. Im schlimmsten Fall verlieren die Agenturen gefragte Nachwuchskräfte.

Ist es nicht auch Tatsache, dass die Digital Natives eine ganze andere Art der Führung erwarten?

Die Jüngeren erwarten heute Strukturen, die durchlässig sind, in denen sie gesehen werden und ihre Kompetenzen einbringen können.  Es reicht nicht, dass Führungskräfte ihr Erfahrungswissen von oben nach unten weiterreichen. Vielmehr geht es darum, die Erfahrungen der Älteren und die Kompetenzen der Jüngeren zu nutzen. Wenn man das berücksichtigt, können beide Seiten voneinander lernen.

Aber was tun, wenn beide Seiten das gar nicht sehen?

Mit Teamcoaching kann man da zu guten Ergebnissen kommen. Jeder muss sich auf den anderen zubewegen und sowohl seine eigenen Stärken als auch die  der anderen bewusst wahrnehmen. Ohne die Führungskräfte geht es natürlich nicht, deshalb erarbeite ich die Themen in der Regel zuerst im Führungskreis oder im Einzelcoaching. Letztendlich geht es ja auch um die eigene Haltung und Einstellung zum Führen.

 

 

About Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden, ein halbes Leben Coaching, Beratung, Ausbildung. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

Über Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden, ein halbes Leben Coaching, Beratung, Ausbildung. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

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