Kolumnen zu Karriere, Führung und Entwicklung

6 Sorten Kreativität – und welche hätten Sie denn gern?

By | 2013-01-19T23:16:06+00:00 14. Januar 2013|

Kreativität entfaltet sich besser im Dunkeln, fanden Forscher der TU Dortmund heraus. 30% mehr – einfach mal das Licht ausmachen. Warum das so ist? Im Dunkeln sind Hierarchien nicht sichtbar, der Mensch findet zu sich – und seinen eigenen Gedanken. So gedeiht Kreativität – doch welche Art von Kreativität ist das eigentlich? Ich meine, die kreative Palette ist riesig und versuche mal eine Abstufung, weder wissenschaftlich noch vollständig. Absolut subjektiv und aus meiner Beobachtung entstanden:

1.     Die Fantasie-Kreativität

Diese Kreativität ist die ursprünglichste und kindlichste von allen. Transaktionsanalytisch dürfte sie im freien Kind-Ich zu verorten sein. Fantasie-Kreativität kann lustig sein, beruflich nutzbar ist sie z.B. im Comedy-Sektor. Menschen, die sie entwickeln, können loslassen und hemmungslos rumspinnen. Zu viel davon kann aber auch nerven, dann wird es albern. Fantasie-Kreativitität braucht nichts als eine Persönlichkeit, die das freie Kind-Ich auch als Erwachsener noch hüpfen lässt.

2.     Die Fleiß-Kreativität

Auch das Bedürfnis nach Genauigkeit und Ordnung kann in Menschen Kreativität auslösen, so entsteht eher eine Art Fleiß-Kreativität, die öfter bezogen ist auf die Umsetzung in Design, Gestaltung, Handwerk oder Text. Ich habe früher oft gedacht, dass sich mehr Kreative mit einer „roten Ordnung“ bei Reiss finden müssten. Aber ich sah auch solche mit „Ordnung grün“. Deren Kreativität war dann häufiger durch Anerkennung gesteuert. Die Fleiß-Kreativen treibt das Bedürfnis, im Rahmen ihrer Subkultur oder des Jobs gutes Feedback zu bekommen – eben auch über Ideen, etwa wenn sie in einer Werbeagentur arbeiten oder als Journalist. Die Resonanz der anderen ist dem Fleiß-Kreativen nie egal, deshalb wird er eher keine, siehe 3., Exzentrik-Kreativität entwickeln.

3.     Exzentrik-Kreativität

Die haben manche Künstler. Man mag den Namen Klaus Kinski kaum noch ohne Scham ausschreiben, aber womöglich ist der Mann ein gutes Beispiel für das, was solche Kreative mitbringen müssen: Das Gebahren, anders und besonders zu sein und damit hausieren zu gehen. Ich würde auf hohe Narzissmuswerte wetten. Exzentriker schmeißen Kleckse an die Wand, weisen diesen eine zentrale Bedeutung zu, an die sie selbstredend selbst glauben (konstruiert unser Hirn, wohlgemerkt die linke, angeblich logische Hälfte, doch recht kreativ dauernd Rechtfertigungen für unser Verhalten). Besondere Intelligenz ist für Exzentriker nicht nötig, nur eine sehr spezielle Persönlichkeit – man muss schräge Sachen machen und mit etwas Glück finden es alle toll, weil´s sich sonst keiner traut.

4.     Die Remix-Kreativität

Die Remix-Kreativität  mischt aus Vorhandenem etwas Neues, im Musikbereich findet sich das oft – hören Sie sich nur den neuen Song von Prince an. Die Autorin Helene Hegemann hat Remixen im Textbereich mit „Axolotl Roadkill“ zu einem öffentlich diskutierten Thema gemacht, denn sie recycelte das geistige Eigentum anderer, ohne das zu kennzeichnen – böse Zungen nennen es „klauen“, noch bösere guttenplaggen.

5.     Die Ideen-Kreatitivität

Diese Kreativität produziert Einfälle, die z.B. Lücken schließen. Das Buch „Kopf schlägt Kapital“ von Günter Faltin fördert solche Ideen-Kreativität, denn diese Art kann durchaus systematisch gelenkt und erzeugt werden. Problem nur, wenn sich diese nicht mit Umsetzer-Mentalität paart – dann braucht man zumindest beim Thema Unternehmensgründung noch einen Mitstreiter. Ideen-Kreativität verlangt kein sehr tiefes Know-how, aber setzt voraus, dass man Dinge durchdenken kann. Sie ist deshalb nichts für Denkfaule, denn gute Ideen entspringen immer aus, hallo Kahnemann, System-2.

6. Querdenker-Kreativität

Sie ist die höchste Form der Kreativität und fordert eine ganz besondere Persönlichkeitsstruktur. Nicht jeder kann sie entwickeln. Sie wirft Erkenntnisse um, die allgemeingültig zu sein scheinen und zwar mitunter radikal. Vergeht sich der Querdenker an wesentlichen und bisher weithin akzeptierten Erkenntnissen, bekommt er/sie ziemlich sicher ein Problem in Sachen Gruppenakzeptanz und enormen Gegenwind. Mehr als alle anderen Formen braucht Querdenker-Kreativität Erfahrung, Expertise und eine Überdosis intrinsische Motivation. So findet sie sich vor allem in den Wissenschaften. Solche Kreativität ist nur Menschen möglich, die das Anderssein früh kultiviert haben, um daraus die entscheidende Triebkraft zu entwickeln. Zu solchen Querdenker-Menschen gehört die Geologin Gerta Keller, die der Theorie aus den 1980er Jahren, von Nobelpreisträger Luis Alvarez, die Dinosaurier seien aufgrund eines Meteroiteneinschlags auf einen Schlag ausgestorben, vehement widerspricht. Und sie bekommt mächtig Haue von etablierten Kollegen, gilt doch Alvarez´ Theorie derzeit als Wahrheit…

Ob Ideen-Kreativer oder Querdenker: Eine wichtige Voraussetzung für jede Art der Kreativität liegt darin, erst einmal auszusprechen, was man denkt und wovon man überzeugt ist. Sehr förderlich ist Offenheit für Neues, also die Fähigkeit sich gedanklich von vorhandenen Strukturen zu lösen und die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass die Dinge anders sein könnten, als sie zu sein scheinen… verbunden mit der Bereitschaft, seine eigenen Ideen auch allen Gruppenzwängen zum Trotz zu vertreten. Womit wir am Ende wieder am Anfang wären: Im Dunkeln. Da geht das besser.

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides? Biografie | Unternehmen

5 Kommentare

  1. […] Kreativität entfaltet sich besser im Dunkeln, fanden Forscher der TU Dortmund heraus. 30% mehr – einfach mal das Licht ausmachen. Warum das so ist? Im Dunkeln  […]

  2. […] Kreativität entfaltet sich besser im Dunkeln, fanden Forscher der TU Dortmund heraus. 30% mehr – einfach mal das Licht ausmachen. Warum das so ist? Im Dunkeln  […]

  3. […] Kreativität entfaltet sich besser im Dunkeln, fanden Forscher der TU Dortmund heraus. 30% mehr – einfach mal das Licht ausmachen. Warum das so ist?  […]

  4. Lars Lorber 19. Januar 2013 at 12:11 - Antwort

    Das mit dem Dunkeln erklärt, warum mir Abens beim einschlafen oft noch ein Haufen Ideen durch den Kopf flattern. Hab die Studie gerade nicht zur Hand, aber Google hilft da sicher weiter: hinlegen macht auch kreativer, hat man herausgefunden, d.h. Abends im Bett gibts den kreativ-Boost.

  5. Steffen 10. März 2014 at 14:52 - Antwort

    Schade, dass ich das mit der Dunkelheit noch nicht kannte als ich meinen Artikel zur individuellen Kreativität schrieb:

    http://bit.ly/1i0eE31

    Danke!

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