Die erste Einladung ist da! (das Bewerbungsexperiment Teil 3)

Es hat länger gedauert, aber nun hat mein anonymer Klient eine Einladung erhalten  - und zwar zu einem Job, der zu der von uns geänderten Strategie passt.  Weitere rund 10 Bewerbungen sind offen, seit dem Start unseres Experiments gab es keine Absagen. Das ist insofern nicht ganz schlecht, als schnelle Absagen oft dafür sprechen, dass die Stelle entweder schon besetzt ist oder aber der Bewerber gar nicht in Frage kommt.

Es handelt sich um eine Stelle im Bereich Business Analyse, die dem gewissenhaften, ernsthaften und ruhigen Typus auf den ersten Blick gut gerecht wird. Nun folgt der nächste Step. Telefonisch werden wir dazu noch einmal ein paar Vorstellungsgesprächsstrategien besprechen.  Mehr dazu später.

Heute möchte ich mich auf einige Tipps zur Bewerbungsstrategie konzentrieren, auch  da die ZEIT mal wieder einen dieser schnelle Likes auslösende Fälle mit knapp 100 erfolglosen Bewerbungen brachte unter dem Motto gut ausgebildet, jung und kurz vor Hartz IV.  Ich würde wetten, dass es auch hier wieder nicht der „böse“ Arbeitsmarkt, sondern fehlende oder unpassende Strategie ist.  

Die passende Strategie dagegen führt immer zum Erfolg, auch wenn es dauert.

Wie aber geht die?

  1. Können: Sie müssen sich klar darüber sein, was Sie können und was nicht. Viele sagen „alles“ – und das stimmt nie. Klärung ist also der allererste Step.
  2. Niveau: Sie müssen das Niveau Ihrer Ausbildung und bisheriger Erfahrung  mit der der ausschreibenden Firma in Einklang bringen können. Ich sehe da oft krasse falsche Selbsteinschätzungen.  Zum Beispiel bewerben sich Leute auf die Stelle eines Zeit-Redakteurs die mit einigermaßen gesunder Selbstreflexion wissen müssten, dass sie da nie eingeladen werden.
  3. Passgenauigkeit: Damit in Zusammenhang steht das Wissen, auf welche Jobs Sie passen (und auf welche Jobs nicht). Wer da unsicher ist, kann die tollsten Unterlagen haben – er/sie wird selten eingeladen werden und wenn doch, dann auf falsche Stellen.
  4. Persönlichkeit: Es ist wichtig zu wissen, welche Persönlichkeit man selbst ist. Es gibt Menschen, die wunderbar darin sind, aufzubauen und andere, deren Kernkompetenz das Bewahren und Weiterführen ist.  Wieder andere prüfen leidenschaftlich gern und gut. Nicht jeder kann also passende Argumente auf eine Anzeige liefern in der ein Unternehmen jemanden sucht, „der eigenständig neue Filialen in ganz Europa aufbaut“. Und nicht jeder ist der ideale Nachfolger für jemanden, der in Rente geht und seinen Arbeitsbereich geordnet übergeben möchte.
  5. Profil der anderen: Es ist wichtig zu wissen, welches fachliche Profil andere haben, die sich auf die gleichen Jobs bewerben. Wenn diese z.B. alle eine ausgewiesene Social Media Kompetenz mitbringen, ich aber nur 3 Follower habe, stimmt was nicht mit meiner Strategie der Stellenauswahl.
  6. Branche: Immer wieder unterschätzt wird die Bedeutung Branchenerfahrung. In 80% der Fälle ist die maßgebend bei einer Einstellung, 20% wünschen sich explizit den anderen Blick des Branchenfremden. Bewerbungen innerhalb derselben Branche versprechen einen größeren Erfolg. Ich erinnere an meinen Branchenkreis.
  7. Trends. Wichtig zu wissen ist weiterhin, welche Themen aktuell gefragt sind – das verändert sich schnell, ist aber sehr gut in den Stellenmärkten ablesbar. Geben Sie z.B. spaßeshalber mal „CSR“ bei Indeed.de oder Kimeta.de ein (kaum etwas zu finden außer Praktika, trotz Medienhype…) und dann Business Intelligence (viel zu finden ohne Medienhype). Sie merken den Unterschied.
  8. Wege: Nur auf ausgeschriebene Stellen zu setzen, ist falsch. Zu jeder vernünftigen Strategie gehört die Suche auf dem verdeckten Markt dazu. Das ist allein allerdings eine Kunst für sich.

2 Kommentare zu “Die erste Einladung ist da! (das Bewerbungsexperiment Teil 3)

  1. Hallo Svenja, ein gutes Neues Jahr 2013!
    … natürlich auch an alle anderen Leser – Innen.
    Schön, dass “der Fall” weiter geht.
    Zum Zeit-Artikel: Hier stimme ich der Vermutung voll zu … ich könnte auch wetten …
    beim ersten Lesen war mir schon ein starkes Indiz dafür aufgefallen. [Die Autorin: Bachelor-Studium, 3 Jahre Redakteurin und PR, nach vielen erfolglosen Bewerbungen suchte sie u.a. als Sekretärin.] Ein Personaler habe sie angerufen, ob ihre Bewerbung als Sekretärin ihr Ernst sei. Schon da sind mindestens 2 Probleme deutlich: (1) Wieso hat sie nicht bereits nach den ersten 20-30 Bewerbungen etwas Wesentliches an ihrer Strategie geändert? (2) Offensichtlich hat sie ihr Anschreiben am Ziel vorbei geschrieben. So ein Downsizing (= hier: Bewerbungsmotivation) muss doch erklärt werden! Und man muss vermuten, dass ihre anderen Anschreiben dann wohl auch nicht zielorientiert formuliert waren. Also: Volle Zustimmung für die Wette!
    Schöne Grüße, Christoph Burger

  2. Hi Christoph, dir auch alles Gute und was man sich so wünscht für 2013 :-) Geht weiter und ich hoffe auf ein Happy End. LG Svenja

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