“Ich will auch Coach werden und meine Berufung leben!”

Ob ich auch durch eine Krise zum Coaching gekommen sei, wurde ich schon mal gefragt von jemand, der sagt “ich will auch Coach werden.” Ich verzog mich an den Nebentisch, sonst könnte ich mir eine ehrliche Anmerkung möglicherweise nicht verkneifen. Nein, Krise, kann ich nicht mit dienen. Keine Burnoutvergangenheit. Ein bißchen Glass Ceiling, aber hat mich nicht sehr mitgenommen – Geld genommen und angelegt.

“Ich will auch meine Berufung leben”, wäre möglicherweise der Folgesatz geworden. Hm, ha. Auch. Ich halte nicht viel von Berufungen, möglicherweise weil ich nicht besonders gläubig bin. Ich sehe Job als Job. Es gibt schlechte, mittlere und gute. Gut ist, was zu einem passt. Ich habe einen guten Job. Aber ich vermute, dass ich auch andere Jobs hätte machen können, mit dem ähnlichem Effekt einer ordentlichen Zufriedenheit. Und möglicherweise mache ich auch noch mal was anderes. Die Traumkarriere ist nie zuende.

Das (Berufs-)leben als Coach wird in einer Weise als vermeintlicher “Traumjob” glorifiziert, die mir ungeheuer ist. Der Beruf, der keiner ist, zieht teils falsche Leute an. Wenn sich wieder jemand aus einer persönlichen Krise heraus selbstständig machen will, möchte ich manchmal Greggs Tagebuch zitieren und fragen “geht´s noch?” Wenn die Berufung wenigstens nach 20 Jahren als Personalentwickler oder als Führungskraft kommen würde. Doch allzuoft zeigt sie sich unmittelbar nach der Entdeckung, mitunter mit 22 Jahren gemacht, dass das Berufsleben eher Eiertanz als fröhliches Eisessen ist. In diesem Alter kann man in der Persönlichkeitsentwicklung noch nicht besonders weit sein. Das zeigt z.B. auch die Glaube, man könne das.

“Können Sie nicht mal mit XY reden?” werde ich manchmal von Menschen gefragt, die es nett meinen. “Der/die will sich als Coach selbstständig machen!” Ich geh dann in Deckung. Denn aufklärerische Maßnahmen ohne Bezahlung nehme ich nur hier im Blog vor – sie haben in fortgeschrittenem Stadium der Willensbildung ohnehin keinen Sinn. Im besten Fall hört man “Ich weiß ja, dass der Markt zu ist, aber Coaching ist einfach mein Ding.”

Sein Ding in dieser Hinsicht entdeckt man leicht und schnell. Man macht eine Coachingausbildung und wird (wie alle!) gutes Feedback bekommen, denn es kann fast gar nicht anders sein. Die Situation des Coachings ist darauf angelegt, positive Feedbacks zu erzeugen, weil man im besten Fall Menschen zu befreienden Gedanken und ihrem eigenen Glück führt. Das verführt zu dem Schluss man sei selbst gut. Aber man wendet nur Methoden an. Die kann jeder lernen. Viele der Neu-Coachs sind in Wahrheit Feedbackjäger. Das ist eine verbreitete Motivation nach einer wodurch auch immer bedingten Krise.

Schauen Sie nur mal hier in meine Screenshots vom Google-Key-Word-Tool und achten Sie auf die Häufigkeit, mit der “Coach werden” eingegeben wird. Das verspricht ein gutes Geschäft für mein im Herbst bei Gabal erscheinendes Buch “Meine 100 besten Coaching-Tools”. Und Coachingausbilder, von denen es immer mehr gibt, kriegen ihre Kurse offensichtlich bei dieser Anzahl an Anfragen auch noch voll, trotz wachsender Konkurrenz.

Eine Zeitlang haben Anbieter dieser Ausbildungen ihre Leute in dem Glauben gelassen, sie könnten sich damit selbstständig machen.

Mich freut insofern zu hören, dass einige offenbar umschwenken und Coaching nicht mehr als selbstständige Tätigkeit, sondern als im Job nutzbares Handwerkszeug verkaufen. Denn eine Job-Option als selbstständiger Coach ist es nur für die mit einschlägiger HR-Berufserfahrung und die, die Tätigkeiten kombinieren. Erst recht ist es keine Option, wenn man ernsthaft an Privatkunden als Zielgruppe denkt und kein Trainer, Outplacer oder Personalentwickler im Hauptjob ist. Privates Coaching ist eine Teilzielgruppe für eine Handvoll Leute, die meist ewig im Geschäft sind. Oder die das nebenberuflich machen. Oder die einen gut verdienenden Ehepartner haben.

Ein Buch, ein bißchen Posing und das ® an eine Wortschöpfung kleben – das war früher mal ein Weg. Der Markt ist heute “zuer” als zu, auch begrifflich wie man oben sieht. Niemand wird mit einer Google-Anzeige mehr punkten oder müsste Geld ohne Ende rausschleudern, was sicher nicht wieder reinkommt.

Ich sehe diese Entwicklung schon lange, Coaching ist am Ende des Produktlebenszyklus angekommen. Deshalb habe ich 2011 die Karriereexperten gegründet, auch um (m)eine Begriffsalternative zu etablieren. Mein Gedanke war, dass sich das Coaching professionalisieren UND individualisieren muss. Mir war und ist es wichtig, die besondere Expertise, Herangehensweise, den speziellen Ansatz von Anbietern im Coachingumfeld zu zeigen. Ich sehe hier viele Marktlücken, die keiner füllt. Alle wollen Coach sein, systemischer Coach, Business Coach, whatever. Aber weniger wollen ein besonderes Profil entwickeln.

Aber auf dem freien Markt reicht das “ich biete Coaching” nicht. Hier punkten besondere Kombinationen, Erfahrungen, Methoden, Konzepte, Zugänge, Ressourcen und natürlich auch die Persönlichkeit des Coachs – und dessen Marketing. Dazu möchte ich Ihnen morgen Deutschlands ersten Coach mit Hund  vorstellen – Sabine Dinkel, die genau das beherrscht. Und die es ohne die sonst gängige Zielgruppen- oder Themenpositionierung geschafft hat und trotz “zuem” Markt. So viel ich weiß auch ohne größere Krise :-)

Apropos Coach werden: Hier gibt es unseren Selbstlernkurs Coach werden, für alle,  die an einer realistischen Einschätzung interessiert sind.

About Svenja Hofert

Seit fast anderthalb Jahrzehnten unterstütze ich gemeinsam mit meinen Mitarbeitern und meinem Netzwerk Menschen dabei, ihren "nächsten Schritt" zu gehen - in der Karriere, als Team und auch als Berater, Trainer oder Coach. In diesem Blog verpacke ich meine Perspektiven und Erlebnisse in klare Sichtweisen und Impulse.

Über Svenja Hofert

Seit fast anderthalb Jahrzehnten unterstütze ich gemeinsam mit meinen Mitarbeitern und meinem Netzwerk Menschen dabei, ihren "nächsten Schritt" zu gehen - in der Karriere, als Team und auch als Berater, Trainer oder Coach. In diesem Blog verpacke ich meine Perspektiven und Erlebnisse in klare Sichtweisen und Impulse.

26 Kommentare zu ““Ich will auch Coach werden und meine Berufung leben!”

  1. Hallo Frau Hofert,

    danke für diesen Beitrag, der es auf den Punkt bringt. “Das könnte mein Job sein” habe ich gedacht, als ich mein erstes Führungskräftetraining/-coaching bei einem sehr erfahrenen Trainer und Coach hatte. Das war 1998 und für mich stand fest: irgendwann gehe ich diesen Schritt. Aber mir war auch klar: mit damals gerade einmal 30 Lenzen habe ich dafür noch zu wenig Lebens- und Berufserfahrung. Also weiter Erfahrungen sammeln, außerdem Trainings besuchen, Trainer und Coaches anschauen, weiterbilden, als Führungskraft Mitarbeiter coachen (und dabei üben, üben, üben) … zehn Jahre lang. Vor fünf Jahren bin ich den Schritt gegangen (ohne Lebenskrise). Und ja: ich verdiene mein Geld als Berater, Trainer und MIT Coaching, z. B. wenn es sich im Rahmen eines bestehenden Auftrags anbietet. Das gibt mir auch die Freiheit, Coaching-Anfragen abzulehnen, wenn es aus meiner Sicht aus den verschiedensten Gründen einfach “nicht passt”. Weil ich nicht von Coaching leben muss (und es davon allein vermutlich auch nicht könnte).

    • Hallo Herr Stein, lieben Dank für die offene Ergänzung. Ich denke es ist wichtig, dass einige von uns die Karten offenlegen, weil zu viele eine Show um ihre Auftragslage machen. Nach außen sieht vieles nach busy aus, was nach innen oft keine Vollauslastung ist. Die Wahrheit ist, dass eine Kombi fahren oft der einzige Weg ist. LG Svenja Hofert

  2. Liebe Frau Hofert, das ist ja mal eine interessante Theses das Coaching am Endes des Produktlebenszyklus angekommen ist. Das wäre schade. Ich teile die Auffassung, dass es eine erhebliche Marktsättigung gibt, da immer mehr Menschen anderen “helfen” wollen. Auf der einen Seite spiegelt dies ganz klar einen gesellschaftlichen Bedarf wieder, nämlich sich mehr mit sich zu befassen, auf der anderen eine Illusion der Anbieter, hier das schnelle Geld zu verdienen. Bei kommunizierten Durchschnittsstundensätzen von EUR 150 läuft sicher dem einen oder anderen das Wasser im Mund zusammen, dies auch verdienen zu wollen. Stellt man sich selbst die Frage unter welchen Bedingungen bin ich bereit, für eine Leistung einen solchen Betrag zu investieren, sieht die Welt oft anders aus. Ich denke, wie in allen anderen Märkten auch, wird die Bereinigung des Überangebotes ganz von allein statt finden.

    • Liebe Frau Bürgel, danke für Ihren Kommentar. Coaching als Methode meine ich nicht, sondern als Begriff ;-) Ja, so ist es: Selbst wir haben etwa 50% Firmenbezahler, das ist sogar vergleichsweise wenig. Ich akquiriere nicht, sondern werde empfohlen oder ein 2. oder 3. Mal konsultiert, oft von Menschen, die vor Jahren mal bei mir waren und nun z.B. ein Outplacementbudget haben, oder deren Partner oder ein Freund. Auch einige Personalleiter oder Betriesräte in Hamburg haben uns für das besonders individualisiertes, coachingorientiertes Outplacement entdeckt und schicken nach Bedarf Leute zu uns.
      Natürlich ist es mit einem angemessen großen Budget und der Firma dahinter viel, viel angenehmer: Man kann entspannter arbeiten und muss nicht “auf die Tube” drücken (der Prozess kommt hier manchmal zu kurz). Die meisten Coachs haben meiner Erfahrung nach eher einen Privatkundenanteil von 10-20% – und sind sie nicht bekannt, wird allein die Grenze von 100 EUR schon schwer zu knacken sein.
      Nur sehr wenige Coachs mit Privatkunden können hohe Honorare realisieren, dabei ist es meiner Erfahrung eher egal, ob die Kunden 50.000 oder 250.000 EUR im Jahr verdienen. Ich habe Klienten, die wenig verdienen und denen die Beratung so wichtig ist, dass sie nicht so sehr aufs Geld schauen. Und umgekehrt. Für die Kompaktangebote zahlen alle dasselbe, aber für Nachfolgetermine variiere ich.
      Ich habe gute Erfahrungen mit Kompaktangeboten gemacht, bei uns sind es 1,5-2 Stunden (der nächste Schritt), 3-4 Stunden (360Grad) und 6-7 Stunden (Strategietag), je nach Anliegen. Das mittlere Paket wird mit Abstand von Neu- und Privatkunden am häufigsten gebucht. Funktioniert wunderbar, zumal viele von außerhalb anreisen. Es gibt bei uns zwar auch die Privatzahler-Stunde (bei mir persönlich für 195 EUR netto = 232,05 brutto) – aber die wird selten genommen. Und wenn ist sie so vollgepackt mit Fragen, dass ich mein entspannteres Einsteigerpaket für 1-5-2 Stunden bevorzuge, selbst wenn ich da mal ein paar Minuten mehr investiere… mein zentrales Anliegen ist, meine Sache gut zu machen. Nicht zu vergessen ist auch die Vorbereitung, die ich nicht berechne und die auch eine Einzelstunde mit sich bringt. Und da bin ich wirklich perfektionistisch. In neue Termine gehe ich nie unvorbereitet, arbeite immer mit Fragebögen, recherchiere etc. Meine Mitarbeiterin und meine Kooperationspartnerin Frau Ludwig machen es genauso: Jede Unterlage wird sich vorher angeschaut – nur bei sehr umfangreichen Materialien z.B. 30 Seiten Testergebnissen berechnen wir das.
      Also, liebe Coach-Interessenten: Überlegt es euch gut. Was die Verbände so über Verdienstmöglichkeiten sagen, ist eben Lobbypolitik. Auch Firmen bezahlen nicht mehr unbesehen 350 EUR/Stunde. Zudem gibt es starke regionale Unterschiede. Im Süden und im Süden außerhalb der großen Städte ist manchmal mehr drin als rund um Berlin und auch Hamburg. Und ad 2.) werden Coachs befragt – sind wenige ehrlich. Ist ja auch Marketing zu sagen, man mache Big Business. LG Svenja Hofert

  3. Ich bin auch Coach. Sehr erfolgreich. Zu etwa 10-20% meiner Arbeitszeit als angestellter Geschäftsführer. Die überwiegenden Zeiten meines Wirkens verbringe ich mit Vertrieb, Führung, Organisation, Netzwerken, Planen etc.

    Dazu kommt, dass ich seit über zwanzig Jahren Bildungs- und Karriereberatung mache und beruflich in die Coachingrolle reingewachsen “wurde”.

    Übrigens sage ich heute nicht mehr, dass ich Coach bin oder dass wir in der LVQ Coaching durchführen. Ich spreche lieber von Karrierebegleitung, Support oder Planungsgesprächen, gleichwohl unsere Tools wirksam sind.

    Aber das hat eher damit zu tun, dass der Begriff Coaching gnadelos gebraucht wird, für alles was irgendwie den Klienten unterstützt.

    Was früher der Heilpraktiker oder Heiler war, ist heute der Coach. Klar, Zeitgeist: Ist halt mehr Business drin.

    • “Übrigens sage ich heute nicht mehr, dass ich Coach bin oder dass wir in der LVQ Coaching durchführen. Ich spreche lieber von Karrierebegleitung, Support oder Planungsgesprächen”

      Geht mir genauso. Meist sage, dass ich “Psychologe” bin (stimmt ja auch, bin Dipl.-Psych.). “Coach” ist inzwischen zu inflationär gebraucht.

  4. Liebe Svenja, liebe Leser!

    So ist es, ja! Und doch auch, aus meiner Sicht, ein wenig anders! :-)

    Berufung hat für mich nicht unmittelbar mit Glauben etwas zu tun. Ich bin sehr dankbar, offenbar seit langem meine Berufung gefunden zu haben … oder nennen wir es die Aufgabe, die ich hier zu erfüllen habe. Das klingt aber sicher in manchen Ohren auch schrecklich esoterisch :-))
    Für mich persönlich ist das Ding mit der Berufung aus folgendem Grund so wichtig:
    Ich bin einfach sehr dankbar, dass ich seit Jahrzehnten meiner Berufung nachgehen darf – also das tun darf, was ich am liebsten mache UND am besten kann.

    Also: Die, die sich wirklich und ehrlich berufen fühlen zum Coach: JA! Diese Menschen brauchen wir.

    Ihnen muss aber vielerlei klar sein:
    * … dass Coaching selten spektakulär ist.
    * … dass Coaching m.E. weniger eine Methodensammlung ist, sondern eher eine Haltung Menschen gegenüber.
    * … dass eine gute Ausbildung wichtig ist! Dadurch bin ich zwar noch lang kein guter Coach…aber zumindest kein ganz schlechter mehr. (Und mit Ausbildung meine ich eine zertifizierte MIT Prüfung. Alles andere ist ein reines “Habe teilgenommen” Attest und sagt gar nix aus.
    *… dass niemand etwas im Coaching zu suchen hat, der sich als toller Hecht und Heilsbringer und Retter in den Vordergrund stellen will!
    * … dass du als guter Coach einen Klienten nicht als sichere Einnahmequelle über Jahre hast. Als guter Coach hast du nämlich konkrete Themen mit ein paar Sitzungen geklärt.
    * … dass in der Tat eine möglichst spitze Ausrichtung wichtig ist, sei es auf eine sehr konkrete Zielgruppe, ein sehr konkretes Thema oder ähnliches. “Ich bin Coach. Spezialisiert auf Konflikte” entlockt höchstens ein Gähnen und reicht nie im Leben aus, um sich auf dem Markt nachhaltig zu positionieren.
    * … dass ein Coach extrem selbstreflektiert sein muss.

    Und eines ist mir besonders wichtig (Danke, Svenja, dass ich das an dieser Stelle gut loswerden kann, weil es so gut passt!):

    Es kann und soll NICHT JEDER Coach werden!
    Das ist mir seit einiger Zeit immer wieder ein besonderes Ärgernis, dass eine sehr medien-prominente Vertreterin unserer Zunft marktschreierisch behauptet: “Jeder kann coachen.”
    (Und zu diesem Zwecke auch gleich mal flugs eine Coaching Akademie gründet, die Coaches ausbildet. Tsss…)

    Nein. Es kann NICHT jeder coachen. Sicherlich, jeder kann sich Fähigkeiten antrainieren, die ein guter Coach auch braucht.
    Aber es gibt m.E. sehr eindeutig Menschen, die auch dadurch kein guter Coach werden.
    Bei denen z.B. die wichtigen Fähigkeiten Neugier, Empathie und Wertschätzung nicht genügend ausgeprägt sind.

    “Jeder kann coachen” leistet m.E. genau dem Vorschub, dass jeder sich berufen fühlt und jeder von heut auf morgen (Nach Lektüre von 1-2 Büchern) loscoacht. Und das ist fatal und grauselig, weil:
    “Schlimmstenfalls hilfts halt nix!” stimmt eben nicht.
    Mit “falschem” oder gar fahrlässigem “Coaching” kann man verdammt viel anrichten und kaputt machen. Hier ist wirklich jede Menge Achtsamkeit gefragt!

    Noch ein Wort zu meinem Kollegen Lars Hahn: Hmm, ich frage mich gerade, warum ich mich anders nennen sollte, nur deshalb, weil es soviele Scharlatane gibt in dem Metier?
    Ist dadurch nicht der begrifflichen Beliebigkeit Tür und Tor geöffnet? Finden da nicht nur noch immer mehr Fantasiebegriffe ihren Platz, unter denen man sich viel oder gar nix vorstellen kann?
    Ich bin Coach. Und ich zeige durch meine Arbeit, dass ich ein ernsthafter, ausgebildeter, erfahrener und guter Coach bin. Das zeigt sich während des Prozesses und dann passt der Name auch. Oder?!

    Eine wunderbare, interessante und sooo wichtige Diskussion – werde sie gleich noch ein bisschen verbreiten im Netz! Danke dafür.

    Herzlichst, Bettina Stackelberg

    • Hi Bettina, danke für deine lange, konkrete und praktische Ergänzung. Das mit der Berufung ist relativ, man muss das Wort definieren… mir wurde es zu oft in einem esoterischen Zusammenhang verwendet. Es ist wichtig, etwas zu finden, mit dem man zufrieden ist – nenn es Berufung. Aber man darf bei allem nicht vergessen, dass es für die meisten von uns immer noch um Existenzsicherung geht ;-) Zum Wort: ich seh das durchaus auch als wichtige Frage. In dem Moment, in dem etwas überwiegend negativ besetzt ist, wird durchaus auch ein Begriff zum Problem. Soweit ist es noch nicht, aber es könnte kommen. LG Svenja

  5. Kleiner Nachsatz und eine Antwort auf die Frage von Bettina: Natürlich sollte jemand, der Coach ist, sich auch Coach nennen. Da der Begriff eben ungeschützt ist, empfiehlt es sich vielleicht, direkt im Untertitel das Alleinstellungsmerkmal herauszuarbeiten und sich abzusetzen. Übrigens gilt das ja für Unternehmensberater genauso. Da gibt es richtig gute, aber eben auch ganz schauerliche Angebote auf dem Markt.
    Wobei: Fantasiebegriffe müssen ja gar nicht sein. Karriereexperte finde ich wunderschön als Begriff. Er ist weder geschützt, noch inflationär unterwegs. Für mich passt’s, für viele andere vielleicht nicht.

    • Hi Lars, klar, ich verwende den Begriff ja auch, schon weil ich weiß, wie viele Suchanfragen “Coach werden” produziert und meine Seite gut gelistet ist. Nur sollte sich niemand Coach nennen, der Suchmaschinenoptimierung betreibt ;-) – absolut chancenlos. Es ist nicht leicht mit den ganzen Begriffen und Wörtern, da habe ich gerade einen neuen Beitrag im Kopf nachdem ich hier in in einer Zeitschrift gelesen habe “Senior PR Director & Freelancer, Berlin”, einfach cool LG Svenja

  6. Ich kenne niemanden der einfach nur als Coach arbeitet und erfolgreich ist. Meist ist Coaching eine ergänzende Qualifikation. Ohne eine berufliche Primär Kompetenz macht es aus meiner Sicht keinen Sinn eine Coaching Weiterbildung zu machen. Damit kann man diese jedoch sehr gute “veredeln”, d.h. besser als Berater, Trainer, Führungskraft oder Fachkraft in seinem Job arbeiten. Da liegen die besonderen Chancen in dieser persönlichen Weiterbildung.

  7. Liebe Svenja Hofert, vielen Dank für Ihren interessanten Beitrag. Ich stimme in fast allem zu. HIer mein Blog-Beitrag als Kommentar mit weiterführenden Gedanken http://bit.ly/T43OPi
    .

    Herzlichen Dank dafür. Danke auch an die interessanten Kommentare, vor allem Bettina Stackelberg. Herzliche Grüße vom Zürichsee.

  8. Liebe Frau Hofert,
    herzlichen Dank für Ihre kritische Betrachtungsweise zu der verbreiteten Haltung “Ich werd’ dann mal Coach!”
    Ich bin jetzt mal etwas pointiert und möchte dazu noch setzen “…weil mir nichts Besseres einfällt.” In meinen Coachinggruppen für GründerInnen sind sehr viele, die sich in diesem Bereich selbständig machen wollen. Ihnen rate ich regelmäßig, sich ein Feld zu suchen, in dem sie ihre Begeisterung für die Arbeit anderen Menschen (die sie oft erst auf die Idee gebracht hat) mit ihren Erfahrungen, Fähigkeiten und Interesse am besten verbinden. Dann können sie in der Selbständigkeit auch Erfolg haben. Jedoch nicht als “Coach”, sondern weil sie ihre persönlichen Faktoren ideal mit anderen Optionen (Aufgaben, Themen, Angebotsformen) so in Einklang bringen, dass es auch finanziell interessant wird. Manches Mal führt der Weg dorthin erst über bittere Erkenntnisse (Selbständigkeit trägt sich nicht) zu einer Tätigkeit, in der sie Lebendigkeit, Zufriedenheit und Erfüllung erleben.

    Herzliche Grüße vom Starnberger See
    Ulrike Bergmann

    • Lienbe Frau Bergmann, hmmmm, weil mir nix anderes einfällt…das sehe ich auch so. Es ist so wie mit Audi und BMW: Man stürzt sich auf Arbeitgeber, die man sofort sieht und schick findet und auf Berufe, die einen Namen haben, den man versteht und nicht etwa “Mitarbeiter ABC”. Journalist ist auch sowas, hat Glanz und Namen… Aber: “Hätte jemand mir gesagt, dass ich mein Leben lang kaum je über 3.000 brutto kommen werde und dann auch noch selbstständig arbeiten muss, ich wäre diesen Weg nie gegangen.” Beim Coach hört sich das so an: “Kann es wirklich sein, dass man nur ein, zwei Stunden die Woche coacht. Ist das normal?” Nicht für alle, aber für viele. Würde jemand denen das sagen, die Zahl der Coachwerden-Willigen würde wohl schrumpfen.
      Danke Ihnen für die tolle Ergänzung. herzlichst Svenja Hofert

      • Guter Hinweis! Das läuft oft nach dem Prinzip: Wenn alle dorthin wollen, muss es wohl etwas Besonderes sein!? Dann braucht man nicht weiter darüber nachdenken. Und böeibt vor allem schön in der Masse ;-)
        Ich habe das Thema gerade im MutmacherMagazin noch einmal aufgegriffen und meine Gedanken dazu verknüpft: http://bit.ly/Wma8Ra

  9. Hallo zusammen,

    ist das wirklich so toll, eine Berufsbezeichnung zu tragen, dessen Wort am Markt vollkommen überschwemmt ist? Warum zertifiziert man sich nicht einfach noch eine Stufe weiter, zum “Privaten Bildungsträger”? Ich hab#s geschafft. Ihr schafft das auch! Ist ganz einfach: http://bit.ly/VubzjQ

    Wie heißt es immer so schön: Man sollte sich von der Masse abheben!

    Private Bildungsträger gibt es leider nicht sehr viele. Ich bin da fast konkurrenzlos… :-/

    Warum ich mich dazu zertifizieren gelassen habe? Weil ich den ganzen 08/15 Mist, der AfA und der JC einfach nicht mehr ertragen kann und den Erwerbslosen erfolgreich helfen will. Was auch zu 99,5 % gelingt… :-) Finanziell reich bin ich deswegen zwar nicht, dafür aber an Erfahrungen sehr reich. Geld verdiene auch ich mit freiberuflichen Projekten. Ist doch auch schon mal was… :-)

    Ich bin KEIN Coach und werde es auch nie sein. Bei mir werden die Menschen beruflich weitergebildet. Erwachsene Menschen benötigen keine Nachhilfe (coaching) mehr… ;-)

    Denkt mal drüber nach, ich könnte gut und gerne ein bisschen fachmännische Konkurrenz gebrauchen… :-)

    Viele Grüße
    Gudi

    • Hallo Frau Woosmann, da sist echt ein guter Tipp mal in diese Richtung zu denken, lieben Dank für den Hinweis. Das würde ich Sie vielleicht mal zu befragen wollen und noch mal auf Sie zukommen. LG Svenja Hofert

  10. Hallo an die Runde,
    schöner Artikel, interessante Kommentare. Dazu
    1.) Nicht jeder kann coachen, das sagt auch meine Erfahrung aus der Durchführung des Seminars “Coaching-Kompetenz” an der Uni Mannheim. Dort habe ich auch nicht den Gedanken verfolgt, Coachs zu produzieren, sondern, eine gewisse Kompetenz zu entwickeln, die später auch z.B. im Führungsalltag eingesetzt werden kann. Insgesamt 3 Seminartage plus “Hausaufgabe”. Das reicht m.E. für den Anfang für diesen Zweck (3 Credits).
    2.) Von Svenjas Idee, den Begriff “Karriereexperten” zu benutzen, bin ich begeistert. Zumal es meine Ausrichtung trifft. Dementsprechend bezeichne ich mich auch als Karriereberater, nicht als Coach. Beratung ist “direktiver”. Allerdings ist es wohl sinnvoll, den Begriff “Coach” bzw. “Coaching” trotzdem weiter parallel zu benutzen, da er eingeführt ist.
    3.) Beratung ist übrigens (noch) “rentenversicherungsfrei”, Coaching nicht. Wer also vorwiegend Beratung betreibt, sollte sich, falls freiberuflich unterwegs, vielleicht aus diesem Grund eher auch Berater nennen.
    Beste Grüße,
    Christoph Burger

  11. Hallo zusammen,

    endlich mal jemand, der es auf den Punkt bringt, vielen Dank. Ich verdrehe nämlich schon immer innerlich die Augen wenn jemand zu mir kommt und sagt, also ich will Coach werden. Sie haben die eine oder andere Fortbildung besucht, eine Methode fasziniert sie, der Job wackelt. Und dann – ich werde Coach!

    Oje. Wie oft habe ich dann schon erklärt, dass das nicht ausreicht. Da kommt jemand aus der Gastronomie und wird jetzt Coach? Nichts gegen die Gastronomie, auch gibt es begnadete Menschen, die urplötzlich ihre Berufung erkennen. Allein mir fehlt der Glaube daran.

    Mein Eindruck ist, dass ihnen oft nicht klar ist, wie heiß umkämpft der Markt ist und was noch alles so an menschlicher Lebenserfahrung und fachlicher Kompetenz dazugehört um erfolgreich zu werden. Ich bin Coach klingt eben irgendwie schick.

    Dazu kommen dann noch die persönlichen Blockaden und hinderlichen Programme, die auch noch nicht bearbeitet sind. Und dann wundern sie sich, dass es nicht läuft.

    Und der Hinweis mit der Rentenversicherungspflicht ist auch ganz wichtig. Die meisten dieser neuen “Coaches”, die bei mir Unterstützung suchen, wissen nämlich nicht, dass sie rentenversicherungspflichtig sind mit diese Berufsbezeichnung.

  12. Hallo Frau Hofert,

    ein wichtiger Artikel! Aus meiner Erfahrung heraus macht sich auch nur ein kleinerer Teil der Absolventen von Coaching-Ausbildungen oder Weiterbildungen in diesem Bereich wirklich selbstständig (als Vollexistenz). Nicht jeder ist tatsächlich zum “Coach als Unternehmer” geboren. Spannend finde ich, im Nachgang (kurz nach einer Coaching-Ausbildung bzw. ein Jahr danach) Absolventen zu fragen, was ihnen eine solche Ausbildung gebracht hat. Hier wird sehr häufig die eigene Entwicklung kommunikativer Fähigkeiten, ein Zuwachs an Selbstwirksamkeitsstrategien und verbesserte Selbstwahrnehmung genannt. Wenn das nichts ist! :-)

    Herzliche Grüße,

    Peter Reitz

  13. Liebe Svenja,

    heute, auf den Tag genau vor einem Jahr, erschien dieser Artikel (in dem du mich im letzten Absatz dankenswerterweise sehr lobend erwähnt hast). Ich war damals in der Schweiz auf einer Fortbildung, so dass mir der Artikel tatsächlich durchgerutscht ist. Und nun ist er wieder auf meinem Radar aufgetaucht.

    Letzte Woche bekam ich eine Coaching-Anfrage von einer Dame, die den Artikel vor einiger Zeit gelesen und sich nun daraufhin bei mir gemeldet hat. Sie schrieb:

    “Wichtig ist mir, dass ein Coach einen guten Backround (wie Sie HR-Backround) hat, strukturiert und zielgerichtet vorgeht. Ich möchte weder hypnotisiert noch universell beleuchtet werden ;-). Ich denke, Sie verstehen was ich meine. Im Internet findet man ja so manches…”

    Soviel dazu. ;o)

    Ich persönlich kann ganz gut vom Coaching leben, meine Arbeit besteht zu gut 70 – 80 % aus Coaching (mit einigen wenigen Beratungselementen).

    In meiner Ausbildung hat man uns zum Glück gleich von Anfang an gesagt, dass man sich keine Illusionen machen sollte, von Coaching allein gut leben zu können. Das fand ich damals ein wenig frustrierend, heute bin ich froh, dass man uns damals “den Kopf gewaschen” hat. Und wie ich gestern erfuhr, sind bei der Zertifizierung letzte Woche 12 (!) Leute durchgefallen und haben kein Zertifikat erhalten.

    Ich bin daher sehr froh, dass ich wohl eine gute Coaching-Ausbildung genossen habe. ;o)

    Aus eigener Motivation heraus mache ich pro Jahr sowieso noch mindestens 2 – 3 weitere Fortbildungen, lasse mich regelmäßig supervidieren, lese Fachbücher und arbeite phasenweise in Peergroups. Das sollte ein “echter” Coach meiner Ansicht nach auch tun.

    Von daher sage ich gern “Ich arbeite als Business Coach und begleite Menschen zum Beispiel in beruflichen Umbruchphasen.”

    Herzliche Grüße
    Sabine

    PS.
    Bin dennoch immer wieder auf der Suche, nach Alternativen zum Begriff “Coach”, nach welchen, die nicht so “will und kann nicht” klingen ;o)

    • Hi Sabine, das freut mich, wenn der Artikel indirekt Beziehungen erstellt. Ich suche auch noch, Experte ist ja im Grunde genauso ein bescheuerter Begriff und diese neuen Wortschöpfungen mit -in finde ich auch nicht wirklich gut. Hatten wir mal in einer Intervisionssitzung mit dem Schluss: OK, dann sind wir alt gute alte Berater, die gab´s schon vor 1.000 Jahren. LG Svenja

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