Wie wäre es, wenn wir beide einfach mal Job tauschen?

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Gestern sprach ich mit einer ehemaligen Mitarbeiterin, die gerade einen in ihren Augen furchtbar langweiligen Job macht. Sie ist völlig unterfordert. Ich kann mir das lebhaft vorstellen, da ich sie aus der unmittelbaren Zusammenarbeit kenne: Ein Mensch mit einem hohen Energielevel und mehr handlungs- als kommunikationsorientiert. Sie bräuchte etwas, wo sie gestalten und aufbauen kann. Und nette Menschen um sich herum auch. Welche mit ein paar Interessen mehr als um 17 Uhr nach Hause zu gehen…

Alles eine Frage der Perspektive: Als sie spricht, erinnere ich mich an einen Kunden, für den ihr Job perfekt wäre. Er ist genau und gewissenhaft, ruhig und kommunikationsorientiert. Er sucht Work-Life-Balance, Berechenbarkeit und Zeit für sein Hobby. Sein Energielevel ist niedriger. Allein fehlt ihm die formale Techniker- oder Ingenieursqualifikation.  Doch gleichzeitig wäre ich sicher, dass er sich das fehlende Wissen leicht draufschaffen könnte.

Jobs tauschen! Wie genial wäre das denn? Tauschideen habe ich oft: Menschen erzählen mir von ihren Jobs und im Kopf beginne ich zu vernetzen:  Wenn DER den Job von DEM hätte, wären beide viel, viel glücklicher als jetzt. Wie gerne wäre ich der Glücksbringer!

Da ist eine junge Dame, die einen wirklich  gut bezahlten Job macht, der sie aber inhaltlich komplett unterfordert. Es gibt auch keine Motivationen in den Rahmenbedingungen: Das gestylte Umfeld mag sie nicht und das näheorientierte Small-Talk-Bedürfnis der Chefin nervt. Ich kenne eine andere Frau, für die dieser Job ideal wäre, weil sie genau die Eigenschaften und Bedürfnisse mitbringt, die die andere nicht hat.

Nun denke ich seit einiger Zeit darüber nach, wie man eine solche Job-Tauschbörse realisieren könnte. Bei Mietern ist das einfach. Man schlägt dem Vermieter einfach einen Nachmieter vor und der sagt ja oder nein. Bei Jobs geht das nicht: Da kommt der Betriebsrat und hebt den Finger. Kündigungsfristen stehen auch im Wege. Die größte Hürde allerdings sind Fach- und Personalverantwortliche, die immer noch nach Kenntnissen einstellen und nicht nach Persönlichkeit. Und den gerade aktuellen Motivationen, einen Job auszuüben. Die auch individuell höchst unterschiedliche Energielevels nicht erkennen, weil kein Test sie misst, man sieht sie nur „im Doing“. Wie viel Einsatz jemand zu bringen bereit ist und welche Art von Einsatz – das ist der wirklich erfolgskritische Faktor.

Ich glaube, eine solche Job-Tauschbörse bräuchte Videos, die zeigen, was jemand genau macht. Und der Arbeitgeber müsste natürlich sein OK geben. Man müsste dafür Tacheles reden dürfen und sagen, was derzeit noch schwer vorstellbar ist – etwa: „Der Job ödet mich an, ich sitze meine Zeit ab. Ich krieg 50.000 EUR im Jahr und bin für diese drei Handgriffe komplett überbezahlt. Aber jemand, der gern Freitagsnachmittags nach Hause geht und 50% der Zeit verschnackt, ist super hier.“ Sie sehen: Das geht irgendwie nicht, oder scheint nicht zu gehen. Tacheles steht dem Gedanken des Jobtauschs entgegen.

Schade, denn die Idee mit der Job-Tauschbörse hat was, finden Sie nicht auch? Falls Sie also eine Idee haben, wie man so etwas trotz Betriebsrat, Arbeitgeber, Gehalt und Tachelesproblematik umsetzen könnte, freue ich mich wenn Sie das hier schreiben. Vielleicht machen wir was draus?

About Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

8 Kommentare zu “Wie wäre es, wenn wir beide einfach mal Job tauschen?

  1. Super Idee, Frau Hofert. Mich betrifft dies zwar aktuell nicht, jedoch kenne ich diese Geschichten zu genüge. Da schwirrte mir eine solche Idee auch schonmal vor…ich überlege weiter…..im Sinne der Zufriedenheit aller Beteiligten! 🙂
    Viele Grüße
    Steffi Kunzelnick

  2. Hallo Frau Hofert,
    eine super Idee und ich habe auch schon mal darüber nachgedacht. Meine Idee war (ich komme aus der Praktikantengeneration), den Tausch nur für einen Tag oder eine Woche zu realisieren – also ähnlich wie ein gegenseitiges Praktikum…

    Aber jetzt wo ich ihren Text so lese, denke ich auch irgendwie:
    Vielleicht hat es ja auch seinen Grund, dass derjenige mit dem niedrigen Energielevel in das High-Level-Umfeld kommt und andersherum – bringt ja auch irgendwie Ausgleich, Resonanz… sowohl für das Unternehmen als auch für den Mitarbeiter.

    Wenn man aber selbst in der Situation ist (und das bin ich), sieht man das nicht so. Da ist man einfach unzufrieden und denkt: „Irgendwie passe ich hier nicht hin!“
    Tja, ändern oder akzeptieren (oder halt schönreden ;))!

    Beste Grüße
    C.T.

  3. Hallo Frau Hofert,

    interessante Idee – die Tauschbörse könnte auch Stärkenprofile oder Typentests berücksichtigen und so die Tauschstelle / das Video schneller auffindbar machen.

    Für einen „einfachen Anfang“ sind mir zwei Plattformen eingefallen, die Sie vielleicht inspirieren, auch wenn deren Zweck ein anderer ist:

    Wegen dem Match mit den Video´s: http://www.whatchado.de
    Anonymität wegen „Tacheles“: http://bit.ly/15EEsvC

    Herzliche Grüße,
    Eva Lutz
    Personalmanager & Trainer

  4. Hallo,

    mir war eine ähnliche Idee gekommen, und ich bin beim Googlen auf ihren Eintrag gestossen. Viele meiner Kollegen pendeln jeden Tag je 1.5 Stunden hin und zurück. Das sind 3 Stunden ihrer „Freizeit“, die sie im Auto verbringen. Genauso gibt es Leute, die genau die umgekehrte Richtung pendeln. Darunter leidet ihre Motivation und Ausdauer bei der Arbeit und ihr Privatleben auch. Da ware es doch praktisch, wenn man seinen Arbeitsplatz mit dem eines anderen Meschen tauschen könnte, sodass letztlich beide nicht mehr soweit fahren müssten. In diesem Fall müsste man jemanden finden, der ähnliche Qulifikationen und Eigenschaften besitzt wie man selbst. Das ist sicher auch einem Chef leichter zu vermitteln, als das von ihnen vorgeschlagene Modell. Aber auch in diesem Fall wäre Ehrlichkeit und Offenheit unabdingbar.

    Gruss!

    Leonie Förster

  5. Aha, da gibt es also noch mehr, die über so etwas nachdenken. Mir war die Idee auch schon gekommen und zwar ebenfalls wegen dieses Pendelns. Eine Webseite müsste Tauschanbieter und Tauschinteressenten zusammenführen. Man sucht natürlich zuerst nach Ort und dann nach Job, weil es ja ein vergleichbarer sein muss. Vielleicht erst mal anonym, wie in einem Dating-Portal. Wenn ein Tausch in Frage käme, müssten, um für alle Beteiligten Sicherheit herzustellen, die Arbeitgeber ins Boot geholt und eine Probezeit vereinbart werden, nach der beide wieder in ihre alten Jobs zurück könnten (und zwar ohne Gehaltseinbußen oder negative Vertragsänderungen), falls doch nicht getauscht werden soll. Auch die Arbeitgeber müssten die Möglichkeit haben, den Tausch abzulehnen. Wenn beide tauschen wollen und auch die Arbeitgeber einverstanden sind, werden mit den Firmen nur Arbeitsverträge ohne weitere Probezeit gemacht. Es müsste ein Arbeitsrechtler mit im Boot sein, der auch notfalls als Mediator fungiert.
    Man könnte die Webseite auch – bei ausgewählten Fällen – mit einer dieser Doku-Sendungen im TV verknüpfen, um darauf aufmerksam zu machen.
    Die Webseite wäre machbar. Ob es auch funktionieren würde? Was das auch an Benzin und Umweltverschmutzung sparen und die Straßen entlasten könnte!!!

  6. Aha, da gibt es also noch mehr, die über so etwas nachdenken. Mir war die Idee auch schon gekommen und zwar ebenfalls wegen dieses Pendelns. Eine Webseite müsste Tauschanbieter und Tauschinteressenten zusammenführen. Man sucht natürlich zuerst nach Ort und dann nach Job, weil es ja ein vergleichbarer sein muss. Vielleicht erst mal anonym, wie in einem Dating-Portal. Wenn ein Tausch in Frage käme, müssten, um für alle Beteiligten Sicherheit herzustellen, die Arbeitgeber ins Boot geholt und eine Probezeit vereinbart werden, nach der beide wieder in ihre alten Jobs zurück könnten (und zwar ohne Gehaltseinbußen oder negative Vertragsänderungen), falls doch nicht getauscht werden soll. Auch die Arbeitgeber müssten die Möglichkeit haben, den Tausch abzulehnen. Wenn beide tauschen wollen und auch die Arbeitgeber einverstanden sind, werden mit den Firmen neue Arbeitsverträge ohne weitere Probezeit gemacht. Es müsste ein Arbeitsrechtler mit im Boot sein, der auch notfalls als Mediator fungiert.
    Man könnte die Webseite auch – bei ausgewählten Fällen – mit einer dieser Doku-Sendungen im TV verknüpfen, um darauf aufmerksam zu machen.
    Die Webseite wäre machbar. Ob es auch funktionieren würde? Was das auch an Benzin und Umweltverschmutzung sparen und die Straßen entlasten könnte!!!

    • Hallo Frau Kreuder,

      vor allem Ihr Kommentar hat mich von den Socken geholt. Sie sprechen mir aus der Seele und es ist genau diese Idee, die die Kerninteraktion auf der Plattform sein wird, die ich gerade programmiere:

      Wenn Person A und Person B fast identische Jobs haben und in entgegengesetzte Richtungen pendeln, gilt es diese zwei Personen in Kontakt zu bringen, sodass man einen Jobtausch anregt. Wenn die Arbeitgeber nach Probezeit einwilligen, gibt es nur Gewinner.

      Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn man sich gemeinsam nochmal dazu austauschen könnte!

      Beste Grüße,

      Maximilian Ast

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