Beruflich neu orientieren? Dann gehen Sie jetzt mal in den Keller

Wann haben Sie zuletzt Ihren Keller „bereist“? Wenn Sie an eine berufliche Klima- oder Luftveränderung denken, sind Kelleraufenthalte besser als jedes Wellnesswochenende. Hier können Sie Lachen, sich Erinnern und vielleicht sogar berufliche Vorstellungen konkreter fassen. (aber warten Sie, bis das Wetter schlechter wird ;-))

Ich fand dort bei meiner letzten Kellerreise ein albernes Gedicht über eine Käsekuchengesichtige Tante, das ich mit 11 Jahren auf der Schreibmaschine geschrieben hatte. Ich sehe vor mir, wie der Deutschlehrer aus Käsekuchengesichtige Tante mit Rotstift die „Tante mit dem Käsekuchengesicht“ macht – und erinnere mich an mein Deutsch-Trauma und die Tatsache, dass Schule Kreativität nachgewiesenerweise den Garaus macht.

Um Ihren Zielen auf die Spur zu kommen, ist so eine Reise in die Vergangenheit super! Denn: Wer das Gestern erkennt, sieht oft auch die Zukunft leichter.

Sie sind gar nicht auf der Suche nach etwas Neuem? Dann nutzen Sie Kellerausflüge, um zu überprüfen, ob Sie noch auf dem richtigen Weg ist.

Es geht dabei nicht darum, von den Interessen der Schulzeit einen Beruf abzuleiten – das geht nur ansatzweise, und was ist heute schon ein Beruf? Doch jeder wird erkennen, dass viele Dinge von gestern immer noch Bedeutung haben – und wenn nicht, ist vielleicht gerade das ein Anlass darüber nachzudenken, was die verschwundenen Dinge aus ihrem Leben verdrängte. Ich erinnere mich an eine Kundin, die über zwanzig Jahren im Berufsleben das Lesen „vergessen“ hatte und es wahnsinnig genoss, in der Mitte des Lebens diese Leidenschaft wieder zu entdecken. Ein neuer Beruf war da gar nicht nötig, nur etwas mehr Zeit.

Manche Menschen lassen sich sehr von außen steuern, folgen zufälligen Feedbacks statt inneren Eingaben. Andere wurden irgendwann einmal von jemand, der weise genug ist, wahre Talente zu sehen – ein Lehrer oder Mentor – ermutigt, wenige schöpfen das vollkommen aus sich heraus.

Norbert Blüm hat einmal in einem Interview mit der ZEIT Ursula Leyen mit dem Begriff „innengeleitet“ charakterisiert. Dieser Begriff gefiel mir ausnehmend gut, weil er Worte für ein Phänomen findet, das Persönlichkeitstests nur unzureichend beschreiben: Innen- und Außenleitung – das hat nichts mit Intro- oder Extraversion zu tun. Ich sehe einen großen Unterschied in der Zufriedenheit innengeleiteter und außengeleiteter Menschen wahrnehme. Die innengeleiteten folgen dem, was sie treibt. Manchmal hindern sie Umstände, aber im Grunde haben sie einen Fahrplan. Die Außengeleiteten folgen den anderen – und verlieren dabei manchmal die eigene Identität. Wer bin ich, wenn niemand mich ruft? Außerhalb des Kontexts der anderen? Oft stellt sich diese Frage erst, wenn man alles erreicht hat.

landkarte

Gehen Sie also mal in den Keller. Unternehmen Sie einmal eine Reise mit Ihrer ganz persönlichen Landkarte. Ich habe bei Facebook gerade eine solche Landkarte zum Download hinterlegt. Sie können aber auch verschiedene DIN-A4-Blätter beschriften und im Raum verteilen:

  • Land der ersten 5 Lebensjahre
  • Land der Grundschulzeit
  • Land der Schulzeit bis 10. Klasse
  • Land der Oberstufe
  • Land der Lehre/des Studiums
  • Land des ersten Jobs
  • Insel der Träume

Wer sich wirklich gründlich orientieren will, sollte sich mehrere Tage nehmen, um jedes Land zu reflektieren (geht neben dem Job, man muss sich das nur als Denkthema stellen). Man kann auch immer wieder zurückkehren, denn natürlich ist im Keller nichts nach Jahren geordnet.

Und wenn Sie strukturiert an dem Thema weiterarbeiten wollen, empfehle ich Ihnen unseren Kexpa®-Kurs „Berufliche Neuorientierung“ oder gleich das ganze Programm (drei Kurse) „Klarheit über mich“.

 

About Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

8 Kommentare zu “Beruflich neu orientieren? Dann gehen Sie jetzt mal in den Keller

  1. Und im übertragenen Sinne füge ich hinzu: Wer Angst hat, in seinen Keller zu schauen, weil dort zu viel Unaufgeräumtes liegt oder weils dort dunkel ist, der sollte eine starke Lampe mitnehmen oder jemanden fragen, ob er mitkommt.
    Es gibt ja auch hilfreiche professionelle Aufräumdienste, wie die Autorin dieses Artikels, oder?!

  2. In meinem Keller stehen ein Schlagzeug, ein Bass und diverse Gerätschaften zum Verstärken – ich kann im Keller die sprichwörtliche Sau rauslassen 😉
    Einer Freundin passierte es neulich, dass sie ihr Strickzeug im Keller sah und sie sich fragte, warum sie schon so lang nicht mehr ans Stricken dachte. Eine Woche später lag das Wohnzimmer voller Wollknäuel und die Gute ist wieder voll dabei – ähnlich wie in deinem Lesebeispiel entdeckte sie ihre Liebe zur Handarbeit wieder 🙂

  3. Manchmal ist es gut in den Keller zu gehen und aufzuräumen. Es lassen sich Dinge wiederfinden, die lange Zeit vernächlassigt worden sind. Gerade in meiner jetzigen schwierigen beruflichen Phase, hinterfrage ich vieles. Und entdecke lang Verschollenes, wie das Schreiben, nur einfach auf eine andere Art.
    Und das Aufräumen unterbricht den Rhytmus der Gewohnheit, lässt Innehalten und neue Ideen entwickeln. Daraus wird ein neuer spannender Weg, mit Kurven und Wirrungen.

  4. Und was macht man wenn man wie ich zwar einen Keller hat in dem ein paar gut sortierte Sachen aus dem Haushalt stehen aber leider keinerlei Erinnerungen oder ähnliches aus der Vergangenheit? Dann kann ich zwar laut singen ohne das mich jemand hört(hoffe ich) aber viel weiter komm ich dann leider auch nicht mehr

Schreiben Sie einen Kommentar!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*

Artikel zu ähnlichen Themen: