Karrieresysteme: Vom Fürsorger über den Schornstein zum Individualismus

Karriere ist überall gleich? Unsinn! Welche Karrieresysteme gelten in Ihrem Unternehmen? Müssen Sie möglichst viele Anhänger um sich scharren? Messbare Leistung bringen? Oder reicht Dauer-Zugehörigkeit? Weiter geht es mit meiner Serie „Spiral Dynamics“ in der Praxis. Dieses Mal bescheibe ich Karrieresysteme. Ja, die gibt es wirklich. Wir unternehmen eine Reise von der Fürsorgekarriere bis heute.

purpurEs gibt sie noch, denken Sie nur an Trigema und seinen Inhaber Wolfgang Grupp. Ja, das ist der mit dem Affen in der Werbung. Solche Unternehmer sorgen sich um ihre Mitarbeiter.. Sie setzen auf lange Zugehörigkeiten und bieten den Kindern der altgedienten Arbeiter und Angestellten gern einen sicheren Arbeitsplatz. Leider ist dieses Modell ein Auslaufmodell. Unternehmen werden von ausländischen Firmen gekauft, fusioniert, zu Aktiengesellschaften – und damit ist es dann auch schon vorbei mit der Fürsorge. Ist ja keiner mehr mit Seele dabei. Mails gibt es hier kaum, weil nur jeder 10. einen Zugang hat.

rotHerrschaftszeiten! Wer es als Alphatier schafft, möglichst viele Anhänger um sich zu scharren, ist der König (Chef). Förderlich ist eine gute Dosis Narzissmus. Die Führungskraft als autoritärer Sonnenkönig regiert in Machtkarriere-Unternehmen immer noch. Dort gelten weiter Regeln des Darwinismus, darunter: „Der Stärkere gewinnt“. Generation Y, bitte meiden. In Mails herrscht das BCC:… heimlich…strategisch…hehe.

blauDie klassische Schornsteinkarriere ist blau, also strukturiert und ordentlich. Hier schafft es nach oben, wer lange dabei ist, kraft seines Amtes. Gibt es immer noch, nicht nur in Behörden. Die Führungskraft ist hier eine fleißige Fachkraft. Das CC: in E-Mails: eine Pflichtübung – und Unterschriften in der Rundlaufmappe müssen sein.

 

orangeTop, die Leistung gilt! Underperformer? Solche Begriffe spiegeln klar oranges Denken. Die Leistungskarriere ist nach wie vor sehr verbreitet. McKinsey lässt grüßen. Hier gibt es kategorisierte Mitarbeiter – A, B und C. Und wenn da nicht diese laue deutsche Gesetzgebung wäre, die von Blaudenkern mit ihren Sozialplänen installiert wurde, würde man die rund 23% underperformenden „C“ sofort vor die Tür setzen. Das CC:. ist hier eine strategische Erfolgsmeldung.

grünAll together now! Die Teamkarriere beherrscht die Stellenanzeigengestaltung, aber sonst vor allem Startups wie Jimdo. Wir arbeiten gut zusammen, lautet hier das Motto der oft Yoga-freudigen Mitarbeiter. Der Chef ist Moderator, wie in meinem Interview mit Gudrun Happich schön beschrieben. Ooooooooohm! DIE Wahlheimat der GenY, wenn sie nicht schon nach GELB schielen.

gelbNun ja, wohin es führt, wenn „Grüne“ zu „Gelben“ werden, sah man jüngst bei Yahoo: Back to Company home, sagt Marissa Meyer. Tatsächlich bei zu viel Home Office besteht eine gewisse Vereinzelungsgefahr, sofern nicht das Türkise dazu kommt, was ich derzeit noch nicht richtig skizzieren kann (Motto: social). Wir sehen Techies mit ihrem – nicht mehr Apple nein (out), Lenovo! – im Cafe, Freelancer im Betahaus und Solounternehmer im Wald… Da veranstalten sie Hunde-Freizeiten, da die ja auch schon am Burnout leiden.

Und wo arbeiten Sie?

Die meisten Karriere-Ratgeber sind übrigens Orange geprägt. Aber orange ist nicht der Königsweg zum Erfolg. Meine sind bunt 😉

Nachtrag September: Ab sofort bin ich zertifizierte 9Levels-Trainerin.

© alle Texte und Bildchen von Svenja Hofert

About Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden, ein halbes Leben Coaching, Beratung, Ausbildung. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

2 Kommentare zu “Karrieresysteme: Vom Fürsorger über den Schornstein zum Individualismus

  1. Welch frischer, punktgenauer Beitrag! Großartig! Ich bin ja überzeugt davon, dass die klassische Schornsteinkarriere immer mehr zur Teamkarriere wechseln wird – so stirbt der Traditionsbetrieb irgendwann aus (na ja, vielleicht nicht ganz … Aber er wird von neuen Generationen betrieben und damit iiiirgendwie fast wieder zum Start-up, oder?) und Start-ups kommen. Kein Wunder: Durch den verstärkten Einsatz flexibler Arbeitszeitmodelle funktioniert’s für viele Angestellten, sich nebenbei selbstständig zu machen. Es soll in der Yoga-Gemeinde Unternehmen geben, die Mitarbeitern nur eine Drei-Tage-Woche gestatten, damit sie sich „nebenbei“ noch austoben können.

    Ich fühle mich auch bunt. Coworking-Spaces sind genauso denkbar wie das Home-Office oder die Wiese mit Tablet oder Notebook. Schöne, neue, bunte Arbeitswelt 🙂

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