Geht gar nicht: Diese Klamotten!

Zum Thema Outfit hab ich mich immer zurückgehalten. Ich bin weit entfernt davon, stilsicher zu sein, wobei Fehlgriffe im Allgemeinen aufgrund meiner Tendenz zum Understatement nicht besonders auffallen. Eine modeaffine Kundin verglich meinen pragmatischen Stil – zielgruppenorientiert Erstkontakt + Manager/Berater: Blazer und Hose/Jeans, Zweitkontakt + Fachkraft/IT: Jeans und Strickjacke/Shirt – mal mit Angela Merkel; sie meinte es wirklich nicht böse. Wobei ich dann doch so eitel bin zu erwähnen, dass ich 20 Kilo weniger wiege als die Frau Kanzlerin. Schätze ich.

Also, liebe Leser, ich bin zu dem Thema nicht die kompetenteste. Nun aber hatte ich drei Begegnungen, die mit karriere- und erfolgsrelevanten Äußerlichkeiten zu tun haben und mich bewegen, vielleicht doch mal einen Blogbeitrag dazu zu wagen und mich damit aus dem Fenster zu lehnen.

Die erste Äußerlichkeit: The very big TOO MUCH

Da sah ich dieser Tage eine mir nicht weiter bekannte Coachfrau  auf einer Website, die einfach nur ganz schrecklich gekleidet war. Unvorteilhafte Karobluse, bunter Schal, alles insgesamt: too much, von den Klamotten über Makeup bis Frisur. „Das ist der Unterschied zwischen Beratern und Coachs“, dachte ich. „Die einen knallen rein, die anderen nicht.“ Mein Gott, ich bin doch lieber Beraterin. Ich bin ein erfahrener Mensch im HINTERGRUND und kein bunter Papagei, der sich im Zoo der Coachs positionieren muss.

Dazu eine Geschichte: Um mir nach einer 20 Jahre währenden Schwarz-Weiß-Phase pragmatischen Rat zu holen, besuchte ich kurz vor meinem Absprung in die Selbstständigkeit 1999 eine Stilberaterin. Keine Schal- und Farbentussi, sondern auch äußerlich eine 100%ige Beraterin, komplett bis zu den Tods in vollkommen neutralisierendem Beige gekleidet, passend zum Parkettboden und den elfenbeinfarbenen Möbeln. „Als Berater bist du in einer Nebenrolle, der Kunde spielt die Hauptrolle. Da darf man dich nicht sehen. Also darf auch nichts glitzern und klunkern.“ Ich kann und konnte mich damit immer sehr identifizieren. Leider steht beige mir nicht…

Die zweite Äußerlichkeit: Diese Farbe geht gar nicht

Auf meinen letzten Spiegel-Online-Artikel meldete sich unter anderem ein Bewerber, der hier demnächst noch mal anders auftauchen wird. 150 Bewerbungen, drei Einladungen – schlechte Bilanz. Ein Teil ist fraglos auf sein Foto zurückzuführen. Eine hellblaue Babykrawatte, glänzend, und ein kariertes Hemd.  Dazu ein Bubigesicht, was zu seinem Lebenslauf nicht passte. Meine Mitarbeiterin schaute mir über die Schulter, hielt die Hand vor den Mund und artikulierte nur kurzatmig: „oh Gott“. Diese Resonanz hatte der Bewerber auch schon mal in einem Gespräch gehört: „Foto geht gar nicht.“

Farbblindheit – das war hier übrigens meines Wissens gar nicht das Problem –  ist gerade bei Männern verbreitet.  Sie sehen grün und malen pinke Balken in ihren CV. Was das für katastrophale Auswirkungen haben kann, werden die meisten nie erfahren. Denn wer traut sich schon, so etwas offen anzusprechen oder rückzumelden?

Die dritte Äußerlichkeit: Mit dieser Frisur kannst du Karriere knicken

(…) Ich, manchmal. Aber ich muss mich dazu wirklich überwinden. Nicht weil ich mich nicht traue, sondern weil ich mich in dem Thema Outfit einfach nicht hundert Prozent zuhause fühle. Nun, da war diese Kundin, von der ich sicher bin, dass sie es ganz weit bringen könnte. Intelligente Frauen, die sich gezielt ihren Weg suchen und sich selbst optimieren, sind ja leider selten. Sie ist so eine. Aber diese strähnige Frisur! Und dann mit Ambitionen im angloamerikanischen Raum, siehe Sheryl Sandberg – man braucht da definitiv eine Fönfrisur. „Ich muss Ihnen etwas sagen. Es ist total blöd und ich komme mir saudoof vor, aber….“, eierte ich. Was denken Sie? Sie hat jetzt eine Fönfrisur.

Nein, nicht die von Angela Merkel, die ist nicht amerikanisch genug. Wuchtiger. So womm eine Welle eben… Sie wissen schon.

About Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

6 Kommentare zu “Geht gar nicht: Diese Klamotten!

  1. Bei mir hat Kleidung definitiv eine sehr große Auswirkung auf meine Ausstrahlung – und letztlich auch auf Gehaltsverhandlungen. Ich trage privat wirklich nie Blazer, NIE! Aber wenn ich zum Beispiel bei einem eher konventionellen Kunden zum Vorgespräch sitze und es darum geht, den Auftrag zu ergattern, hol ich den Blazer raus. Ich sitze dann einfach taffer, stolzer, erhabener da, blicke ganz anders aus der Wäsche und die Worte „das kostet soundsoviel und keinen Cent weniger“ rutschen dann wie von selbst. Aber wenn das Geschäft und alles andere sowieso grade gut läuft, kann ich auch ohne Blazer punkten, einfach, weil die Sicherheit auch so sitzt. Diese alte Weisheit, dass man sich in der Klamotte wohlfühlen muss, stimmt in jedem Fall. Dann klappt´s auch mit der Welle…

    • Danke Frau Beckmann für den netten Kommentar. Ja, ich bin auch sicher, dass sowas wie Verhandeln besser im Blazer funktioniert als im Blümchenkleid. Eindeutig 😉 LG SH

  2. Bei diesen drei Extremfällen stimme ich Frau Hofer absolut zu: egal ob als Coach oder Beraterin äußere ich mich impulsgebend zu äußeren No- Gos. Im Sinne von Diversity bin ich allerdings gegen die üblichen Gleichmacher- Vorschriften (NIIIEEEE Rosa im Business, Absätze maximal 2,25 Zentimeter etc.). Wir sollten nicht als lebende Christbaumkugeln daher kommen, dürfen uns aber – je nach Branche – ein Mindestmaß an Individualität und Kreativität leisten. Und das empfinde ich für Frauen und Männer als angemessen, wo bleibt denn sonst die vielzitierte Authentizität?

  3. Ich bin ja ein eher bunter Vogel und lange Zeit bin ich sogar ganz tapfer noch im Indien-Flatter-Look zu Seminaren gegangen, als das längst out war. Von wegen „authentisch“. Und bekam dann einmal das Feedback nach 5 Tagen Seminar: „Na, erst dachte ich, du bist so ne Eso-Tussi. Aber wir haben ja doch total viel gelernt.“ Das hat mir dann doch etwas zu denken gegeben.

    Am heilsamsten war dann aber ein Video, das meine Kollegin von sich aufgenommen hat in einem gemeinsamen Seminar und ich laufe da mal so quer durch’s Bild und sehe mich von hinten. Und war entsetzt. Vorteilhaft waren diese Klamotten ja auch nicht.
    Irgendwann habe ich mir gesagt: das sind alles „Verkleidungen“ (und ich als Kölnerin bin da ja offen). Ob ich nun Indien-Flatter, einen Business- Anzug oder Jeans trage. Es ist immer eine bestimmte Rolle, es ist ein Spiel. Also trage ich doch das, was mir das Leben leichter macht. Und am 1. Seminartag eben Anzug oder Hose und Jacket, am 2. Tag dann meist schon lockerer, weil die meisten Teilnehmer auf Fortbildungen auch froh sind, dass sie sich etwas ungezwungener kleiden können als in der Firma.
    Ich muss dann nicht erst mal tagelang beweisen, dass ich „trotzdem“ was auf dem Kasten habe.

    Allerdings muss irgendetwas typisches dabei sein. Früher war es Tuareg-Schmuck, jetzt zumindest ein knallroter Pulli. Irgendwas, was zu mir passt. Und als Trainerin für Kreativität habe ich da sicher auch einen Bonus, denn Kreativität ist bunt!

    Aber ich muss gestehen: Wohl fühle ich mich in den Klamotten nicht!
    Das ist auch ein kleiner Nebenaspekt von Online-Seminaren, weshalb ich sie liebe. Da kann ich mich kleiden, wie ich will (die meisten mache ich asynchron in einem Forum und auch die Webcam schalte ich bei Webinaren meist aus, weil sie ablenkt).

    • Finde, es kommt auf den Kontext an und wohlfühlen ist am Ende des Tages immer wichtiger. Finde aber auch, dass man Farbpsychologisches nicht außer Acht lassen darf. Und ich mag mich selbst auch lieber auf den Menschen konzentrieren und was er sagt als auf seine Klamotten LG Svenja Hofert

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