Vom Schwattlappen zum stillen Wasser – oder: Was ist eigentlich wirklich „introvertiert“?

Sind Sie auch manchmal still, halten sich lieber im Hintergrund, scheuen Small Talk und lieben die Ruhe? Willkommen überall. Sie gehören vermutlich zur absoluten Mehrzahl der Menschen.

„Ich bin in so´nen Business Club eingetreten“, sagt mein Kollege. „Ich hab erst zwei Leute  kennen gelernt. Das ist eine lausige Bilanz. Aber ich hasse das, mit so vielen Leuten an einem Abend zu reden. Bin ich zu introvertiert?“  Ich sage, er sei halt kein Schwattlappen. Er lacht. Ich glaube das Wort kommt aus meiner kölnischen Heimat, wie auch immer: Ein Schwattlappen bin ich auch nicht. Ich höre die meiste Zeit lieber zu. Wäre in meinem Job auch komisch andersrum.

Zurück zur Frage meines Kollegen. Viele Menschen, die keine Schwattlappen sind und ganz normale Bedürfnisse nach Rückzug haben, denken sie seien introvertiert, erst recht seit das Thema mit Susan Cain´s Buch „Still“ und Sylvia Löhkens „Leise Menschen“ größere Wellen schlug. Jeder, der einigermaßen selbstreflektiert ist, entdeckt an sich introvertierte Seiten. Und diese, das ist das Ding, sind plötzlich gesellschaftsfähig, galt doch lang eine Extro-Kultur, man denke nur an all die Motivationspäpste der 1990er und frühen Nuller Jahre.

Mir scheint derzeit, dass die Diagnose „introvertiert“ sogar etwa so erwünscht ist wie „Hochintelligenz“ oder „Hypersensibilität“. Wir stellen uns unter Extravertierten Laut-Schnacker, Bühnenkasper und eben diese „Schwattlappen“ vor.  Aber das ist natürlich Blödsinn. Es gibt solche Typen, aber dass sie irgendwie unangenehm sind, hat weniger mit Extraversion zu tun als vielmehr mit Desinteresse am anderen und mangelndem Feingefühl.

Wer die Diagnose „introvertiert“ unbedingt möchte, kann sie sich überall holen. Alle frei verfügbaren Internet-Tests sind Kurzversionen, die die Hauptdimension, nicht jedoch die Facetten, testen. Beim MBTI landet man so oder so schnell in der Intro-Kategorie, es reichen 49% Intro-Antworten. Somit zeigen Kurztests immer eine Tendenz, selten jedoch das volle und differenzierte Bild – und das beinhaltet verschiedene Facetten der Introversion.

extraversionbig5Auf der einen Seite gibt es das, was man „soziale Introversion“ nennt. Die kennzeichnet jemand, der nicht allzu kontaktfreudig ist und beschreibt die gängige Laien-Definition. Nimmt man die wissenschaftlichen Big Five, etwa in der Version Neo FFI, als Grundlage, hat Introversion allerdings sehr viel mehr unterschiedliche Seiten. Danach sind auch nur rund ein Sechstel aller Menschen wirklich introvertiert – weil alle fünf Unterdimensionen dem Merkmal Introversion entsprechen – und genauso viele oder wenige sind wirklich extravertiert. Die übrigen zwei Drittel sind nicht eindeutig zuzuordnen, das nennt man dann ambivertiert. Gerade sie können eine breite Verhaltensvarianz entwickeln. Und sie stellen die Mehrheit.

Auf nur sehr wenige Menschen treffen also alle Merkmale der Introversion nach den Big Five zu:

  1. Sie scheuen Kontakte,
  2. (ver-)meiden persönliche Aufmerksamkeit – Small Talk z.B.,
  3. sind ruhig, also „still“ oder „leise“,
  4. übernehmen keine Führung und
  5. behalten ihre Meinung lieber für sich.

Edward Snowden kann also schon kein reiner Intro mehr sein (5).

Schaut man sich die Videos von Susan Cain bei TED an, so spricht die relativ starke Gestik und Zugewandtheit zum Publikum – vergleichen sie Cain mal mit David Kahnemann! – eher dafür, dass Punkt 2 und 3 nicht oder situativ nicht erfüllt sind.

Facetten von Introversion sind vielseitig, und die meisten Diskussionen über die Kompetenzen von Introvertierten deshalb irreführend, weil eben nur wenige Menschen wirklich introvertiert sind. So ist es bei näherer Betrachtung keine sensationelle Erkenntnis, dass der medienaffine Wissenschaftler Adam Grant in seinen Experimenten bewiesen hat („Rethinking the extravert ideal“), Ambivertierte seien die besseren Vertriebler, denn sie bringen mehr Geld ein. In seiner Studie zog er auch die Big Five heran. Was im Medienraffer unter den Tisch fällt: Er spricht eben NICHT von einer Randgruppe.

Zwei Drittel der Vertriebler erreicht zwei Drittel der Kunden besser als das eine Sechstel, das wirklich klar extravertiert ist (die mutmaßlichen Schwattlappen, vor allem bei starker Ausprägung von E1 und E2). Das wundert nicht: Ein überdurchschnittlich starker Extro ist meist kein einfacher Zeitgenosse. Er wird sich im Vertrieb wie auch in anderen Jobs schwer tun, zum Beispiel weil er vielen Menschen zu nahe kommt, sich zu stark in den Vordergrund drängt oder durch sein Nähebedürfnis anstrengt.

Genauso ist es mit sehr ausgepägten Intros: die Wahrscheinlichkeit, dass diese es an die Führungsspitze bringen, ist gering, vor allem, weil sie null Interesse daran haben. Im Einzelfall kann (!) es sogar sein, dass sich Introversion mit Tendenzen von Asperger überschneidet (einer milden Form des Autismus). Ja, es wird in den USA sogar diskutiert, ob Asperger und Introversion ein und dasselbe sind bzw. sich überschneiden. Wen das interessiert: Asperger wird mit einem „AQ“ entwickelt von Simon Baron-Cohan getestet, der hier verfügbar ist. In einem Asperger-Forum habe ich mir die Selbstbeschreibungen der Mitglieder nach Big Five angesehen. Die Intro-Werte lagen immer deutlich unter 15%, oft unter 10% (und wie gesagt, gemeint ist hier nicht nur E1, also Kontaktfähigkeit, sondern alle vier oder fünf Werte – je nach Big Five-Version – zusammen!)

Menschen mit einer derart klaren Prägung werden anders eben als Ambivertierte höchstwahrscheinlich nicht zu Führungskräften, Vertrieblern, Key Account Managern und Speakern wie Susan Cain.  Die Wahrscheinlichkeit für die Ausprägung spezieller Begabungen ist indes größer, übrigens vor allem dann, wenn hohe Intelligenz und ein höherer Neurotizismus (emotionale Instabilität) dazu kommt. Die darunter liegenden Fähigkeiten zu entdecken dagegen ist entsprechend schwieriger – und eine Herausforderung für Personalabteilungen, die mit den üblichen Auswahlverfahren wie AC und Interview hier an Grenzen kommen.

Im Mai ging die Meldung durch die Presse, dass SAP Autisten einstellt – nicht aus Selbstlosigkeit, sondern aufgrund der häufigen Inselbegabung. Nun sind stark Introvertierte beileibe nicht gleichzusetzen mit Autisten. Dennoch sind bei ihnen ähnlich wie bei stark (!) Introvertierten die sozialen Kompetenzen geringer und auch schwerer zu entwickeln. Das fordert ganz andere Maßnahmen – oder einfach nur mehr Toleranz? Ist doch die (Personal-)Entwicklung zur „Mitte“ und Auffächerung der Verhaltensvarianz das übliche Ziel der Human Relations. Verhaltensvarianz verwässert aber eben auch das extreme, starke Talent. Oder so gesagt: Genies sind meist keine super Sympathieträger. Wollen wir sie also gleichmachen oder ihre Integration fördern?

About Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden, ein halbes Leben Coaching, Beratung, Ausbildung. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

14 Kommentare zu “Vom Schwattlappen zum stillen Wasser – oder: Was ist eigentlich wirklich „introvertiert“?

  1. Ein gut geschriebener Artikel ! Ergänzend füge ich hinzu, dass Persönlichkeitsmerkmale auch situativ ausgeprägt sind. Je nach Kontext wird ein Mensch also stärker oder weniger stark introvertiert / extrovertiert wahrgenommen.

    • Hm, na alles ist irgendwie situativ ausgeprägt, sogar die Bräune Ihrer Haut!

      Was Sie sagen, ist natürlich richtig (jedenfalls was Ambivertierte angeht), aber es verfehlt genau den Punkt, um den es bei Tests solcher Persönlichkeitsdimensionen geht: Zu ermitteln, wo die „natürliche“ Präferenz der Person liegt, abseits von situativen „Störungen“.

      Und da gibt es auf diesen Achsen natürlich alle möglichen Ausprägungen. Wie bei einer Bell-Curve ist zu erwarten, dass die meisten von uns sich näher zur Mitte hin gruppieren (ambivertiert) und nur sehr wenige an den äußeren Extremen (sehr extrovertiert oder sehr introvertiert) liegen.

      Je näher man an den Extremen liegt, desto weniger werden sich situative Änderungen bemerkbar machen. Und dann kann es durchaus hilfreich sein, über einen solchen Test zu erfahren, warum man „irgendwie anders“ ist und eben nur sehr selten als mehr oder weniger introvertiert oder extrovertiert wahrgenommen wird.

  2. Ein wirklich starker Artikel! Herrn Plaths Kommentar kann ich nur beipflichten – der Kontext entscheidet ebenfalls.

    Zur Frage gleichmachen oder Integration: Was wollen die wirklich Introvertierten? Weder noch. Ein wirklich Introvertierter will nicht inmitten von Kollegen arbeiten, will nicht mit Kunden telefonieren, will nicht im Vertrieb sein. Er will einen Home-Office-Arbeitsplatz und idealerweise nur per E-Mail kommunizieren.
    Bedenken wir, dass viele Unternehmen (bis auf Yahoo 😉 ) sich in diese Richtung entwickeln, erfolgt doch die Integration auf eine neue Art und Weise von allein. Das halte ich für gut, richtig und wichtig, denn natürlich sollen Introvertierte nicht ausgeschlossen werden. Wirklich Introvertierte dürften schon beim Vorstellungsgespräch in Panik ausbrechen – das jeden Tag fühlen zu müssen, stelle ich mir schrecklich vor!

    • Danke! Das ist eine wirklich gute, weil weiterdenkende Ergänzung. Das wir in eine Welt mit lauter Vorteilen für Introvertierte getreten sind, diese Idee hatte ich auch schon – und wollte auch drarüber mal was schreiben… Sie haben mich neugierig gemacht. Ich war drauf und dran Ihr Buch zu bestellen. Sind nun Sie der Kommentator und ist Bianca ein Pseudonym? Weihen Sie mich ein, gern per Mail 🙂 LG Svenja Hofert

    • Klasse Ergänzung zu Frau Hoferts Artikel! Die neuen Arbeitsmodelle mit Trends zu flexiblerer Zeiteinteilung und mehr Möglichkeit, in einer selbst gewählten Umgebung zu arbeiten, kommen introvertierten Menschen sicherlich entgegen. Hier erschließen sich die Unternehmen ein Potential, das sich unter ungünstigen Bedingungen nicht voll entwickeln kann.

      Gestolpert bin ich über den Satz „Wirklich Introvertierte dürften schon beim Vorstellungsgespräch in Panik ausbrechen“: Introversion ist nicht das Gleiche wie Schüchternheit. Ein schüchterner Mensch hat oft Probleme mit einer ungewohnten Situation und fremden Menschen – noch dazu unter Anspannung, wenn es um einen neuen Job geht. Er möchte gerne in Kontakt treten, bleibt jedoch an seinen Hemmungen und Ängsten „hängen“.
      Introvertierte können mit solch einer Situation in der Regel gut umgehen! Insbesondere wenn es um ein Gespräch in kleiner Runde geht und die Small Talk-Phase überstanden ist.

      Ich habe gerade erst etwas geschrieben zu 10 Stärken introvertierter Menschen. Aus meiner Sicht können sie sich gerade in einem Bewerbungsgespräch auf die Stärken 1–3, vielleicht auch 4 (wenn sie in der Firma eine Institution von Wert sehen), 5, 7, 8 und 10 stützen. Das sind ja schon eine ganze Menge für solch eine Sondersituation!

      Extravertierte haben dagegen einen klaren Vorteil, wenn es um Small Talk (der ja meist zum Einstieg stattfindet), Begeisterungsfähigkeit (hier wägt ein Introvertierter in der Regel erst einmal Vor- und Nachteile ab, bevor seine Augen leuchten) und Eigeninitiative bzw. Selbstwerbung geht. Hier drehen sich die Stärken eines Introvertierten schnell mal zu seinem Nachteil, weil sie von außen viel zu leicht fehlinterpretierbar sind. Dies klarzustellen, dazu fehlt in einem Bewerbungsgespräch oft die Zeit bzw. wird gerade von Extravertierten als „anstrengend“ empfunden.
      Aber Introvertierte sind nicht automatisch auch schüchtern!

      • … stimmt, man muss die Big-Five-Dimension Neurotizismus hinzunehmen, hier ist Schüchternheit in einer Unterfacette abgebildet, sie liegt nicht direkt bei der Introversion. In der aktuellen Diskussion wird das aber kräftig gemischt. Allerdings korrelieren Neurotizismus und Introversion miteinander. Überhaupt ist, wie beschrieben Introversion extrem vielfältig – es gibt auch introvertierte Schnacker. LG Svenja Hofert

  3. Das ist ein Thema, das mich in den vergangenen Monaten beschäftigt hat. Stille leise Menschen sind nicht nur introveriert, sonder können auch Hochsensibel sein. Aufmerksam geworden bin durch das Buch von Sylvia Löhkens „Leise Menschen“ und „Zartbesaitet“. Das Buch hat mir Mut gemacht, meinen Weg zu finden.Doch wie? Und durch Zufall fand ein Vortrag in unserer Stadt statt, und ja es gibt regelmäßige Treffen, so dass ich in dieser `lauten Welt` meinem Pfad folgen kann. Eine spannende Reise kann beginnen.
    Finetta

    (Zitat: auch mein Motto geworden: „In einer lauten Welt sich gut einrichten, und in dem, was Ihnen wichtig ist, Erfolg zu haben. oder http://www.stressfrei-im-alltag.de)

  4. Interessanter Artikel, besonders als Hinweis auf Introversion, Hochsensibilität etc. als Modephänomene. Es nervt auf der einen Seite, dass nun jeder gern irgendwie die sensible Seite bei sich entdeckt hat. Auf der anderen Seite kann das die entstigmatisieren, die wegen extrem ausgeprägter Introversion lange dachten, sie sind irgendwie nicht richtig im Kopf.

    In den Diskussionen wird immer wieder unterschlagen, wie enorm der Einfluss der anderen Dimensionen und des Verhaltentrainings auf die phänotypische Ausprägung der Introversion ist. Zum Beispiel können wir eben nicht an Susan Cains Vortragsweise ablesen, wie introvertiert sie „tatsächlich“ ist, denn sie hat diesen Vortrag immer wieder üben müssen (und ist trotzdem nicht über das Mittelmaß hinausgekomen, wie ich finde). Oder Snowden: Wie lange hat er seine Meinung für sich behalten? Und haben Introvertierte nie auch feste Prinzipien (Judging vs. Perceiving im MBTI oder geringe Offenheit in den B5) oder einfach mal die Schneuze voll? Sie behalten ihre Meinung so lange für sich, so lange sie nicht sicher sind, dass es Zeit ist, sie zu äußern. Extrovertierte haben da weniger Hemmungen. Und natürlich können Introvertierte ein Interesse für Führung entwickeln, denn einmal Blut geleckt, mögen auch sie die Macht. Fürhung ist sehr komplex und erschöpft sich nicht darin, im Rampenlicht zu stehen oder Small-Talk halten zu müssen. Im Gegenteil: Führung und Macht können sogar als Rückzugsgebiete aus dem ewig sozialen Miteinander im Beruf sehr verlockend für Introvertierte sein.

    Trotz allem Hype bleibe ich dabei: Es ist wichtig für jeden, der sich irgendwie am Rande bei den Extremen befindet, darüber Bescheid zu wissen und damit umgehen zu lernen. Die Ambivertierten bilden natürlich die größte Gruppe. Und ob sie es jetzt schick finden, sich in eine extreme Ecke zu stellen, ist für mich genauso interessant wie das Umkrempeln der Hosenbeine oder irgend eine andere Mode.

    • Danke für die zwei gute Ergänzungen Ich denke man muss differenzieren. Sicherlich sagt situatives Verhalten sehr wenig aus, wohl aber situativ gehäuftes – und das Verhalten dabei und danach. Soviel ich weiß hat Cain den Vortrag wiederholt, ein Unter-7%-Intro“ würdde das wohl eher als Hölle empfinden.
      Bei den meisten enschenM ist die Ausprägung der verschiedenen Unterdimensionen verschieden. Ich bin bei den Themen „äußert Meinung“ und „übernimmt Führung“ deutlich extrovertiert. Aber: Ich kriege einen Fön, wenn viele Menschen durcheinander reden, bei Menschenaufläufen und in Clubs. Ich habe eine Menge Facetten von Intro- und Extroversion gesehen und all das bestätigt mich: Kein Mensch tickt wie der andere. Dieses Phänomen „irgendwie anders“ kommt aus allen möglichen Quellen, Introversion ist eine. Eine, die man auch differenzierter betrachten sollte, was übrigens auch die Diskussion in Intro-Foren zeigt, wo man kaum je auf einen grünen Zweig kommt – weil die Leute komplett verschiedenen ticken. Und weil dort eben nicht nur 7%-Intros sind, sondern die meisten ambivertiert LG Svenja Hofert

  5. Der Artikel spornt zum Nachdenken an.
    Als jemand,der sich von längeren sozialen Interaktionen ausgelaugt fühlt und sich nur erholen kann,wenn er alleine ist und Stille hat,habe ich mich eigentlich schon im Lager der Introvertierten gesehen.
    Aber die Big Five treffen so ziemlich gar nicht auf mich zu.
    Kontakte scheue ich nur,wenn es langsam an meine mentalen Kraftreserven geht.
    Smalltalk mag ich tatsächlich nicht,aber Aufmerksamkeit selbst hat bei mir keine negativen Konnotationen.
    Ich bin auch nur ruhig,wenn ich im Energiesparmodus bin. Übernehme gerne die Führung,wenn ich das Gefühl habe,dass niemand die Rolle befriedigend ausfüllt und behalte selbst im Sparmodus selten meine Meinung für mich. 🙂

    Vielleicht sind „Stille“ und „Dr. Carmella´s Guide to Understanding the Introverted“ doch nicht genug um sich eine Meinung zu dem Thema zu bilden…

    • dankeschön, das freut mich, wenn mein Artikel zum Nachdenken anregt. Letztendlich wird mit dem Introvertierten-Thema auch Politik und Verkauf betrieben… und der MBTI ist nun mal hoffnungslos veraltet. Er wird nicht mehr weiterentwickelt, es gibt keine aktuellen Studien. Das ist bei den Big Five ganz anders. Ich habe seitdem, ich damit arbeite, das Gefühl, die Dinge auch belegen zu können. Das ist mir persönlich sehr wichtig.
      Die Leute mögen den MBTI trotzdem mehr als die Big Five. Ich denke aus 2 Gründen: 1. Die Schublade ist einfacher als sich mit Differenzierung auseinanderzusetzen. 2. Die Big Five sind nicht uneingeschränt sexy z.B. ist die Dimension Neurotizismus durchaus problematisch. Introversion muss man in Wechselwirkung damit betrachten. So wird ein introvertierter, stabiler Mensch ganz anders sein als ein introvertietrer, instabiler. Auch beim Big Five gibt es verschiedene Versionen, vor allem die Unterdimensionen können sich unterscheiden. Was ich hier verwende basiert auf dem Neo FFI. LG Svenja Hofert

  6. Hallo zusammen!

    Danke für diesen differenzierten Artikel! Vor allem dieser Passus hat mir sehr gefallen:
    „Mir scheint derzeit, dass die Diagnose „introvertiert“ sogar etwa so erwünscht ist wie „Hochintelligenz“ oder „Hypersensibilität“. Wir stellen uns unter Extravertierten Laut-Schnacker, Bühnenkasper und eben diese „Schwattlappen“ vor. Aber das ist natürlich Blödsinn. Es gibt solche Typen, aber dass sie irgendwie unangenehm sind, hat weniger mit Extraversion zu tun als vielmehr mit Desinteresse am anderen und mangelndem Feingefühl.“

    Mir hat Sylvia Löhkens Buch sehr viel geholfen, weil mir etliches an mir klarer wurde. Ich bin deutlich mehr Intro, als ich bislang dachte und habe durch das Buch vieles verstanden, was ich vorher eher schrullig oder seltsam an mir fand. Ein großes Aufatmen war die Folge – gut!!

    Die Kehrseite des „Intro Hypes“ in meinen Augen: Intros kommen jetzt in der aufkommenden Diskussion oft als die Besseren, Tieferen, Fundierteren, Wertvolleren weg. Es ist hip, ein Intro zu sein.

    Und das ist natürlich Quatsch! Es gibt reizende Intros……und unsägliche Schnarchnasen oder Idioten. Und es gibt reizende Extros……und unsägliche Brüllaffen und Idioten. Und es gibt erfolgreiche Intros und erfolgreiche Extros etc.

    In Sylvias Buch kommt etwas zum Tragen, was ich in der DIskussion vermisse: Es gibt nicht DEN Intro und DEN Extro – Sylvia nennt das vielmehr „die äußeren Punkte eines Kontinuums“. Und erst recht ist es keine Bewertung im Sinne von besser oder schlechter.

    Herzlichst, Bettina Stackelberg

  7. Interessanter Artikel, liebe Frau Hofert! Über eine Verlinkung verschiedener Beiträge zur Introversion bin ich gerade auf ihn gestoßen und habe auf diesem Online-Weg auch den erwähnten Vortrag von Susan Cain gesehen.

    Sie sagt dort sehr klar, dass sie sich als Introvertierte ein Jahr (!) gezielt auf die Bühne und Vorträge vorbereitet hat (im Film ab Minute 16:00). Ihre „relativ starke Gestik und Zugewandtheit zum Publikum“ sind aus meiner Sicht klar antrainierte Verhaltensweisen; selbst die Pausen sind sorgfältig einstudiert. Ihre Aufregung kann sie trotz dieser umfassenden Vorbereitung nicht verheimlichen. Besonders auffallend ist das, wenn man ausschließlich zuhört und ihre Mimik und Körpersprache nicht sieht. Das verursacht mir beim bloßen Zuhören schon Herzklopfen…

    Über die Motivanalyse, mit der ich schwerpunktmäßig arbeite, komme ich immer mal wieder an Punkte, an denen die Intro-Extra-Unterscheidung schnell an ihre Grenzen stößt. Ich erlebe hier extravertierte Hochsensible, die sich mit ihrem hohen Kontaktbedürfnis schnell überfordern oder auch introvertierte Netzwerker, was aus Sicht der bloßen Intro-Extra-Betrachtung ein Widerspruch in sich selbst darstellt. Da helfen die Begriffe Intro und Extra nicht wirklich weiter!

    Das wird auch im Kommentar von Bettina Stackelberg deutlich: „Es ist hip, ein Intro zu sein. Und das ist natürlich Quatsch! Es gibt reizende Intros……und unsägliche Schnarchnasen oder Idioten. Und es gibt reizende Extros……und unsägliche Brüllaffen und Idioten. Und es gibt erfolgreiche Intros und erfolgreiche Extros etc.“

    Interessant wird es für einen Mensch dann, wenn er auch versteht, WARUM er auf Menschen zugeht – oder genau danach kein Bedürfnis hat. Das gleiche gilt für Personalabteilungen, da gebe ich Ihnen absolut recht!

    Trotzdem habe ich selbst nach viermaligem Lesen (!! Sie kennen mich!) immer noch nicht auf den Punkt gekommen, was mir Ihr Artikel sagen will. Hm, vielleicht schlägt mir der Wetterumschwung auf die Schnelldenker-Synapsen??

    Herzliche Grüße
    Juli Scheld

  8. Pingback: An die Introvertierten: Woher bezieht ihr Energie? - Seite 4

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