Die wichtigsten Learnings: Mein E-Book-Experiment Teil 2

cover_ebook_ITSeit Anfang dieses Jahres experimentiere ich mit E-Books, hier der erste Teil. Dieser Artikel fasst meine bisherigen Erfahrungen zusammen. Für alle, die es noch nicht nachgelesen haben, sei erwähnt, dass ich seit 1998 – damals aufgrund meiner Festanstellung bis Ende ´99 noch unter Pseudonym – Ratgeber und Sachbücher in Publikums- und Wirtschaftsverlagen veröffentliche. Von daher kann ich sagen, dass DAS GEDRUCKTE BUCH weite Teile meiner Karriere begleitet hat – und mehr noch: es hat sie ermöglicht. Sowohl im Privatkunden- als auch im Unternehmensbereich waren sie immer der mitentscheidende Kompetenzausweis.

Aufgrund dieser engen Bindung fällt mir der Print-Abschied schwer – und er fällt auch nicht komplett und konsequent aus: Ich werde mit den Coaching- und Beratertools – eine Art Lebenswerk, das so aufwändig war wie nichts zuvor und einfach wunderschön wird! – in diesem Oktober für Gabal und mit dem Buch „Karrierekünstler“ im Januar 2014 für Campus auch wieder gedruckte Werke herausbringen.

Ohne einen großen Verlag im Rücken habe ich zwei verschiedene E-Book-Stränge aufgebaut und miteinander verzahnt:

  1. Ehemals bei Eichborn erschienene Bücher aktualisiere und digitalisiere ich nach und nach in meinem eigenen Verlag Kexpa.de, der zugleich eine Marke ist. Bisher sind es fünf E-Books:
    1. Diese Woche Online ging, bisher nur als PDF in meinem Shop das ehemalige Praxisbuch IT-Karriere rundum erneuert als „Erfolgreich in der IT“ in meinen Shop.  EBUP und MOBIPOCKET folgen. Die Umwandlung, die eine Grafikerin macht, ist knifflig, weil ich sehr viele Tabellen und Bilder in allen Büchern habe. Ständig meldet der Dienstleister Bookwire Fehlermeldungen. Mein Learning bezogen auf die Formate: Nur ganz einfache Text-E-Books sind auch einfach zu erstellen. Sobald man wie ich viel mit Bildern und Tabellen arbeitet, haben selbst Profis viel zu tun. Allein könnte ich es nicht.
    2. Die „Praxismappe für die kreative Bewerbung“, einst ein Bestseller über Jahre, ist jetzt „Praxisbuch kreativ bewerben“. Hier habe ich mit einer langen und einer kurzen Version experimentiert. Das war wohl gut: Beide Versionen verkaufen sich etwa gleich und von allen E-Books bisher am besten (wobei es natürlich auch sein könnte, dass ich von der Langversion mehr verkauft hätte ohne die kurze… Dinge, die man nie erfahren wird). Learning: Es macht Sinn verschiedene Leseversionen anzubieten. Tatsächlich gibt es Leute, die knackige Infos den detaillierten vorziehen.
    3. Mein ehemaliges Karrieremacherbuch wurde zu „Erfolgreich in der Jobwelt der Zukunft“. Es verkauft sich OK, aber eigentlich nicht so wie der Inhalt es – finde ich ganz unbescheiden 😉 – verdient hätte. Mein Learning: Möglicherweise spreche ich mit dem Titel (Erfolg = in Spiral Dynamics ein oranger Wert… für die Insider ;-)) zu sehr die traditionellen Denker an. Ich werde es noch mal anders versuchen.
    4. Mit „Wirksame Selbstpräsentation in Social Media“ habe ich das erste Web 2.0-Jobbuch im deutschen Sprachraum (2006 bei Eichborn erschienen) komplett umgedeutet. Mein Learning: Der von mir vergebene Titel zieht nicht so. Es kann auch sein, dass die Zeit vorüber ist, in der man solche Bücher brauchte. Oder dass Einsteiger in Social Media älteren Semesters sind, solche Bücher im Buchhandel kaufen würden und ein E-Book, das eher Basics enthält, nicht die internetaffine Zielgruppe anspricht, die E-Books kauft.
    5. Mein „Social Media Experiment 2011-2012“ ist eine Zusammenstellung von Erfahrungsberichten aus diesem Blog. Ich habe es für 99 Cent verkauft und vor allem via Twitter viele tolle Feedbacks bekommen.  Ich habe aber billigend in Kauf genommen, dass ein paar Fehler drin sind, wie im Blog auch. Ein Korrektorat hätte 150-200 EUR gekostet  –  habe ich mir gespart. Klar eine Frage meiner Perspektive (ich bin penibel bei Inhalten, aber nicht bei Sachen, die ich für nachrangig halte, das letzte richtige Komma etwa).  Learning: Ich musste feststellen, dass der Preis offenbar in meinem Fall unwichtig ist (möglicherweise weil der Name etabliert ist). Von allen E-Books ging das „Praxisbuch kreative Bewerbung“ bis jetzt mit weitem Abstand am besten weg und das Social Media-Experiment am schlechtesten. Wenn ich die bisherigen Verkäufe für das IT-Buch hochrechne, müsste es das Kreativ-Buch indes schlagen. Das kann daran liegen, dass es sehr umfassend ist, sehr spezifische Infos und ungleich mehr Know-how enthält, zudem eine Nische bedient (meines Wissens haben andere Bücher in dem Segment nicht so sehr Aus- und Weiterbildung sowie Karriereplanung im Blick als vielmehr Bewerben). Oder auch damit, dass ich einen Vertrauensvorschuss bei ITlern habe… Oder: Das Operationalisieren bei diesen Dingen ist schwer. Es kann so sein …. und so.

    So sieht das aus mit den Verkäufen bei Bookwire - jeden Monat auch anders, mal mehr Mobi, mal Epub, mal Thalia mal... unberechenbar

    So sieht das aus mit den Verkäufen bei Bookwire – jeden Monat auch anders, mal mehr Mobi, mal Epub, mal Thalia mal… unberechenbar

2. Als zweites Produkt habe ich digitale Selbstlernkurse entwickelt, die als Ziel immer ein fertiges Projekt haben: Da soll eine Bewerbung erstellt werden, ein Buch, ein IT-Profil, ein Blog. Hier habe ich meine didaktische Erfahrung einfließen lassen. Ich habe nicht nur als Trainerin gearbeitet, sondern sehr früh, als E-Learning gerade entstand, in diesem Bereich auch gearbeitet und zudem später Selbstlernhefte für Ausbildungsgänge entwickelt, etwa für die Fachjournalistenschule und das Journalistenkolleg. Idee für Kexpa war, dass die Kurse sich im plattformübergreifenden Format Adobe Reader beschreiben lassen, auch mobil. Alle Kurse haben bildorientierte Zusammenfassungen für die bessere Merkbarkeit. Und es gibt überwiegend zusätzliche Dokumente wie Muster – für einen Preis bis 30 EUR. Zusätzlich lässt sich Beratung zum Kurs bzw. der damit ausgearbeiteten Lösung buchen. Das wird derzeit noch wenig wahrgenommen. Wir versuchen mit unterschiedlichen Ansätzen Hemmschwellen zu senken. Dass es funktionieren kann, bin ich mir sehr sicher, da ich vor Jahren bereits einen funktionierenden Shop für Beratungsleistungen hatte, den mittlerweile abgeschalteten Karriereshop.

Fazit: Die Verkäufe sind insgesamt bisher deutlich niedriger als die Verkäufe gut laufender Bücher wie „Praxisbuch für Freiberufler“ im Printbereich. Allerdings laufen meine E-Books besser als die E-Books, die Publikumsverlage von mir herausgebracht haben. Es hat sich insgesamt so entwickelt wie ich das geplant habe – als langsamen Aufbau ohne jede offensive Werbung. Der Shop Kexpa wird wahrscheinlich schon nach 12-14 Monaten den ROI überschreiten. Um das mit den E-Books wird immer interessanter werden – da bin ich sehr zuversichtlich. Auch wenn die Herausforderung darin liegen dürfte, in der Flut der Publikationen die wirklich guten herauszufiltern.

 

 

About Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

Über Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

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