Karriere planen: So geht es ganz konkret

Kann man eine Karriere planen? Heute erschien dazu der Artikel „Geplanter Erfolg“ im Tagesspiegel, in dem der ehemalige Telekom-Vorstand Thomas Sattelberger und ich zitiert wurden. Danach möchte jeder vierte Student Vorstand werden, aber kaum jemand ist bereit dafür auch viel zu tun… So ein Karriereplan ist natürlich kein Plan, sondern ein Luftschloss. Auch Sattelberger ist der Meinung, dass sich Karriere durchaus planen lässt, jedoch nur für einen überschaubaren Zeitraum. So ist es. Meine Erfahrung: Bis zu fünf Jahre gehen relativ konkret, alles was danach kommt, fällt in die Kategorie „es zeigt einen den Weg, wenn man weiß, wo es hingehen könnte“(was Erfolg erheblich wahrscheinlicher macht). Und: Man braucht für alles einen Plan B. Zu komplex ist die Arbeitswelt geworden, zu verschachtelt, zu dynamisch. Schornsteinkarrieren sind out.

Doch wie plant man eine Karriere? Ich nutze dafür in meinem Modul „Karriereplanung“ Start-Ziel-Modelle und das von mir entwickelte Karrierequadrat zur Ermittlung des Entwicklungsbedarfs. Der wird nämlich von allen, die gleich Vorstand werden, kräftig unterschätzt – vor allem auch der persönliche Entwicklungsbedarf. Man hält sich meist für mehr oder weniger „completed“. Großer Irrtum.

Das rohe Quadrat

Das rohe Quadrat

Es handelt sich bei meinem Karrierequadrat um eine Weiterentwicklung des T-Shapings aus den 1990er Jahren, das Planungen der Karriere von Experten visualisiert, die Persönlichkeit aber weitgehend ausklammert und das Thema „Plan B“ auch nicht berüchtigt.

Das Karrierequadrat kann auf einem Zettel gemalt werden oder an den Flipchart. Dafür brauchen Sie 18 Kästchen in jede Richtung. In die Mitte kommt eingerahmt möglichst konkret das berufliche Ziel. Die 18 Kästchen lassen Platz für jeweils sechs Post-It verikal und horizontal.

Das Quadrat besteht aus vier Seiten, die relativ zum Ziel stehen. Das ist wichtig. Ohne Ziel kein Quadrat.

Mit dieser Vorgehensweise sind Sie gezwungen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren:

1. Den Anfang macht vertikal links die Seite „Persönlichkeit“. Hierhin gehören jene Eigenschaften, die  über einen längeren Zeitraum stabil sind. Es sind Eigenschaften, der Sie mit Hilfe eines Tests wie dem Big Five auf den Grund gehen können, die aber auch ohne Testverfahren mit folgender Übung:

  • Geben Sie drei Kollegen und /oder Bekannten (Bewerter) einen Zettel und bitten Sie sie, 10 Eigenschaften aufzuschreiben, die Sie stark beschreiben und 10, die wenig auf Sie zutreffen. Diese Übung ist nur spannend in der Gegenüberstellung, deshalb gehört stark und wenig stark zusammen. Beispiel: bei drei Personen zutreffend auf mich ist „hat Ideen“, bei zwei weniger zutreffend „ist genau“. Clustern Sie die Ergebnisse. Vermutlich schreiben Ihre Bewerter ähnliches auf.

Von den meist genannten Eigenschaften wählen Sie nun die fünf aus, die hinsichtlich Ihres Ziels am relevantesten sind. Diese kleben Sie innen in das Quadrat.

  • Nun fragen Sie sich: Gibt es Eigenschaften, die hinsichtlich des Ziels wichtig wären, die Sie aber nicht (gut) ausgeprägt oder entwickelt haben? Diese kommen auf einen Zettel an die Außenseite des Quadrats. Das ist Ihr Entwicklungspunkt. Es kann zum Beispiel Konfliktfähigkeit sein.

2. Oben geht es weiter mit dem Fachlichen, also Kenntnissen und Wissen. Schreiben Sie auf, worin Sie Wissen haben. Wählen Sie dann die Kenntnisse aus, die für Ihr Ziel wesentlich sind. Fehlt etwas? Das kommt auf einen Zettel außen „vor“. Hier könnten BWL-Kenntnisse stehen.

3. Der rechte Rand des Quadrats sammelt die Erfahrungen. Überlegen Sie zunächst was relevante Erfahrungen sind und denken Sie dabei möglichst erfolgsorientiert. Die Erfahrung „Lean Management mit messbarem Erfolg“ installiert zu haben, ist ein Beispiel.

4. Unten vertikal ist der Balken für die Kompetenzen: Dazu zähle ich alles, was zum Beispiel auch im KODE®-Kompetenzatlas vorkommt. Es können Sprachen sein oder  eine methodische Kompetenz wie Kenntnis des Wasserfallmodells im Projektmanagement. Welche fehlen Ihnen?

Ein Beispiel: Außen die Entwicklungsbereiche

Ein Beispiel: Außen die Entwicklungsbereiche

Und wenn das alles nicht klappt, was Sie als Ziel in die Mitte geschrieben haben. Was könnte Plan B sein? Wie verändern sich dadurch die Anforderungen an Ihre Persönlichkeit, die Kenntnisse, die Erfahrungen und Kompetenzen? Welche Konsequenzen für die Karriereentwicklung leiten sich daraus ab?

Wenn Sie mehr als nur ein oranges Quadrat an die äußeren Ränder geklebt haben: Entscheiden Sie, welches Thema Sie sich zuerst vornehmen! Immer nur eins nach dem anderen, nie mehr als eins.

Die Erstellung eines Karrierequadrats erfordert Verständnis von Persönlichkeitspsychologie, Anforderungsprofilen und Arbeitsmarkttrends. Wenn Ihnen das Zusammenstellen und Auswählen schwer fällt, holen Sie sich professionelle Hilfe.

Einen ersten Einblick in das Thema Persönlichkeit gibt unser Selbstlernprogramm  „Klarheit über mich“.

About Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden, ein halbes Leben Coaching, Beratung, Ausbildung. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

2 Kommentare zu “Karriere planen: So geht es ganz konkret

  1. Sehr interessante Methode zur konkreten Karriereplanung. Auf die Idee, seine Karriere mittels eines Quadrats zu planen, kommen die meisten vermutlich gar nicht erst. Stelle mir das aber als recht hilfreiche Methode vor, vor allem wenn es darum geht sich auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren und zu lernen, seine Fähigkeiten und Eigenschaften treffend einzuschätzen. Danke für den Tipp!

  2. Pingback: Surftipps August 2013 | Geisteswirtschaft

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