Die Machtkarriere: Bei uns herrschen Selbstdarsteller und einflussreiche Bereichsfürsten

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Copyright: Christina Hucke

Weiter geht es mit dem zweiten Teil meiner Serie über Karrieresysteme. Vor Jahren habe ich öfter Assessment Center mit Studenten durchgeführt. Eine meiner Lieblingsübungen: Die Teilnehmer sollten in der Gruppe darüber diskutieren, ob Bestechung normal und legitim, ja nötig sei, auch wenn ein Unternehmen diese offiziell verbiete.

Nicht überraschend, dass vor allem klassisch Karriereorientierte diese Frage teils flammend bejahten. Das sei nötig, gehöre dazu etc. Womöglich liegt es daran, dass auch viele Karriereratgeber auf Basis eines Machtkarrieresystems argumentieren, das vor allem dadurch gekennzeichnet ist, dass es ungeschriebene Gesetze neben den geschriebenen Regeln gibt.

Welche Werte herrschen im Machtkarrieresystem?

Im positiven Sinne haben hier Macher gute Karten, die  Netze spinnen und Kontakte aufbauen können. Im negativen Sinn ist ungezügelter Kapitalismus ebenso wie Bestechung (trotz Compliance und Sabanes Oxley) ein starkes Signal für die Machtkarriere. Partys und Feiern gehören, in moderater Dosis positiv, in der Übertreibung à la Ergo Versicherung negativ. Sie sorgen dafür, dass auch Menschen sich wohlfühlen, die keine Alphatiere sind, aber von diesen protegiert werden.

Eine der wichtigsten Regeln lautet „Lass dich nie festnageln“. Je mächtiger jemand ist, desto weniger wird er seine Aussagen schriftlich fixieren – im Zweifel lassen sich Worte so rückwirkend umdeuten. Machtkarrieresysteme sind darwinistisch. „Der Stärkere setzt sich durch!“ gilt in solchen Ökosystemen.

Was kennzeichnet Karriere im Machtkarrieresystem?

Im Machtkarrieresystem setzen sich die durch, die eine starke Selbstüberzeugung haben; der Typ „Selbstdarsteller“ hat beste Karten. „Rede über deine Leistungen, deine Eroberungen, Deine Macht“ – hier kommt das gut an.

Welche Unternehmen ticken so?

Meiner Beobachtung nach setzt sich das Machtkarriereökosystem leichter in weniger reglementierten Umfeldern (reglementiert ist z.B. Pharma) durch, etwa in den Medien, Agenturen oder in kleineren Firmen oder relativ autonomen Einheiten größerer Unternehmen – so wie in Spartenorganisationen. Ganz knallharte Machtkarriere herrscht im Strukturvertrieb. Und wenn ich das richtig bewerte, wohl auch in der Politik (wie anders als Machtkarrierepolitisch erklärbar ist SPD-Hannelore Krafts gestriger Schwenk?).

In der Betriebswirtschaftslehre wird die Divergenz zwischen Sparten- und Unternehmensinteressen übrigens nicht ohne Grund häufig als Nachteil der Sparten-Organisationsform angesehen. Das heißt aber nicht, dass eine Matrixstruktur negative Machtkarrierestrukturen komplett verbannt. Doch ungezähmtes Auftreten ist hier unwahrscheinlicher.

Wie bewirbt man sich in solchen Unternehmen?

Bewerben sollten Sie sich durch optimale Selbstdarstellungen und maximales „Spoiling“. Damit meine ich: Hängen Sie heraus, was Sie heraushängen können. Die Rubrik „Beiträge zum Geschäftserfolg“ kommt hier sehr gut an, sofern es um Führungspositionen geht. Gute Kontakte sind Gold wert und sollten maximal betont sein. Stellen Sie heraus, was Sie erreicht und aufgebaut haben. „Macher“ sind hier gern gesehen. Und Menschen, die bewiesen haben, dass sie sich durchsetzen können.

Vorsicht, mit „Spoiling“, wenn Sie Indianer und noch mehr, wenn Sie Indianerin sind. In Assistenzrollen ist in Machtkarrieresystemen der loyale, anpassungsfähige Typ gefragt, der am besten nicht allzu moralisch orientiert sein sollte. Siehe Anfang.

About Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

Über Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

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