Unser Chef sorgt für uns: Die Fürsorge-Karriere

Heute starte ich eine neue Serie über acht Wochen. Auf der Basis von 9Levels habe ich 8 Karrieresysteme entwickelt. Diese beruhen auf dem Gedanken, dass jede Branche, jedes Unternehmen und auch jede Abteilung ein eigenes Ökoystem ist, in dem bestimmte Menschen wie Pflanzen blühen und andere eingehen.  Die Zeichnungen hat mit Christina Hucke auf Basis meiner ersten Ideen, die ich in laienhaften Powerpoint-Skizzen umgesetzt hatte.

© Christina Hucke

© Christina Hucke

Ich beginne mit der Fürsorge-Karriere. Diese ist aus dem pupurnen Level abgeleitet. Es handelt sich um das älteste, bei uns zu beobachtende Karrieresystem.

Welche Werte herrschen im Fürsorge-Karrieresystem?

Im Mittelpunkt steht die Verantwortung von Inhaber oder Chef für seine Belegschaft. Es geht um Treue, Loyalität, Verbundenheit, Zugehörigkeit und Identifikation.

Was kennzeichnet ein Fürsorge-Karrieresystem?

In solchen Unternehmen verlassen sich Mitarbeiter darauf, dass der Inhaber es gut meint und sich um sie kümmern wird. Lang gediente Betriebszugehörige empfehlen auch ihren Söhnen und Töchtern, hier zu arbeiten und wünschten sich, dass dies bis zur Rente möglich sei. In so einem Ökosystem gedeihen Mitarbeiter, die vor allem treu und loyal sind.

Im Zuge der Globalisierung ist das Ökosystem „Fürsorge-Karriere“ ein Auslaufmodell; nur wenige Firmen können sich der Internationalisierung entziehen. Familienunternehmen werden gekauft und spätestens nach einer Übergangsphase von ein, zwei Jahren kann der fürsorgliche Charakter verloren gegangen sein.

Welche Unternehmen ticken so?

So gut wie nie ganze Konzerne, maximal einzelne Bereiche in ihnen. Typisch ist das System für Traditions- und Familienunternehmen sowie bei patriarchial gegründeten (meist eine Einzelperson, nicht ein Team) kleineren und mittleren Unternehmen.

Wer macht Karriere?

Derjenige, der treu ist und damit zur Familie gehört.  Oft ist das ein Familienangehöriger. Wenn nicht, jemand der langgedient ist und das Unternehmen wie seine Westentasche kennt.  Dabei gilt es als selbstverständlich, sich dem „Patriarchen“ unterzuordnen.

Wer ist hier richtig?

Wer Fürsorge und Vertrautheit sucht, eine Art zweites Zuhause, ist hier zwar richtig, sollte aber damit rechnen, dass bei Übernahme, Fusionen und in Krisenzeiten aus der friedlichen Koexistenz oft harter Machtkampf wird. Da Menschen, die sich in Fürsorge-Karrieresystemen wohl fühlen, oft besonders gern in EINEM Unternehmen bleiben, ist das ein Problem.

Sie sollten nach so einem Unternehmen suchen, wenn Sie regional verhaftet sind, Traditionen schätzen und eine längere Firmenzugehörigkeit Ihnen wichtig ist.

Wo finde ich solche Unternehmen?

Suchen Sie solche Unternehmen unter den traditionsreichen und personengeführten Familienfirmen,  unter Hidden Champions und Betrieben in zweiter und dritter Generation, achten Sie aber darauf, dass das Unternehmen so gut aufgestellt ist, dass es nicht bald übernommen wird. Ein Alarmzeichen, wenn Unternehmen durch ausländische Firmen übernommen worden sind oder Investoren sich bereits eingekauft haben. Gestiegener harter Wettbewerb durch neue Konkurrenten kann ein zusätzlicher Indikator sein, dass es bald mit der Harmonie vorbei sein könnte.

Wie erkenne ich, dass ein Unternehmen so tickt?

Zum Beispiel daran, dass es ziemlich sicher kein Employer Branding gibt und alles noch etwas hausgemacht aussieht. Äußerlichkeiten sind nicht wichtig, deshalb werden auch keine großen Worte gemacht. Die Wahrscheinlichkeit, solche Unternehmen in kleineren Städten und auf dem Land ist größer.

Wie bewerbe ich mich?

Am besten recht persönlich und mit viel Begeisterung fürs Unternehmen! Kreativere Formen sind OK, solange diese konservativ genug sind (also bitte nicht mit viel „Design“ a la Pinterest, sondern mehr mit Herz). Einbau des Firmenlogos, ein fingiertes Interview mit dem Unternehmer, ein etwas längeres Anschreiben… Solche Dinge kommen in Fürsorge-Unternehmen gut an. Und natürlich Formulierungen wie „gern bin ich bereit nach XY umzuziehen“, denn Fürsorge-Unternehmen wollen keine Mitarbeiter, die Freitag in ihre Großstadt fliegen… Sie lieben den regional eingebundenen Kollegen. Anregungen gibt es in meinem Beststeller „Kreative Bewerbung“.(einst als Praxismappe 30.000 x verkauft und jetzt aktualisiert online erhältlich).

 

About Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

Über Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

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