Kolumnen zu Karriere, Führung und Entwicklung

Karriere im Teamsystem: Wenn gute Zusammenarbeit wirklich zählt

By | 2013-12-04T22:41:07+00:00 4. Dezember 2013|
Idee Svenja Hofert, Design by Christina Hucke

Idee Svenja Hofert, Design by Christina Hucke

„Ich mag es, mit anderen zusammen zu arbeiten und an einem gemeinsamen Strang zu ziehen.“ Stimmen Sie zu? Mögen Sie es, mit Leuten in einem Büro zu sein, mit denen Sie auch privat etwas machen würden? Welcome: Ein Teamkarrieresystem könnte für Sie richtig sein. Erst recht gilt das, wenn Sie sich in den Beschreibungen der Leistungskarriere, der Schornstein-, Macht- und Fürsorgekarriere so gar nicht wiederfinden (am ehesten noch dürfte Ihnen die Fürsorgekarriere sympathisch sein). Die Teamkarriere ist aber nicht nur da, wo junge Leute engagiert zusammen Ideen realisieren. Man findet sie auch, wo Sie sie zunächst nicht erwarten, etwa in kleinen Einheiten an sich konservativ organisierter Firmen. Typische Teamkarrierenelemente: Kollegialität, Gemeinschaft, gute Zusammenarbeit. Die Teamkarriere ist aber auch gekennzeichnet durch viel Dynamik, Austausch und wenig Hierarchieen. Sie ist deshalb verbreitet in Startups und manchen kleineren Unternehmen, z.B. auch Ingenieurbüros oder in der IT-Softwareentwicklung..

Auch in größeren Unternehmen kann es Teamkarrieren geben: Da wird viel geredet und besprochen. Kommt man dabei aber nicht zu einer Entscheidung, haben Sie es eher mit einem „teamigen Schornstein“ zu tun. Starre Prozesse und Systeme, die verlangen, erst B zu fragen, bevor man mit C sprechen kann, stehen dem Teamgedanken entgegen, so dass es in Konzernen selten Teamkarriere in Reinkultur gibt.

Welche Motivation herrscht hier vor?

Menschen auf dem Teamkarrierelevel sind überwiegend intrinsisch vom Thema motiviert oder durch die Zusammenarbeit mit anderen, was ja auch von innen kommt. Sie haben  meist eine Abneigung gegen Leistungsegoismus und zur Schau gestellten Status. Sie finden es auf eine befremdlich, wenn in anderen Firmen Hauptabteilungsleiter eine Sekretärin haben, Bereichsleiter einen Mercedes SL Firmenwagen und normale Mitarbeiter Smart fahren.  Überhaupt finden sie Autofahren nur bedingt gut, da ja auch ein Fahrrad seinen Dienst tut.

Wer fühlt sich wohl?

Die Teamkarriere bietet ein berufliches Ökosystem, von dem sich jüngere und auch gut ausgebildete Kunden angezogen fühlen – sofern Sie nicht von der McKinsey- oder Boston-Consulting-Leistungs-Karriere fasziniert sind. Teamkarrieristen würden sich, suchten sie den Einstieg in eine Unternehmensberatung, eher Accenture wählen, wüssten sie um die Bedeutung solcher Ökosysteme. Die meisten erfassen das erst, wenn Sie einmal da gewesen sind und entweder erkannt haben „das ist mein Ding“ oder „bloß nicht“.

Führung in Teamkarrieresystemen

In Teamkarrieresystemen gibt es keine Führungskräfte und erst recht keine Vorgesetzten, sondern Teamleiter oder Teamcoachs, maximal Manager. Mitunter gibt es leichte Konzessionen an den Leistungs- und Statusgedanken durch Karrierepläne (Junior, Senior). Auch neumodische Managementmethoden wie die Führung von „unten“ sind in einem solchen System Zuhause. Und wenn der Herr Sprenger in seinem neuen Buch darüber spricht, Führung heiße Zusammenarbeit zu organisieren, dann ist dies klares Teamkarrierensystemdenken (und für Insider: das ist Spiral Dynamics grün). Und meilenweit vom Offizierskasernenton eines Schornsteinunternehmens entfernt. Welten dazwischen!

Chefs in solchen Systemen haben manchmal mit einer gewissen Übergrifflichkeit zu tun. Da der Begriff Hierarchie locker ausgelegt wird, sieht man Vorgaben und Ziele nicht zu eng und nimmt in Mitarbeitergesprächen gerne die Gelegenheit war, die Führungskraft zu kritisieren („Rechnung hättest du ja mal bezahlen können“). Das fordert einen besonders ausgewogenen und personenorientierten Führungsstil. Und die Fähigkeit, trotz alle Lockerheit klare Ansagen zu machen.

Risiken der Teamkarriere

Wo vieles gemeinsam gemacht wird, kann der einzelne sich manchmal auf die faule Haut legen, so lange er nur ein netter Kollege bleibt. Da Leistung typischerweise nicht oder nicht so akribisch vermessen wird, könnten sich „Lazy Co-Worker“ beitmachen, also Leistungsverweigerer, die den Teamgedanken mit „Toll ein anderer macht´s“ übersetzen. Dazu mehr in meinem Buch „Ich hasse Teamarbeit!“

Bewerbung und Vorstellungsgespräche

Hier wird eingestellt, wer zur Kultur passt! Punkt. Deshalb sind Teamkarrieresysteme ideal für Quereinsteiger. Allerdings funktionieren normale Bewerbungswege schlecht. Bewerben Sie sich in Teamkarrierensystemen am besten über persönliche Kontakte und soziale Medien. Ideal, wenn Sie jemand empfehlen kann. Wenn es doch eine Anzeige ist, dann schauen Sie sich die mit Du“ genauer an (es könnten aber auch Werbefakes sein), schreiben Sie sympathisch und gern auch etwas kreativer. Infografiken oder Comics – vieles ist erlaubt, so lange es zu dem Unternehmen passt. Und  im Vorstellungsgespräch sollten Sie damit rechnen, dass Kollegen mit dabei sind – und auch mit entscheiden.

 

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides? Biografie | Unternehmen

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