Absagen mit Stil und ohne: „Bitte bewerben Sie sich nie mehr bei uns”

Wenn Bewerber sich auf einen Job freuen, auf den sie zu 100% zu passen scheinen, ist es nicht schön, im Postfach eine Absage vorzufinden. Vor allem, wenn diese eine lieblose Mail an die „sehr geehrten Bewerber/sehr geehrte Bewerberinnen“ ist, die – vermutlich oder manchmal sichtbar durch offenes CC: – gleichzeitig an 100 andere Personen gegangen ist. „Wir haben uns für einen Kandidaten entschieden, der mit seinen Qualifikationen besser zu unseren Anforderungen passte.“ Besser?

Unsere Kunden leiten immer mal wieder Absagen an uns weiter mit dem Verweis „für Ihren Blog“ oder „für Ihre Sammlung“. Meistens sind die Absagen-Texte haarsträubend. Und ich könnte die beim Namen nennen, die dabei besonders unprofessionell agieren. Etwa die Bank, die den Bewerber bittet „von weiteren Bewerbungen Abstand zu nehmen“, da das Profil auch in Zukunft nicht passen würde. In Zukunft? Weiß das dieser Arbeitgeber? Was ist, wenn ein neuer Personalchef eine ganz andere Strategie ausgibt? Und wer hat im Zeichen der Veränderungen am Arbeitsmarkt überhaupt so eine Strategie ausgegeben? Kann man das überhaupt Strategie nennen?

stoppbewerberIch kenne den CV des betreffenden Bewerbers; er ist makellos, mit Auslandserfahrung und allem, was man sich so wünscht. Vielleicht gefiel es nicht, dass die Person nicht nur in der Finanzbranche Erfahrung gesammelt hat, sondern auch außerhalb – man wird es nie erfahren.  Möglicherweise wurde auch gar nicht richtig gelesen. Das kommt vor, erschreckend häufig. Wie beim Hamburger Konzern, der absagt, um fünf Minuten später wieder anzurufen. „Äh, war ein Versehen, der Praktikant hatte nicht genau genug hingesehen.“ Weitere Stories dieser Kategorie lesen Sie hier.

.Die Deutsche Bahn schreibt weiter:

„Bitte lassen Sie sich jetzt nicht entmutigen, sondern sich vielmehr darin bestärken, auch weiterhin aktiv z.B. auf unserem Karriereportal (…) nach alternativen Positionen zu schauen. Vielleicht ergibt sich ja zu einem späteren Zeitpunkt mit einer anderen Stelle eine neue Chance bei der DB für Sie.“

Ja, das ist einerseits freundlich und andrerseits geschickt: warmhalten. Sollte man.

Was können Personaler daraus lernen?

Lassen Sie die Texte nicht von Praktikanten schreiben. Sowohl beim Stelleninserat als auch bei der Absage lohnt sich das Invest in einen Texter. Doch es geht nicht um den Text allein, denken wir an das schon öfter thematisierte „Kampagnen-Du“. Nein, ein guter Texter sollte auf der Basis echter Informationen und wirklicher Strategie texten. Die ideale Basis ist ein Manual für die „Personal-Außenpolitik”. Ich sage bewusst „Außenpolitik“, weil das Wort Employer Branding ein Schimpfwort ist. Nirgendwo sonst wie in der Außenpolitik kommt es so stark auf Diplomatie an – bei maximaler Klarheit und in Harmonie zu den inneren Werten.

About Svenja Hofert

Seit ich im Jahr 2000 meinen Job bei einem internationalen, börsennotierten Konzern aufgab, habe ich viel gemacht: Ich habe 35 Bücher geschrieben, mehrere Portale aufgebaut und Unternehmen gegründet. Mit allem unterstütze ich dabei den "nächsten Schritt" zu gehen - in der Karriere, als Team und auch als Berater, Trainer oder Coach. In diesem Blog verpacke ich meine Erfahrung aus mehr als 15.000 Beratungs- und Coachingsstunden in Impulse und Meinungen. Beratungsangebote finden Sie auf unserer Website Karriere & Entwicklung, Seminartermine auf www.karriereexperten.com.

Über Svenja Hofert

Seit ich im Jahr 2000 meinen Job bei einem internationalen, börsennotierten Konzern aufgab, habe ich viel gemacht: Ich habe 35 Bücher geschrieben, mehrere Portale aufgebaut und Unternehmen gegründet. Mit allem unterstütze ich dabei den "nächsten Schritt" zu gehen - in der Karriere, als Team und auch als Berater, Trainer oder Coach. In diesem Blog verpacke ich meine Erfahrung aus mehr als 15.000 Beratungs- und Coachingsstunden in Impulse und Meinungen. Beratungsangebote finden Sie auf unserer Website Karriere & Entwicklung, Seminartermine auf www.karriereexperten.com.

8 Kommentare zu “Absagen mit Stil und ohne: „Bitte bewerben Sie sich nie mehr bei uns”

  1. Wenn es denn eine Absage gibt. Ich war vor gut 1 1/2 Jahren im Bewerbungsprozess und habe offiziell wohl immer noch einige Verfahren laufen, bei denen es nie eine Rückmeldung auf meine Bewerbung gab.

    • Ehrlich gesagt ist es mir lieber, gar keine Rückmeldung zu erhalten als ständig diese nichts sagenden Standardabsagen à la “Bitte betrachten Sie es nicht als Abwertung Ihrer Qualifikationen”, “Für Ihren weiteren Lebensweg wünschen wir Ihnen alles Gute”. Ich habe über 200 Bewerbungen geschrieben und jedes Mal genau diese Floskeln zu lesen bekommen. Jedesmal hat es mich aufs Neue herunter gezogen und jedes Mal ein wenig mehr, bis ich irgendwann das Bewerben endgültig aufgegeben habe. Außer dass diese Sprüche nerven, bringen sie mich kein bisschen weiter. Ich erfahre weder, woran ich gescheitert bin, noch hilft es mir, etwas zu verbessern.
      Bekomme ich keine Rückmeldung weiß ich ja auch, dass es mit der Stelle nicht geklappt hat und vielleicht habe ich dann auch schon verdrängt, dass ich mich beworben habe, so dass es mich nicht ganz so weit runter zieht.

      • Hallo Jan,
        bei mir war es so, dass ich meine Bewerbungen dokumentiert/gelistet habe. Bei einigen kam ja tatsächlich nach zwei Monaten noch eine Rückmeldung.
        Ich verstehe aber auch – und da geht es mir genau wie dir – dass Absagen (gerade bei Stellen, die einen WIRKLICH angesprochen haben) weh tun. Trotzdem ist es immer eine Sache des Stils, Bewerbungen auch zu beachten.

  2. Interessanter Artikel, den ich 100% unterschreiben kann. Als Bewerber in einem Bereich, in dem es weitaus mehr Suchende als Stellen gibt, braucht man schon ein sehr dickes Fell. Was mir in letzter Zeit mehrfach passiert ist: Auf Initiativbewerbungen habe ich eine Absage a la “leider passen Sie nicht auf die vakante Stelle” bekommen. Schon schade, wenn sich Unternehmen nichtmals mehr die Mühe machen, den passenden Absagetext rauszusuchen. Ich verstehe, dass es für Unternehmen ein Aufwand ist, 300-400 Bewerbungen zu sichten, aber als Bewerber steckt man auch viel Zeit in jede Bewerbung. Etwas mehr gegenseitige Wertschätzung wäre wünschenswert!

  3. Wichtig für Unternehmen:
    Der abgesagte Bewerber könnte ein vergrätzter Kunde sein. Es gibt die Story von einem Autoproduzent, der deswegen sinngemäß antwortet: “Ihr Profil ist tatsächlich interessant und wir bedauern, dass wir Sie für die genannte Stelle nicht berücksichtigen können. Ihr Einverständnis vorausgesetzt behalten wir aber Ihre Unterlagen hier für mögliche spätere Stellenbesetzungen”.
    Denn merke: Auch Ingenieure, die nicht beim Hersteller arbeiten, könnten noch deren tolle Autos erwerben!

  4. Pingback: Die Candy Date Experience: Gib dem Bewerber Zucker!

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