Was machen mit…? Karrierecheck Naturwissenschaften

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„Ich will aber einen richtigen Beruf“, ist einer der meistgelesenen Beiträge in meinem Blog im letzten Jahr gewesen. Das Thema treibt viele um, die etwas studieren möchten, was nicht direkt in einen Beruf führt. Der Medizinstudent wird Arzt, der Maschinenbaustudent Ingenieur? Aber der Mathematiker? Wenn der nicht weiß, ob er Aktuar werden will oder vielleicht doch Programmierer, HR-Spezialisiert oder…?

Kann man etwas werden, wenn man eigentlich nichts studiert hat, dass im Arbeitsleben einen festen Namen hat? Dieser Frage will ich mit einer neuen Reihe nachgehen. In welche Positionen und Funktionen führen Studiengänge? Meine größte Hilfe ist Xing, da kann man Karriere schön nachlesen. Den Anfang machen die Naturwissenschaften – die Big 4, die wir alle aus der Schule kennen.

Biologie – böser Naturbube, der oft quer einsteigt

Es gibt gute und böse Naturwissenschaften. Biologie ist „böse“, dabei ist es das naturwissenschaftliche Fach mit dem höchsten Frauenanteil. Böse weil: Traditionell ist die Biologie kein Karriereturbo. Noch vor wenigen Jahren hockten viele Biologen in Arbeitsamtkursen, um sich mit Technologien wie „GIS“ vertraut und damit vermittlungsfähiger zu machen. Während man Physikern und Mathematikern eine hohe Analysefähigkeit und damit indirekt auch Intelligenz attestiert, ist die Wertschätzung für die Kompetenzen, die Biologen mitbringen, in der freien Wirtschaft eher begrenzt.

Meine Xing-Recherche bestätigt das: Die promovierten Biologen, die Diplom-Biologen, die Masters und erst recht die Bachelors hatten im Vergleich zu allen anderen Naturwissenschaften „schlechtere“ Jobs, was ich an folgendem festmache:

  • Name und Größe des Unternehmens (ein Johnson Controls ist karriererelevanter als Müller Media)
  • Rang und Status der Funktion (ein Consultant ist „weiter“ gekommen als ein Mitarbeiter Debitorenbuchhaltung).

Interessanterweise finden sich in der Biologie viel weniger IT-Leute als in den Nachbardisziplinen Physik und Mathe. Die Quereinstiegerquote ist dafür höher als in allen diesen Naturwissenschaften, auch als in der Chemie. Ich finde Personalberater, PR-Fachleute, Pharmareferenten, Researcher und …. Mitarbeiter von Adler-Modemärkten und H&M.

Was empfehle ich Abiturienten? Gut und genau überlegen, wo Sie hinwollen, interessante Kombinationen und Mixfächer wählen, z B. Bioinformatik. Und, der beste Tipp: Praxis ist hier noch viel wichtiger als in den anderen Fächern. Eher bei Fraunhofer als bei Kentucky Fried Chicken jobben.

Chemie – Fleißiger Laborkönig, der einen sicheren Job hat, wenn er promoviert

Meine Beziehung zur Chemie wurde gestört, als ich aufgrund eines zu hohen Quatschmach-Anteils in den Laborraum verbannt wurde.  In meiner Familie sind promovierte Chemiker, aber… das Verhältnis ist durch dieses schulische Erlebnis noch immer gestört. Das mag der Grund sein, aus dem sehr viele Physiker, einige Mathematiker und unzählige Biologen in den letzten anderthalb Jahrzehnten bei mir in der Beratung waren – aber nur eine kleine Handvoll Chemiker. Alternativ liegt es am Arbeitsmarkt? Promovierte Chemiker wissen einfach, wo sie sich bewerben und sind anscheinend nicht so quereinstiegsaffin.

Apropos Promotion: Ohne Promotion, so zeigt auch der Xing-Check, wird es schwer mit der klassischen Karriere. Die steht den Chemikern auch außerhalb der Labore offen: Bei Xing finde ich Researcher, Patentsachbearbeiter, Produktmanager, Qualitätsmanager und viele wissenschaftliche Mitarbeiter.

Aber keine Promotion zu haben scheint auch kein Drama mehr zu sein. Ich finde Masterabsolventen auf klangvollen Positionen in renommierten Unternehmen. Allerdings bleibt dann vornehmlich der Bereich Projektmanagement und Vertrieb, Forschung und Entwicklung braucht den Dr. (in anderen Fächern allerdings auch). Quereinstiege? Kaum zu finden.

Was empfehle ich? Gut überlegen, wo man später hinwill. Falls in Pharmaunternehmen in Alternativen denken: Hier scheint etwa Pharmazeutische Biotechnologie auch gut anzukommen (siehe Bio).

Mathematik: Flinker Denk-Allrounder, der alles werden kann

Die beruflichen Möglichkeiten scheinen vielfältiger als bei Chemie – oder die Mathematiker sind so, vielseitiger (die alte Henne-Ei-Frage). Social-Media-VIP Robindro Ullah hat das Fach studiert. Und der TV-Koch Christian Rach auch, allerdings laut Wikipedia nicht bis zum bitteren Ende. Das sind ja schon mal buntere „Hunde“.

Bei der Xing-Recherche habe ich viele ITler gefunden, sowie einige Versicherungsmathematiker und Portfoliomanager sowie Risk Manager. Die wenigen Frauen unter dem Keyword „Diplom-Mathematiker“ haben es weit gebracht: Head oft Strategy oder Principle Consultant.

Quereinstiegsfaktor: Laut Xing eher gering. Wenige der dort registrierten Mathematiker arbeiteten komplett branchenfremd wie Herr Ullah. Die beiden eingangs genannten „Promis“ sind möglicherweise Ausnahmen.

Reicht der Bachelor? Könnte sein. Jedenfalls habe ich einige Bachelore gefunden, die einen guten Einstiegsjob gefunden haben. Und die ganz fleißigen machen den Master einfach an der Fernuni Hagen weiter. Chapeau.

Was empfehle ich? Super, wenn Ihnen Mathe leicht fällt und Sie ohne viel Lernen zu den oberen 10% in ihrer Klasse gehörten. Sind Sie zusätzlich kommunikativ, dürfte Ihnen vieles offen stehen. Siehe auch Physik.

Physik: Schlauer Schrägkopf mit Sinn für Zusammenhänge

Physiker sind ganz besondere Typen, sagt man. Ich erinnere ich mich an ein langhaariges Zotteltier, das vorne rumsprang und recht langsam sprach. Deja vu: Auch der Physiklehrer meines Sohnes hat einen Hippiestyle mit Redestil, den man nicht unbedingt als dynamisch ansehen kann (man möchte TURBO drücken).

In der Praxis habe ich viele Physiker in der IT gesehen. Die waren turbo im Kopf und meist sehr klug – und reden können kann man lernen (wobei die jüngeren da viel besser sind). Sie haben ein gutes Verständnis für Zusammenhänge und Konzepte und denken oft theoretisch-analytischer als beispielsweise Chemiker und Biologen. Darin sind sie den Mathematikern ähnlich.

Ich finde bei Xing weitaus mehr Consultants unter den Physikern als unter den Chemikern. Könnte sein, dass es an der größeren Zukunftsorientierung im Denken und Abstrahierneigung liegt (das wäre NT im MBTI).

Was empfehle ich? Ich wünschte, es würde mehr reine Frauenstudiengänge geben, denn ich hatte hier Abbrecherinnen, die vor allem mit der männlichen Dominanz nicht klarkamen. Allerdings ist die Abbruchquote hier generell hoch.

Passen Naturwissenschaften oder besser was anderes? Unser PersAssment – Dein Karriere-Assessment bringt es ans Licht, gern auch in der Kleingruppe mit Maja Skubella.

 

About Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

Über Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

Ein Kommentar zu “Was machen mit…? Karrierecheck Naturwissenschaften

  1. Eine der wichtigsten Fragen ist für mich, was will man überhaupt? Angestellt sein oder doch lieber selbständig machen? Im Bereich Chemie bekommt man häufig diese Fragen abgenommen. Es ist klar, dass man später im Labor eines Unternehmens arbeitet. Im Bereich Biologie sind diese Fragen nicht immer eindeutig zu beantworten…

    Viele Grüße
    Mathias Bauer

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