Kaufstudium: Gut oder schlecht? (Replik auf Kolumne bei Spiegel Online)

Jedes Jahr studieren mehr Menschen privat und geben dafür oft sehr viel Geld aus. Fakt ist:

  • Es gibt immer mehr kostenpflichtige Studiengänge und immer mehr Leute, die sich ab rund 7.000 EUR bis rund 70.000 EUR ihre akademische Ausbildung früher (Bachelor) oder später (Master) erkaufen. Dabei bestehen auf der einen Seite etablierte Eliteschulen, auf der anderen Newcomer, teils ohne internationale Akkreditierung und dazwischen eine breite, aber expansive Mitte.
  • Fakt ist: In manchen Studiengängen substituiert Geld die Note. Mindestens aber gibt es ohne Geld kein Studium, oder nur mit (z.B. Leistungs-) Stipendium und nach Ausnahmeregelung.
  • Fakt ist drittens: Es besteht daneben ein staatliches Bildungssystem, das durch oft enge Zugangsvoraussetzungen beliebte Fächer nur für Top-Abiturienten zugänglich macht.
  • Fakt ist viertens: Manche Studiengänge orientieren sich marktwirtschaftlich an der Nachfrage, und zwar nicht des Arbeitsmarktes, sondern der Studenten, was sich unter anderem in Google-Ad-Werbung wie „nc-frei studieren“ äußert.

Students in college learningWir leben also in einer Zweiklassenbildungsgesellschaft, in der Schule, aber auch an den Unis: Auf der einen Seite müssen sich Menschen an staatlichen Universitäten und Hochschulen Aufnahmekriterien beugen, die in beliebten Studiengängen schärfer werden – und die kein Geld oder nur geringe Studiengebühren bezahlen. Auf der anderen Seite solche, die an privaten Hochschulen studieren, oft weniger scharfe Selektion erleben, und dafür Geld bezahlen.

Darüber habe ich diese Woche im Karrierespiegel „Gekauftes Studium, geschenkte Karriere?“ geschrieben – der Beitrag wurde bisher über 600 Mal geteilt. Das schafft man mit einem Soft-Thema, zu dem alle ja sagen – oder wenn etwas wirklich polarisiert. Meine Kolumne jedenfalls löste einen Sturm der Entrüstung aus. Ein Minenfeld. Ob Fernhochschulenportalbetreiber oder Student: viele sahen sich, ihr Angebot und ihr Studium diffamiert.

Ich kann nicht auf alle Mails und Facebooknachrichten eingehen, nicht jeden Post kommentieren und möchte zu den Vorwürfen und besorgten Kommentaren deshalb hier noch mal ausführlicher Stellung nehmen:

1.    „Sie sind doch tendenziös und haben etwas gegen Privathochschulen!“

Natürlich bin ich tendenziös, wobei ich jetzt nicht weiß, ob ich das Wort mit subjektiv oder parteiisch übersetzen soll. Subjektiv ja, parteiisch nein. Es handelt sich um eine Kolumne, also einen Meinungsbeitrag – was vielen nicht klar war, die schrieben, ich sollte doch die Direktoren der Hochschule interviewen.

Ich denke, jedem über 18 sollte klar sein, dass es keine objektive Wahrheit gibt, sondern immer nur Perspektiven und Ausschnitte – und die sind mal größer und mal kleiner. Jeder hält etwas anderes für wichtig, meist bestimmt die individuelle Position und Situation was (nennt sich „Bestätigungstendenz“). Ich halte im Moment Bildungsgerechtigkeit für wichtig, da mir die Ungerechtigkeit praktisch immer stärker auffällt. Und ich beobachte mit Sorge eine inflationäre Installation immer neuer Studiengänge. Das alles führt zu einer Abwertung des Studiums im Allgemeinen und vollkommen verunsicherten Studierenden. Mein Thema ist also nicht „privat ist böse“, sondern „da entwickelt sich ein Markt, auf dem Menschen im Vorteil sind, die von Haus aus besser gestellt sind“.

Ich habe absolut nichts gegen Privathochschulen, die ordentlich arbeiten. Ich habe viele Angebote schon mehrfach empfohlen, sofern es mir aus meiner Perspektive als Beraterin sinnvoll für das Individuum scheint.  Wenn ich das Phänonem „Kauf-Studium“ betrachte, dann geht das nicht gegen einzelne Angebote, sondern ich stelle die Tatsache ungleicher Bildungschancen als Diskussionsgrundlage in den Raum. Dabei, das ist ein zweiter Aspekt, führen private Studien eben nicht immer zu besseren Chancen, sondern manchmal im Gegenteil, zu schlechteren. Mir geht es also nicht um die einzelne Hochschule, sondern um die Kategorien privat-staatlich.

Dass man bei WHU etc. auch unter Umständen kostenfrei studieren kann, war für mich ein absoluter Randaspekt, der nichts am Grundsätzlichen ändert: Bildung und auch die Ausbildung haben sich in zwei Lager ausdifferenziert, ähnlich wie das Gesundheitswesen. Auch hier würde ich nie sagen, die Techniker Kasse ist gut, weil gesetzlich und der Deutsche Ring schlecht, weil privat. Es sind zwei konkurrierende Systeme, zu denen es unterschiedliche Zugangsvoraussetzungen gibt. Die ein unterschiedliches Image haben. Und die in unterschiedlichen Systemen zuhause sind (Wirtschaft/Staat).

Ähnlich ist es mit dem Kauf-Studium – es hängt von der Finanzlage ab, ob man den privaten oder staatlichen Weg einschlägt oder einschlagen muss. Es mag sehr gute private Angebote geben, die ich bei einer individuellen Nutzenabwägung einer staatlichen Hochschule gegenüber bevorzugen würde. Dennoch sind Bildungschancen ungleich, wenn jemand mit Geld auf Alternativen zugreifen kann, die jemanden ohne verschlossen bleiben. Ganz besonders gilt das fürs erste Studium, die Grundlage für den weiteren Berufsweg. Hier möchte ich aus John Rawls Gerechtigkeitsethik zitieren: „Jedermann hat gleiches Recht auf das umfangreichste Gesamtsystem gleicher Grundfreiheiten, das für alle möglich ist.“ Wenn jeder die gleichen Möglichkeiten hat, dann ist in diesem Sinn auch Ungleichheit in Ordnung. Nur sehe ich diese gleichen Möglichkeiten nicht. Nicht bei der Krankenkasse, und auch nicht bei der Bildung.

2.  „Wieso werfen Sie die WHU und andere in einen Topf?“

Weil es mir eben um Kategorien geht, bezahlt/nicht bezahlt. Bezahlte Studiengänge werden angeboten von Hochschulen, die im System „Wirtschaft“ gemäß dem Code „Zahlung/keine Zahlung“ (Niklas Luhmann) funktionieren und agieren. Ein Studienangebot muss sich also wirtschaftlich tragen. Dass der eine dabei durchaus soziale Gedanken einfließen lässt und Studenten auch nach Leistung aussucht und der andere (fast)  jeden zulässt, der zahlt, hat mit der jeweiligen Positionierung und dem Stadium im „Produktlebenszyklus“ zu tun (gilt auch für Weiterbildungslehrgänge; das Ende eines Produktlebenszykluses und die Folgen kann man gut im Coachingmarkt beobachten). Zur Positionierung gehört es, dass einige Eliteschmieden  ihr ökonomisches Überleben auch durch ethisches und verantwortliches Denken und in Teilen auch Handeln sichern, andere durch marktorientierte Produktentwicklung. Die richtet sich an Trends aus: A, dem Ruf nach Akademisierung, der bildungspolitisch zwar sukzessive verhallt, in den Köpfen der Eltern und jungen Leute aber nachhaltig wirkt. Und B dem Verlangen nach bestimmten Fächern, in denen eine große Nachfrage seitens der Studierenden besteht.

Für mich gibt es die übergeordnete Unterscheidung „hier zahlt man und dort nicht“. Und überall dort, wo letztendlich Geld gegen (Aus-)Bildung getauscht wird, agieren und regieren wirtschaftliche Interessen. Mal relativ subtil mit einer ethischen Ausrichtung, mal recht offensichtlich kommerziell wie in den beschriebenen Google-Ads. In beiden Fällen aber durchaus fein auf Zielgruppen abgestimmt.

Das macht die staatlichen Angebote per se weder besser noch schlechter als die staatlichen, sondern die Auswahl schwerer – für die die, die Wahl haben. Bei den Jüngeren sehe ich, dass sich in letzter Zeit vor Studienaufnahme immer öfter eine Grundsatzfrage stellt „bezahlt oder nicht“ (nicht nur im meinen Kopf gibt es eine Kategorienbildung).  Das ist sehr oft die übergeordnete Frage. Und erst dann kommt: „Wenn bezahlt, was ist gut?“ Oder: „Bezahlt, wenn es gut ist.“

3.  „Warum behaupten Sie, dass die Auswahlverfahren schlecht/die Qualität nicht gut ist und/oder Leistung nicht zählt?“

Ein Student schrieb mir, dass in seinem Studiengang in manchen Prüfungen 70% durchfallen – quasi der Beweis für Qualität. Ich stelle überhaupt nicht in Frage, dass ein Kaufstudium andere Kriterien als Geld als Aufnahmevoraussetzung formuliert, dass es anspruchsvoll sein kann und mitunter auch sehr viel fordernder als ein staatliches Bildungsangebot. Es gibt in diesem Markt ein riesengroßes von… bis… – und das ist eins der Probleme.

Einige erklärten mir, wie die Auswahlverfahren konstruiert sind und dass der Zugang alles andere als leicht sei. Das ist richtig; es betrifft vor allem jene etablierten Angebote, die schon länger bestehen und eine entsprechende Nachfrage generiert haben. Es geht also darum, die limitierten Plätze zu verteilen. Das Gesetz der Knappheit ist auch ein Marketinggesetz.

Auch wurde geklagt, dass ich erwähne, dass Absolventen von manchen Privatschulen offensichtlich leichter bei großen Unternehmen und Comsultancies unterkommen. Das kann man bei Xing tatsächlich nachweisen; über die Detailsuche und die Kombination von Hochschule und Unternehmensname. Das könnte am Namen, dem mit einem Studium an solchen Hochschulen assoziierten familiären Hintergrund, aber natürlich auch an der Qualität der Abschlüsse liegen. Die Henne-Ei-Frage ist hier kaum zu beantworten.

4.  „Studieren ist doch auch in anderen Ländern nicht kostenlos!“

Stimmt nicht, etwa in Österreich und Niederlande ist es bei Wohnsitz vor Ort kostenlos. Außerdem finde ich nicht, dass die USA (öfter genannt) in Sachen privatisierte Hochschulbildung ein Vorbild sind. Die Situation und Maßnahmen zur Gleichstellung sind auch ganz andere, siehe z.B. Affirmative-Action-Programme.

5.    „Was würden Sie denn tun, wenn ein privates Studium nun mal besser ist?“

Ich würde mich auch einschreiben, wenn das Angebot besser auf mich passt als ein staatliches. Noch mal: Das private Studium ist nicht das Thema, sondern die ungleichen Zugänge, die Ausrichtung des staatlichen Systems an Noten und die Tatsache eingeschränkter Bildungskredite. Weiterhin bleibt für mich die Frage: Wozu studieren wir? Um für einen Job gewappnet zu sein? Oder für uns selbst und unser persönliches oder berufliches Ziel? Geht es darum, Menschen auf den Arbeitsmarkt oder einen bestimmten Bedarf vorzubereiten? Oder ihre Persönlichkeit zu entwickeln, damit sie ein Arbeitsleben selbst gestalten können? Kurzum: Geht es um Ökonomie oder Bildung?

Je nachdem, wie man das beantwortet, kommt man zu unterschiedlichen Studienangeboten, Systemen und Auswahlverfahren. Und zu einer unterschiedlichen Interpretation der Kategorienbildung privat/staatlich.

 

About Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden, ein halbes Leben Coaching, Beratung, Ausbildung. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

Über Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden, ein halbes Leben Coaching, Beratung, Ausbildung. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

4 Kommentare zu “Kaufstudium: Gut oder schlecht? (Replik auf Kolumne bei Spiegel Online)

    • Sehr geehrte Frau Sonja Hofert

      In ihrem Artikel „Gekauftes Studium, geschenkte Karriere“ nehmen Sie Bezug auf verschiedene private Studiengänge, unter anderem die Möglichkeit in Ungarn Medizin zu studieren.
      Als ein ehemaliger Student der Semmelweis Universität Budapest fühle ich mich von ihrem Artikel persönlich beleidigt und diffamiert. So einfach und primitiv wie Sie auf die Welt der privaten Studiengänge sehen ist sie nicht.
      Es ist mir äußerst schleierhaft, wie eine Person, welche tätig ist im Bereich der Karriereberatung nicht den Ansatz einer Ahnung vom Medizinstudium im Ausland, speziell Ungarn hat.
      Ihr Artikel ist nicht, wie sie es sagen eine subjektive Meinung, sondern ein Verdrehen der Fakten!

      Die Zeiten sind leider vorbei, in denen „mittelmäßige Abiturienten in Ungarn studieren“.
      Mittlerweile bewerben sich Tausende in Budapest, sodass dort auch kein mittelmäßiges Abitur mehr ausreicht. Noten sind also an meiner Universität eine Hürde für das Studium der Medizin, trotz eines dicken Geldbeutels.

      „Papa zahlt“ nebenbei auch, wenn man nicht auf einer privaten Universität studiert, sondern in Deutschland einen staatlichen Studiengang einschlägt. Oder stehen alle anderen Studierenden der Medizin auf eigenen Füßen, sobald sie sich an einer staatlichen Universität einschreiben?

      Sie sagen, dass das Studium so weit optimiert wäre, dass möglichst wenige Kandidaten in Prüfungen durchfallen würden und das man dieses System „kleine Klassen“ und „angenehme Studierbarkeit“ mit „hohen Abschlussquoten“ nennen würde.
      In Ungarn waren in meinem Semester von anfänglich 250 Studenten nur noch ca. 50%, die ihr Physikum in Regelstudienzeit nach 4 Semestern absolviert haben.
      Dies ist natürlich kein Zeichen für Qualität, jedoch widerspricht dies deutlich ihrer Aussage vom „optimierten Studium“ mit „hohen Abschlussquoten“
      Für eine Qualität des Studiums sprechen jedoch „kleine Klassen“. Dies ist nämlich der Vorteil einer privaten Universität, welches Sie hier völlig ausser acht lassen.

      Und die Kombination aus kleinen Klassen und hohen Durchfallquoten spricht doch gerade dafür, dass es nicht ausreicht die Universität zu besuchen. Das ist nämlich ein sehr sehr wichtiger Fakt. Ohne Geld gibt es kein Studium, aber Sie stellen es so da, als sei ein bezahltes Studium auch ein bestandenes Studium, als sei ein gekauftes Studium auch ein bestandener Abschluss. Und das ist ganz einfach grundlegend falsch und ein himmelhoher Unterschied.
      Ich will mich nicht auf ihr journalistisches Niveau herablassen, aber trotzdem stelle ich mir natürlich die Frage, ob es Ihnen auf Grund des Ablaufes IHRES Studiums an Vorstellungskraft mangelt, wie so ein Medizinstudium abläuft.
      Der Satz „hier schaffen es auch Leute, die sich schlecht selbst motivieren können“ lässt mich dies nämlich vermuten. Das ist keine „Meinung“ sondern eine persönliche Beleidigung an all die, die Tag ein Tag aus die ersten zwei Jahre ihres Studiums in der Bibliothek verbringen. Es reicht nicht aus in „kleinen Gruppen“ „motiviert“ zu werden, sondern erfordert ein sehr hohes Maß an Eigenstudium und Eigenmotivation! Der Zusammenhang zwischen bezahltem Studium und Eigenmotivation ist mir noch nicht so klar geworden, aber vielleicht können sie mir ja mit ihrer scheinbaren Allwissenheit über private Studiengänge weiter helfen.

      Nur weil sie es sich nicht vorstellen können, dass eine Universität in einem Land östlich von Deutschland eine qualitativ sehr hochwertige Lehre mit schwierigen mündlichen Prüfungen trotz Kosten von 7000 Euro pro Semester anbietet, rechtfertigt dies nicht, dass Sie sich an Vorurteilen bedienen und diese mal eben mit in ihren Text hineinwerfen, um Zeilen zu füllen. Journalistisch wertvoll, oder informativ ist ihr Text nicht, sondern einfach nur unverschämt und beledigend.

      Mit freundlichen Grüßen Raphael Diener

      • Hallo Herr Diener, vielen Dank für Ihren offenen und persönlichen Kommentar. Es ist absolut nicht meine Absicht, jemanden persönlich zu beleidigen oder gar das Studium der Medizin oder ein anderes abzuwerten. Es geht um gleichverteilte Chancen, die ich nicht sehe. Ich kenne aus meiner Praxis Fälle, in denen speziell ein Medizinstudium NICHT möglich war, weil der NC nicht stimmte und das Geld fehlte. Diese Menschen haben dann aus der Not etwas anderes studiert und sehen mitunter einen Lebenstraum geplatzt. Manche hatten also nicht die Chance, die Sie hatten. Dadurch, dass es für einige Ausweichmöglichkeiten gibt und für andere nicht, entsteht eine Schieflage. Das war der erste Punkt. Ein weiterer entsteht dadurch, dass die Unterschiede zwischen den Angeboten immer größer werden. Ihr Studium ist extrem anspruchsvoll, das steht außer jeder Frage. Aber das war nicht Thema des Artikels. Es ging mir um die Ökonomisierung der akademischen Bildung. Würde es nur die WHU, Bucerius und das Ungarn-Studium geben, hätte ich diese Kolumne nicht in dieser Form geschrieben. Es docken sich aber immer neue Angebote in diese Kategorie Kaufstudium. Da entsteht ein neuer Markt, der nach ökonomischen Regeln funktioniert und eine Nachfrage bedient, die eben nicht mehr vom Arbeitsmarkt und auch nicht vom Bildungsinteresse im Humboldt-Sinn bestimmt wird. Das ist der wirklich wichtige Aspekt, die Frage, ob wir die Ökonomisierung so weiter voranschreiten lassen und wozu das am Ende führt. Da kann man eine marktliberale Sicht haben, oder eben nicht. Darüber lässt sich diskutieren – und ich fände es gut, wenn sich mal ein Kommentar auf dieser Ebene bewegen würde. Ihr Vorwurf, ich könnte mir die Schwierigkeit des Studiums nicht vorstellen, ist allerdings falsch. Ich kann mir absolut vorstellen, wie schwierig das Studium ist, da ich in der Verwandt- und Bekanntschaft mehrere Ungarn-Studierende und auch ziemlich viele Mediziner habe. Das war aber nicht der Blickwinkel unter dem ich diese Kolumne geschrieben habe. herzliche Grüße Svenja Hofert

  1. Sehr geehrte Frau Hofert,

    ich habe Ihren Artikel aufmerksam gelesen und kann Ihnen da nur zustimmen: Überspitzt gesagt, sehe ich das ähnlich. Das Angebot an Studiengängen ist in den letzten Jahren unübersichtlich geworden. Es sind Studiengänge aus dem Boden gestampft worden, die eigentlich nur Teilaspekte von klassischen Studiengängen (z.b: Wirtschaft) in der gleichen Studienzeit abhandeln und die nur zahlungskräftigen Studienwilligen zugänglich sind, die ggf. über den normalen Weg nicht zum einem Studienabschluß gekommen wären und sich über diesen Weg einen akademischen Weg bahnen können. Ich selbst habe mir in den vergangenen Jahren öfters solche Studienangebote angesehen, da ich selbst nochmals studieren wollte. Doch beim Durchlesen der Studienangebote im Vergleich zu den hohen Kosten in den Tausendern habe ich festgestellt, dass ich mit einem autodidaktischen Studium mehr und gezielter erreichen kann. Mir ging es da also weniger um einen zusätzlichen akademischen Abschluss, sondern um den Wissenzugewinn gegenüber den hohen Studienkosten. Im meinem Arbeitsleben fragt eigentlich keiner so genau nach, nur Personalchefs ggf., ob man 2- oder 1-fach studiert hat. Es zählt eher die Arbeitsweise, das Fachwissen und ob ein Projekt relativ reibungslos abgewickelt wird. Ich selbst habe nach reiflicher Überlegung entschieden, bestimmte Wissenlücken im Eigenstudium oder durch Seminare, Berufspraxis zu schließen. Sicherlich gibt es Branchen, wo die akademische Karriere bzw. mehrere Titel über das Fortkommen entscheiden, jedoch nicht bei mir unbedingt. Deshalb stehen teure Weiterbildungsangebote in keinem Verhältnis zum Nutzen bei mir. Ihren Beitrag muß man deshalb differnziert sehen, so habe ich Sie wohl verstanden. Jednfalls würde ich auch schon von einem wirtschaftlich orientierten Bildungsmarkt sprechen. Bestimmte Bildungseinrichtungen haben das wirtschaftliche Potential der bildung erkannt. Es bleibt also jedem heute überlassen, die richtige Wahl für seine Bildung und die Qualität der Bildung zu treffen. Mit freundlichen Grüßen Carola M.

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