Kolumnen zu Karriere, Führung und Entwicklung

Was macht eigentlich unzufrieden im Job? Die Top-5-Faktoren

By | 2014-08-27T16:32:28+00:00 27. August 2014|

Sind Sie zufrieden mit Ihrem Job? Auf einer Skala von 0 bis 10, bei der 0 für „unterirdisch“ und 10 für „himmlisch“ steht – wo stehen Sie da? Aus meiner Praxis habe ich einmal eine subjektive Liste von Unzufriedenheitsfaktoren erstellt.

  1. Die Arbeit hat keinen Sinn

arbeiterDie Ursachen können vielfältig sein, da Sinn für jeden etwas anderes bedeutet. Unumstritten ist aber seit Jahrzehnten, dass Arbeitsteiligkeit sinnentfremdend ist. Wenn Sie keine „vollständigen“ Aufgaben haben und das Ergebnis Ihrer Arbeit nicht sehen und erleben sowie diese nicht steuern können, sinkt die Zufriedenheit. Das widerspricht der im Produktionsumfeld aber auch im Dienstleistungsbereich zunehmenden Arbeitsteilung und dem Trend zu Prozessoptimierung. Was tun? Gibt es keine Möglichkeit zum Job-Enrichment, also einer horizontalen Auffächerung der Verantwortung, dann hilft nur: Arbeitsstelle wechseln.

Meine Stärken sind nicht gefragt

Viele fühlen sich unter- oder am falschen Ende gefordert. Manchmal geht im Trubel der Anforderungen der Blick auf eigene Stärken auch ganz verloren, eine Potenzialanalyse findet kaum statt. Oft passiert es auch, dass die Arbeit langweilig geworden ist, weil alles schon bekannt ist. Was tun? Neue Impulse gibt manchmal auch die Veränderung innerhalb eines Unternehmens. Ein Ehrenamt oder Projekte wie ein eigener Blog können ebenso frischen Wind bringen.

Alphatiere verstellen meinen Weg

Je größer die Firma, desto mehr blockieren alt eingesessene Alphatiere den Weg. Ihnen geht es nicht um die Weiterentwicklung der Firma, sondern um Besitzstandwahrung. Es soll zur Führungskompetenz gehören, sich gegen diese Leute durchzusetzen – nur, muss man auch darin einen Sinn erkennen. Das tun viele nicht. Die Menschen, die unter irrealen Grenzen und Entscheidungen in Konzernen leiden, sind oft Intrapreneure, die ein höheres Leistungs- und geringeres Machtmotiv haben. Hier kann der Wechsel in ein Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern oder aber eine Gründung „den Weg freimachen“.

Ich werde zu schlecht bezahlt

Die Gehaltsschere ist weit geöffnet, innerhalb von Jobs, Branchen und Unternehmen. Wer mitbekommt, dass andere besser verdienen wird schnell frustriert. Erst recht gilt das, wenn das Gefälle im eigenen Unternehmen spürbar ist. Ich stelle fest, dass je nach Umfeld oft auch zu viel erwartet wird. Weil XY 80.000 verdient, will man das auch – gerade bei jüngeren Leuten führt diese Haltung oft in besser bezahlte Positionen der Konzerne. Nur passen die dortige Tätigkeit und die begrenzten Aufstiegsmöglichkeiten oft nicht zu ihrem Anspruch. Arbeitspsychologisch ist Geld ein Hygienefaktor: Zu wenig macht unzufrieden – gute Bezahlung allein aber nicht zufrieden. Das heißt: Wer nur nach dem Gehalt schaut, tut sich keinen Gefallen.

Ich bin ein Zweite-Klasse-Arbeitnehmer

Die Firma kann noch so toll sein: Wenn jemand „nur“ einen Zeitvertrag hat oder in der Arbeitnehmerüberlassung steht, wirkt das negativ auf die Psyche. Das hat damit zu tun, dass man sich vergleicht und dabei mit Blick auf die Bezugsgruppe schlechter da steht – das ist ähnlich wie beim (schlechteren) Gehalt. Hinzu kommt der Eindruck, nicht die gleichen Chancen zu haben. Was tun? Besteht keine Chance zur Übernahme und der Frust ist groß, hilft meist nur die Suche nach etwas Neuem, denn wer sich ständig mit Bessergestellten vergleicht, büßt an Selbstwertgefühl ein.

Welches Arbeitsumfeld für Sie persönlich passt, können Sie in meinem neuen Portal Worklifestyle ermitteln. Eine kurze Basisauswertung ist for free. Leser von „Karriere mit System“ (ab 11.9. im Handel) erhalten mit dem Kauf des Buchs einen Code für die kostenlose Langfassung.

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides? Biografie | Unternehmen

2 Kommentare

  1. Bertram 29. August 2014 at 12:22 - Antwort

    Der erste Punkt „die Sinnhaftigkeit“ spricht mich direkt am meisten an. Ein Zugehörigkeitsgefühl zum Unternehmen schweißt zusammen: Das schätzt man vor allem im Silicon Valley. Ist dies nicht ansatzweise gegeben, dann wird die Arbeit für Angestellte schnell bedeutungslos. Schließlich hat man eigene Ziele die, ohne Identifikation mit dem Job, schnell zur Sehnsucht werden.

  2. Jacqueline 1. September 2014 at 10:25 - Antwort

    Ein guter Artikel, der viele Wahrheiten enthält. Mir fehlt jedoch ein wesentlicher Aspekt: die mangelnde bzw. nicht vorhandene und oft nicht geförderte Führungskompetenz von Führungskräften. Es ist bekannt, dass dies Faktor Nr. 1 für die innere Kündigung ist.

    Wenn der Chef/die Chefin die Leistung nicht anerkennt und lobt; mich bei neuer Aufgabenverteilung immer wieder übergeht unter fadenscheinigen Gründen; sich für meine guten Leistung lobt und mich für seine Fehler verantwortlich macht; irrational und nicht nachvollziehbar agiert; die Arbeits- wie Personalentscheidungen nicht (ausreichend) begründet; …

    Oft will man gerne in der Firma und den Kollegen bleiben, aber so eine Chef/Chefin treibt einen zur Verzweiflung. Wie weit verbreitet dieses Phänomen ist, sehe ich an den Erzählungen meiner TN.

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