6 Karriere-Einbahnstraßen und Wege heraus

Es ging doch lange so gut! Ich musste mich nie bewerben. Es ging immer nur rauf. Und dann geht plötzlich gar nichts mehr! Das kann doch nicht sein! Ich kann nicht zählen, wie oft ich diese Sätze gehört habe. Von Menschen, die auf der Stelle treten, sei es im Unternehmen oder bei der Bewerbung. Was sind typische Einbahnstraßen und wie kommt man wieder raus? Hier eine kleine Orientierungshilfe.

1. Karriere-Einbahnstraße Alpha-Revier

Es gibt Persönlichkeiten, die setzen sich über Jahre mit guter Leistung durch. Das sind oft die, die schon in der Schule gute Noten hatten. Sie werden immer wieder befördert, weil es gute Arbeiter sind. Sie besitzen eine hohe Leistungsorientierung, das könnte man auch mit Fleiß übersetzen. Im Rangdynamik-Modell nach Schindler sind es eher die „Betas“. Sie halten dem Alpha den Rücken frei. Aber ihnen fehlen Ellenbogen; die haben nur Alphas, die sich eben nicht nur über Leistung, sondern auch über Durchsetzung definieren. Deshalb kommen diese Menschen ab einer bestimmten Stelle nicht mehr weiter. Oft ist es die zweite oder dritte Ebene in Konzernen.

Was tun? Selbstständigkeit ist eine gute Alternative bei einem Karrierehindernis dieser Art. Leistungsorientierte, weniger machtbewusste Menschen sind oft gute Unternehmer. Leistung und Erfolg neu zu definieren – auch das eine wichtige Maßnahme. Manch „Beta“ kann in einem anderen – kleineren – Kontext doch Alpha werden. Vielleicht geht es doch auch anders…  Lesen Sie dazu meinen Beitrag über den Fischteicheffekt. Und: Es muss nicht lebenslang der 100.000-Euro+-Job sein.

2. Karriere-Einbahnstraße Stillstand

Führungspositionen sind rar. Durch den Abbau von Hierarchien gibt es immer weniger davon. Gleichzeitig wächst die Zahl der Akademiker, die sich entwickeln wollen. Das ist ein Konflikt, zumal in Fachpositionen der Seniortitel in wenigen Jahren erworben ist. Und dann? Die nächsten dreißig Jahre weiter so? Dann tritt nicht selten Langeweile ein.

Was tun? Öfter mal was Neues. Nach 10 Jahren ist es Zeit mal ganz neu zu schauen, alte Überzeugungen zu überdenken und neue Erfahrungen zu sammeln. Manchmal ist es jetzt auch ie Gelegenheit, runterzufahren und die Lebensprioritäten neu zu definieren. Machen Sie mal etwas nur für sich selbst, aus reinem Interesse, ohne an den beruflichen Nutzen zu denken. Das ist oft die beste Maßnahme und leitet garantiert in etwas Neues – nur wissen Sie nicht in was. Ohne Offenheit für einen unsicheren Ausgang keine neuen Erfahrungen. Ganz einfache Regel.

3. Karriere-Einbahnstraße Qualifikation

Durchsetzungsstarke Alpha-Menschen kommen gerade am Anfang des Karrierelebens weiter, ähnlich wie die Leistungsorientierten, nur auf einer anderen Ebene. Sie sind meist extravertierter und haben ein gutes Auftreten. Doch sie vergessen dabei ihre Ausbildung, Weiterbildung und sinnvolle Karrierewege. Nach wie vor ist es zum Beispiel so, dass ein Marketingleiter ohne Vertriebserfahrung schwer in die höchste Ebene gelangen wird. Außerdem klappen Bewerbungen gerade im Marketing mit zunehmenden Alter immer schlechter (anders als im Vertrieb). Mehr und mehr offenbart sich auch, dass ohne Studienabschluss viele Positionen unter Verschluss bleiben.

Was tun? Regelmäßiger Lebenslaufcheck. Den inneren Schweinehund überwinden. Sich selbst auch mal in Frage stellen, was diese früher so erfolgreichen Menschen oft erst tun, wenn es nicht mehr anders geht. So wie die Leistungsorientierten zu viel auf Qualifikation gesetzt haben, haben Sie vielleicht zu wenig darauf geachtet.

4. Karriere-Einbahnstraße Selbstüberschätzung

Manche Menschen haben ein schiefes Selbstbild. Ich sehe das immer wieder bei Leserbriefen, die auf meine Spiegel-Online-Kolumne hereinkommen. Diese Menschen kommen nicht in die Beratung. Aber sie schreiben lange E-Mails, warum sie so toll sind und die Arbeitgeber einfach zu blöd seien, das zu erkennen. Sie formulieren dann Dinge wie „warum soll ich mich ändern, die Arbeitgeber sollen es und mich nehmen wie ich bin.“ Das ist grundsätzlich richtig, nur zeigt sich an anderen Stellen, dass jegliche Anpassungsbereitschaft fehlt. Ohne Anpassung ist menschliches Miteinander aber nicht möglich. Man wird inkompatibel mit seinem Ich-will-so-bleiben-wie-ich-bin.

Was tun? Diese Menschen sind beratungsresistent. Sie sind im Grunde oft unsicher, kompensieren das aber durch ein übertrieben sicheres Auftreten. Es muss in ihrem Leben etwas passieren, was ein Umdenken anregt, zum Beispiel eine lange erfolglose Jobsuche.

5. Karriere-Einbahnstraße Ortsgebundenheit

Mit steigender Spezialisierung steigt auch die Gebundenheit an Regionen. Es gibt Autostädte, Medienstädte oder auch Verwaltungshochburgen. Ein Ortswechsel hat meist mit privaten Themen zu tun, etwa einer Familiengründung. Und wenn die Frau oder Freundin oder auch der Mann nicht mit umziehen will, hat das oft Karriere-Konsequenzen. Wenige Firmen schätzen Pendler. Die meisten erwarten immer noch, dass jemand mit Sack und Pack umzieht.

Was tun? Manchmal ist es besser, nicht mit total offenen Karten zu spielen. Ich kenne Leute, die jahrelang pendelten, hätten sie das aber von vornherein gesagt, hätten sie den Job nicht bekommen. Einige Jobs lassen sich zudem zum Großteil virtuell ausüben und bei anderen ist man eh immer am Flughafen, so dass der Heimatort auch keine große Rolle mehr spielt. Passt alles nicht, hilft nur die Neuorientierung – in einen Job, der am Wunschort gefragt ist.

6. Karriere-Einbahnstraße Branchensterben

Viele Branchen sind im Umbruch. Sie schrumpfen oder verändern sich radikal. Alte Erfolgsrezepte gelten dann nicht mehr, die Stellen werden rarer. Manche Branchen verlassen Deutschland, etwa die Textilindustrie. Was bleibt, ist ein Überschuss an Mitarbeitern. Vielfach ist Branchenwechsel nicht einfach möglich. Einen Textildesigner braucht ein Maschinenbauunternehmen nicht. Und einen Luftfahrtingenieur kann die Bauindustrie auch nur schwer „verwerten“.

Was tun? Immer bewusst reflektieren, wie sich die eigene Branche verändert. Was boomt? Wie passt das, was sie bisher gemacht haben, zu diesem Boom? Gerade boomt Big Data, im Handel ist Category Management ein Thema. Schauen Sie, was in anderen Branchen gebraucht wird, und bauen Sie Know-how auf. Rechnen Sie aber damit, dass das dauert.

 

About Svenja Hofert

Mit meinem Unternehmen Karriere & Entwicklung biete ich privates oder unternehmensfinanziertes Karrierecoaching mit Schwerpunkt Karriereplanung sowie Persönlichkeits- und Stärkenentwicklung vor dem Hintergrund einer sich ändernden Arbeitswelt. Dazu kombiniere ich umfangreiche Beratungserfahrung (>16 Jahre), Führungspraxis (>21 Jahre) sowie diagnostisches Knowhow mit sehr gutem strategischen Gespür und hoher Zukunftsorientierung. Mit meiner Karriereexpertenakademie bilde ich Personalentwickler und Business Coachs in Karrierecoaching aus. Als Mitgründerin und Geschäftsführerin von Teamworks GTQ Gesellschaft für Teamentwicklung und Qualifizierung mbH treibe ich die Themen agileres Führen und agile Teamentwicklung strategisch und inhaltlich mit einem engagierten Team und meinem Geschäftspartner Thorsten Visbal voran. Unsere Haltung ist geprägt von Offenheit, Freude im Umgang mit Unterschiedlichkeit in jeder Hinsicht - auch im Denken -, einem Blick für sinnvolle, interdisziplinäre Aspekte und pragmatische Lösungsorientierung. Wir sind keinem Ansatz, keiner Theorie und keiner Methode verpflichtet, sondern nutzen ein Bestof mit vielen eigenen Ansätzen und eigenen Entwicklungen.

Über Svenja Hofert

Mit meinem Unternehmen Karriere & Entwicklung biete ich privates oder unternehmensfinanziertes Karrierecoaching mit Schwerpunkt Karriereplanung sowie Persönlichkeits- und Stärkenentwicklung vor dem Hintergrund einer sich ändernden Arbeitswelt. Dazu kombiniere ich umfangreiche Beratungserfahrung (>16 Jahre), Führungspraxis (>21 Jahre) sowie diagnostisches Knowhow mit sehr gutem strategischen Gespür und hoher Zukunftsorientierung. Mit meiner Karriereexpertenakademie bilde ich Personalentwickler und Business Coachs in Karrierecoaching aus. Als Mitgründerin und Geschäftsführerin von Teamworks GTQ Gesellschaft für Teamentwicklung und Qualifizierung mbH treibe ich die Themen agileres Führen und agile Teamentwicklung strategisch und inhaltlich mit einem engagierten Team und meinem Geschäftspartner Thorsten Visbal voran. Unsere Haltung ist geprägt von Offenheit, Freude im Umgang mit Unterschiedlichkeit in jeder Hinsicht - auch im Denken -, einem Blick für sinnvolle, interdisziplinäre Aspekte und pragmatische Lösungsorientierung. Wir sind keinem Ansatz, keiner Theorie und keiner Methode verpflichtet, sondern nutzen ein Bestof mit vielen eigenen Ansätzen und eigenen Entwicklungen.

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