3 Arten von Charisma – und wie Sie mehr davon entwickeln

Geht es Ihnen auch so? Manche Leute, die andere „charismatisch“ finden, sind für Sie einfach nur öde und langweilig. Vielleicht empfinden Sie sie als Phrasendrescher oder Dumpfbacken, möglicherweise als einfach nichtssagend. Charisma wird oft als eine Eigenschaft verstanden, die alle gleich wahrnehmen. Doch Menschen reagieren auf einige Dinge gleich, auf viele aber unterschiedlich. Diese Reaktion hat mit der eigenen Persönlichkeit, der Motivationsstruktur und auch der Ich-Entwicklungsstufe zu tun. Führungskräfte und öffentlichkeitsaktive Personen, die das berücksichtigen, können gezielter an sich arbeiten.

1. Dominanz-Charisma

Führung hat die Funktion, Angst zu binden. Charisma unterstützt Führung. Jemand mit hoher Dominanzausstrahlung reduziert also durch seine Wirkung Ängste. Dominanz zeigt sich etwa an Steuerung und Einflussnahme bei maximalem Selbstbewusstsein und Zuversicht. Der Dominante schreitet voran und entscheidet ohne Zaudern. Ist das gekoppelt mit entsprechenden äußerlichen Merkmalen, etwa Größe und gutem Aussehen sowie einer verbalen Eloquenz ist das Dominanz-Charisma groß. Man könnte es auch „natürliche Autorität“ nennen. Diese verbale Eloquenz wird historisch unterschiedlich bewertet, denken Sie nur an Adolf Hitler und Barack Obama, die beide Dominanz-Charisma hatten – nur auf ganz andere Art und Weise. Ein Erdogan wird von Westeuropäern nicht als charismatisch empfunden werden, sondern eher als lächerlicheres Würstchen, siehe  das aktuelle Titanic-Cover – woanders aber sieht man seine charismatische Einflusskraft viel positiver. Die Art der Dominanz kann also stark variieren, sie hat mit der Art der Ängste zu tun.

Ihre Persönlichkeit, wenn Sie Dominanz-Charismatiker mögen: Wenn Sie auf Dominanz-Charisma ansprechen, sind Sie höchstwahrscheinlich jemand, der sich freut, dass jemand anderes mit gutem Vorbild vorangeht. Dann müssen Sie es nicht tun. Das entlastet, sie nehmen es gerne an.

2. Visions-Charisma

Visions-Charismatiker können mit ihren Ideen begeistern. Sie haben klare Vorstellungen von der Zukunft und vermögen diese sehr überzeugend darlegen. Sie wecken Vertrauen in die Zukunft und können diese sehr rosig ausmalen. Auch sie sind Angst-bindend unterwegs: Sie binden die Angst vor der Zukunft und tauschen diese gegen ein Versprechen. Dieses ist weitergehend als das des Dominanz-Charismatikers – es bindet einen selbst mit ein. Man wird Teil von etwas, Mitgestalter. Man überlässt nicht mehr einfach nur jemand anderem die Lösung. Ob „du kannst es schaffen“ oder „wir schaffen das“ – wer Visions-Charismatikern folgt, möchte das unbedingt glauben. Auch hier gibt es kulturelle und historische Einflüsse. Ich würde etwa behaupten, dass Putin nicht nur Dominanz, sondern ein Stückweit auch Vision – ob wir diese mögen oder nicht – verkörpern kann. Das ist auf den ersten Blick etwas ganz anderes als die Vision eines Steve Jobs. Und strukturell dann doch ähnlich: Der Blick in die Zukunft, der die Angst vor dieser bindet (starker Partiotismus oder überlegene Technologie, strukturell ist beides verwandt).

Ihre Persönlichkeit, wenn Sie Visions-Charismatiker mögen: Sie haben selbst keine so klaren Vorstellungen, sind weniger selbstsicher und deshalb dankbar, wenn ihnen jemand Sicherheit und Vertrauen in die Zukunft gibt.

3. Kompetenz-Charisma

Kompetenz-Charisma zeigen Menschen, die ein tiefgehendes Wissen haben, das sie aber so aufbereiten können, dass sie andere mit ihren Botschaften begeistern können. Sie rattern nicht einfach Wissen runter, sondern stellen Verknüpfungen her, die die Dinge in einen größeren Kontext setzen. Damit schaffen sie auch eine Wirklichkeit, die letztendlich Ängste bindet. Ja, wenn wir auf A oder B setzen, dann lösen wir dieses Problem! Ein Kompetenz-Charismatiker ist für mich z.B. Gunter Dueck.

Ihre Persönlichkeit, wenn Sie Kompetenz-Charismatiker mögen: Die Begriffe „Erfolg“ und „du kannst es auch“ finden bei Ihnen keinen Widerhall. Sie bevorzugen Menschen, die eher intellektuell an Themen rangehen und neben spürbar tiefem Wissen auch einen großen Denkradius zeigen. Ihnen fällt es sofort auf, wenn Speaker veraltetes Wissen reproduzieren. Wenn Sie Kompetenz-Charisma mögen, sind Sie wahrscheinlich ein unabhängigkeitsliebender Mensch mit ausgeprägtem Wissensmotiv. Sie sind zudem grundlegend misstrauisch und sprechen auf Dominanz- und Visions-Charisma höchstwahrscheinlich weniger an.

Mehr Charisma

Eine entscheidende Rolle bei der Wahrnehmung des Charismas spielen die Grundformen der Angst nach Fritz Riemann. Danach besteht eine Autonomie- und Beziehungsorientierung und eine Stimulanz- und Balanceorientierung. Autonomieorientierte wollen Individualität, Abgrenzung und Konkurrenz. Beziehungsorientierte bevorzugen dagegen ein Aufgehen in der Gemeinschaft. Beziehungsorientierte werden also eher die Betonung von Gemeinschaft als charismatisch empfinden, Autonomieorientierte eher die Individualität. Balanceorientierte Personen lieben klare und Regeln-vermittelnde Führungskräfte, Stimulanz-orientierte bevorzugensolche, die Abwechslung und Herausforderung bieten.

Je mehr unterschiedliche Typen Sie also erreichen können, desto eher werden Sie von vielen als charismatisch wahrgenommen werden. Menschen auf einer höheren Ich-Entwicklungsstufe fällt das deutlich leichter, da sie einen weiteren Blick haben und die jeweils anderen Tendenzen nicht mehr abwerten, sondern integriert haben. Wer zu viele Menschen ansprechen möchte, läuft hingegen auch Gefahr, für nichts mehr zu stehen und beliebig zu sein. Die Kunst ist es also, am Ende eine Tendenz zu haben (z.B. bei der Kompetenzorientierung) den eigenen Radius aber trotzdem ausweiten zu können.

About Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

Über Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides?

2 Kommentare zu “3 Arten von Charisma – und wie Sie mehr davon entwickeln

  1. Hallo Frau Hofert,

    ich lese seit einiger Zeit „mit“, weil ich viele Beiträge als interessant erachte. Nun fühle ich mich jedoch das erste Mal angesprochen.

    Ich glaube, dass ich als sehr selbstsicher wirkende Führungskraft mit 1,95m Größe, knapp 100kg auf der Waage (einigermaßen sportlich verteilt) und 12 Jahren Bundeswehrerfahrung so einigermaßen als Modelltyp für dias beschriebene Dominanzcharisma durchgehe. Zumal ich in der Tat gerne Einfluss nehme, durchaus bereit bin Entscheidungen zu treffen und nur schwerlich ansehen kann, wenn etwas in eine falsche bzw. mir nicht genehme Richtung läuft.

    Das hat auch über 2 Jahre gut funktioniert. Ich habe schnell Anerkennung gewonnen, bin als „Externer“ gut in der neuen Firma angekommen.

    Nun beschleicht mich jedoch das Gefühl, dass meine dominant forsche Art eher zu einer Belastung wird. Insbesondere sensible, aber auch fachlich weniger „wehrhafte“ Mitarbeiter verschrecke ich. Lasse Ihnen ungewollt, teilweise unbewußt (vor allem in den weniger ruhigen Momenten) zu wenig Raum.

    Ich brauche einen Gegenspieler. Jemanden der den Willen und die Fähigkeit hat, mir Paroli zu bieten und gemeinsam eine bessere Lösung zu entwickeln. Jemand, der auch mich das ein oder andere Mal beeindruckt. Viele dieser Menschen habe ich jedoch noch nicht gefunden.

    Alles in allem habe ich das Gefühl, der Weiterentwicklung des Teams im Weg zu stehen. Doch die Strategie des „sich zurücknehmen“ fällt mir wahrlich nicht leicht. Sie überzeugt mich nicht.

    Ich versuche es sportlich zu nehmen. Frage aktiv nach Feedback, versuche mich selbst zu beobachten und ab und an zu bremsen.

    Was aber nach außen hin sehr souverän wirkt, hat eben auch seine Schattenseiten…

    Mit besten Grüßen aus Franken,
    Sebastian

    • Hallo S, dass Sie darüber so reflektieren, spricht für Sie. Ja, manchmal ist jemand anderes vielleicht wirklich besser für ein Team, manchmal geht es darum, sich mehr auf andere einzustellen. herzliche Grüße Svenja

Schreiben Sie einen Kommentar!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*

Artikel zu ähnlichen Themen: